Vor etwa einem Monat hat Sony angekündigt, ab 2028 keine Discs mehr pressen zu wollen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf First-Party-Games. Auch bei Capcom, Bandai Namco, Square Enix und Co. gehen Fans des Haptischen dann leer aus, denn alle PlayStation-Discs werden von Sony gepresst.
Die Kritik zu dieser Entscheidung ist laut und langanhaltend – eine Reaktion von Sony stand bis heute aus. Im Rahmen der Vorstellung der aktuellen Geschäftszahlen gab es nun aber ein erstes Statement. Finanzvorstand Lin Tao wurde zur Resonanz auf die Entscheidung befragt. Sie brachte Verständnis zum Ausdruck, aber stellte keine Abkehr vom Disc-Aus in Aussicht.
„Es gibt verschiedene Gründe für diese Entscheidung, wobei der wichtigste darin besteht, dass die Digitalisierung von Inhalten insgesamt voranschreitet – das ist der entscheidende Faktor“, so Lin Tao. Das gelte nicht nur für PlayStation, sondern für alle Arten von Inhalten.
„Wenn wir also über die Zukunft nachdenken – und wir haben viel Zeit und Mühe darauf verwendet und die Sache sorgfältig abgewogen –, sind wir zu diesem Schluss gekommen und werden nun mit Sorgfalt voranschreiten“, so Lin Tao weiter via Dolmetscher.
Kritik stößt auf Verständnis, aber …
Und weiter: „Zu dieser Entscheidung haben wir verschiedene Meinungen erhalten, und die Menschen vertreten dazu starke Standpunkte; wir verstehen, dass die Community uns diese Standpunkte mitgeteilt hat. Spiele werden von vielen Menschen geliebt. Sie sind eine beliebte Form der Unterhaltung und oft mit schönen Erinnerungen verbunden. Wir haben Verständnis für diese Emotionen.“
Man wolle dies berücksichtigen und weiterhin untersuchen, wie man Spielende im digitalen Ökosystem der Zukunft ansprechen könne. Doch das Disc-Aus hat nicht nur Auswirkungen auf die Community, sondern natürlich auch auf den Einzelhandel – unter anderem. Auch dazu wurde im Rahmen des Investorenmeetings nachgehakt.
„Was die Einzelhändler betrifft, gibt es regionale Besonderheiten, und mit jedem regionalen Partner versuchen wir, einen intensiven Dialog zu führen, damit wir letztendlich eine Win-Win-Situation erreichen“, sagte Tao. Sie verwies darauf, dass Publisher in einigen Märkten weiterhin physische Veröffentlichungen mit Codes ausliefern könnten.
Tao argumentierte – und das wird bei Investoren sicherlich auf offene Ohren stoßen –, auch mit der Erschwinglichkeit der Hardware. PlayStation sei im Vergleich zu Gaming-PCs erschwinglicher und Discs sehe man nicht als starken Differenzierungsfaktor. Playstation habe Stärken beim Kuratieren von Inhalten und der stabilen Spielumgebung.
Fans physischer Medien dürfte das kaum besänftigen
Fans physischer Medien dürfte das Statement sicherlich kaum besänftigen. Zuletzt hatten Teile der Community unter der Führung von Does it Play zu einem einwöchigen Boykott aller PlayStation-Services aufgerufen, um ein Zeichen zu setzen.
Für Furore sorgten auch die Äußerungen von Alanah Pearce, einer ehemaligen Mitarbeiterin von Santa Monica Studio, wonach Sony seinen Angestellten angesichts der Disc-Abkehr die „strengsten Social-Media-Richtlinien“ aller Zeiten auferlegt hat. Ein Video von Taos Statement findet ihr bei Twitter und das englische Originalskript bei Kotaku.
via Kotaku, Bildmaterial: Sony Interactive Entertainment

Das es keinen sofortigen Effekt hat ist glaub ich den meisten sogar klar (mit Ausnahme das Sony zurecht wohl nie wieder ordentliche Kommentare in Social Media haben wird). Die Spiele erschienen ja immer noch bis Ende 2027 auf Disc, da wird es bis dahin kaum ein unterschied geben. Da wo ihc mir dann die Auswirkung hoffe ist der Übergang zur Ps6. Wen Sony die nächste Konsole mit einem Preis weit über 1000€ verkaufen will braucht halt von den Kunden einen Vertrauensvorschuss. DA Sony aber die Kunden wie Müll behandelt hoffe ich das viele Kunden diesen Sony nicht gibt und somit bei der Ps5 bleiben. Und wenn die Ps6 dann hoffentlich komplett floppt dann werden wird ja noch sehen ob Sony weiterhin so arrogant daher reden kann. Ich würde mich auf jeden Fall sehr darüber freuen wenn es so kommen würde.
