Branche News

Überall werden Stellen gestrichen – und wir erinnern uns an diese Worte von Satoru Iwata

Kaum eine Woche vergeht derzeit ohne neue Entlassungen in der Spielebranche. Ob bei Microsoft, PlayStation oder anderen großen Publishern – immer wieder verlieren hunderte Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz.

Die Leidtragenden sind dabei meist die EntwicklerInnen selbst. Umso bemerkenswerter wirken heute Aussagen des ehemaligen Nintendo-Präsidenten Satoru Iwata, die bereits mehr als ein Jahrzehnt alt sind.

„Mitarbeiter, die befürchten, entlassen zu werden …“

Bereits 2013 wurde Iwata von InvestorInnen gefragt, warum Nintendo trotz schwacher Geschäftszahlen keine größeren Umstrukturierungen oder Entlassungen plane. Damals schlugen die Produktionskosten und der Misserfolg der Nintendo Wii U voll auf die Geschäftszahlen durch. Seine Antwort ist bis heute vielen in Erinnerung geblieben:

„Wenn wir die Zahl der Mitarbeiter reduzieren, um kurzfristig bessere finanzielle Ergebnisse zu erzielen, wird die Arbeitsmoral sinken, und ich bezweifle ernsthaft, dass Mitarbeiter, die Angst vor einer Entlassung haben, Softwaretitel entwickeln können, die Menschen auf der ganzen Welt beeindrucken könnten.“

Schon zwei Jahre zuvor hatte Iwata selbst auf 50 Prozent seines Gehalts verzichtet, nachdem sich der Nintendo 3DS zunächst unter den Erwartungen verkauft hatte. Auch weitere Führungskräfte nahmen Gehaltskürzungen in Kauf. Statt Mitarbeitende zu entlassen, setzte Nintendo auf Kostensenkungen und effizientere Abläufe.

Ein weiterer Satz aus derselben Fragerunde wird heute ebenfalls häufig zitiert: „Ich bin der Meinung, dass die Entlassung einer Gruppe von Mitarbeitern langfristig nicht dazu beitragen wird, das Geschäft von Nintendo zu stärken.“

Nintendo verfolgt bis heute einen anderen Weg

Natürlich lässt sich die Situation nicht eins zu eins mit anderen Unternehmen vergleichen. Das japanische Arbeitsrecht erschwert betriebsbedingte Kündigungen deutlich stärker als etwa in den USA. Dennoch scheint Nintendo den damaligen Kurs bis heute fortzuführen.

Nach aktuellen Unternehmensangaben beschäftigt Nintendo weltweit 5.938 festangestellte Mitarbeitende – 308 mehr als im vorherigen Geschäftsjahr (hinzu noch 171 befristet Beschäftigte). Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit in Japan bei über 14 Jahren, was für eine außergewöhnlich hohe Mitarbeiterbindung spricht. Bei Nintendo of Europe sind es immerhin noch 11,5 Jahre.

Auch Nintendo ist nicht frei von Kritik. Doch gerade in einer Zeit, in der Massenentlassungen fast schon zum Alltag der Branche geworden sind, wirken Iwatas Worte für viele aktueller denn je. Seine Überzeugung war klar: Kreative Höchstleistungen entstehen nicht aus Angst vor dem nächsten Stellenabbau, sondern in einem Umfeld, das den Menschen hinter den Spielen Sicherheit gibt.

via GamesRadar, Bildmaterial: Nintendo, E3 2013

3 Kommentare

  1. Tja, Iwata war halt ein richtig guter Chef. Nicht nur ein Gamer Chef an der Spitze eines Unternehmens, das Games entwickelt, sondern auch menschlich eine Koryphäe. Also ein Vorbild an Charakter und sozialer Kompetenz, von dem sich die heutigen Chefs echt eine Scheibe abschneiden könnten.

  2. „Wenn wir die Zahl der Mitarbeiter reduzieren, um kurzfristig bessere finanzielle Ergebnisse zu erzielen, wird die Arbeitsmoral sinken, und ich bezweifle ernsthaft, dass Mitarbeiter, die Angst vor einer Entlassung haben, Softwaretitel entwickeln können, die Menschen auf der ganzen Welt beeindrucken könnten.“

    Dieses Zitat würde ich mir gerne einrahmen und bei jeder neuen Hiobsbotschaft aus der Gaming-Branche wieder ins Gedächtnis rufen.

  3. Er hats wirklich auf den Punkt gebracht. Hab selbst erst letztes Jahr nen Job aufgrund mieser Auftragslage verloren und vorher bibbern müssen obs mich erwischt oder nicht. Das ist absolut kein motivierender Zustand und das sollte auch für jeden eigentlich klar sein, wenn man sich mal selbst in diese Lage denkt.

    Aber bei dem was wir seit einigen Jahren in der Gaming Branche und halt allgemein der Geschäftswelt leider sehen ist der harte nackte Fokus auf Zahlen, Zahlen, Zahlen. Es muss immer höher, besser, weiter gehen und wenn du dann noch Arbeitsrechte hast wie in den USA ist die Abstoßung "unnötiger" Ausgaben über die Kündigung von Personal leider ein abartig bequemer Weg.

An dieser Stelle siehst du nur die letzten 5 Kommentare. Besuche das Forum um die komplette Diskussion zu diesem Thema zu sehen.