Stellar Blade erschien 2024 zunächst zeitexklusiv für PlayStation 5, bevor Shift Up im Sommer 2025 mit einer PC-Version nachlegte. In diesem Jahr folgte dann die durchaus überraschende Nachricht: Auch Nintendo Switch 2 bekommt eine eigene Umsetzung – und die soll noch 2026 erscheinen. Erst in der vergangenen Woche gab es dazu einen neuen Trailer sowie ein frisches Key-Artwork zu sehen.
Mit der sogenannten Stellar Blade Complete Edition bekommt die Nintendo-Konsole dabei gewissermaßen das Rundum-sorglos-Paket. Die zahlreichen kosmetischen Inhalte, die seit der ursprünglichen Veröffentlichung hinzugekommen sind, sind hier bereits enthalten.
Fast interessanter ist allerdings die technische Seite. Schon auf PlayStation 5 war Stellar Blade ein sehr hübsches Spiel, das mit deinen detaillierten Charaktermodellen und Action- und Effektreichen Kämpfen beeindruckte. Uns interessiert deshalb besonders, ob die Portierung auf die „Switch 2“ gelingen kann.
Auf der Gamescom konnten wir die neue Version erstmals selbst ausprobieren und waren positiv überrascht. Dabei stand uns ausschließlich der Handheld-Modus zur Verfügung. Zusätzlich hatten wir Gelegenheit, mit dem CTO von Shift Up, DongKi Lee, ausführlicher über die technischen Herausforderungen der Umsetzung zu sprechen.
60 FPS sind das Ziel – mit einem unerwarteten technischen Kniff
Unsere Demo begann direkt mit dem Intro von Stellar Blade – und Shift Up hat sich damit nicht gerade die einfachste Stelle für eine Präsentation ausgesucht. Bereits die ersten Minuten fahren schließlich ordentlich auf: zahlreiche Gegner, Explosionen, Partikeleffekte und jede Menge Bewegung auf dem Bildschirm fordern die Hardware der „Switch 2“.
Trotzdem möchte Shift Up auf „Switch 2“ eine Ausgabe mit 60 Bildern pro Sekunde erreichen. Das gelingt nicht immer – deshalb nutzt man hier Frame Interpolation, um dem Ziel möglichst nahe zu kommen. Bis zur Veröffentlichung bleibt natürlich noch Zeit für weitere Optimierungen, um die letzten kleinen Framedrops in den Griff zu bekommen.
Für Shift Up steht ohnehin weniger eine technisch identische Version als vielmehr ein möglichst vergleichbares Spielgefühl im Mittelpunkt: „Ein Punkt, den wir in den Vordergrund gestellt haben, war, dass das Spielerlebnis – egal auf welcher Plattform man spielt – für alle gleich sein muss“, so CTO DongKi Lee.
Das gilt laut den Entwicklern insbesondere für Kämpfe, Bossgegner und die grundsätzliche visuelle Präsentation. Gleichzeitig soll der Wechsel zwischen Handheld- und Dock-Modus möglichst nahtlos funktionieren. Dass sich die reine Performance aufgrund der unterschiedlichen Hardware nicht vollständig gleichen kann, ist Shift Up natürlich bewusst.
Um die angestrebten 60 FPS auf Switch 2 überhaupt zu ermöglichen, greift das Studio zu einer interessanten Kombination verschiedener Technologien. DLSS wird für das Upscaling eingesetzt. Die Zielauflösung ist im Dock 1080p, im Handheld-Modus auf 720p.
Da die Switch 2 laut Shift Up allerdings keine DLSS Frame Generation unterstützt, bedient sich das Team zusätzlich bei AMD: „Wir würden also mit DLSS hochskalieren, das Ergebnis nutzen und dann die Frame-Interpolation von AMD einsetzen, um das Ziel von 60 Bildern pro Sekunde zu erreichen“, sagt so CTO DongKi Lee.
Konkret verwendet Shift Up die bereits aus der PC-Version bekannte Frame Generation, welche bei AMDs FSR 3.1 -Frame Interpolation genannt wird. Vereinfacht gesagt kombiniert die „Switch 2“-Version also Nvidias DLSS für das Upscaling mit AMD-Technologie, um das 60-FPS-Ziel zu erreichen.
Eve sieht weiterhin gut aus – das Upscaling aber nicht immer
Während unseres Hands-ons war diese technische Lösung durchaus sichtbar. Gerade an feinen Details machten sich die niedrigere interne Auflösung und die anschließende Bildrekonstruktion gelegentlich bemerkbar. Besonders auffällig war das teilweise leicht ausgefranste beziehungsweise gekräuselte Erscheinungsbild rund um Eves Haare – ein Problem, das auch andere Spiele zuvor bereits vor Herausforderungen stellte.
Die Kostüme gehören zu einem der bekanntesten Elemente von Stellar Blade 2 – deshalb wollten wir auch wissen, ob man hier feine Details verändern oder anpassen musste. „Also, eigentlich gab es keine Kompromisse bei der Kleidung. Es mussten keine Änderungen vorgenommen werden“, freut sich DongKi Lee. Durch die niedrigere interne Darstellung und die kleineren Buffer im Handheld-Modus können feine Details am Ende trotzdem etwas anders aussehen als auf PlayStation 5 oder PC. Genau diesen Unterschied konnten wir während unserer Spielzeit ebenfalls erkennen.
An anderer Stelle musste Shift Up dagegen sehr wohl optimieren. Eine der größten Herausforderungen war der Arbeitsspeicher der „Switch 2“. Vor allem Texturen mussten entsprechend angepasst werden. Dabei benötigen die Umgebungen und Landschaften laut den Entwicklern mehr Aufmerksamkeit als die Charaktere.
