Etwa 24 Stunden ist es her, dass Sony verkündet hat, ab 2028 die Disc-Produktion einzustellen. Und zwar nicht nur für die eigenen Spiele. Alle PlayStation-Discs werden von Sony produziert. Die Reaktionen in der Branche und bei Fans sind einseitig.
Denn: „The video game industry is not ready to lose boxed games“. Das titelte Branchenkenner Christopher Dring vor ziemlich genau einem Jahr in seinem Newsletter von The Game Business und das gilt auch heute noch.
Einige interessante Zahlen hatte der Autor erst vor wenigen Tagen in einer Kolumne geliefert, deren Titel freilich schlecht gealtert ist. Aber selbst Experten haben diesen harten Schnitt von Sony so früh nicht kommen sehen. „Ich gebe zu: Selbst ich, der ständig davon spricht, dass der digitale Bereich jedes Jahr mehr und mehr Marktanteile gewinnt, bin überrascht, dass dies so schnell geschieht“, kommentiert Analyst Daniel Ahmad von Niko Partners.
Einige Eckpunkte: Während Capcom (nach exzessiven Steam-Fokus in den letzten Jahren) inzwischen 92 Prozent aller Spiele und Inhalte (darunter auch Digital-Only-Spiele und -Inhalte, die das Verhältnis verzerrt darstellen) digital verkauft, sind es bei Nintendo weiterhin nur rund 50 Prozent. 1,5 Milliarden US-Dollar wurden 2025 in den USA für physische Spiele ausgegeben. Und Sony selbst verkaufte weltweit noch 70 Millionen Spiele auf Disc, allein im deutschsprachigen Raum PlayStation-Games für über 40 Millionen Euro. Hierzulande ist weiterhin jedes zweite gekaufte Konsolenspiel physisch.
Ein ganz konkretes und über mehrere Plattformen veröffentlichtes Beispiel hat Christopher Dring in seinem heutigen Newsletter: „007: First Light verkaufte sich in den ersten drei Wochen in Europa etwas mehr als eine Million Mal, wobei fast 230.000 dieser Exemplare als physische Box-Version verkauft wurden. 78 Prozent der Verkäufe des Spiels erfolgten über digitale Shops, doch diese 22 Prozent entsprechen immer noch einer großen Anzahl von Spielern.“
Sony schiebt Verbrauchern den schwarzen Peter zu
Tenor: Der Markt wird kleiner, aber er existiert. Und das will man sich doch nicht entgehen lassen? Will man doch – so die Entscheidung von Sony. Und daran sind die Verbraucher allein Schuld. Ganz miese Nummer beim Wording: Es seien ja die „Vorlieben der Verbraucher“ und überhaupt der „gesamten Unterhaltungsindustrie“, die sich „weiterhin deutlich von physischen Discs zu digitalen Medien verlagern“. Da passt man sich nur „aktuellen Trends“ an. Selbst Schuld, Leute.
Dass Sony so tut, als hätte man gar keine andere Wahl gehabt, ist salopp gesagt frech. Es ist nicht so, dass physische Spiele nicht rentabel sind. Ihre Gewinnmargen sind halt nur noch groß genug – da geht mehr. Oder, wie Rhys Elliott, Head of Market Analysis bei Alinea Analytics, es bei Kotaku sagt: „Bei diesem Schritt geht es für PlayStation ausschließlich um Rentabilität und Kontrolle – auf Kosten der Wahlfreiheit der Verbraucher.“
Aber es trifft nicht nur uns, es trifft eine ganze Branche, die sich jetzt umstellen muss. Nicht alle werden das überleben. Zahlreiche Klein-Publisher haben sich auf physische Veröffentlichungen spezialisiert – diese sogenannten Boutique-Publisher bekommen jetzt ernsthafte Probleme.
Reaktionen aus der Branche
Der stationäre Handel wird mittelfristig auf Besuchende und auf Umsatz verzichten müssen, denn die Downloadcodes in der Box werden sich selbstredend nicht durchsetzen. Für Händler, die sich gar auf Videospiele fokussiert haben, dürften die Aussichten noch schlechter sein. Die erste Reaktion von GAME (aus Spanien) ist wenig überraschend: „Video game lovers, it’s time to defend what matters to us.“ Der Gebrauchtspielmarkt darf als abgeschafft gelten.
