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Rückschlag für Stop Killing Games: EU-Kommission will keine neue Gesetzgebung empfehlen

Nachdem „Stop Killing Games“ in den letzten Wochen und Monaten einige positive Schlagzeilen schreiben konnte, gibt es heute schlechte Nachrichten. Zumindest, wenn man es mit den Grundsätzen der Kampagne hält.

Die EU-Kommission entscheidet sich gegen „Stop Killing Games“. Trotz der anfänglich positiven Resonanz sieht sie es nicht für geboten, eine neue Gesetzgebung zu empfehlen, die Publisher daran hindern würde, den Zugang zu Online-Spielen zu entziehen.

Stattdessen will die Kommission mit Vertretern der Industrie und von Verbrauchern zusammentreffen, „um einen branchenweiten Verhaltenskodex für den Umgang mit dem ‚Lebensende‘ von Videospielen zu erarbeiten“, sowie eine Aufklärungskampagne zu Verbraucherrechten fördern.

Die Entscheidung sei gefallen, da man auch das EU-Urheberrecht und weitere Schutzrechte zur Technologie in Videospielen berücksichtigen müsse, welche den Schaffenden große Freiheiten über die Kontrolle ihrer Werke gibt.

Für die Initiative ist das zwar ein Rückschlag, doch ihr Gründer sieht dennoch optimistisch in die Zukunft. Denn parallel steht der „Digital Fairness Act“ in der Ausarbeitung, der ebenfalls Videospiele betreffen wird. Das Gesetzesvorhaben soll Dark Patterns und andere Möglichkeiten einschränken, digitale Unterhaltung zum Nachteil der Kunden zu gestalten. Auch hierüber könne man positive Veränderungen für Videospiele erreichen.

via GamesRadar, Bildmaterial: The Crew, Ubisoft

20 Kommentare

  1. @Bobby Corwen

    Man kann Ross Scott oder einzelne Aktionen von Stop Killing Games kritisieren das ist völlig legitim. Aber die entscheidende Frage ist doch nicht, ob jede Aussage der Bewegung perfekt war, sondern ob das Grundproblem real ist: Verbraucher kaufen Spiele, die später durch Serverabschaltungen unbrauchbar werden, obwohl sie dafür Geld bezahlt haben. Dass die Initiative Unterstützer außerhalb der EU hat, macht das Anliegen nicht automatisch ungültig. Umwelt- oder Datenschutzorganisationen werden auch nicht wertlos, nur weil internationale Menschen sie unterstützen. Außerdem fordert Stop Killing Games nicht zwingend, dass jedes Online-Spiel für immer auf offiziellen Servern laufen muss. Der Kern der Forderung ist eher, dass ein bezahltes Spiel nach Support-Ende nicht vollständig zerstört wird etwa durch Offline-Modi, Community-Server oder andere praktikable Lösungen, sofern technisch möglich. Die Sorge vor Überregulierung kann ich verstehen. Aber ‚freiwillige Selbstverpflichtungen‘ der Industrie haben bisher nicht verhindert, dass gekaufte Spiele dauerhaft verschwinden.

    Deshalb wünschen sich viele Spieler zumindest klare Mindeststandards für den Erhalt bereits verkaufter Produkte. Und selbst wenn SKG nicht alle Forderungen durchsetzt, hat die Initiative bereits erreicht, dass das Thema europaweit diskutiert wird. Allein dieser Druck kann dazu führen, dass Publisher kundenfreundlichere Lösungen anbieten.

  2. Aber die entscheidende Frage ist doch nicht, ob jede Aussage der Bewegung perfekt war, sondern ob das Grundproblem real ist: Verbraucher kaufen Spiele, die später durch Serverabschaltungen unbrauchbar werden, obwohl sie dafür Geld bezahlt haben.

    Das Grundproblem ist real und da würde ich auch nie auf die Idee kommen, das zu bestreiten.

    Aus meiner Sicht ist es allerdings erstens noch nicht einmal in der Top 5 der drängendsten Probleme. Zweitens umgehen große Publisher per Abonnement, Free to Play und Cloud Gaming ohnehin zukünftig die Erwartungen, die Spieler an sogenannte Vollpreisprodukte haben.

