Machen wir uns nichts vor: Spricht man von den gefeiertsten Spielen aller Zeiten, muss man selbstverständlich auch von „Ocarina of Time“ sprechen. Kaum ein Titel hat ein Genre so nachhaltig geprägt wie Links ambitionierter Sprung in die dritte Dimension. Die Konsequenz: Lobeshymnen, die heute so laut klingen wie 1998, als das Meisterwerk sein Debüt auf Nintendo 64 feierte.
Während dieser Lobgesang nach wie vor gerechtfertigt ist, lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die einst so „revolutionäre Grafik“ und „perfekte Steuerung“ zwangsläufig in die Jahre gekommen ist.
Wie gut also, dass passend zum 40. Jubiläum der Serie ein umfassend modernisiertes Remake in den Startlöchern steckt, das dem Genre-Meilenstein zu neuem Glanz verhelfen soll. Wir haben bereits zwei Stunden in die heißerwartete Neuauflage reingespielt.
Altes Meisterwerk, neuer Glanz
Wir starten unsere Anspielrunde im heimeligen Kokiri-Dorf, das visuell gleich mal zum ausführlichen Staunen einlädt. Ihr werdet die Direct-Ausgabe zum Spiel verfolgt haben und um die visuelle Detailliebe wissen, die Nintendo hier auffährt.
Zugegeben: Ich bin mit einer guten Portion Skepsis ins Hands-on, fremdelte ich eingangs doch mit dem für Nintendo untypisch realistischen Look. Böse Zungen könnten hier einen Vergleich zu ambitionierten Fan-Projekten anstellen, denen das Traditionsunternehmen in der Vergangenheit zuverlässig die Stecker zog.
Als ich den zipfelmützigen Helden selbst durch sein Dörfchen navigiere, fallen die Bedenken aber schnell von mir ab. Der geerdete Realismus harmoniert herrlich mit den Figuren, die ihrerseits die skurrilen Designs aus alten Tagen vorbildlich in die Moderne übersetzen. „Star Fox“- und „Majora’s Mask“-Designer Takaya Imamura vermutete im Nachgang der Präsentation, dass Shigeru Miyamotos Liebe für das japanische Puppentheater hinter dem Design der Figuren steckt.
Das ist zwar nicht offiziell bestätigt, die Ähnlichkeit zu Werken wie Shin Sanjūshi ist aber nicht von der Hand zu weisen. Wie dem auch sei: Mir fällt jedenfalls ein Stein vom Herzen, dass meine Skepsis unbegründet war. „Ocarina of Time“ ist ein echter Hingucker, lässt dabei aber keineswegs den magischen Charme des Originals vermissen.
Mein letzter Durchgang liegt mit der 3DS-Neuauflage übrigens schon über zehn Jahre zurück – das Kokiri-Dorf kenne ich trotzdem wie meine Westentasche. Ich schnappe mir also das Schwert und sammle das nötige Kleingeld, um einen zweckdienlichen Deku-Schild zu erwerben.
Dann werde ich beim arroganten Gartenzwerg Mido vorstellig, der mich nur zähneknirschend zum großen Deku-Baum durchlässt. Fans erinnern sich gleich an die folgende Audienz, die im Remake umso pomöser inszeniert ist. Der gewaltige Älteste hält seine Ansprache nun voll vertont – stilecht mit brummiger Erzählerstimme und wahlweise sogar in deutscher Sprache!
Süße Nostalgie
Was im Deku-Baum passiert, wissen Fans. Wie das allerdings im Remake aussieht, müssen wir mit der Vollversion herausfinden – nach dem Fund der Steinschleuder ist nämlich erstmal Schluss. Stattdessen führt uns ein zweiter Spielstand hinaus auf die Ebene von Hyrule.
Vorher bekommen wir von unserer Kindheitsfreundin Saria aber noch die titelgebende Okarina in die Hände gedrückt. Der rührende Abschied findet erneut im Rahmen einer voll vertonten und charmant inszenierten Zwischensequenz statt.
Im weiten Grün der Hyrule-Ebene lassen wir dann erstmal die Kamera kreisen, um alle Details aufzusaugen. Dabei gleich auffällig: So „weit“ wie in meiner nostalgischen Erinnerung wirkt das Grasland gar nicht. Schränkte die N64-Technik seinerzeit noch ein, wie weit wir in die Ferne blicken konnten, sind im Remake sämtliche points of interest auf Anhieb erkennbar. Hier erblicken wir Kakarikos Windmühle, dort drüben ragt der mächtige Todesberg in den Himmel. Dann ist da die Lon-Lon-Ranch und na klar, Hyrule-Stadt fällt samt Schloss auch gleich ins Auge.
