Nachdem die chinesischen Großinvestoren von NetEase und Tencent diversen Studios – unter anderem vielen japanischen Persönlichkeiten – den Geldhahn zugedreht hatten, traf es im Sommer auch die Nagoshi Studio.
Im März wurde bekannt, dass NetEase seine finanzielle Unterstützung für Gang of Dragon eingestellt hatte. Kurioserweise nur wenige Wochen nach der ersten Enthüllung des heißerwarteten Projekts des Yakuza-Schöpfers Toshihiro Nagoshi im Rahmen der Game Awards.
Nagoshi machte sich dann auf die Suche nach einem Geldgeber, aber es gab keine Hinweise darauf, dass diese Suche erfolgreich war. Ganz im Gegenteil: LinkedIn-Profile von Entwicklern des Studios sprachen eine andere Sprache. Jetzt ist der letzte Nagel in den Sarg geschlagen.
Das 2021 gegründete Unternehmen wurde laut einer heute im japanischen Regierungsanzeiger Kanpo veröffentlichten Bekanntmachung am 31. Oktober durch einen Gesellschafterbeschluss offiziell aufgelöst.
Das ist – oder war – Gang of Dragon
Action, harte Kämpfe, Waffen, coole Typen, bekannte Schauspieler und Shinjuku – das waren die Zutaten für Gang of Dragon. Das sah ganz nach Nagoshi aus. Vielleicht sogar etwas nach den früheren Yakuza-Spielen.
Laut der Steam-Seite (die noch online ist) handelte es sich um ein Action-Adventure, das euch in die Rolle von Shin Ji-seong verschlagen sollte. Der Protagonist ist hochrangiges Mitglied eines koreanischen Syndikats mit Sitz in Kabukicho und sollte vom bekannten amerikanisch-südkoreanischen Schauspieler Ma Dong-seok verkörpert werden.
via Gematsu, Bildmaterial: Gang of Dragon, Nagoshi Studio

Ist vielleicht noch ganz interessant, wie weitreichend das ganze Debakel rund um NetEase noch geht: Es sind auch einige westliche Investitionen betroffen. Das Studio, wo auch Chris Avellone (WRPG-Legende) mit drin hängt (Red Info) und ebenfalls Finanzspritzen von NetEase erhalten hat, hat es ebenfalls erwischt. Also erwischt in dem Sinne, dass NetEase halt sämtliche Unterstützung stark eingeschränkt hat. Das hatte ich zufällig vor einigen Tagen nach dem BioWare-Aus mitbekommen, weil ich wissen wollte, was der so aktuell macht. Als freier Mitarbeiter ist er ja auch manchmal noch bei Obsidian aktiv.
Aber übler hat es halt die Studios getroffen, die komplett von NetEase Geldern finanziert wurden und von denen ins Leben gerufen worden sind. Und da hat es größtenteils eben die japanischen Studios getroffen. Da hat man ja Studios die Zahllungen verwehrt, ohne die Studiobosse zu informieren in manchen Fällen. Ähnlich wird es hier wohl auch gelaufen sein.
Dass du so ein vergleichsweise kleines Spiel wie Stupid Never Dies besser einem Publisher anbieten kannst als so ein Mammutprojekt wie Gang of Dragons ist keine Überraschung. Stupid Never Dies war zudem schon nahezu komplett fertig und ist nun zum Release ja auch ziemlich unter die Räder gekommen. Also was NetEase da veranstaltet hat ist unverzeihlich, aber bei einigen Projekten wird man wohl auch schon evaluiert haben, was mit den Geldern dann auch passiert ist. Ironischerweise hatte Sega Stupid Never Dies ein neues Zuhause gegeben, während Gang of Dragon von einem einstigen Sega-Urgestein nicht nur eingestampft wurde, sondern Nagoshi sich nun auch wieder anderen Studios regelrecht anbiedern muss, um wieder einen Job in der Spieleindustrie zu bekommen.
Ich hätte mich persönlich drüber gefreut, wenn Shift Up sich hier erbarmt hätte. Aber so ein großes Projekt mit hochkarätigen Namen ist immer ein Risiko. Und über allem thront Ryu ga gotoku was asiatische Gangster-Action angeht und ja weiter Erfolge feiert. Eine komplett neue IP ist eben kein Garant für den nächsten großen Hit, selbst, wenn der Ryu ga gotoku Schöpfer dahinter steckt.