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„Bestes deutsches Spiel“ – mit Nachwehen: Chained Echoes verklagt seinen Publisher nach Jahren

„Sammler müssen sich entscheiden“, so haben wir im November 2022 untertitelt. Der Hintergrund: Im Dezember sollte Chained Echoes erscheinen, First Press Games kündigte eine Handelsversion für eine Veröffentlichung im Sommer 2023 an. Gleich spielen oder auf die haptische Version warten?

Einige Interessierte haben sich für die physische Version entschieden – und es bitter bereut. Während Chained Echoes gefeiert wurde, unter anderem mit einer Nominierung bei The Game Awards und als „Bestes deutsches Spiel“ beim Deutschen Computerspielpreis, müssten Fans des Physischen warten. First Press Games lieferte schlicht nicht.

Auch Jahre nach dem versprochenen Liefertermin ist lediglich die Standardversion von Chained Echoes für PS4 an zahlende Kunden gegangen. Jetzt reicht es „Chained Echoes“-Entwickler Matthias Linda, der First Press Games verklagt. Neben der standardmäßigen PS4-Version wurden etliche weitere Varianten versprochen, darunter Retro- und Sammlereditionen und natürlich vor allem die Switch-Version.

„Es ist nun etwas mehr als zwei Jahre her, seit die physischen Exemplare von First Press Games veröffentlicht werden sollten, und bis jetzt ist im Jahr 2026 nichts angekommen außer der regulären PS4-Edition“, schreibt Linda an seine Unterstützer bei Kickstarter, wo er auch Perspektiven für Unterstützende aufzeigt.

Aus diesem Grund habe Linda eine Entscheidung treffen müssen. „Ich beende meine Geschäftsbeziehung mit FPG und bereite eine Klage vor. Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht und erfolgte nach reiflicher Überlegung. Bitte habt Verständnis dafür, dass ich aus rechtlichen Gründen nicht näher darauf eingehen kann.“

Im Dezember teilte man in einem düsteren Blogbeitrag mit, dass mehrere Projekte aufgrund „schwerwiegender Probleme mit neuen Geschäftspartnern“ auf Eis liegen. Zuvor gab es mit den alten Geschäftspartnern etliche Probleme, darunter Insolvenzen. Dazu gab es auch intern „ernsthafte Schwierigkeiten“. Im Januar hieß es, die Versandabteilung habe wieder den Betrieb aufgenommen. „Schrittweise“ gehe man nun die Probleme an. Zu denen gehört jetzt auch eine Auseinandersetzung mit Matthias Linda vor Gericht.

Bildmaterial: Chained Echoes, Deck13, Matthias Linda

13 Kommentare

  1. Allerdings weiß man nicht, wie es finanziell dort tatsächlich aussieht und ob diese Klage hier nun irgendwie zu einem unausweichlichen Schicksal führt.

