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Nach Larian ist jetzt auch Clair Obscur im KI-Visier und Warhorse sagt, jeder macht es

Der Einsatz von generativer KI in der Kunst wird rege diskutiert, auch in der Videospielwelt. Die breite Ablehnung unter den Fans bekam in diesen Tagen auch Larian zu spüren. Das beliebte Studio mit dem ebenso beliebten Swen Vincke an der Spitze hatte bei The Game Awards das neue Divinity angekündigt.

In einem Interview mit Bloomberg am Rande der Enthüllung räumte Vincke offen ein, dass bei der Entwicklung auch generative KI zum Einsatz kommt, wenngleich davon im fertigen Spiel nichts mehr zu sehen sein wird. Präsentationen, Platzhaltertexte, frühe Skizzen erstellen – dann wird durch Menschenhand ausgearbeitet.

Man wolle niemanden ersetzen

Den Shitstorm gab’s trotzdem und Vincke nahm bereits Stellung: Man wolle doch „holy fuck nochmal“ niemanden ersetzen, im Gegenteil, man stelle weiter ein. Aber nichts ist so alt wie der Shitstorm von gestern. Im Zuge der Kritik an Larian geriet in den sozialen Medien auch Clair Obscur: Expedition 33 ins KI-Visier.

Nicht nur Washington-Post-Journalist Gene Park erinnerte daran, dass Sandfall schon im Juli in einem Interview die Nutzung von KI einräumte. Producer François Meurisse damals, relativ salopp, in einem Interview mit El Pais: „Wir nutzen etwas KI, aber nicht viel.“

Clair Obscur ist jetzt im Visier

„Der Schlüssel liegt darin, dass wir uns sehr klar darüber waren, was wir erreichen wollten und worin wir investieren wollten“, so Meurisse. „Und natürlich hat die Technologie es uns ermöglicht, Dinge zu tun, die vor kurzer Zeit noch undenkbar waren.“ Weiter ins Detail ging Meurisse nicht. Einige Fans zeigen sich enttäuscht, andere nehmen es locker.

Update, 21.12.2025: Sandfall at bei El Pais um ein Update des Artikels gebeten und folgendes Statement einfügen lassen. Darin räumt man ein, dass man KI-generierte Platzhaltertexturen verwendet hat, die innerhalb von fünf Tagen durch die korrekten Texturen ersetzt wurden. Das Statement im Original:

Following the publication of this article, Sandfall Interactive wishes to provide the following clarifications. The studio states that it was in contact with El País on April 25 – three months prior to this publication. During these exchanges, Sandfall Interactive indicated that it had used a limited number of pre-existing assets, notably 3D assets sourced from the Unreal Engine Marketplace. None of these assets were created using artificial intelligence.

Sandfall Interactive further clarifies that there are no generative Al-created assets in the game. When the first Al tools became available in 2022, some members of the team briefly experimented with them to generate temporary placeholder textures. Upon release, instances of a placeholder texture were removed within 5 days to be replaced with the correct textures that had always been intended for release, but were missed during the Quality Assurance process.

Weiter mit dem Originalartikel: Bei Reddit wurden schon vor sechs Monaten Texturen aus Clair Obscur: Expedition 33 gepostet, die offenbar KI-generiert sind. Sie wurden später herausgepatcht, heißt es. Der beliebte und inzwischen dank der The Game Awards 2025 wohl auch jedem bekannte Director Guillaume Broche hatte sich erst kürzlich in einem Interview zum Thema „KI“ geäußert. Dabei erteilte er dem Einsatz von KI im kreativen Prozess eine klare Kante.

Was über den Einsatz „in Bezug auf alles Kreative“ hinausgeht, da habe Broche aber „keine feste Meinung“. „Solange es funktioniert, ist es mir egal, aber wenn es um kreative Dinge geht und um Dinge, die von Herzen kommen müssen, bedeutet das für uns ein klares ‚Nein'“, so Broche gegenüber 3DJuegos via GamePressure.

