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Angespielt! Zelda: Ocarina of Time verzaubert heute noch genauso wie vor beinahe 30 Jahren

Machen wir uns nichts vor: Spricht man von den gefeiertsten Spielen aller Zeiten, muss man selbstverständlich auch von „Ocarina of Time“ sprechen. Kaum ein Titel hat ein Genre so nachhaltig geprägt wie Links ambitionierter Sprung in die dritte Dimension. Die Konsequenz: Lobeshymnen, die heute so laut klingen wie 1998, als das Meisterwerk sein Debüt auf Nintendo 64 feierte.

Während dieser Lobgesang nach wie vor gerechtfertigt ist, lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die einst so „revolutionäre Grafik“ und „perfekte Steuerung“ zwangsläufig in die Jahre gekommen sind.

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Wie gut also, dass passend zum 40. Jubiläum der Serie ein umfassend modernisiertes Remake in den Startlöchern steckt, das dem Genre-Meilenstein zu neuem Glanz verhelfen soll. Wir haben bereits zwei Stunden in die heiß erwartete Neuauflage reingespielt.

Altes Meisterwerk, neuer Glanz

Wir starten unsere Anspielrunde im heimeligen Kokiri-Dorf, das visuell gleich mal zum ausführlichen Staunen einlädt. Ihr werdet die Direct-Ausgabe zum Spiel verfolgt haben und um die visuelle Detailliebe wissen, die Nintendo hier auffährt.

Zugegeben: Ich bin mit einer guten Portion Skepsis ins Hands-on, fremdelte ich eingangs doch mit dem für Nintendo untypisch realistischen Look. Böse Zungen könnten hier einen Vergleich zu ambitionierten Fan-Projekten anstellen, denen das Traditionsunternehmen in der Vergangenheit zuverlässig die Stecker zog.

Als ich den zipfelmützigen Helden selbst durch sein Dörfchen navigiere, fallen die Bedenken aber schnell von mir ab. Der geerdete Realismus harmoniert herrlich mit den Figuren, die ihrerseits die skurrilen Designs aus alten Tagen vorbildlich in die Moderne übersetzen. „Star Fox“- und „Majora’s Mask“-Designer Takaya Imamura vermutete im Nachgang der Präsentation, dass Shigeru Miyamotos Liebe für das japanische Puppentheater hinter dem Design der Figuren steckt.

Das ist zwar nicht offiziell bestätigt, die Ähnlichkeit zu Werken wie Shin Sanjūshi ist aber nicht von der Hand zu weisen. Wie dem auch sei: Mir fällt jedenfalls ein Stein vom Herzen, dass meine Skepsis unbegründet war. „Ocarina of Time“ ist ein echter Hingucker, lässt dabei aber keineswegs den magischen Charme des Originals vermissen.

Mein letzter Durchgang liegt mit der 3DS-Neuauflage übrigens schon über zehn Jahre zurück – das Kokiri-Dorf kenne ich trotzdem wie meine Westentasche. Ich schnappe mir also das Schwert und sammle das nötige Kleingeld, um einen zweckdienlichen Deku-Schild zu erwerben.

Dann werde ich beim arroganten Gartenzwerg Mido vorstellig, der mich nur zähneknirschend zum großen Deku-Baum durchlässt. Fans erinnern sich gleich an die folgende Audienz, die im Remake umso pompöser inszeniert ist. Der gewaltige Älteste hält seine Ansprache nun voll vertont – stilecht mit brummiger Erzählerstimme und wahlweise sogar in deutscher Sprache!

Süße Nostalgie

Was im Deku-Baum passiert, wissen Fans. Wie das allerdings im Remake aussieht, müssen wir mit der Vollversion herausfinden – nach dem Fund der Steinschleuder ist nämlich erstmal Schluss. Stattdessen führt uns ein zweiter Spielstand hinaus auf die Ebene von Hyrule.

Vorher bekommen wir von unserer Kindheitsfreundin Saria aber noch die titelgebende Okarina in die Hände gedrückt. Der rührende Abschied findet erneut im Rahmen einer voll vertonten und charmant inszenierten Zwischensequenz statt.

Im weiten Grün der Hyrule-Ebene lassen wir dann erstmal die Kamera kreisen, um alle Details aufzusaugen. Dabei gleich auffällig: So „weit“ wie in meiner nostalgischen Erinnerung wirkt das Grasland gar nicht. Schränkte die N64-Technik seinerzeit noch ein, wie weit wir in die Ferne blicken konnten, sind im Remake sämtliche Points of Interest auf Anhieb erkennbar. Hier erblicken wir Kakarikos Windmühle, dort drüben ragt der mächtige Todesberg in den Himmel. Dann ist da die Lon-Lon-Ranch und na klar, Hyrule-Stadt fällt samt Schloss auch gleich ins Auge.