    Naja man muss nur die ganze Geschichte mitverfolgt haben, um zu wissen, wies um die steht. Wenn es ihnen finanziell gut gehen würde, gäbe es diese ganzen Probleme nicht in dem Ausmaß. Die Mitarbeiter werden nicht ohne Grund den Laden verlassen haben. Eher kann man davon ausgehen, dass spätestens jetzt, wo man weiterhin dran festhält und quasi nochmal von Null an versucht alles auf die Kette zu kriegen, einiges an Eigenkapitel hineingeschmissen wird.
    Was man nicht vergessen darf ist, dass dieses "Limited Games" Konzept kein sehr rentables Geschäft ist. So ein Unternehmen gründet man nicht, um reich zu werden, sondern einzig allein aus Idealismus. "Limited Run Games" ist halt eine ziemlich Ausnahme in dem Gebiet, die wirklich erfolgreich wurden und eine Menge Geld wohl machen konnten. Allerdings passierte es dort auch oft auf Kosten der Qualität. Solange es keine teure Collectors ist, steckten die ja noch nie wirklich viel Mühe rein, damit es eben rentabel bleibt.
    Special Reserve Games und Super Rare Games sind danach die erfolgreichsten und beide spielen in einer erheblich kleineren Liga. Special Reserve profitierte zumindest von der Zusammenarbeit mit Limited Run Games.
    Die Meisten Limited Shops sind untergegangen und mussten ihre Pforten schließen.
    Man lebt dabei eben nur von der Hand zum Mund. Die Kosten sind enorm, gerade, weil man nur kleinere Mengen produzieren lassen kann, die Preise müssen aber noch im Rahmen bleiben, gerade weil es halt oft um kleinere Nischenspiele geht.
    First Press Games hat auch noch nicht so viele Spiele wirklich veröffentlicht, um große Geldreserven anzuhorten. Ich weiß auch gar nicht, ob es seid Chained Echoes überhaupt noch was gab, wo man irgendwie Geld hätte einnehmen können. Durch die ganzen Probleme, wie defekte Maschinen, die Probleme mit Produktionspartner etc. werden sie alle Reserven daher ziemlich aufgebraucht haben, wodurch wahrscheinlich auch die Mitarbeiter gegangen sind und man erstmal Wege suchte, wie man das in den Griff bekommen kann. Der Laden lag ja bereits das letzte Jahr größtenteils brach.^^
    Das ist ja nun mal auch der Grund, warum sie Anfragen auf Rückerstattungen ignorieren. Sie können das Geld nicht zahlen. Das war schon so, als der Entwickler von Goodboy Galaxy den Vertrag aufgehoben hat.
    Ich befürchte gar, dass wenn die Klage von Chained Eckoes durch ist und die es irgendwie überlegen sollten, was unwahrscheinlich ist, dass auch der Goodboy Galaxy Entwickler sich nochmal meldet.

    Es grenzt bereits schon an ein Wunder, dass die noch immer so hartnäckig weiterkämpfen. Es ist halt ein Kampf gegen Windmühlen, den man hier kämpft.
    Man muss halt wirklich kein Professor sein, um die Lage zu analysieren, in der sie sich befinden. Es wäre schön, wenn die irgendwie noch die Kurve kriegen würden und doch noch irgendwo Geldreserven gespeichert hätten, mit denen sie auch diese Klage überstehen werden... Doch ist das eher unwahrscheinlich. Die Sachlage ist ja doch schon ziemlich eindeutig.^^

    Die Frage ist eher, ob der Chained Echoes Entwickler nun den Stein ins Rollen brachte, der dafür sorgt, dass andere ebenfalls ihre Verträge auflösen. 7 oder 8 Entwickler sind da ebenfalls noch offen, die nicht sehr glücklich darüber sein dürften, dass die physische Version schon teilweise bis zu 6 Jahre auf sich warten lassen...^^

  2. Ja, das mag alles sein und unterm Strich, sehe ich da auch derzeitig eine eher düstere Aussicht. Ich selbst habe da einfach bloß noch die Hoffnung, dass es doch noch irgendwie vorwärts geht und die restlichen Projekte noch umgesetzt werden können bevor das Ganze endgültig den Bach runtergeht.

    Dennoch müssen wir erstmal schauen, was da letztlich noch ans Licht kommen wird, ob die bevorstehende Klage da etwas Tempo bei First Press Games reinbringen wird und sei es bloß in Form von klarer Kommunikation zur Gesamtsituation des Unternehmens und wie es bezüglich einzelner Projekte nun aussieht. Du hast mit deiner Wartezeit von sechs (!) Jahren zum Beispiel auch schon sehr viel Geduld bewiesen, @Weird. ^^

    Bei so vielen Jahren würde ich wohl schon den Gedanken zu meinem Letzten Willen bekommen, welches meiner beiden Kinder das erben soll, falls es doch noch erscheinen sollte. ^^

  3. Halte ich für recht unsympathisch diese Entscheidung. Als richtig würde ich es auch nicht bezeichnen, auch wenn es irgendwo nachvollziehbar ist. 2 Jahre sind jetzt aber meines Erachtens wirklich noch keine Zeitspanne, die direkt eine Klage rechtfertigt. Besonders wenn ohnehin bekannt ist, dass First Press Games gerade erst dabei ist, ihren Laden wieder ausm Schlamm zu manövrieren.
    Auf die Weise wird den Spielern nur endgültig die Chance auf ihre physische Version genommen. Es ist daher nicht nur eine Aktion gegen First Press, sondern eben auch die eigenen Spieler.
    Allerdings ist er auch nicht der erste. Der Entwickler von Goodboy Galaxy hat ebenfalls den Vertrag vor längerer Zeit gekündigt, nur ohne Klage. Das war auch schon unsympathisch, zumal es für die Vorbesteller eh schwierig wird ihr Geld zurückzubekommen. Wo keins vorhanden ist, ist schwer was zu bekommen...

