Nintendo enttäuscht konzeptionell und inhaltlich

Das Nintendo Direct zur E3 2018 hat mich im Prinzip auf ganzer Linie enttäuscht. Die Inhalte waren insgesamt mau, das Konzept miserabel. Ich mag...

Das Nintendo Direct zur E3 2018 hat mich im Prinzip auf ganzer Linie enttäuscht. Die Inhalte waren insgesamt mau, das Konzept miserabel. Ich mag Nintendo sehr, viele nennen mich sogar einen Nintendo-Fan. Aber das war in diesem Jahr einfach ein Reinfall. Glaubt mir, ich bin sicher nicht mit den falschen Erwartungen an diese Nintendo Direct gegangen. Ich wusste, dass der Schwerpunkt auf Super Smash Bros. liegt und auf Spielen, die noch in diesem Jahr erscheinen werden. Das wusste ich.

Aber das schließt weder eine gut strukturierte Direct aus, noch Überraschungen. Ja, das schließt auch keine Überraschungen aus, ganz besonders zur E3 nicht. „Dann hast du wohl die falschen Erwartungen gehabt“, habe ich oft gelesen. Nein, habe ich nicht. Ich habe kein Pokémon Core-RPG erwartet. Ich habe kein Bayonetta 3 erwartet. Ein Metroid Prime 4 habe ich auch nicht erwartet. Ich habe erwartet, dass Nintendo Super Smash Bros. in Überlänge vorstellt, Fire Emblem enthüllt, den Termin zu Yoshi und vielleicht ein, zwei gute First-Party-Wii-U-Portierungen, dazu ein oder zwei Dinge, die ich vielleicht nicht auf dem Plan hatte und natürlich zahlreiche weitere Portierungen und Indies. Ist das überzogen?

Nein, das sind keine falschen Erwartungen, das war realistisch, das waren keine Träumereien. Und dass ich Erwartungen an eine E3-Präsentation habe, sorry, das ist nicht meine Schuld. Das ist etwas, was die Gamesbranche selbst seit Jahrzehnten forciert und dazu gehört auch Nintendo. Die Branche, die Publisher, die Entwickler, die sind schuld daran, dass ich mir von E3-Präsentationen etwas ausrechne. Und da hab ich auch Bock drauf. Und sorry, aber wenn ich schreibe, dass ich „die Art und Weise der Präsentation“ von Sony in diesem Jahr nicht gelungen fand, dann muss ich bei Nintendo sagen: Das war enttäuschend, sowohl inhaltlich als auch konzeptionell.

Mal ganz nüchtern

Was habe ich gesehen? Ein Mech-Game aus Japan, einen DLC, ein Casual-Pokémon, das ich schon kenne. Fortnite und eine neue Demo für ein Spiel von einem Dritthersteller (das ist so nintendo). Nur mit Fire Emblem: Three Houses und Super Mario Party konnte Nintendo mich einigermaßen begeistern, wenn überhaupt davon die Rede sein kann, das ein neues Mario Party irgendwo auf der Welt jemanden vom Hocker reißt. Ok, Hollow Knight ist endlich verfügbar. Leute das war’s, da hab ich nix weggelassen, ich hab extra nochmal in das Direct geschaut. Overcooked 2 und Killer Queen Black gab es dann noch, denen jeweils etwa 30 Sekunden gewährt wurden. Immerhin genug Zeit um zu begreifen, worum es geht und wann die Spiele erscheinen.

Zwei Minuten B-Böller

Fox McCloud hat man für die Rabbids wohl an Ubisoft verkauft.

Die Chance bekamen andere Spiele nicht. In ziemlich genau zwei Minuten riss man dann ein Feuerwerk von B-Böllern ab, bei dem kaum Zeit war, den Spieletitel zu erkennen, bevor das gezeigte Spiel schon wieder verschwunden war. Darunter waren bereits erhältliche Spiele wie Sushi Striker – bereits erhältliche Spiele. Das ist üblich bei Nintendo, ich weiß, und wenn der Rest stimmt, dann ist mir das auch egal. Mit dabei übrigens auch die Octo Expansion, gelistet für Sommer. Ein paar Stunden später gibt man den Releasetermin bekannt: morgen. Häh?!