Letztere wird dann auch zu unserem Ziel erklärt; wir lassen uns aber Zeit mit unserer Ankunft und erfreuen uns stattdessen an der mächtig aufgebohrten Optik. Wie die Sonne das Land küsst und das Gras im Wind weht, ist beeindruckend. Nicht, weil hier neue grafische Maßstäbe gesetzt werden, sondern weil man „Ocarina of Time“ seit beinahe 30 Jahren mit seinem bescheidenen Low-Poly-Look verbindet.

Links erstes 3D-Abenteuer in solch modernisierter Optik live zu erleben, hat schlicht etwas unheimlich Nostalgisches. Da lässt es sich auch verschmerzen, dass die aufwendige visuelle Modernisierung nicht frei von Makeln ist. Wir beobachten vor allem regelmäßiges Kantenflimmern – nicht hübsch, aber auch kein Beinbruch.

Äußerst erfreulich gestaltet sich derweil der Umstand, dass der Titel nahezu immer mit stabilen 60 fps läuft – Hut ab. Unsere Impressionen stammen übrigens ausschließlich aus dem TV-Modus; auf den Handheld-Modus hatten wir keinen Zugriff.

Ein „gutes“ Remake?

Auf dem Marktplatz der Stadt angekommen, fallen uns einmal mehr vertraute Szenen in die Augen. Da ist etwa das verliebte Paar, das turtelnd um den Brunnen tanzt; zwei Streithähne, die sich wild gestikulierend Gemeinheiten an den Kopf werfen; ein kleines Mädchen, das einem Huhn nachjagt; und die alte Diva mit ihrem Hund. Wieder sind wir von einem wohligen Gefühl der Nostalgie beflügelt.

Insbesondere, weil wir diesmal nicht vor einer verwaschenen JPEG-Kulisse agieren, sondern mit frei bedienbarer Kamera durch die detailverliebten Straßen und Gassen spazieren. Überall gehen die ulkigen Stadtbewohner ihrem Alltag nach; es wuselt förmlich an allen Ecken. Das fängt auch die Tonspur vorbildlich ein, indem wir neben modernisierter Musik allerhand Stadtgemurmel auf die Ohren gelegt bekommen.

Wir wagen noch einen Abstecher auf den Schießstand und heimsen dank überarbeiteter „Breath of the Wild“-Gyrosteuerung auch gleich einen Preis ein. Dabei drängt sich nochmal der Gedanke auf, ob diese „originalgetreue Adaption“, wie Nintendo sie nennt, nicht hinter ihrem Potenzial bleibt.

Keine Frage, das alles sieht toll aus und fühlt sich gut an, aber wäre ein solches Remake nicht eine hervorragende Gelegenheit, um nicht nur an der Präsentation, sondern gleichermaßen am Spiel als solchem zu schrauben?

Man denke etwa an die Remakes von „Final Fantasy VII“ oder „Resident Evil 2“, die auf vertrautem Fundament fußen und trotzdem ihr eigenes Süppchen kochen. Eine richtige Antwort gibt es hier wohl kaum, sicherlich aber eine große Menge an Stoff für eine Diskussion darüber, was ein „gutes“ Remake ausmacht.

Meine persönlichen Bedenken werden jedenfalls zerschlagen, als uns mit dem dritten Spielstand der mit Abstand spannendste Teil des Hands-on präsentiert wird. Es geht in den schaurigen Waldtempel.

Herrenhaus statt Waldtempel

Dazu schlüpfen wir bekanntlich in die Rolle des erwachsenen Links, mit dem wir erst einmal zwei fiese Werwölfe an der Pforte zum Tempel verhauen. Wie im Original visieren wir Feinde auf Knopfdruck an, um im Folgenden um sie zu tänzeln und bei Bedarf zum Ausweichsprung anzusetzen. Das geht heute noch genauso sauber von der Hand wie Ende der 90er, sieht aber um einiges schicker aus. Schlagen wir selbst zu, werden Treffer etwa von schickem Effekt- und Partikelgewitter begleitet, da macht das Verdreschen von Feinden gleich nochmal mehr Spaß.

In den folgenden 60 Minuten haben wir freie Bahn – der gesamte Waldtempel darf erobert werden. Als wir vorfreudig ins Innere des Dungeons stürmen, werden wir von einem überraschenden Anblick begrüßt. Im Original noch eine karge, grau-braune Ruine, erstrahlt der Tempel im Remake in neuem Glanz.

Gedämpftes Laternenlicht beleuchtet holzverkleidete Wände, Bleiglasfenster tauchen Korridore in unterschiedliche Farben und Nebelschwaden huschen über den Boden. Der Waldtempel erinnert beinahe an ein Blutsauger-Schloss, das Herrenhaus aus Resident Evil oder – um beim naheliegenden Nintendo-Beispiel zu bleiben – Luigis schauriges „Mansion“. Was für ein Facelift!

Spätestens bei der Erkundung des Tempels wollen wir die grundlegend überarbeitete Steuerung nicht mehr missen. Mit der frei bedienbaren Kamera behalten wir in den verwinkelten Innereien des Dungeons die Übersicht, die damals gern mal flöten ging.

