Die Spielebranche erlebt seit Jahren eine massive Entlassungswelle. Allein 2026 traf es unter anderem Beschäftigte bei Bungie, Obsidian, Xbox, Warner Bros. und Epic. Auffällig ist dabei allerdings, dass große Entlassungswellen bei japanischen Entwicklerstudios und Publishern deutlich seltener zu beobachten sind.
Warum ist das so? Amir Satvat, der seit 2022 den ASGC Games Industry Layoffs Tracker betreibt, nennt im Gespräch mit Edge gleich mehrere mögliche Gründe – und sieht einige deutliche Unterschiede zwischen der japanischen und westlichen Spieleindustrie.
„Japan ist eine ganz andere Liga“, erklärt Satvat. Ein Paradies sei die japanische Branche deshalb allerdings keineswegs.
Kleinere Teams und weniger Jagd nach Trends
Müsse ein japanisches Unternehmen Personalkosten reduzieren, treffe es laut Satvat beispielsweise häufiger externe AuftragnehmerInnen außerhalb Japans. Damit werde versucht, die Stammbelegschaft im eigenen Land zu schützen.
Bei großen Unternehmen seien die Unterschiede besonders auffällig. Satvat nennt Nintendo, Konami und Capcom, die ihm zufolge jeweils eine MitarbeiterInnenbindung von über 97 Prozent erreichen.
Ein möglicher Grund dafür seien die Teamgrößen. Japanische Studios würden häufig mit kleineren und schlankeren Teams arbeiten. Gleichzeitig hätten sich viele Unternehmen weniger stark von Trends wie Live-Service-Spielen oder riesigen AAA-Produktionen mit Teams von 500 Personen mitreißen lassen.
Satvat verweist außerdem auf die Bezahlung der Führungsebene. Japanische ManagerInnen würden zwar ebenfalls sehr gut verdienen, die Summen lägen seiner Einschätzung nach aber eher bei zwei bis drei Millionen US-Dollar statt 30 Millionen US-Dollar.
Zum Vergleich führt der Bericht EA-Chef Andrew Wilson an, dessen Vergütung im vergangenen Jahr bei 38,6 Millionen US-Dollar gelegen habe. Take-Two-Chef Strauss Zelnick erhielt bereits 2022 rund 42,1 Millionen US-Dollar. Beide Unternehmen haben 2026 gleichzeitig Stellen abgebaut.
Auch der Kündigungsschutz spielt eine Rolle
Allerdings gibt es noch einen wichtigen Unterschied, der bei solchen Vergleichen nicht fehlen sollte: Der gesetzliche Kündigungsschutz für regulär Beschäftigte ist in Japan im direkten Vergleich mit den USA deutlich stärker.
Unternehmen können ihre Stammbelegschaft deshalb nicht ohne Weiteres in derselben Weise reduzieren, wie es insbesondere bei US-amerikanischen Firmen möglich ist. Auch für japanische Spieleunternehmen sind Entlassungen natürlich nicht grundsätzlich ausgeschlossen, die rechtlichen Voraussetzungen und die etablierte Unternehmenskultur setzen ihnen jedoch andere Grenzen.
Die Unterschiede lassen sich damit nicht einfach auf einen einzelnen Faktor wie Managergehälter oder kleinere Entwicklerteams reduzieren.
Die Zahlen aus Satvats Tracker zeigen dennoch einen deutlichen geografischen Schwerpunkt der aktuellen Krise. Zwischen 2022 und 2026 gingen demnach weltweit 57.628 Arbeitsplätze in der Spieleindustrie verloren. Im Jahr 2026 entfielen laut seiner Auswertung 96 Prozent der verlorenen Stellen auf Nordamerika und Europa.
Zeitweise habe Satvat sogar geschätzt, dass mehr als die Hälfte aller weltweiten Entlassungen innerhalb eines Zeitraums von 12 bis 18 Monaten allein auf Kalifornien entfielen.
„Ich glaube, für Spieleentwickler in Nordamerika oder Westeuropa, die in einem traditionellen Triple-A-Studio arbeiten, ist die Lage genauso schlimm wie beim Crash von 1983“, beschreibt er die Lage drastisch.
Eine einfache Lösung für die Probleme der Branche gibt es auch seiner Ansicht nach nicht. Die Entwicklung in Japan deutet für Satvat jedoch darauf hin, dass kleinere Teams, zurückhaltendere Vergütungen auf Führungsebene und eine geringere Abhängigkeit von kurzfristigen Branchentrends zumindest zu stabileren Strukturen beitragen können. Wir nutzen die Gelegenheit, um noch einmal auf die Worte des ehemaligen Nintendo-Präsidenten Satoru Iwata hinzuweisen.
Dass japanische Unternehmen damit wirtschaftlich nicht zwangsläufig schlechter fahren, zeigen derzeit etwa Capcom und Nintendo. Auch Koei Tecmo hat zuletzt ausdrücklich betont, weiterhin auf kleinere Produktionen als Bestandteil seiner Strategie setzen zu wollen.
via Eurogamer, Bildmaterial: Nintendo, Illumination Entertainment

0 Kommentare