| Titel | Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden |
| 16. April 2026 | |
| Nintendo | |
| 16. April 2026 | |
| Nintendo | |
| 16. April 2026 | |
| Nintendo | |
| System | Switch |
| Getestet für | Switch 2 |
| Entwickler | Nintendo |
| Genres | Simulation, Lifestyle |
| Texte |
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| Vertonung | – |
Nintendos Veröffentlichungsstrategie muss man manchmal wirklich erst einmal verstehen. Nicht einmal zwei Monate nach dem Überraschungserfolg von Pokémon Pokopia steht schon das nächste Spiel vor der Tür, das auf den ersten Blick in eine ähnliche Kerbe schlägt. Zumindest wirkt es so – bei genauerem Hinsehen zeigen sich dann aber doch deutliche Unterschiede.
Rund 13 Jahre ist es inzwischen her, dass Tomodachi Life auf dem Nintendo 3DS erschien und dort ein beachtlicher Erfolg wurde. Entsprechend groß ist die Vorfreude: Viele Fans warten seit Jahren auf eine Fortsetzung. Ganz so einfach ist die Sache aber nicht, denn streng genommen handelt es sich hier gar nicht um den zweiten Teil der Reihe. Bereits 2009 erschien mit Tomodachi Collection ein erster Ableger – allerdings ausschließlich in Japan und damit nie offiziell im Westen.
Wir hatten nun die Möglichkeit, das neue Spiel bereits ausführlich vorab zu testen. Erste Eindrücke haben wir schon in unserer Preview geschildert, jetzt können wir uns jedoch ein deutlich klareres Gesamtbild machen.
Miis feiern ihr Comeback
Wisst ihr eigentlich noch, was Miis sind? Auf der Switch fast schon in Vergessenheit geraten, feiern sie hier ihr großes Comeback. Bevor es losgeht, erstellen wir unseren ersten eigenen Bewohner bzw. Bewohnerin – und genau hier zeigt sich schon eine der großen Stärken des Spiels.
Der bekannte Mii-Maker dient erneut als Werkzeug, wurde aber um neue Funktionen und Anpassungsmöglichkeiten erweitert. Der Kreativität sind damit kaum noch Grenzen gesetzt: Ob man sich selbst, Freunde, Familie, Promis oder komplett fiktive Figuren erschaffen möchte – alles ist möglich.
Eine Einschränkung gibt es allerdings: Das Importieren von Mii-Designs aus externen Quellen ist nicht mehr möglich, was gerade für weniger kreative bzw. talentierte SpielerInnen schade sein dürfte. Lokal lassen sich Designs weiterhin übertragen.
Mit der neuen „Schminke“-Funktion sind dafür deutlich detailliertere Miis möglich – vorausgesetzt, man bringt das nötige künstlerische Talent mit. Glücklicherweise existieren bereits erste Websites, die als Inspirationsquelle dienen und sogar konkrete Einstellungen für bestimmte Designs zeigen.
Nintendo nimmt Neulinge zudem stärker an die Hand: Über ein Fragen-System lässt sich automatisch ein Mii generieren, das anschließend noch angepasst werden kann. Auch bei den Beziehungen gibt es Fortschritte. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind nun möglich und die Partnerpräferenzen lassen sich individuell festlegen – inklusive Optionen wie „Nicht-binär“. Ein Schritt, der besonders im Vergleich zum 3DS-Vorgänger positiv auffällt, der damals genau dafür Kritik einstecken musste.
Inselleben, Alltag und Wachstum
Mit zunehmender Anzahl an Bewohnern wächst auch die Insel. Bis zu 70 Miis können gleichzeitig einziehen und schalten nach und nach neue Einrichtungen frei – vom Supermarkt über Boutiquen bis hin zu Möbel- und Einrichtungsläden. Auch die bebaubare Fläche erweitert sich stetig, wodurch immer mehr Möglichkeiten entstehen, die eigene Insel zu gestalten.
Gestaltung ist ein gutes Stichwort. Über das „Inseldesignzentrum“ lässt sich eure Insel nach Belieben umdekorieren. Ob Wege, Straßenlaternen, Getränkeautomaten oder eine Wagenladung verschiedener Deko-Elemente in zig Farben. Hier sollte für jeden was dabei sein. Ein großer Pluspunkt im Vergleich zu Tomodachi Life auf dem 3DS damals.
Neuigkeiten werden regelmäßig über die MNN-Nachrichtensender präsentiert, begleitet von der typischen Tomodachi-Sprachausgabe, die inzwischen fast schon Kultstatus erreicht hat. Sie klingt nach wie vor etwas gewöhnungsbedürftig, versprüht aber gleichzeitig ihren ganz eigenen Charme. Auch hier gibt es viele Anpassungsmöglichkeiten für die Stimmen.
Eine klassische Story sucht man hier allerdings vergebens. Stattdessen geht es darum, das Inselleben zu beobachten und aktiv mitzugestalten. Wir kümmern uns um die kleinen und großen Probleme unserer Miis, sorgen für Nahrung, Kleidung, Einrichtung oder knüpfen Beziehungen zwischen ihnen. All das läuft dabei in Echtzeit ab. Langfristige Events, die reale Zeit benötigen, sind mir aber nicht untergekommen.
