News

Nach Disc-Abkehr: Sony sieht sich mit erster Kartellbeschwerde konfrontiert

Sony macht jahrelange Befürchtungen zur Realität: Ab Januar 2028 wird die Produktion von neuen Spielen auf Disc eingestellt. Die kontroverse Entscheidung traf in den letzten Tagen auf die lautstarke Kritik zahlreicher PlayStation-Fans. Nach politischen Diskussionen in Frankreich, winken nun erste Schritte staatlicher Regulierungsbehörden, konkret aus Mexiko.

Wie LevelUp berichtet, bereiten die Abgeordnete Iraís Reyes und der Senator Luis Donaldo Colosio eine Beschwerde bei der mexikanischen Kartellbehörde vor, in der sie eine Untersuchung der Auswirkungen von Sonys Entscheidung fordern. Reyes und Donaldo Colosio gehören zwar der mexikanischen Partei Movimiento Ciudadano an, beabsichtigen jedoch, die Beschwerde als Privatpersonen einzureichen.

„Wenn Discs verschwinden, können PlayStation-Besitzer nicht mehr frei entscheiden, wo sie ihre Spiele kaufen, sondern sind gezwungen, diese ausschließlich über den Sony-Store zu erwerben“, so Reyes. Die Abgeordnete ist dafür bekannt, sich für Verbraucherbelange im Gaming-Bereich einzusetzen. So hatte sie sich bereits gegen die von Präsidentin Claudia Sheinbaum für 2025 geplante Steuer von acht Prozent auf digitale Plattformen ausgesprochen.

„Einzelhändler wie Liverpool, Sanborns und GamePlanet würden nicht mehr um den Verkauf neuer Videospiele konkurrieren, und auch der Gebraucht- sowie der Tauschmarkt – die enorm groß sind – würden wegfallen“, ergänzt Colosio.

Handelt Sony verbraucherfeindlich?

Die Beschwerde geht davon aus, dass Sony zum alleinigen Anbieter von PlayStation-Spielen werden würde, und fordert die Regulierungsbehörden auf, zu prüfen, ob dieses Verhalten verbraucherfeindlich ist. Man argumentiert, dass ein solcher Schritt anderen Unternehmen, die derzeit PlayStation-Discs verkaufen, schaden und den Preiswettbewerb ausschalten könnte. Zudem führen die PolitikerInnen an, dass derartige Praktiken als monopolistisch eingestuft werden könnten und gegen das mexikanische Bundesgesetz über den wirtschaftlichen Wettbewerb verstießen.

Als Beispiel dafür, was die alleinige Kontrolle über eine Plattform künftig für Spiele bedeuten könnte, nannten die beiden Sonys jüngste Entscheidung, über 500 Filme und Fernsehsendungen aus den PlayStation-Konten der User zu entfernen, ohne eine Rückerstattung anzubieten.

„Sony würde innerhalb seines eigenen Ökosystems zugleich als Schiedsrichter und als Spieler agieren – und wir wissen, was passieren kann, wenn ein einziges Unternehmen jeden Teil des Marktes kontrolliert“, fügt Reyes hinzu. Was das etwa für unsere Geldbeutel bedeuten könnte, darüber berichteten wir erst kürzlich.

Ein weiteres Argument: Die ausschließliche Bindung an einen einzigen digitalen Store benachteiligt SpielerInnen, die in Regionen mit schlechter Infrastruktur leben und keinen Zugang zu schnellem Breitbandinternet haben. „Wenn man alles auf digitale Angebote umstellt, geht man davon aus, dass jeder Zugang zu zuverlässigem Hochgeschwindigkeitsinternet hat – doch wir wissen, dass dies nicht der Realität in ganz Mexiko entspricht“, so Colosio.

via Eurogamer, Bildmaterial: PlayStation

5 Kommentare

  1. „Wenn Discs verschwinden, können PlayStation-Besitzer nicht mehr frei entscheiden, wo sie ihre Spiele kaufen, sondern sind gezwungen, diese ausschließlich über den Sony-Store zu erwerben“, so Reyes.

    Bei solchen Äußerungen wird aber auch einfach die Möglichkeit von CiaB außer Acht gelassen.
    ...
    Äußerungen von "politischen (privaten) Personen" werden Nicht (plötzlich) Dadurch Inhaltlich Korrekt(er) , "Nur" weil es "politische (private) Personen" sind.

  2. mal sehen, wie Mexiko das angehen wird. Bei einem Verfahren im Jahr 2019 argumentierte Sony bzgl. dem Playstation Store, dass es kein Monopol gab beim digitalen Store, weil man physische Einheiten verkauft und diese physischen Einheiten im Prinzip jeder Store verkaufen konnte, da das wegfällt, frage ich mich ob es bei den mexikanischen Gesetzen eine wakelige juristische Basis gibt, was aber sehr unwahrscheinlich ist^^ oder ob die Code in a Box ein justizielles Ausweichmanöver ist, um eventuell genau das zu umgehen wegen der Causa im Jahr 2019, vor allem da Mexiko eine größere Gebrauchtmarktkultur hat als manch andere Länder. PS: Ich nehme an keiner Diskussion teil, da ich kein Interesse habe an diesen sinnlosen Teufelskreisdiskussionen, die in die Leere führen. Ich schreibe nur hier wegen Mexiko.

  3. Hat Sony nicht gesagt, dass sie den Handel weiterhin beliefern – allerdings nur noch mit Codes in der Verpackung? Das würde doch bedeuten, dass die Händler theoretisch weiterhin die Möglichkeit haben, sich preislich zu unterbieten. Und die Kunden hätten nach wie vor die Wahl, ob sie ihren Code bei Händler A, B oder C kaufen möchten.

  4. Hat Sony nicht gesagt, dass sie den Handel weiterhin beliefern – allerdings nur noch mit Codes in der Verpackung? Das würde doch bedeuten, dass die Händler theoretisch weiterhin die Möglichkeit haben, sich preislich zu unterbieten. Und die Kunden hätten nach wie vor die Wahl, ob sie ihren Code bei Händler A, B oder C kaufen möchten.

    Eben. 👍

  5. Eben. 👍

    Wir wissen allerdings auch wie der weg weitergehen wird denn genau das gleiche Szenario hatten wir mit dem PC ebenfalls. Man hat mit Code in a Box angefangen aber weil die Kunden so schlussendlich eh nix mehr in der Hand haben werden sie eh eher direkt online kaufen. Wodurch die Händler nach und nach ihre "Games" aus den Regalen nehmen weil sie sich eh nicht mehr verkaufen.


    Das Priblem wird also nicht sein das Sony keine Slternativen anbietet sondern weil die Händler diese Alternativen schlussendlich ablehnen genauso wie die Käufer.

An dieser Stelle siehst du nur die letzten 5 Kommentare. Besuche das Forum um die komplette Diskussion zu diesem Thema zu sehen.