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Coronavirus, Menschen, Memes: Wenn sich die Natur in Videospielen „zurückholt, was ihr gehört“

Liebe Leser, wie habt ihr das Wochenende verbracht? Dämonen in Doom Eternal* gejagt? Oder eure Insel in Animal Crossing: New Horizons* eingerichtet? Wie auch immer. Wahrscheinlich relativ isoliert, höchstens im Kreis eurer engen Liebsten. Das Coronavirus hat uns derzeit alle fest im Griff, ist ständig und überall ein Thema.

Eine der Begleiterscheinungen des Rückzugs der Menschen in manchen Gegenden ist es tatsächlich, dass die Natur sich erholt. In Venedig beispielsweise ist plötzlich das Wasser kristallklar und es tummeln sich wieder Tiere darin. Die Natur holt sich zurück, was ihr gehört, heißt es da. In den sozialen Medien gewann das Thema eine eigene Dynamik und endete in überzogen gefälschten Memes, in denen Leute Delfine durch Köln schwimmen lassen oder Brontosaurier durch Parks wanderten.

Schoßhündchen und Velociraptor erobern Tokio zurück

Da habe ich mich an ein fast zehn Jahre altes Spiel erinnert. Tokyo Jungle, das 2012 für PlayStation 3 erschienen ist. Das Action-Adventure spielt in einem post-apokalyptischen Japan, in dem die Menschheit seit etwa zehn Jahren nicht mehr existiert und die Natur die Städte zurückerobert. Genau genommen vor allem Tiere, vom Schoßhündchen bis zum Velociraptor.

Ihr übernehmt in Tokyo Jungle die Rolle von einem der Tiere. Menschen gibt es ja nicht mehr. Sich „zurückholen“, was der Natur gehört, ist gar nicht so einfach. Denn die anderen Tiere haben das auch vor und es kommt drauf an, wo man in der Nahrungskette steht. Oder anders: Es gilt zu überleben. Ihr jagt, erobert Reviere, zeugt Nachkommen. Ihr verbessert Fähigkeiten und könnt auch Kostüme erwerben. Es ist manchmal ziemlich bizarr.

Europäer fanden Tokyo Jungle „superwitzig“

Würde Tokyo Jungle jetzt in diesen Tagen erscheinen, würde es vielleicht in einem anderen Licht stehen als damals. Aber auch damals war man bei Publisher Sony anfangs gar nicht so überzeugt von Tokyo Jungle. Director Yohei Kataoka verriet damals in einem Interview, dass nicht viele anhand des Konzeptes an das Spiel glaubten. Besonders in Übersee bekam man aber positive Reaktionen und Europäer fanden Tokyo Jungle damals sogar „superwitzig“. So veröffentlichte man Tokyo Jungle dann auch im Westen.

Disaster Report 4: Falsche Zeit, falscher Ort

Dass es für Spiele mit Endzeitszenario auch anders kommen kann, zeigte Disaster Report 4 einst. Entwickler Irem musste die Veröffentlichung von Disaster Report 4 absagen. Das Spiel sollte 2011 erscheinen, im Jahr des schrecklichen Erdbebens in Japan. Ein Spiel, in dem man eine Katastrophenzeit spielt. Zu einer Zeit, in der eine solche Katastrophe ganz Japan beschäftigte. Kein guter Zeitpunkt für Irem, die an der Einstellung zerbrachen und pleitegingen.

Später kaufte Disaster-Report-Macher Kazuma Kujo mit seiner neuen Firma Granzella die Rechte am Spiel und offenbar auch alles, was bereits entwickelt worden war. Denn die Entwicklung wurde wieder aufgenommen. Es dauerte aber vier weitere Jahre, bis Disaster Report 4 erscheinen sollte. Nämlich erst im November 2018. Jetzt, im April 2020, wird Disaster Report 4: Summer Memories auch im Westen für PCs, PS4 und Nintendo Switch veröffentlicht. Was für eine Reise…

Fiese Pilzinfektion in The Last of Us

Die haben auch Joel und Ellie hinter sich, gemeinsam mit den wohl meisten von euch. The Last of Us ist für mich eines der besten Spiele aller Zeiten. Es ist eines der Spiele, die man nur einmal das „erste Mal“ erlebt und später aufzählt, wenn Leute einen fragen, welche Spiele man gerne nochmal zum „ersten Mal“ spielen würde. Mit einem grandiosen Soundtrack von Gustavo Santaolalla, den ich mir auch auf Vinyl gesichert habe.