Letztere wird dann auch zu unserem Ziel erklärt; wir lassen uns aber Zeit mit unserer Ankunft und erfreuen uns stattdessen an der mächtig aufgebohrten Optik. Wie die Sonne das Land küsst und das Gras im Wind weht, ist beeindruckend. Nicht, weil hier neue grafische Maßstäbe gesetzt werden, sondern weil man „Ocarina of Time“ seit beinahe 30 Jahren mit seinem bescheidenen Low-Poly-Look verbindet.
Links erstes 3D-Abenteuer in solch modernisierter Optik live zu erleben, hat schlicht etwas unheimlich Nostalgisches. Da lässt es sich auch verschmerzen, dass die aufwendige visuelle Modernisierung nicht frei von Makeln ist. Wir beobachten vor allem regelmäßiges Kantenflimmern – nicht hübsch, aber auch kein Beinbruch.
Äußerst erfreulich gestaltet sich derweil der Umstand, dass der Titel nahezu immer mit stabilen 60 fps läuft – Hut ab. Unsere Impressionen stammen übrigens ausschließlich aus dem TV-Modus; auf den Handheld-Modus hatten wir keinen Zugriff.
Ein „gutes“ Remake?
Auf dem Marktplatz der Stadt angekommen, fallen uns einmal mehr vertraute Szenen in die Augen. Da ist etwa das verliebte Paar, das turtelnd um den Brunnen tanzt; zwei Streithähne, die sich wild gestikulierend Gemeinheiten an den Kopf werfen; ein kleines Mädchen, das einem Huhn nachjagt; und die alte Diva mit ihrem Hund. Wieder sind wir von einem wohligen Gefühl der Nostalgie beflügelt.
Insbesondere, weil wir diesmal nicht vor einer verwaschenen JPEG-Kulisse agieren, sondern mit frei bedienbarer Kamera durch die detailverliebten Straßen und Gassen spazieren. Überall gehen die ulkigen Stadtbewohner ihrem Alltag nach; es wuselt förmlich an allen Ecken. Das fängt auch die Tonspur vorbildlich ein, indem wir neben modernisierter Musik allerhand Stadtgemurmel auf die Ohren gelegt bekommen.
Wir wagen noch einen Abstecher auf den Schießstand und heimsen dank überarbeiteter „Breath of the Wild“-Gyrosteuerung auch gleich einen Preis ein. Dabei drängt sich nochmal der Gedanke auf, ob diese „originalgetreue Adaption“, wie Nintendo sie nennt, nicht hinter ihrem Potenzial bleibt.
Keine Frage, das alles sieht toll aus und fühlt sich gut an, aber wäre ein solches Remake nicht eine hervorragende Gelegenheit, um nicht nur an der Präsentation, sondern gleichermaßen am Spiel als solchem zu schrauben?
Man denke etwa an die Remakes von „Final Fantasy VII“ oder „Resident Evil 2“, die auf vertrautem Fundament fußen und trotzdem ihr eigenes Süppchen kochen. Eine richtige Antwort gibt es hier wohl kaum, sicherlich aber eine große Menge an Stoff für eine Diskussion darüber, was ein „gutes“ Remake ausmacht.
Meine persönlichen Bedenken werden jedenfalls zerschlagen, als uns mit dem dritten Spielstand der mit Abstand spannendste Teil des Hands-on präsentiert wird. Es geht in den schaurigen Waldtempel.
Herrenhaus statt Waldtempel
Dazu schlüpfen wir bekanntlich in die Rolle des erwachsenen Link, mit dem wir erst einmal zwei fiese Werwölfe an der Pforte zum Tempel verhauen. Wie im Original visieren wir Feinde auf Knopfdruck an, um im Folgenden um sie zu tänzeln und bei Bedarf zum Ausweichsprung anzusetzen. Das geht heute noch genauso sauber von der Hand wie Ende der 90er, sieht aber um einiges schicker aus. Schlagen wir selbst zu, werden Treffer etwa von schickem Effekt- und Partikelgewitter begleitet, da macht das Verdreschen von Feinden gleich nochmal mehr Spaß.
In den folgenden 60 Minuten haben wir freie Bahn – der gesamte Waldtempel darf erobert werden. Als wir vorfreudig ins Innere des Dungeons stürmen, werden wir von einem überraschenden Anblick begrüßt. Im Original noch eine karge, grau-braune Ruine erstrahlt der Tempel im Remake in neuem Glanz.
Gedämpftes Laternenlicht beleuchtet holzverkleidete Wände, Bleiglasfenster tauchen Korridore in unterschiedliche Farben und Nebelschwaden huschen über den Boden. Der Waldtempel erinnert beinahe an ein Blutsauger-Schloss, das Herrenhaus aus Resident Evil oder – um beim naheliegenden Nintendo-Beispiel zu bleiben – Luigi’s schaurige „Mansion“. Was für ein Facelift!
Spätestens bei der Erkundung des Tempels wollen wir die grundlegend überarbeitete Steuerung nicht mehr missen. Mit der frei bedienbaren Kamera behalten wir in den verwinkelten Innereien des Dungeons die Übersicht, die damals gern mal flöten ging.