„Zum Beispiel benötigen Charaktere weniger Speicher und weniger Anpassungen, während Umgebung und Landschaft mehr benötigen. Wir wollten den Speicherverbrauch gleichmäßig auf einem sehr stabilen Niveau halten. Das war eine Anpassung, die vorgenommen werden musste und an der wir gearbeitet haben“, erklärt CTO DongKi Lee.
Dass gerade die Charaktere möglichst wenig Federn lassen sollten, erscheint bei Stellar Blade durchaus nachvollziehbar. Eve und ihre zahlreichen Outfits gehören schließlich zu den auffälligsten visuellen Merkmalen des Spiels.
Insgesamt kann sich das Ergebnis nach unserem ersten Eindruck wirklich sehen lassen. Natürlich erkennt und spürt man Unterschiede gegenüber der PS5-Version. Wer beide Fassungen direkt nebeneinanderstellt, wird auf „Switch 2“ Abstriche bei Bildqualität und teilweise Performance entdecken. Berücksichtigt man allerdings die schwächere Hardware und vor allem die Tatsache, dass wir Stellar Blade hier vollständig mobil spielen konnten, ist die Umsetzung bislang durchaus beeindruckend.
Shift Up musste mehr als nur die Grafik anpassen
Interessant war für uns außerdem, ob Shift Up von seiner Vergangenheit mit Mobile-Titeln wie Goddess of Victory: Nikke profitieren konnte. Eine direkte technische Verbindung gibt es laut dem Studio nicht, schließlich basieren beide Spiele auf unterschiedlichen Engines. Die jeweiligen Teams tauschen sich bei Themen wie Optimierung und Problemlösung allerdings untereinander aus.
„Die Entwicklerteams der einzelnen Titel tauschen sich in Bezug auf Optimierung und Problemlösung aktiv über ihre Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema aus“, erklärt man uns.
Die Portierung beschränkt sich zudem nicht einfach darauf, Grafikoptionen herunterzuschrauben. Shift Up musste Stellar Blade an die Eigenheiten der Nintendo-Hardware anpassen. Ein überraschend simples Beispiel dafür ist das HUD: Wechselt man vom Fernseher auf den wesentlich kleineren Bildschirm der Switch 2, muss auch die Darstellung der Texte entsprechend reagieren.
„Wenn man das Spiel also im Dock-Modus spielt und dann in den Handheld-Modus wechselt, ändert sich die Textgröße, weil der Bildschirm kleiner ist“, so CTO DongKi Lee.
Auch einige der besonderen Eingabemöglichkeiten der Nintendo-Konsole werden genutzt. So kommt die Bewegungssteuerung unter anderem beim Angeln sowie bei einem weiteren kleinen Schieß-Minispiel zum Einsatz. Es sind keine grundlegenden Veränderungen am Spiel, aber nette Ergänzungen, durch die sich die Portierung etwas stärker nach einer tatsächlich angepassten „Switch 2“-Version anfühlt.
Am wichtigsten blieb Shift Up während der Entwicklung jedoch das eigentliche Gameplay. Kämpfe, Rätsel und Bewegungsabläufe sollten sich auf Switch 2 möglichst genauso gut spielen wie auf den anderen Plattformen: „Wenn man im Handheld-Modus spielt, darf es keine Einschränkungen geben. Es muss reibungslos laufen.“
Gerade bei einem Spiel wie Stellar Blade, bei dem schnelle Reaktionen und präzises Timing eine große Rolle spielen, ist diese Priorisierung nachvollziehbar.
Technisch ambitionierter als erwartet
Nach unserer Gamescom-Session hinterlässt Stellar Blade auf Switch 2 einen überraschend guten ersten Eindruck. Shift Up kann die Unterschiede zur deutlich stärkeren PlayStation 5 natürlich nicht verschwinden lassen. Besonders beim Upscaling und bei feinen Details wie Eves Haaren merkt man im Handheld-Modus, dass im Hintergrund einige Tricks notwendig sind.
Dass wir ein Spiel dieser Größenordnung aber überhaupt mobil mit einem Ziel von 60 FPS spielen können, ist bereits bemerkenswert. Während unseres Hands-ons lief die Version größtenteils ordentlich, auch wenn es vereinzelt noch kleinere Performance-Schwankungen gab.
Spannend ist vor allem, welchen Aufwand Shift Up betreibt, um das grundlegende Spielerlebnis zu erhalten. DLSS, FSR-Frame-Interpolation, angepasste Speicherverwaltung, ein dynamisch angepasstes HUD und zusätzliche Nintendo-spezifische Eingabemöglichkeiten zeigen, dass hier mehr passiert ist als ein einfacher Port mit heruntergeschraubten Einstellungen.
Den Dock-Modus konnten wir auf der Gamescom leider noch nicht ausprobieren. Gerade dort wird interessant sein, wie sich das angepeilte 1080p-Bild auf einem großen Fernseher schlägt. Im Handheld-Modus hat uns die Umsetzung trotz ihrer sichtbaren technischen Kompromisse aber bereits positiv überrascht.
Auch wenn wir in der Vorabversion noch kleinere Schwankungen in der Framerate und mehrere Upscaling-Artefakte wahrgenommen haben, spielt sich Stellar Blade für die Switch 2 hervorragend – auch mit der neuen Gyro- und Maussteuerung. Und für alle, die Eve bislang nicht begleitet haben, wäre es gleichzeitig eine ziemlich umfangreiche Möglichkeit, das Abenteuer erstmals nachzuholen.
Bildmaterial: Stellar Blade, Shift Up

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