    Außerdem fordert Stop Killing Games nicht zwingend, dass jedes Online-Spiel für immer auf offiziellen Servern laufen muss. Der Kern der Forderung ist eher, dass ein bezahltes Spiel nach Support-Ende nicht vollständig zerstört wird etwa durch Offline-Modi, Community-Server oder andere praktikable Lösungen, sofern technisch möglich.

    Wenn es zwingendes Gesetz ist, fällt der letzte Teil ja nun weg: Auch wenn technisch nicht möglich, auch wenn nicht praktikabel, muss die Offline-Version bereitgestellt werden. Oder Geld zurück. Das ist die unerbittliche Formulierung im kalifornischen Gesetzesentwurf AB 1921. Und exakt so platt und stumpf wie die AAA-Industrie behauptet, dass es dazu bei ihren Live-Service-Spielen herzlich wenig technische Möglichkeiten gibt, so platt und stumpf behauptet Stop Killing Games, dass das überhaupt kein Problem sei.

    Insbesondere behauptet Scott Stein und Bein – erneut im Update-Video von letzter Woche – dass eine entsprechende Architektur und End-of-Life-Plan bei der Konzeption neuer Spiele ja dann ohnehin berücksichtigt werden würde. Tritt jedoch der Protect our Games Act in Kalifornien in Kraft, gilt er für jedes Spiel, das nach dem 01. Januar 2027 erscheint, völlig egal, wieviele Jahre und Jahrzehnte der Entwicklungszyklus vorher dauerte. Von einer Grace Period ist nicht die Rede. Damit laufen auch nicht nur die AAAs ins offene Messer.

    Da bitte ich um Verständnis, dass ich hier nicht nur eine Seite sehe, die es sich viel zu einfach macht. Beide reden sich die Dinge schön und nehmen jeden opportunistischen Vorteil, der sich bietet. Keine Position kann ich hier für bare Münze nehmen. Die Industrie behauptet waghalsige Kosten zu dieser Kernforderung – Stop Killing Games, notabene ohne Spieleproduzenten in ihren Reihen, behauptet, es sei umsonst (oder sogar lukrativ). Die Initiative behauptet, die Rechte der Industrie nicht zu beschneiden, zwingt diese aber, einen fixen Zeitpunkt zu wählen, an dem sie das Spiel nicht mehr monetarisieren möchten, und geben eine bestimmte Serverarchitektur vor, um eine Offline-Variante zu ermöglichen.

    Ich kann nicht behaupten, dass ich durch die Komplexitäten der Spieleentwicklung durchblicke, und vielleicht hat einer mehr Recht als der andere. In keinem Fall ist die Situation so schwarz-weiß, wie es SKG behauptet. In komplexen rechtlichen Situationen neigt die EU aber zu Richtlinien. Das Kernprinzip heißt Verhältnismäßigkeit. Und wenn ich sehe, wie Kalifornien da mit Kanonen auf Spatzen zu schießen versucht, ist mir die EU doch hundertmal lieber.

    Das ganze Drama, das um die Situation gemacht wurde, zog natürlich auch Unterstützer an, mich hat's abgeschreckt. Wie du sagtest, und wie ich oben schon schrieb, die Initiative hat das Thema bekannt gemacht, das kann bereits einiges bewirken, und das war's auch wert. Vor 14 Jahren haben wir das Problem erschreckend frauenfeindlicher Spiele öffentlich diskutiert und in den Mittelpunkt gestellt, da gab's auch keine Gesetze zu, trotzdem hat sich gewaltig was geändert in der Industrie.

  3. @Bobby Corwen

    Na nimmt man einfach mal konkret das Beispiel der Community-Server, wäre es doch für die Entwickler oder die gesamten Studios sicherlich "ganz einfach" und Könnte doch sogar lukrativ Werden.
    Es bräuchten doch an von den Entwicklern / den Studios angestrebten Enden dessen offiziellen Online-Services-Games doch einfach nur die Daten von Dessen Servern für entsprechende Community-Server freigegeben werden, die Daten auf jene Community-Server übertragen werden, Vorher vll. sogar noch ein "kleiner Freikaufbetrag" vereinbart und gezahlt werden oder vll. sogar die Server / Teile Dessen, auf denen die Daten eh noch Entwickler- / Studio-seitig vorhanden sind als Community-Server(anteile) vermietet werden (wodurch es, in Beiden Fällen, eigene Community-Server / Serveranteile der Entwickler / Studios, mehr oder weniger lukrativ werden Könnte) und somit hätte sich dann doch die Sache für die Entwickler / die Studios erledigt, da sie doch dadurch dafür gesorgt hätten, dass es Möglichkeiten zum Erhalt gibt und die Verantwortung für den Erhalt quasi übertragen hätten.
    Oder übersehe ich hier eine oder gar mehrere Hürden?

