Sonys überraschende Entscheidung, seine PC-Strategie rückgängig zu machen, sorgte bereits für viele kontroverse Diskussionen. Die einen behaupten, es sei aus Angst vor Steam und der Xbox erfolgt. Andere sagen, es sei nötig, starke Exklusivspiele auf der PlayStation zu haben, um sich von der starken Konkurrenz abzuheben.
Manch ein PC-Gamer meint, die vielleicht vier guten Sony-Spiele auf dem PC seien im Großen und Ganzen sowieso nicht wirklich relevant für den Erfolg des PCs als Spieleplattform. Doch im Detail hat diese kleine Strategieänderung von Sony große Auswirkungen.
Rückzug vom PC bedeutet Rückzug aus China
Die Veröffentlichung der Spiele auf Steam bietet nicht nur finanzielle Vorteile für Sony, sondern macht die Sony-Marken auch in Märkten bekannter, in denen sie bisher nicht wahrgenommen wurden.
Alinea Insights hat die Verkaufszahlen von PlayStation-Spielen allgemein analysiert und dabei auch einige interessante Details zur PC-Seite offengelegt. So stammen ganze 42 Prozent der PC-Verkäufe von Death Stranding 2 aus China, was damit „der größte Steam-Markt“ für das Spiel war. Alinea Insights merkt außerdem an, dass „China auch für Stellar Blade ein wichtiger Markt auf Steam ist“.
Insgesamt ist Steam stark gewachsen, seit die Plattform mit über 130 Millionen aktiven Nutzern sich in China geöffnet hat und dortige Auflagen akzeptiert. Laut der letzten Steam-Hardware-Umfrage haben 39,48 Prozent der Nutzer Englisch als Sprache eingestellt und 21,85 Prozent vereinfachtes Chinesisch – mit großem Abstand die zweithäufigste Sprache.
Schätzungen gehen von über 30 Millionen Nutzern aus China aus, manche davon nutzen sogar Internet-Cafés zum Zocken. Vor dem Hintergrund stetig steigender Preise bei Konsolen und Gaming-Hardware ist es unwahrscheinlich, dass plötzlich 30 Millionen Chinesen eine PS5 kaufen.
Erste bekannte Studios beenden enge Zusammenarbeit
Shift Up, das Studio hinter Stellar Blade, wird den Nachfolger nicht gemeinsam mit Sony veröffentlichen. In einem Earnings-Q&A erklärte das Studio: „Wir entwickeln derzeit eine optimale Go-to-Market-Strategie, die darauf abzielt, die Verkäufe zu maximieren und von Anfang an ein breites globales Publikum zu erreichen.“ Mit dem „breiten globalen Publikum“ wird vermutlich „chinesisches Publikum“ gemeint sein.
An anderer Stelle wird es ebenfalls unangenehm für Sony. So versucht man seit vielen Jahren, aufstrebende chinesische Studios mit dem China Hero Project für die PlayStation zu begeistern. Dem Programm entsprangen bisher Spiele wie Lost Soul Aside – erschienen für PS5 und PC. Kommende Spiele heißen beispielsweise Loulan: The Cursed Sand (Artikelbild) – ebenfalls neben PS5 auch für PC angekündigt.
Mit der neuen Strategie könnte die Begeisterung der chinesischen Studios für eine Veröffentlichung unter dem Publisher Sony ein schnelles Ende finden – denn wenn sie ihre eigenen Spiele nicht auf dem PC oder Mobile veröffentlichen dürfen, sind diese auf dem heimischen chinesischen Markt nahezu unsichtbar.
Steigende Verkäufe durch PC-Veröffentlichungen
Alinea stellte außerdem fest, dass PC-Veröffentlichungen den Verkauf auf PlayStation offenbar nicht schaden – im Gegenteil. Death Stranding 2 verzeichnete nach dem PC-Release „seine stärkste Zwei-Wochen-Phase seit Launch“ auf Sonys Plattform.
Zwar war das Spiel zu diesem Zeitpunkt reduziert, doch derselbe Rabatt hatte zuvor nicht denselben Effekt erzielt. Auch Stellar Blade, das bei PC-Veröffentlichung auf PlayStation nicht im Angebot war, konnte parallel steigende PS5-Verkäufe verbuchen.
Ein PC-Release erhöht zudem die Sichtbarkeit: Mehr Menschen streamen das Spiel und sprechen online darüber. Mundpropaganda bleibt schließlich ein effektiver Verkaufsfaktor – unabhängig von der Sprache.
via PC Gamer, Bildmaterial: Loulan: The Cursed Sand, ChillyRoom

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