Wir führen unseren Bogen so zielsicher wie nie zuvor, um flammende Pfeile auf eisige Ziele zu feuern, und springen auf Knopfdruck leichtfüßig von einer Plattform zur nächsten. Okay, zugegeben: Letzteres Feature ist angesichts des identischen Level-Designs eher Marke „nice to have“ – aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Zeitloser Spielspaß

Nachdem wir alle Winkel des Dungeons erkundet und sichergestellt haben, dass sämtliche Schätze erbeutet wurden, machen wir uns auf, den Boss des Tempels aufzumischen. Ihr erinnert euch sicher noch an die Konfrontation mit Phantom-Ganon: Wir scheuchen den Schergen aus Gemälden und schleudern seine Zauber auf ihn zurück – genauso wie damals. Und das bereitet dank intuitiver Steuerung und fantastischer Optik nach wie vor großen Spaß.

Wir sind sogar fast ein bisschen überrascht, wie viel Spaß wir haben, ist die Spielerfahrung im Kern doch identisch zu einem Titel, der beinahe 30 Jahre auf dem Buckel hat. „Ocarina of Time“ beweist mit dem Remake, wie zeitlos gut es ist, und vielleicht ist genau deswegen eine „originalgetreue Adaption“ genau das, was es gebraucht hat.

Warum etwas reparieren, das nicht kaputt ist? Wir legen den Controller seufzend beiseite – am liebsten hätten wir noch den ganzen Nachmittag weitergespielt. Zum Glück dauert es nicht mehr lang, bis wir unser Abenteuer fortsetzen dürfen – The Legend of Zelda: Ocarina of Time erscheint am 5. November 2026 für Switch 2.

 

Bildmaterial: Zelda: Ocarina of Time, Nintendo

10 Kommentare

  1. Ocarina of Time muss wahrlich nicht repariert werden. Aber wieso etwas zeitloses nicht ein kleines bisschen zeitloser machen?

    Da bin ich ja bekanntermaßen wirklich bei dir. Ich weiß, dass Ocarina of Time einen legendären Ruf hat, ein zeitloser Klassiker zu sein. Ich stimme zu, zumindest größtenteils - aber haben nicht Spiele wie Resident Evil 4 und Silent Hill 2 einen ähnlich legendären, unantastbaren Ruf gehabt?
    Trotzdem kamen die Remakes größtenteils wirklich gut an und im Falle von Resi 4 war auch ich begeistert und das, obwohl das Original mein liebstes Spiel aller Zeiten ist!
    Es gibt sogar viele Leute, die die Remakes bevorzugen (was auch wieder ne Debatte über "veraltete" Spiele aufgemacht hat, aber davon fang ich jetzt nicht wieder an, ihr wisst, wie ich dazu stehe).

    Und ich finde, auch Ocarina of Time hätte eine immer noch ähnliche, aber dennoch andere Version sein können, die konstant überrascht und sinnvoll erweitert. Ich bin überzeugt, hätte man hier eine ähnliche Qualität abgeliefert wie bei dem Resi 4 - Remake, wären auch hier die Stimmen, die OoT für "unantastbar" hielten, sehr positiv ausgefallen.

    Für mich wäre es weiterhin das Traumszenario gewesen, dass halt das Remake etwas ambitionierter ausfällt und das Original zumindest auch zum Kauf angeboten wird, statt hinter einem Abo versteckt zu sein. So hätten Fans beide Versionen direkt vergleichen können.
    Und die 3DS-Version wird leider für immer auf dem 3DS gefangen bleiben (ein HD-Remaster hätte ich fast noch mehr gefeiert).

    Na ja, schade um die vertane Chance. Freu mich trotzdem drauf. Wird sicher trotzdem Spaß machen, ist halt Ocarina of Time.

  2. Wie vermutet, wirken die dunklen Szenen fast schon wie gemacht für den Stil. Sehr atmosphärisch.

  3. Das sieht fantastisch aus :love: Dennoch werde ich warten, es ist wider nur ein Remake in schön. Dafür zahle ich keinen Vollpreis, die Gesamte kreative Arbeit war schon vorgegeben, Spielmechaniken und Ablauf ebenso. Dazu kommt aktuell zu viel und der Backlog ist riesig, auch wenn ich Zelda liebe, sobald man sich an die Grafik gewöhnt hat, ist der Zauber vermutlich größtenteils weg.

    Das liegt bei mir aber auch daran, dass ich auch absolut allen Plattformen unterwegs bin, allen die es sich gleich gönnen, wünsche ich viel Spaß und Freude damit <3<3

  4. Es sieht einfach so unfassbar schön aus 😍😍😍 ich brenne so. Darauf! Der nebel auf dem Boden im tempel und links Schild aufm Rücken das Licht reflektiert und und und ....omg ich glaube das ist das schönste Spiel das ich je gesehen habe

  5. Ich spiele normalerweise keine Action Adventures da ich sie zu langweilig finde. Aber das Spiel catcht mich. Urlaub für den 6.11 ist eingereicht und die Vorfreude steigt. Kann mich nicht mehr an die Zeit als Kind damit erinnern, also wird es eine neue Erfahrung :)

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