    So oder so. Natürlich trägt First Press eine große Mitschuld am Schlamassel. Sie können zwar nichts dafür, dass ihre ganzen Partner es nicht auf die Reihe kriegten und die Qualitätsansprüche zu erreichen, zusätzlich zu den ganzen insolventen Partnern, aber die Kommunikation ist halt dennoch von Anfang an ziemlich unzureichend gewesen. Ich fürchte, dass betrifft auch die Kommunikation mit den Entwicklern. Ansonsten hätten man diese Situation vielleicht sogar vermeiden können.

    Es ist wirklich schade, da eine Klage so ziemlich eindeutig das Ende für First Press bedeuten wird. Sie haben ja so schon endlos viel Verlust gemacht durch die ganzen Verschiebungen. Die werden auch kaum das Geld zurückbekommen haben, was sie in die Produktionen gesteckt haben.
    Dabei war die Qualität bei ihren Releases wirklich einmalig. Ein paar Releases habe ich ja von denen hier rumstehen und die dürften wohl auch mit die qualitativ hochwertigsten meiner ganzen Sammlung sein. Aber es bringt natürlich nichts, wenn man die Sachen erst am eigenen Sterbebett ankommen... xD
    Bin auch mal gespannt, was mit meinen offenen Bestellungen passiert, sobald die dicht machen. Ich rechne stark damit, dass das Geld verloren sein wird... v,v

    Naja, das ist erst mal der richtige Schritt, um weiter Druck auszuüben. Eine Klage muss ja nicht automatisch das Aus bedeuten. Bis man sich vor Gericht trifft, dauert es in der Regel mehrere Wochen – das ist Zeit, die First Press (FP) noch hat, um endlich glaubhaft zu machen, dass sie liefern können. Ich denke, es wäre auch zu keiner Klage gekommen, wenn sie das Matthias Linda hätten glaubhaft machen können. Aber anscheinend konnte FP das nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass FP Herrn Linda auch nur sehr schleppend geantwortet hat, genau wie den unzähligen Kunden auch. Irgendwann ist der Geduldsfaden eben am Ende.

    Das nächste Problem ist ja, dass FP auf ihrer Webseite die Standard-Edition von Chained Echoes als lagernd ausweist, aber selbst diese liefern sie nicht!

    Die nehmen weiterhin Bestellungen entgegen obwohl Sie wissen das sie nicht liefern können!

    Ich bezweifle inzwischen sogar, dass FP überhaupt noch einen Überblick hat, welcher Kunde was geliefert bekommen soll. Ich habe bei FP laut ihrer Internetseite noch drei Bestellungen offen, die bezahlt, aber noch nicht geliefert wurden: Einmal die Chained Echoes Retro Edition und zweimal die Standard-Edition, die angeblich lieferbar sein soll.

    Die eine Standard-Edition habe ich bereits über PayPal storniert, sie steht bei FP aber weiterhin als „bezahlt und noch nicht verschickt“ drin. Die zweite Standard-Edition habe ich bei Klarna Anfang Februar als nicht versendet gemeldet, woraufhin die Zahlung von Klarna erst mal pausiert wurde. Da scheint sich seit Wochen auch nichts mehr zu tun, obwohl ,ich betone es noch mal, die Standard-Edition ja lagernd und lieferbar sein soll. Auf E-Mails wird gar nicht erst geantwortet.

    Ich werde FP jetzt auch noch mal eine E-Mail wegen meiner Retro Edition senden und eine Frist setzen, entweder zu liefern oder das Geld zurückzuzahlen. Ansonsten werde ich ebenfalls Anzeige erstatten. Die Klage von Herrn Linda ist ja nur für seine Kickstarter-Unterstützer, nur diese würden darüber ihr Geld zurückbekommen.