Ein aktuelles Statement von Sandfall Interactive zur Thematik gibt es nicht – vielleicht folgt es. Als Gegengewicht zu den vielen Lobeshymnen über Sandfall gibt es inzwischen jedenfalls auch kritische Töne, falls ihr es schon mal vertiefen möchtet.

Etwas, was absolut jeder tut

Unterdessen hat sich der auch nicht ganz unumstrittene Daniel Vávra, Boss von „Kingdom Come“-Studio Warhorse, zu Wort gemeldet. Die „Hysterie“ um den KI-Einsatz vergleicht Vávra mit der Zerstörung von Dampfmaschinen im 19. Jahrhundert. „Larian sagte, sie würden etwas tun, was absolut jeder tut, und erntete dafür einen irrsinnigen Shitstorm“, so Vávra.

Vávra findet, man müsse der Realität ins Auge blicken. Ein KI-Beispiel, an dem er Gefallen findet, ist der KI-gestützte NPC: „Wäre es nicht nett, wenn man jeden alles fragen könnte, in einem RPG?“ Und Programmierer hätten in der Zukunft auf jeden Fall ein Problem. „Was wir mit dem Boom der Indie-Szene dank Steam erlebt haben, werden wir mit AAA-Spielen dank KI sehen.“

Was in dem ganzen Zusammenhang sicherlich auch ein Thema ist und worauf auch einige Fans in den sozialen Medien hinweisen, sind natürlich keineswegs offensichtlich KI-generierte Geschichten und Stimmen, sondern KI-Tools, wie sie schon seit Jahren zum Einsatz kommen. Natürlich nicht jeder KI-Einsatz bedeutet in der Folge, dass KI-generierte Kunst im fertigen Spiel landet. Oder, wie Vávra am Ende seines Beitrags ein wenig süffisant darstellt: „Ich habe KI verwendet, um diesen Text aus meiner Muttersprache zu übersetzen.“

via Play 3, Eurogamer, Tech 4 Gamer, Gene Park, Bildmaterial: Clair Obscur: Expedition 33, Bandai Namco, Kepler Interactive, Sandfall Interactive

37 Kommentare

  1. ich glaube, wer dem Nominierungsprozess zugestimmt hat, war sich einfach nicht bewusst, dass generative KI benutzt wurde oder war sich nicht klar, wie streng die Regeln da sind.


    Sandfall ist auch grad neu auf dem Spielfeld und haben niemals mit sonem Erfolg gerechnet. Wäre es nur ein kleines nettes Indiespiel mit ein paar hunderttausend Verkäufen geworden, hätts ja niemanden gejuckt. Trotz ihres Erfolges darf man ihnen also gerne ein wenig Welpenschutz zugestehen.


    Ich würde aber auch sagen, es herrscht schon lange eine generelle Unsicherheit darüber, wie genau man mit dem Thema insgesamt umgehen soll, weil man befürchtet, dass die Leute so sensibel reagieren könnten, dass es einem die eigene Karriere kaputt machen könnte. Und da will natürlich niemand der erste sein.

    Aber ich glaube auch, dass die Leute mit anderen Studios wie Ubisoft deutlich härter ins Gericht gegangen wären als mit Larian und Sandfall. Sie haben sich im Vorfeld durch gute Spiele, durch gute Interaktion mit den Fans, durch Statements mit denen sich Gamer identifizieren und durch Trasnsparenz eine so starke Reputation aufgebaut, dass sie für die Gaming Welt viel zu wichtig geworden sind, als dass man sie wegen sowas einfach wegwerfen würde.

    Deswegen ist es wahrscheinlich auch garnicht schlecht, dass es sie zuerst getroffen hat, denn da mag auch etwas Naivität reingespielt haben, aber letztenendes ist es nur so hochgekocht, weil beide Studios halt auch in dem Punkt transparenter waren als andere.