Und auch wenn es jeder kennt, ich komme nicht umhin, The Last of Us trotzdem hier mit aufzuzählen. In dieser Aufzählung, die eigentlich gar nicht geplant war. In The Last of Us steht die Menschheit nach einer fiesen Pilzinfektion kurz davor, vollständig ausgerottet zu sein. Kann man sich nicht vorstellen, ist für Ameisen aber tatsächlich ein Thema. Die parasitische Pilz-Art Ophiocordyceps unilateralis wächst auf Ameisen und manipuliert deren Verhalten derart, dass der Wirt keine Kontrolle mehr über seinen Körper hat. Richtig gruselig. Aber wieder etwas gelernt. Auf The Last of Us: Part II* dürften sich die meisten trotzdem freuen.

Tja, da sind wir jetzt vom einen ins andere gestolpert. Dabei wollte ich eigentlich nur von euch wissen, wie ihr das Wochenende verbracht habt. Ich hoffe, verantwortungsvoll. Denn das Coronavirus wird uns wohl noch eine Weile beschäftigen. Es ist ernst.

Gerade heute einen Artikel mit drei Videospielen und Endzeitszenarien zu präsentieren, hat wohl auch ein bisschen was von… Galgenhumor? Am Anfang war tatsächlich nur das Meme, mein Gedanke an Tokyo Jungle und Zeit. Und jetzt dann doch: Was habt ihr gezockt, wie habt ihr das Wochenende verbracht? Und wenn wir schon mal dabei sind, dann gebt doch auch eure postapokalyptische Videospielempfehlung ab.

Bleibt gesund, achtet auf euch, auch für die anderen!

Tokyo Jungle für PS3 kostet im PSN derzeit 12,99 Euro, aber es war 2017 auch mal bei PlayStation Plus verfügbar, vielleicht gehört es also schon zu eurer Bibliothek. Disaster Report 4: Summer Memories* erscheint in Kürze erst in Europa. The Last of Us: Part II* erscheint im Mai für PlayStation 4.

Bildmaterial: Tokyo Jungle, SCE Japan Studio / Crispy’s; Disaster Report 4: Summer Memories, NIS America / Granzella; The Last of Us, Sony Computer Entertainment / Naughty Dog

9 Kommentare

  1. The last of us ist sicher kein schlechtes Spiel und ich habe es sogar versucht und der Anfang hat mir gut gefallen aber trotzdem kann ich irgendwie mit dem Spiel nicht so warm werden und hab es leider doch wieder abgebrochen.
    Glaub das liegt bei mir auch eher das ich nicht so gerne solche Games spiele wo man Menschen und Tiere tötet die eigentlich nicht wirklich böse sind. Ich brauch da so dieses Gute gegen Böse Ding in den Stories ^^

    Für mich kommt ab nächster Woche zu viel und bräuchte da einige Wochen Quarantäne^^
    One Piece, eine Woche später Resi 3 und die Woche drauf FF7 und dann 2 Wochen später Trials of Mana. Ach ja und Person 5 Royal kommt auch noch aber das kann warten bis alles andere fertig ist da ich die Story schon kenne
  2. Flynn schrieb:

    Glaub das liegt bei mir auch eher das ich nicht so gerne solche Games spiele wo man Menschen und Tiere tötet die eigentlich nicht wirklich böse sind. Ich brauch da so dieses Gute gegen Böse Ding in den Stories

    Aber die ganzen Zombies die man in Resident Evil erschießt sind doch völlig unschuldige Bürger ?(
    Während die Gegner in The Last of Us, die Menschen beispielsweise, wirklich Dreck am stecken habe. Plünderer, Vergewaltiger, Kannibalen. Bei Resident Evil gibts natürlich den bösen geheimnisvollen Pharmakonzern, aber zu 95% vernichtet man in Resident Evil unschuldige Menschen und unschuldige Tiere die aufgrund völlig kranker Experimente zu Biowaffen umgebaut wurden.