Wir führen unseren Bogen so zielsicher wie nie zuvor, um flammende Pfeile auf eisige Ziele zu feuern, und springen auf Knopfdruck leichtfüßig von einer Plattform zur nächsten. Okay, zugegeben: Letzteres Feature ist angesichts des identischen Level-Designs eher Marke „nice to have“ – aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Zeitloser Spielspaß
Nachdem wir alle Winkel des Dungeons erkundet und sichergestellt haben, dass sämtliche Schätze erbeutet wurden, machen wir uns auf, den Boss des Tempels aufzumischen. Ihr erinnert euch sicher noch an die Konfrontation mit Phantom-Ganon: Wir scheuchen den Schergen aus Gemälden und schleudern seine Zauber auf ihn zurück – genau so wie damals. Und das bereitet dank intuitiver Steuerung und fantastischer Optik nach wie vor großen Spaß.
Wir sind sogar fast ein bisschen überrascht, wie viel Spaß wir haben, ist die Spielerfahrung im Kern doch identisch zu einem Titel, der beinahe 30 Jahre auf dem Buckel hat. „Ocarina of Time“ beweist mit dem Remake, wie zeitlos gut es ist, und vielleicht ist genau deswegen eine „originalgetreue Adaption“ genau das, was es gebraucht hat.
Warum etwas reparieren, das nicht kaputt ist? Wir legen den Controller seufzend beiseite – am liebsten hätten wir noch den ganzen Nachmittag weitergespielt. Zum Glück dauert es nicht mehr lang, bis wir unser Abenteuer fortsetzen dürfen – The Legend of Zelda: Ocarina of Time erscheint am 5. November 2026 für Switch 2.
Bildmaterial: Zelda: Ocarina of Time, Nintendo

Endlich mal wieder frei zwischen Weihnachten und Neujahr. Endlich mal wieder ein klassisches 3D Zelda. Es wird.... ein Fest!
Danke für den Eindruck. Als jemand der das Spiel noch nie gespielt hat bin echt gespannt ob es mir auch gefallen wird. Aus dem Grund wäre es auch mal interessant zu lesen was Leute von dem Spiel halten die es noch nie gespielt haben (meine ich natürlich nicht als Kritik an dem Beitrag hier).
Also ich muss vorab erstmal die Preview loben. Das ist mir wichtig, weil man meinem Beitrag wirklich sonst zur Last legen könnte, ich stürze mich einzig und allein auf dieses Schlusswort am Ende. Ich denke, man kann die Begeisterung halt förmlich rauslesen und beweist einmal mehr, dass das Remake die optisch/technisch schönste und spielerisch zweifelsohne beste Version von Ocarina of Time werden wird. Glaube, ne Demo im eShop wird es nicht geben, aber brauche ich auch gar nicht.
Warum ich aber nun dieses Zitat ausgewählt habe: Ocarina of Time muss wahrlich nicht repariert werden. Aber wieso etwas zeitloses nicht ein kleines bisschen zeitloser machen? Ich habe gerade erstmals Yakuza Kiwami 2 beendet und habe halt noch gute Erinnerungen an der Original für PS2. Es ist zu nahezu 100% das gleiche Spielerlebnis wie das Original, aber in so vielen Facetten, Ecken und Enden wundervoll erweitert worden, dass ein bereits damals herausragendes Spiel noch einmal besser gemacht wurde. Technisch, spielerisch und inhaltlich. Und ich beiße mich da denke ich weiter fest, dass es wirklich eine verpasste Chance ist, den Dungeons nicht neue Kniffe zu verleihen und halt das Spielerlebnis allgemein in der Overworld etwas zu erweitern. Wenn du halt schon diese schöne neue Optik hast, wieso nicht die letzten Meter gehen und dem Spiel etwas verleihen, was es eben noch ein wenig mehr ausfüllen könnte in eben den bereits erwähnten Ecken und Enden.
Das bekommt man jetzt aus mir auch nicht mehr raus
Aber davon abgesehen bin ich halt heiß drauf und die Preview zeigt, dass Ocarina of Time eben unantastbar ist, was das Gesamtkonstrukt angeht. Einige behaupten, das Original sei mittlerweile zu angestaubt. Aber das stimmt so nicht. Am Spiel staubt es zwar ein wenig wie bei allen Videospielen, die aus der Ära kommen, aber das bezieht sich eben nur auf einige Gameplay-Elemente. Das Remake wird diese Aspekte dann auch komplett entstauben nun.
Mir gefällt euer Eindruck richtig gut und ich freue mich schon darauf, Ocarina of Time mit dem Remake zum ersten Mal selbst zu erleben. 😊
Gerade die überarbeitete Optik und die modernisierte Steuerung machen mich neugierig. Ich bin gespannt, ob mich das Abenteuer genauso verzaubern kann, wie es das Original damals bei so vielen Spielern geschafft hat.