Zu sehen waren außerdem Captain Toad, Crash Bandicoot, Donkey Kong Adventure für Mario + Rabbids, Dragon Ball FighterZ, Dark Souls Remastered, Monster Hunter Generations Ultimate und The World Ends With You Remix, alle nicht mehr als eine Randnotiz. Das sind alles keine Überraschungen, aber das sind alles gute Spiele. Das sind alles Spiele, auf die sich irgendjemand tierisch freut. Wenn man schon nichts zu zeigen hat, warum zeigt man dann nicht wenigstens diese Spiele! Klar, Starlink war auch schon zu sehen, aber da ist Star Fox mit dabei und ausgerechnet bei Nintendo redet man darüber überhaupt nicht.

Smash ohne Relation

Wenn du bei Treehouse sitzt und nicht mehr weißt, was du noch erzählen sollst.

Leute nein, das geht nicht. Das waren jetzt 16:40 Minuten, inklusive Erzählungen einiger Nintendo-Mitarbeiter. Der Rest, der ganze Rest, das ist Smash. Deutlich über eine halbe Stunde. Da stimmt die Relation nicht. Da stimmt auch die Relation nicht, wenn man vorher bekannt gibt, dass auf Smash der Schwerpunkt liegt. Das führt Treehouse völlig ad absurdum, das man extra für solche Präsentation aufgestellt hat.

Sony hat im Vorfeld auch bekanntgegeben, der Schwerpunkt liegt auf Einzelspielen. Aber das waren vier an der Zahl und sie alle haben mutmaßlich eine ähnlich hochwertige Qualität wie Smash Ultimate. Sagen wir mal so, das war ein bisschen abwechslungsreicher. Und selbst wenn man Spider-Man, The Last of Us II, Ghost of Tsushima und Death Stranding allesamt total uninteressant findet, was eine völlig absurde Annahme ist, dann gab es noch das Resident Evil 2 Remake, Nioh 2, Control und einen grandiosen Trailer zu Kingdom Hearts 3. Hallo.

Selbst der weltgrößte Smash-Fan muss einsehen, dass Smash völlig überzogen war. Nintendo hat einzelne Charaktere und Moves im Detail vorgestellt. Wenn man nur Smash zu zeigen hat, dann kann man eben nur Smash zeigen. Dann ist das eben so. Dann wird man sich auch allerhand anhören müssen bei einer E3, aber dann hat man wenigstens nicht so eine Präsentation hingelegt, wie man sie hingelegt hat.

Mehr wäre möglich gewesen

Durchgeknallte, bunte Spiele unterschiedlichster Genres wie Gal Metal, Grim Fandango Remastered, Valkyria Chronicles 4, Hyper Sports R, My Hero One’s Justice, BlazBlue Cross Tag Battle, Ys VIII: Lacrimosa of Dana, Shining Resonance Refrain und Okami HD stehen in den nächsten Monaten auf Switch an. Dann muss man halt wenigstens davon noch was zeigen und sich als Plattform der Vielfalt präsentieren. Auch wenn das keine Exklusivspiele sind, das sind die anderen auch größtenteils nicht.

Jetzt ist die Switch wieder die Smash-Machine, so wie es zu Beginn die Zelda-Machine war und danach die Mario-Machine. Obwohl Nintendo so viel besser machen könnte, ist der eShop proppenvoll und es erscheinen immer wieder Spiele. Davon, dass das First-Party-Line-up für das restliche Kalenderjahr – aus dem sich nun auch noch Yoshi verabschiedet – absolut schwach ist, will ich heute gar nicht mehr anfangen. Und bitte, bitteee kein Verweis auf das noch völlig unklare nächste Direct. Das ist kein Gegenargument, echt nicht.