    Also nochmal zum Verständnis: Die Typen, die man in The Last of Us abmurkst sind keine guten Menschen. Jetzt kann man drüber diskutieren ob die den Tod verdient haben, genau so kann man dann aber auch mal wieder über die Todesstrafe diskutieren. Aber man kann, finde ich, nicht sagen man ist von der Gewalt in The Last of Us angewidert und dann zu ein paar Chips und Bier die ganzen Zombies in Resident Evil hinrichten. Beide Spiele haben natürlich einen völlig anderen Ansatz. Resident Evil ist das erwähnte Popcorn-Kino während The Las of Us die cineastische Schiene mit dem George A. Romero Ansatz fährt. Gesellschaftskritisch und im Menschen die wahre Bestie zu sehen. Genau wie in den Werken von Romero wird glaube ich auch in The Last of Us nicht erklärt, was genau nun der Auslöser für diesen Pilz war. Da Resident Evil natürlich völlig überspitzt ist stumpft man bei den Spielen automatisch ab. Aber im Grunde macht man da nichts anderes als bei The Last of Us.
  3. Also ich habe auch mein Wochenende pflichtbewusst zu Hause verbracht, maximal bei etwas Sonnenschein auf dem Balkon.
    Seit Freitag bin ich dann immer mal auf meiner tropischen (ok es gibt Birnen, nicht so tropisch, aber zumindest auf der Südhalbkugel gelegene) Insel in Animal Crossing verbracht. Es ist halt wirklich was einfaches für zwischendurch und zum runterkommen. Vielleicht kann es mich diesmal länger an der Stange halte, als der Teil, den ich für den DS hatte (Wild World oder so?), aber bisher finde ich ganz schön, vor allem so als Kontrast zu den täglichen Corona News.

    Die restliche Zeit habe ich mit meinem frühzeitig erhaltenen Personal 5 Royal verbracht, auch wenn ich noch nicht weit bin, Netflix hat mich Samstag viel von abgehalten, jaja, das Serien bingen...
    Auf jeden ist das ja dann wieder ein Fall für um die 100 oder eher über die 100 Stunden. Hoffentlich habe ich nicht wieder so einen Durchhänger wie in P5 (ungefähr nach der Futaba - Ark), da musste ich dann pausierten bzw. micht teilw. zwingen es zu Ende zu Spielen...

    Tokyo Jungle habe ich damals auf der PS3 gespielt und fand es toll! Allerdings war es doch irgendwie zu schwierig für mich, also meine Pflanzenfresser haben nie lange überlebt ^^"

    Ansonsten fällt mir kein Endszenario-Spiel ein...ich spiele so was eher nicht...außer vielleicht Horizon Zero Dawn, was ja irgendwie auch so etwas ist, nur das hier nach der Endzeit ja wieder eine neue Zeit für die Menschen begonnen hat!(Spoiler?) Und man erlebt ja durch die Sammelitems (Aufzeichnungen etc.) wie damals die Welt dann auch unterging. Und man sah ja auch die überwucherten Städte zum Teil, bzw. was davon noch übrig war.
    War das Spiel des Jahres 2017 für mich! ^^ ..nur den DLC müsste ich endlich mal auch noch angehen, der gammelt schon ewig auf meiner Festplatte rum...
  4. Untote Menschen und Tiere sind trotzdem was anderes als Lebende. Mir gefällt halt die ganze Art bei dem Spiel nicht so wirklich, vlt eben so wie du es beschrieben hast wegen der cineastischen Schiene. Ich kann zbsp auch mit Uncharted, Red Dead Redemption nichts anfangen obwohl die Spiele gut aussehen
  5. Das Wochenende hab ich tatsächlich mit Catherine verbracht und werde auch weiterhin noch ein paar Mal durch Alptraumszenarien hetzen.

    Aufgrund der Menschen leeren Straßen, hab ich letztends aber noch an NieR Automata denken müssen, wo sich zwei Fraktionen einen erbitterten Kampf liefern und die Menschheit sich auf den Mond zurückgezogen hat.
    Ahem.

    Hab mir gleich mal wieder den OST dazu reingezogen ^^

    Hoffentlich rennen hier demnächst keine Wildschweine und Elche durch die Gegend. Sonst ist die Apokalypse gewiss :D
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