Zwischen Wahnsinn, Wohlfühlfaktor und … Fischen?
Die wahren Highlights sind jedoch die oft völlig absurden Situationen, in die unsere Miis geraten. Genau dieser Mix aus Weirdness und trockenem Humor fängt den Charme der Vorgänger perfekt ein. Manche Szenen sind so skurril, dass man einfach nur schmunzeln kann – oder sich ernsthaft fragt, was man da gerade erlebt hat. Das Spiel nimmt sich selbst nie zu ernst und liefert regelmäßig herrlich schräge Momente, die einen auch mal laut auflachen lassen.
Trotz all dieser Stärken bleibt eine entscheidende Frage: Trägt das Konzept auch langfristig? Schon während der Preview kam dieser Gedanke auf. Die Antwort darauf muss letztlich jeder für sich selbst finden. Einige werden problemlos hunderte Stunden investieren, andere verlieren vielleicht schneller das Interesse. Wichtig ist vor allem, zu wissen, worauf man sich hier einlässt.
Längere Gaming-Sessions haben sich bei mir auch nicht eingeschlichen. Vielmehr vergleiche ich die Erfahrung gerne mit einem Aquarium. Ich schaue jeden Tag kurz vorbei, um zu sehen, wie es allen so ergeht. Im Zweifel füttere ich oder helfe bei Problemen aus. Gegebenenfalls muss ich das Aquarium mal sauber machen oder erweitern, manchmal kommt auch ein neuer „Fisch“ hinzu. Das war zumindest meine Spielweise. Jeder bzw. jede wird hier wohl anders an die Sache herangehen.
Miis so „lebendig“ wie nie
Tomodachi Life erscheint auf der Nintendo Switch – eine dedizierte Version für die Nintendo Switch 2 gibt es nicht. Die Fassungen sind weitgehend identisch, getestet wurde jedoch auf der neuen Hardware. Laut Nintendo profitieren wir hier von kleineren Verbesserungen wie leicht schnelleren Ladezeiten und einer etwas höheren Auflösung im Docked- sowie Handheld-Modus. Den speziellen Handheld-Boost-Modus unterstützt das Spiel allerdings nicht.
Optisch präsentiert sich der Titel solide. Kein Grafikfeuerwerk, aber natürlich ein deutlicher Sprung im Vergleich zum 3DS-Vorgänger. Besonders die neuen Animationen wissen zu gefallen: Die Miis wirken plastischer und lebendiger als je zuvor. Technisch läuft das Ganze stabil, allerdings ist die Bildrate auf 30 FPS begrenzt – gerade auf der Switch 2 hätte man sich hier etwas mehr gewünscht. Bei einem so statischen Spiel wie diesem ist das aber auch nicht so wild.
Beim Sound bleibt sich die Reihe treu. Die Musik plätschert entspannt vor sich hin, wirkt locker und leicht. Einige Tracks bleiben durchaus im Ohr und tragen gut zur typischen Tomodachi-Atmosphäre bei.
Für Diskussionen sorgte bereits vorher der Umgang mit geteilten Inhalten. Screenshots lassen sich weiterhin direkt auf der Konsole speichern und auch teilen – sofern man sich an Nintendos Richtlinien hält. Das direkte Übertragen der Bilder auf ein Smart-Device ist jedoch nicht mehr möglich.
Angesichts der vielen kreativen Möglichkeiten im Spiel will Nintendo hier offenbar stärker kontrollieren, was mit den Inhalten passiert. Da über kleine Umwege früher oder später ohnehin jeder Inhalt in den sozialen Medien landen kann, kann auch die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme bezweifelt werden.
Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden ist dabei klar als Einzelspieler-Erfahrung ausgelegt. Einen klassischen Online-Multiplayer, bei dem man die Inseln anderer Spieler in Echtzeit besucht – ähnlich wie etwa bei Animal Crossing – sucht man vergeblich.
Schräge Insel, zeitloser Charme
Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden bringt die Miis eindrucksvoll zurück und fängt den einzigartigen Charme der Reihe erneut ein. Das Spiel lebt von seinen absurden, oft herrlich skurrilen Situationen und dem trockenen Humor, der immer wieder für echte Lacher sorgt. Eine klassische Story braucht es dabei nicht – der Reiz entsteht durch das Beobachten, Eingreifen und Mitgestalten des Insellebens.
Spielerisch bleibt alles angenehm entschleunigt. Wer sich darauf einlässt, kann hier viele Stunden verbringen, die Insel wachsen sehen und immer neue kleine Geschichten entdecken. Gleichzeitig ist genau das auch die größte Hürde: Langzeitmotivation ist nicht garantiert und hängt stark davon ab, wie sehr man sich auf dieses offene, wenig zielgerichtete Konzept einlassen möchte.
Technisch solide, optisch stimmig und mit kleinen Verbesserungen auf der Switch 2 präsentiert sich das Spiel ohne große Schwächen, aber auch ohne echte Highlights. Unterm Strich ist Tomodachi Life ein sehr spezielles Erlebnis – charmant, eigenwillig und nichts für jeden, aber für Fans genau das, worauf sie seit Jahren gewartet haben.
Gameplay
Grafik
Sound
Sonstiges
Bildmaterial: Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden, Nintendo

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