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Ex-Atlus-Designer und „Demon Artist“ glaubt an KI, nur die „unreine Begierde“ fehlt ihm

Kazuma Kaneko, der legendäre Künstler und Designer hinter der „Megami Tensei“-Reihe bei Atlus, sprach mit Nikkei Gaming über seine Sicht auf KI und deren Einfluss auf Arbeitsplätze in der Spieleentwicklung.

Kaneko, geboren am 20. September 1964, ist vor allem für seine markanten und oft unheimlich-abstrakten Dämonendesigns bekannt, die nicht nur Shin Megami Tensei, sondern auch zahlreiche andere Spiele geprägt haben. Er wird deshalb häufig als „Demon Artist“ bezeichnet.

Für sein letztes Spiel, Kazuma Kaneko’s Tsukuyomi, nutzten Kaneko und sein Team kräftig KI. Das Spiel enthält 3.600 KI-generierte Karten, erstellt mit einem Modell, das angeblich auf Kanekos eigener Kunst trainiert wurde. Besonders außerhalb Japans kam das nicht gut an und führte zu Boykottaufrufen.

Die Abwehrhaltung vieler Menschen gegenüber KI, so erklärt es sich Kazuma Kaneko, sei vergleichbar mit früheren technologischen Umbrüchen: „So war es auch, als CG in die Animationsproduktion eingeführt wurde. Technologische Durchbrüche passieren von Zeit zu Zeit, und das ist ganz natürlich. Für Kreative stellt sich die Frage, ob sie sich anpassen können – und das findet man nur heraus, indem man es ausprobiert.“

KI kann keine Emotion kontrollieren

Dass KI menschliche Arbeitskräfte ersetzen wird, hält er für unvermeidlich. „Als Nähmaschinen aufkamen, verloren vermutlich viele Näherinnen ihre Arbeit. Aber das bedeutet nicht, dass diese Fähigkeiten verschwanden – sie haben auf höherem Niveau überlebt, etwa in der Haute Couture. Ähnlich wird sich die Arbeit von Spieleentwicklern in Bereiche aufteilen, die ersetzt werden, und solche, die bestehen bleiben.“

Doch seien menschliche Entwickler weiterhin wichtig, denn KI könne keine Emotionen „kontrollieren“. Denn Spiele sollen das Publikum emotional fesseln. KI sei dazu grundsätzlich nicht in der Lage – Kaneko möchte die „unreinen Motive bzw. egoistischen Begierden“ ansprechen, die dem Menschen eigen sind. Die KI sei nicht in der Lage, Emotionen durch Überraschung, Wendungen, Schärfe oder „Giftigkeit“ steuern.

Die Switch-Version von Kazuma Kaneko’s Tsukuyomi ist jetzt erhältlich. Eine Steam-Version von Kazuma Kaneko’s Tsukuyomi für den 24. Juli angekündigt. Entwickler COLOPL hat aktuell mehrere PC-/Konsolenspiele und fünf Mobile-Games in der Entwicklung, darunter ein „KI-gestützter“ Titel.

via Automaton Media, Bildmaterial: Tsukuyomi: The Divine Hunter, COLOPL, Kazuma Kaneko

1 Kommentar

  1. Fun Fact: Den Oscar für die Spezialeffekte hat der Film "Tron" 1982 nicht erhalten, weil die Academy der Ansicht war, computergenerierte Effekte wären Schummelei. ^^

    Jetzt haben die digitalen SFX in den 80ern und 90ern zu einer Explosion an Arbeitsplätzen geführt. Was die Einführung der Technologie auch irgendwo gerechtfertigt und gut geschmiert hat. Das soll nicht heißen, dass ich alter 80er-Fetischist den praktischen Effekten keine dicken Krokodilstränen nachweinen würde. Es heißt aber wohl, dass das Argument mit der heranrollenden Innovation und dem immer schön im Passiv formulierten Verlust von Arbeitsplätzen, damit nur ja niemand schuld ist, einfach nicht zieht.

    Zeitungsdruck, maschinelle Fertigung, Elektrizität, Computer- und Smartphoneindustrie, das sind alles einschneidende technologische Veränderungen, die Arbeitsplätze geschaffen haben. Und in vielen Fällen – siehe etwa die ersten Fabrikhallen – wurde trotzdem erst dann eine nützliche Innovation aus dem ganzen, als man den Einsatz der Technologie scharf reguliert und reglementiert hatte, ihr Grenzen gesetzt hat.

    Dem gegenüber steht die völlig entfesselte künstliche Intelligenz, die Angestellte schlicht ersetzt und keinerlei Regeln unterliegt. Der nur die öffentliche Empörung Grenzen setzt, siehe etwa die Schlagzeilen zu Hasbro letzte Woche.

    Dass ein Wahrscheinlichkeitsrechner keine menschlichen Reaktionen und Emotionen berechnen kann, ist natürlich sehr fein beobachtet. Aber vielleicht setzt Kaneko-san hier dann doch etwas zu sehr darauf, dass ausgerechnet seine persönliche Fähigkeit und Leistung niemals durch die KI ersetzt werden kann.

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