    Und ich bin deswegen auch sehr froh darüber, dass Larian sich vom Twitter Shitstorm nicht hat einschüchtern lassen sondern es ihn dazu motiviert hat, noch transparenter zu werden. Ich denke, damit können alle nur gewinnen.

  2. Sehr schwierig. Das mag bei Einzelkommentaren in den sozialen Medien auf jeden Fall so sein. Aber Kampagnenjournalismus? Findest du es nicht richtig, dass darüber berichtet wird? Wenn da jetzt keiner drüber schreiben würde und das würde nur in den sozialen Medien stattfinden, würdest du vielleicht sagen: "Das war ja klar, bei Clair Obscur berichtet keiner darüber."

    Klar, ist in Ordnung, wenn darüber berichtet wird. Die Frage ist aber immer WIE und im aktuellen Fall stolpere ich auch über das WANN. Man beruft sich hier um Kern auf (ungenaue) Angaben aus dem Sommer. Die hätte man durchaus auch schon im Vorfeld der IGAs berücksichtigen können, dann hätte sich dieses Zurückrudern/ Disqualifizieren hinterher vermeiden lassen.

  3. Das eigentliche Disaster ist, dass die Entwickler von Blue Prince, das anstatt Clair Obscur nun mit dem Award ausgezeichnet wurde, scheinbar ebenfalls die Verwendung von generativer AI zugegeben haben, auch hier geht es um Assets/Texturen, allerdings scheinen diese Assets auch nach wie vor im Spiel enthalten zu sein. Konsequenterweise müsste man jetzt also auch Blue Prince den Award wieder aberkennen. Und künftig bessere Recherche betreiben, denn diese ganze AI-Art Geschichte mit Clair Obscur und der Littfasssäule ist ja inzwischen Monate alt. Das waren ja keine neuen Erkenntnisse.

  4. Das eigentliche Disaster ist, dass die Entwickler von Blue Prince, das anstatt Clair Obscur nun mit dem Award ausgezeichnet wurde, scheinbar ebenfalls die Verwendung von generativer AI zugegeben haben, auch hier geht es um Assets/Texturen, allerdings scheinen diese Assets auch nach wie vor im Spiel enthalten zu sein. Konsequenterweise müsste man jetzt also auch Blue Prince den Award wieder aberkennen. Und künftig bessere Recherche betreiben, denn diese ganze AI-Art Geschichte mit Clair Obscur und der Littfasssäule ist ja inzwischen Monate alt. Das waren ja keine neuen Erkenntnisse.

    Das natürlich jetzt blöd aber ja meiner Meinung nach sollte dann Blue Prince den Preis auch aberkannt bekommen. Die Verantwortlichen für den Preis müssen tatsächlich da gründlicher recherchieren denn auf die Ehrlichkeit der Entwickler zu hoffen scheint ja nicht zu funktionieren. Auf jeden Fall sollten sie aber dennoch an der Regelung festhalten, da sowas meiner Meinung nach nichts in Kunst zu suchen hat und somit auch kein Preis verdient hat.

    Bin aber auch der Meinung das Steam auch mal den Entwicklern Konsequenzen geben sollte es ist schließlich Pflicht das dort anzugeben wenn ein Spiel AI benutzt. Während man bei Claire Obscure eine Absichtlichkeit argumentieren kann, scheinen die Entwickler von Blue Prince es anscheinend ja mit Absicht nicht angegeben zu haben, da sie ja wissen das diese noch im Spiel sind. Für sowas sollte es meiner Meinung nach von Steam her Konsequenzen geben. Außerdem wünsche ich mit so eine Regelung auch für die anderen Shops (Psn, E-shop usw.). Man kann Entwicklern nicht die Benutzung verbieten aber man sollte es zumindest transparent machen.