Unternehmen wie iam8bit zeigen sich „zutiefst enttäuscht“ – Indie-Entwickler wie Billy Basso (Animal Well) nennen eine physische Veröffentlichung ihrer Spiele eine „riesige Motivation“. Auch Lost in Cult, Red Art Games oder Aeternum Game Studios äußern sich kritisch. GOG blickt in die Zukunft: „Selbst wenn ein Spiel aus dem GOG-Store verschwindet, verlässt es nie Ihre Bibliothek. Genau so sollte digitaler Besitz sein.“
Denn von der ganzen Misere um die Konservierung von Videospielen fangen wir mal gar nicht erst an, da sind ja alle Worte schon zur Genüge gesprochen. Als wollte Sony demonstrieren, wie es laufen kann, macht man diese unsägliche Ankündigung auch noch kurz nachdem man Filme aus den Bibliotheken streicht und den Store für PS3 und PS Vita dicht macht.
Der Gegenwind für Sony in den sozialen Medien ist riesig. Grund zur Hoffnung auf eine Kehrtwende gibt es aber kaum. Allerdings: Dass Sony die Stores von PS3 und PS Vita dichtmachen will, das kündigte man ursprünglich schon 2021 an. Nach den Reaktionen der Fans darauf hat Jim Ryan einen Rückzieher gemacht und die Stores blieben uns über fünf weitere Jahre erhalten.
Bildmaterial: Sony PlayStation

@Linkfan7 Danke für den Auszug aus so einer Mail! Der letzte Teil daraus liest sich aber extrem unsexy. Man gibt Publishern die Möglichkeit, Retail-Games mit Digitalen Codes zu versehen, was dem Kunden Auswahl bieten (oder eher suggerieren) und darüber hinwegtäuschen soll, das diese physische Präsenz im Laden keine Bedeutung mehr hat.
Wenn man das so liest, fällt einem auch unweigerlich etwas auf: Die Vermutung hinter diesem Schritt lag ja darin, das Sony damit Kosten für die Herstellung von Discs, Cover & Hüllen sowie die weltweite Distribution einsparen will. Der Mail nach zu Urteilen wird aber am Ende exakt nur an einem gespart, nämlich der Disc, die recht günstig herzustellen sind (hab was von 2$ pro Disc gelesen). Die Produktion von Hüllen, Cover und die Distribution sollen ja auch nach 2028 weiter erfolgen.
Das heißt, hier wird ein ganzes Medium begraben, um etwas zu sparen, das für Sony offen gestanden kaum mehr als Kleingeld in der Blianz ist. Sie hätten es wie Nintendo machen und die Leute für die physischen Versionen mehr zahlen lassen können (physische Versionen kosten ja bei Nintendo seit der Switch 2 meist 10€ mehr als die digitale Version). Meinetwegen 5€ mehr bei Sony, also 75€ statt 70€ für neue Spiele. Hätte ihre Gewinnmarge deutlich erhöht und die Kosten für die Discs abgedeckt. Die Leute wären angesäuert, aber sicherlich nicht so sehr, wie durch die Ankündigung, dass sie die Disc-Produktion komplett einstellen. Also auch wirtschaftlich mehr als fragwürdig.
Ja, aber mehrere Stores, d.h. Preisnachlässe um attraktiv zu bleiben für den Verbraucher. PCs kann man hin und wieder aufrüsten, kaputte Teile tauschen, Chips, Speicher und Geschwindigkeit selber wählen. Und auch wenn es illegal ist: letztendlich sticht man nrigends so gut als Pirat in die See wie auf dem PC. ☠️
Es ist ganz einfach. Ab dann kaufe ich keine Spiele mehr. Und wenn nur noch im Sale und super reduziert. Dann brauche ich auch keine PS6, ich bezahle doch keinen Vollpreis für eine Lizenz die mir jederzeit weggenommen werden kann!
Siehe dazu auch die Löschung der Filme vom Portal. Irgendwann läuft die Lizenz mit dem Publisher XY aus und Sony löscht das Game vom Server… Hallo hackt es?
Entsprechendes Spiel möglichst Vorher spielen...
Danach Rückerstattung einfordern...
Wenn keine Rückerstattung erfolgt, Klage androhen...
Wenn weiterhin keine Rückerstattung erfolgt, Klage durchziehen (falls es überhaupt so weit kommt, macht man das glaub nur Ein mal...spätestens Dann wird Beklagtes Unternehmen, bei eventuellem Nächsten Mal, schon ganz Ohne Klage eine Rückerstattung durchführen) ...
Von der Rückerstattung Lizenz für "neues" Spiel kaufen oder Geld anderweitig verwenden. 😉
Vielleicht stelle Sony ja Discs auch nur ein, weil sie nun wie Nintendo auf Module umsteigen...? Nein? Nicht? =_=