  4. Danke für deinen ausführlichen Beitrag. Auch wenn wir bei Stop Killing Games nicht in allen Punkten derselben Meinung sind, schätze ich deinen Beitrag sehr.

    Du bringst Argumente von beiden Seiten und versuchst die Sache differenziert zu betrachten. Das sieht man hier leider nicht so oft (meistens auf "Ich hab recht" gerichtet). Meistens läuft es eher auf Schwarz-Weiß hinaus.

    Gerade deshalb finde ich deinen Beitrag angenehm zu lesen. Und das man merkt auch, dass du dir viel Gedanken gemacht hast und nicht einfach nur eine Seite verteidigst. Solche Diskussionen wie auf meine Augenhöhe mag ich deutlich lieber.

    Von solchen Usern wie du dürfte es im Forum ruhig mehr geben. ;)

  5. Gerade deshalb finde ich deinen Beitrag angenehm zu lesen. Und das man merkt auch, dass du dir viel Gedanken gemacht hast und nicht einfach nur eine Seite verteidigst. Solche Diskussionen wie auf meine Augenhöhe mag ich deutlich lieber.

    Von solchen Usern wie du dürfte es im Forum ruhig mehr geben. ;)

    Danke dir sehr herzlich für diesen Beitrag.

    Ich habe die Stimmung unter Spielern gerade in den letzten sechs Monaten als extrem aggressiv empfunden und bin an vielen Stellen im Netz für Kritik an SKG öffentlich hingerichtet worden. Der Vorwurf ging teils so weit, dass mich in einem anderen Forum Mitglieder als rechtsextrem bezeichnet haben.

    Aber wie bescheuert ist das denn, wenn wir uns gegenseitig die Köpfe einschlagen, wo wir doch im Protest gegen alle ausbeuterischen Geschäftspraktiken in der Spieleindustrie zusammenstehen müssen.

    Nach der Entscheidung des EU-Parlaments ist jetzt das Narrativ, dass korrupte Entscheidungsträger die Bemühungen von Stop Killing Games mit einem Schlag zunichte gemacht haben. Und das geht leider auch so weit, dass dieser hilflosen Wut hanebüchene Verschwörungstheorien entspringen. Da sind insbesondere youtuber und ihre Kommentarspalten sehr aktiv und kreativ. Laut enttäuschten Unterstützern gab es Anfang des Monats noch irgendwelche "Geheimtreffen" (die öffentlich angekündigt wurden), in denen nur zum Thema SKG gesprochen wurde (offizelle Themen waren Cybersicherheit und Jugendschutz) und der Ubisoft-CEO höchstselbst die Entscheidung (die 2025 bereits absehbar war) dem EU-Parlament in die Feder diktierte (die ganzen anderen Sprecher, etwa Michael Terhörst, saßen offenbar nur als Alibigäste rum und schaukelten sich die Eier ... ).

    Ich habe praktisch die letzten 25 Jahre damit zugebracht, solche entsetzlichen Verschwörungserzählungen anzusprechen, aufzudröseln und aus der Welt zu schaffen, weil sie absolut niemandem nützen. Sie vergrößern nur den Unmut, bis es zur Explosion kommt.

    Ubisoft hat auf den Druck der Konsumenten hin im Mai bereits eine Offline-Version von The Crew 2 zur Verfügung gestellt, vermutlich werden sie das Spiel nicht vor 2030 vom Netz nehmen. Das ist ja bereits ein beachtlicher Erfolg der Initiative, auch weil Ubisoft damit gegen seine angeblichen eigenen Interessen demonstriert hat, dass eine solche Offline-Variante für sie möglich ist.

    Das ist doch ein ganz gewaltiger Fortschritt, der ganz ohne zwingende Gesetze zustande gekommen ist.

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