  5. Das natürlich jetzt blöd aber ja meiner Meinung nach sollte dann Blue Prince den Preis auch aberkannt bekommen.


    Das ist bis jetzt nur ein Gerücht ohne Beleg. Sonst hätte man da schon auf Reddit oder Twitter was konkretes zu gefunden. Ihr Publisher bekräftigte außerdem nochmal, dass keine KI eingesetzt wurde.


    Bin aber auch der Meinung das Steam auch mal den Entwicklern Konsequenzen geben sollte es ist schließlich Pflicht das dort anzugeben wenn ein Spiel AI benutzt.


    Grok sagt dazu:

    Der entscheidende Punkt ist, wie Steam den Einsatz von KI definiert und abfragt. Relevant ist ausschließlich, ob KI-generierte Inhalte im eingereichten Produkt vorgesehen sind oder ob das Spiel selbst zur Laufzeit KI nutzt, um Inhalte zu erzeugen. Interne Platzhalter, Tests oder verworfene Assets aus der Pre-Production, die nicht im finalen Build vorkommen, gelten nicht als deklarationspflichtige Inhalte.

    Ein temporärer Placeholder, der später vollständig ersetzt wurde, zählt aus Sicht von Steam nicht als KI-Nutzung im Spiel. Deshalb besteht keine Pflicht, dies im Content Survey anzugeben, und folglich erscheint auch kein entsprechender Hinweis auf der Store-Seite.

    Sehr schwierig. Das mag bei Einzelkommentaren in den sozialen Medien auf jeden Fall so sein. Aber Kampagnenjournalismus?


    Teilweise bin ich da schon bei @Kelesis . Ich würde nur die Indie Awards da nicht mit reinzählen. Aber wenn man sich die Reden von Vincke und Broche bei deren GOTY Gewinnen anhört, kann man feststellen, dass sie die ganze Hollywood-Gaming Industrie extrem gedemütigt haben. Sowohl mit der Spiele-Qualität als auch mit dem generellen Erfolg. Und einigen Aussagen, die dann nochmal das Salz in der Wunde waren. Und zwar richtig viel Salz. Sie haben ihnen die Hosen runtergezogen und in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht. Und das werden einige Leute sicher sehr übel und persönlich genommen haben. Denn dabei geht es auch um viel Geld. Dazu gehören nicht nur die Managements sondern auch viele Medien, die beschissenen oder kaputten Spielen viel zu hohe Wertungen geben, weil sie mit deren Aufmerksamkeit viel Geld verdienen wollen.

    Dazu kommt, dass es unter diesen Leuten tatsächlich eine recht große Abneigung bis Hass gegenüber Turnbased Spielen gibt. Man sieht darin etwas Unwürdiges. Etwas mit dem man kein Geld verdienen kann oder können sollte. Und aktuell gleichzeitig auch etwas was die eigenen Investitionen in große Action Franchises bedroht. Hinter den Kulissen mancher Managements und Medienhäuser brechen Weltbilder zusammen, wenn sie sehen, dass BG3 und E33 Rekorde brechen, die großen Preise abräumen und einen jahrelangen Longtail haben, die sie in den Top 10 der Verkaufscharts hält. Das ist zumindest das Gefühl, dass ich in vielen Gesprächen mit diesen Leuten bekomme.

    Es mag ein bisschen pathetisch klingen, aber ich sehe dahinter schon ein verstecktes System aus verschiedenen Interessen, die da ineinandergreifen und versuchen gegen Vincke und Broche zu arbeiten.

    Eine Sache darf man bei der ganzen Debatte auch nicht übersehen: Es gibt mehr Spiele bei denen AI Einsatz bekannt ist. Zum Beispiel Arc Raiders. Oder erinnert euch an Squares Ankündigung, dass sie zukünftig etwa 70 Prozent von QA und Debugging mit generativer KI erledigen lassen wollen. Die werden aber nicht in die Zange genommen. Von absolut niemanden. Es geht hier vielen also doch überhaupt nicht um KI...

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