  4. Bin tatsächlich überrascht wieviel Nachsicht First Press Games da bekommt. Aber ich bin da auch nicht drin.
    Für mich sieht das so aus: Sie haben die Kohle, aber seit Jahren liefern sie nicht. Mach das mal als Privatperson =P

    Und wenn man pleite ist dann muss man halt Insolvenz anmelden.


    Klar, gibts immer DInger. Ich erinnere mich an das Double Fine Adventure bei dem Schaefer auf haleb Wege das Geld ausging und er dann anfing 50% des SPiels schon mal zu verkaufen, um den Kram noch irgendwie übers Ziel schieben zu können.

  5. Ich kann mir gut vorstellen, dass FP Herrn Linda auch nur sehr schleppend geantwortet hat, genau wie den unzähligen Kunden auch. Irgendwann ist der Geduldsfaden eben am Ende.

    Genau das ist es halt. Man hätte sich viel Ärger sparen können, wenn man die Kommunikation vernünftig auf die Reihe bekommen hätte. Ich gehe stark davon aus, dass bei Chained Echoes, sowie auch bei Goodboy Galaxy genau das der springende Punkt war, weshalb die Entwickler ihre Geduld verloren.

    Aktuell ist es eben schwierig für First Press, weil die einfach kein Personal haben. Die fangen ja mit diesem Jahr erst wieder an Leute einzustellen. Die sind halt alle gegangen im letzten Jahr, weshalb das Jahr ziemlich brach lag bei denen.
    Das wird auch das Problem mit dem System und sowas sein. Man braucht halt Leute dafür und alles auf einmal kann man eh nicht tun. Nun noch mit der Klage, wird man noch weniger Zeit haben um alles in den Griff zu bekommen. Das Personal Problem ist halt bekannt und wurde auch kommuniziert tatsächlich. Daher halte ich die Klage eben immer noch als Kontraproduktiv, weil am Ende die Kunden darunter leiden, die noch immer auf ihre Waren warten.

    Ist einfach eine scheiß Situation. Das Verhalten vom Chained Echoes Entwickler bleibt unsympathisch bzw. entweder das oder eben sehr kurzsichtig, dass er nicht dabei bedenkt, dass er damit auch gegen seine eigenen Spieler schießt. Aber dennoch ist es eben sein gutes Recht und im Prinzip auch nachvollziehbar. Da gibts natürlich nichts gegen einzuwenden. First Press hat da schon selber Schuld am Ende des Tages bzw. eine Mitschuld, abseits des ganzen Pechs, den sie hatten.
    Ich kann mich nur wiederholen, sowas passiert halt, wenn man son Laden aus reinem Idealismus führt und nicht unbedingt den besten Geschäftssinn hat. Aber genau deshalb tut der Untergang auch so weh. Wer bereits schon was von denen in der Vergangenheit erhalten hat, was inzwischen wohl nur noch ein kleiner Bruchteil der Käufer sein dürfte :D wird das sicherlich bestätigen können, wie viel Liebe und Mühe da tatsächlich drin steckt. Das ist tatsächlich einmalig heutzutage. Und bald sogar "keinmalig", wies aussieht... Nun ja...😅


    Bin tatsächlich überrascht wieviel Nachsicht First Press Games da bekommt

    So viel Nachsicht bekommen die eigentlich nicht wirklich. Bei Twitter werden die Leute verständlicherweise immer ungeduldiger und frustrierter 😅 Die meiste Nachsicht dürften eben die zeigen, da auch schon Sachen bekamen und daher wissen, was sie an Qualität dort bekommen. Und es ja immer so bei jedem Unternehmen... Wenn da Leute mit Idealismus und Leidenschaft hinterstecken sind Menschen generell eher dazu geneigt da mit Nachsicht ranzugehen, vor Allem wenn bekannt sind, dass viele der Probleme Gründe zu Grunde liegen, die das Unternehmen selber nicht beeinflussen kann. Am Ende ändert das natürlich nichts am Ergebnis aber es tut halt schon weh, wenn Herzensprojekte so viel Pech haben und man den Downfall mitverfolgen kann. Da ists egal, obs dann etwas wie First Press Games ist oder das liebenswerte kleine Café von nebenan 😅

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