Die Ankündigung von Sony, ab 2028 keine physischen Spiele mehr auf Disc zu veröffentlichen, sorgt weiterhin für Diskussionen in der Spielebranche. Nachdem sich zuletzt unter anderem der Schöpfer der Disgaea-Reihe und ehemalige Präsident von Nippon Ichi Software, Sohei Niikawa, zu Wort gemeldet hatte, äußerte sich nun auch SEGA-Präsident Shuji Utsumi zur Zukunft physischer Spiele.
In einem Interview mit Famitsu, das zum Teil von Automaton Media und Eurogamer übersetzt wurde, machte Utsumi deutlich: Obwohl SEGA den digitalen Vertrieb weiter ausbauen möchte, sollen physische Spiele nicht verschwinden.
Digital ist wichtig – aber nicht alles
Laut Utsumi sei der Ausbau digitaler Angebote entscheidend, um künftig mehr Vollpreisspiele auf PC und Konsolen zu verkaufen. Vor allem die wachsende PC-Spielerschaft eröffne neue Märkte, in denen Konsolen weniger verbreitet seien. Deshalb wolle sich SEGA zu einem stärker digital ausgerichteten und global agierenden Unternehmen entwickeln.
Gleichzeitig betont der Präsident jedoch, dass physische Spiele weiterhin einen festen Platz bei SEGA haben: „Wir waren ursprünglich ein Plattformanbieter, und natürlich legen wir nach wie vor Wert auf die Kultur der physischen Medien. Anstatt diese gänzlich aufzugeben, stellen wir uns derzeit der Herausforderung, uns so umzustellen, dass wir parallel dazu über die wichtigen Aspekte der digitalen Medien nachdenken und entsprechend handeln können.“
Interessanterweise beschreibt Utsumi die Unternehmenskultur von SEGA sogar als grundsätzlich eher auf physische Veröffentlichungen ausgerichtet. Der stärkere Fokus auf den digitalen Vertrieb sei daher eine bewusste strategische Entscheidung.
Reaktion auf ein schwieriges Jahr
Ein weiterer Grund für den Kurswechsel sind die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres. Wie Utsumi erklärt, verlief 2025 für SEGA schwieriger als erwartet. Mehrere große Veröffentlichungen konnten ihre Verkaufsziele nicht erreichen. Als Beispiel nennt er Sonic Racing: CrossWorlds, das trotz positiver Kritiken hinter den Erwartungen zurückblieb.
Um künftig mehr Spiele verkaufen zu können, möchte SEGA seine digitale Präsenz weiter ausbauen. Gleichzeitig stellt Utsumi aber klar, dass dies nicht das Ende physischer Datenträger bedeuten soll. Stattdessen verfolgt das Unternehmen einen Ansatz, bei dem digitaler Vertrieb und klassische Handelsversionen auch in Zukunft nebeneinander bestehen können. Wie seht ihr die Äußerungen von Utsumi?
via Automaton Media, Eurogamer, Bildmaterial: Sonic Racing: CrossWorlds, SEGA

Automaton Media und Eurogamer haben die Aussagen Utsumis grundsätzlich richtig übersetzt und interpretiert, zirkeln aber dann etwas opportunistisch um einen Halbsatz herum, der von den Lesern offenbar missverstanden werden soll.
Da ist natürlich nicht die Rede davon, dass Sega anfängt, wieder physische Datenträger drucken. Das ist ja seit 2001 gar nicht mehr Segas Geschäft, da muss man sich nach den verbleibenden Konsolenherstellern richten. Die Kernformulierung hier heißt "Kultur der physischen Medien". Man will die Erinnerung an die Vergangenheit nicht mit Füßen treten. Die Kultur will man nicht aufgeben. Die physischen Medien schon.
Utsumi geht es ganz japanisch um eine tiefe Verbeugung vor den eigenen Traditionen, die man als Sprungbrett nutzen will – in eine rein digitale Zukunft natürlich.
Nein, SEGA wird jetzt natürlich auch nicht auf eigene Faust PlayStation-Discs pressen - abgesehen davon, dass das natürlich auch gar nicht möglich ist. Trotzdem ist es zumindest insofern aussichtsreich, als SEGA die Hoffnung weckt, zumindest weiter Möglichkeiten zu nutzen, die sich bieten.
Würde SEGA ihre Titel am PC auf GOG veröffentlichen, könnten sie über gewisse Aspekte (DRM) selbst verfügen. In den anderen Stores (auch auf Konsole) müssen sie sich beim Verkauf von digitalen Titeln an deren Vorgaben halten. Klingt wie eine weitere Beruhigungstablette.
Das sie den PC als Plattform mitnutzen wollen, ist da natürlich verständlich. Beim zweiten Satz lese ich allerdings nur raus, dass sie bei Nintendo weiterhin Module rausbringen wollen, nachdem Sony jetzt wegfällt. Und ich hatte ehrlich gesagt nicht den Eindruck, als stünde es auf Messers Schneide, ob Sega jetzt weiter den physischen Weg geht oder nicht. Haben sie die ganze Zeit gemacht und machen sie auch weiter, solange die Konsolenhersteller hier keinen Riegel vorschieben. Nicht großartig überraschend.
Und die "Kultur bewahren" klingt süß, ist aber kaum mehr als eine leere Worthülse. Eine Kultur lebt von Partizipation und ohne physische Medien, kann man nicht an einer physischen Spielekultur teilhaben. Ein Hersteller fällt am 2028 flach, bleibt noch einer mit Einschränkung übrig. Das Eis wird dünner.