Das schlimmste ist wieder, da habe ich mich in den letzten Tagen gut beruhigen können indem ich der aktuellen Industrie den rücken kehre und dann muss ich wieder so ein corporate Müll von Sony lesen, wo man wieder erkennt das sei ein scheiß auf Kunden und Kunst geben. Meine Laune ist wieder absolut im Keller.
Der Vergleich mit dem PC-Ökosystem (und damit im Wesentlichen Valve/Steam) wird hier mehr lapidar unter Lockruf für Investoren abgehandelt. Dabei werden die stärksten verbleibenden Argumente für Sony und Konsolen überhaupt angeführt.
Für mich als Steinzeitmenschen, dessen erste Konsole ein Atari 2600 war, sind Festmedien extrem wichtig. Konsolen ohne Module oder Discs, das ist für mich weiterhin schwer vorstellbar. Das gehört einfach dazu für mich, wie für ca. 20% der Sony-Kundschaft ja auch. Dieses Element fällt nun bald weg und ich mache mir daher natürlich Gedanken, wie überzeugend die Argumente Lins für mich persönlich sind:
Man muss diese Aussagen natürlich auch im Kontext des Publikums und der Fragesteller sehen. Dass die sich mit Erschwinglichkeit der Hardware und ein paar instabilen PC-Vergleichen abbügeln lassen, ist schon klar. Der restlichen Argumentationskette kann ich auch folgen, sprich Digitalisierung, Code in the box für Sichtbarkeit und Handel, bla bla. Keine Überraschungen hier in diesem Statement, insofern.
Und ob die nächste PlayStation-Hardware "erschwinglich" wird, das wird sich wohl erst noch zeigen. Und natürlich subjektiv sein.
Ich muss zugeben, dass ich die Argumente vom Finanzvorstand zumindest nachvollziehen kann – auch wenn sie mich persönlich nicht davon überzeugen, auf physische Medien zu verzichten.
Keines dieser Argumente beantwortet die eigentliche Sorge vieler Sammler und Langzeitspieler: Was passiert mit Besitz, Archivierung und langfristiger Verfügbarkeit von Spielen? Eine Disc ist mehr als nur ein Datenträger. Sie kann weiterverkauft, verliehen oder gesammelt werden und vermittelt vielen das Gefühl, tatsächlich etwas zu besitzen – auch wenn heute längst nicht mehr jedes Spiel vollständig auf der Disc enthalten ist.
Ich verstehe also durchaus, warum Sony wirtschaftlich auf die Digitalisierung setzt. Der Trend ist offensichtlich und vermutlich nicht mehr aufzuhalten. Persönlich finde ich es trotzdem schade.
Für mich verliert die PlayStation damit ein Stück ihrer Identität. Ob ich mich wirklich an rein digitale Käufe gewöhnen kann, weiß ich allerdings nicht. Gerade auf der PlayStation fällt es mir schwer, Vollpreis für eine digitale Lizenz zu bezahlen, wenn ich sie weder weiterverkaufen noch dauerhaft ins Regal stellen kann. Vielleicht werde ich digitale Spiele künftig nur noch im Sale kaufen, aber der Reiz, am Erscheinungstag mit einer physischen Version nach Hause zu kommen, wird für mich verloren gehen.
Im genauen Wortlaut war es:
"Wir sehen die Disc nicht als den entscheidenden Faktor, der uns vom PC unterscheidet. Unsere Stärke liegt in den sorgfältig ausgewählten Inhalten. Das ist einer unserer großen Vorteile. Auch die stabile Spielumgebung gehört zu unseren Stärken. Darüber hinaus sind unsere Produkte im Vergleich zu High-End-Gaming-PCs erschwinglicher."
Er spricht also im Vergleich zu einem High-End-Gaming-PC... nicht von einem normalen Spiele-PC. Und High-End-Gaming-PC dürfte auch teurer werden als die PS6 mit ihren vermutlich knapp 1000 Euro Preisschild. Das hat der gute Herr da ganz geschickt ausgedrückt. Schon ein bisschen frech.
Im übrigens finde ich seine Aussage, dass die Disc kein entscheidener Faktor wäre, welchen die PlayStation von einem PC unterscheidet doch fragwürdig. Denn ich finde schon, dass eine Konsole irgendwie schon Module/Discs ausgemacht haben. Und inzwischen haben sich Konsolen soweit dem PC genähert, dass ich da echt kaum noch einen Unterschied sehe...