Auf der Gamescom gab es einige Überraschungen. Eine der größeren war sicherlich, dass ausgerechnet HoYoverse mit Nodusfall die Opening Night Live eröffnete und dieser neue, offenbar an Monster Hunter angelehnte Titel ebenso wie Ananta ohne klassisches Charakter-Gacha auskommen wird.
Währenddessen gibt es mit Aniimo und Honkai: Nexus Anima „chinesische Attacken“ auf Pokémon, das größte Medienfranchise der Welt. Auch andere erfolgreiche Marken wie Animal Crossing geraten zunehmend durch Spiele wie Heartopia und Petit Planet unter Druck.
Steigende Qualität sorgt für steigende Spielelust
Das zeigt sich auch in den Umsatzzahlen. Die steigende Qualität macht den Chinesen selbst zunehmend Lust, höherwertige Spiele zu spielen. Ein Beispiel dabei ist Stellar Blade, welches sich in China über Steam hervorragend verkaufte und so schätzungsweise drei Millionen Einheiten auf dem PC absetzen konnte.
Niko Partners, ein auf Videospiele spezialisiertes Marktforschungs- und Beratungsunternehmen, hat einen Bericht veröffentlicht, der das Wachstum der chinesischen Videospielindustrie im Detail zeigt und konkret beziffert. Der chinesische Markt 2025 liefert laut ihnen einen Umsatz von rund 51,8 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig wird ein gesundes Wachstum prognostiziert: Während im Westen die Hoffnungen auf GTA VI ruhen, soll der chinesische Markt durch ein deutlich diverseres Spieleportfolio anwachsen.
Niko Partners prognostiziert, dass der chinesische Videospielemarkt 2026 um 4 Prozent auf 53,9 Milliarden US-Dollar steigen wird, bis 2030 sollen sogar knapp 60 Milliarden erreicht werden. Das Wachstum soll damit stärker ausfallen als noch vor wenigen Jahren prognostiziert.
Das hat einen Grund: Viele Live-Service-Titel wie Genshin Impact generieren auch viele Jahre später noch einen hohen Umsatz. Parallel dazu erscheinen neue Titel wie Where Winds Meet, ein 2025 veröffentlichtes MMO, das innerhalb eines Tages nach der globalen Veröffentlichung schnell zwei Millionen SpielerInnen weltweit erreichte. Auch das beliebte Mobile-Spiel Honor of Kings von Tencent stellt einen neuen Rekord auf: Über 260 Millionen monatlich aktive Spieler:innen machen das Spiel zum derzeit meistgespielten Videospiel der Welt.
E-Sports, soziale Spiele, geringe Einstiegshürde und KI-Entwicklung
Niko Partners liefert zusätzliche Einblicke, wie chinesische Gamer mit dem Medium interagieren. Demnach waren 46,5 Prozent in gewissem Umfang mit E-Sports beschäftigt; dieser Wert soll bereits 2026 auf 51,3 Prozent steigen.
80 Prozent der SpielerInen haben bereits ein Hypercasual-Mini-Game gespielt, wobei 20 Prozent der Gesamtausgaben auf diese Spiele entfallen. Darunter versteht man Spiele, die nicht heruntergeladen werden müssen – also Browsergames, WeChat Games und Ähnliches.
Ein weiterer Trend, welcher China helfen könnte, ist die Integration generativer KI in die Spieleentwicklung. 39 Prozent der chinesischen Gamer waren an der Integration generativer KI in Spielen interessiert, 60 Prozent der Studios nutzen sie bereits in der Entwicklung. Im Westen steht man generativer KI weiterhin skeptisch gegenüber – trotz Geschwindigkeits- und Effizienzgewinnen in der Entwicklung.
Dazu kommen das Wachstum in Nischen- und unterrepräsentierten Genres, eine verstärkte Monetarisierung außerhalb von Apps sowie steigende Konsumausgaben sowohl im Inland als auch international. Ebenso wird ein „günstigeres regulatorisches Umfeld“ für Spieleentwickler erwartet – auch Steam setzt sich zunehmend in China durch, was zu steigenden Spielerzahlen führt.

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