Ob man Spiele digital oder physisch kauft, wird in Gamer-Kreisen fast schon mit religiöser Inbrunst diskutiert – auch wir auf JPGAMES haben dazu eine klare Meinung – auch wenn unsere letzte Kolumne zum Thema so schlecht gealtert ist wie ungekühlte Milch während der Hitzewelle. Ich selbst war lange Zeit Verfechter von physischen Spielen und kaufte digitale Spiele viele Jahre lang nur im Sale – warum viel Geld ausgeben für etwas, wenn die Lizenz sowieso jederzeit deaktiviert werden kann?
Mit Mitte 30 gehöre ich zu denjenigen, die noch fertig entwickelte Spiele auf Modulen und Discs miterlebt haben. Jedoch war ich von Anfang an offen für neue Entwicklungen in der Gaming-Branche. Game Dev Story im Google Play Store, die Orange Box auf Steam, kreative Indies via Humblebundle, Gratisspiele im Epic und Amazon Store, aktualisierte Nintendo-Klassiker in der Virtual Console, kreative Top-Spiele per WiiWare und nicht zuletzt obskure F2P-Online-Spiele aus China und Korea wie Silkroad Online und PangYa – mit rein digitalen Spielen hatte ich in den letzten 20 Jahren sehr viel Spaß.
Dennoch sehe ich das Aus der Discs auf der PlayStation auch als tendenziell progressiv eingestellter Mensch kritisch. Nicht, weil ich dem runden Polycarbonat in rechteckiger Plastikummantelung nachtrauere – mit gutem Merchandise kann ich als Erinnerung an tolle Spielmomente deutlich mehr anfangen, wie meine Kreditkarte bestätigen kann. Vielmehr ist das Problem, dass den KundInnen eine Option genommen wird, die für sie viele Vorteile hat – ohne, dass Sony einen vergleichbaren digitalen Ausgleich schafft.
Kundenfreundliche Digital-Stores sind besser als Discs
Steam, GOG und zum Teil auch der Google Play Store zeigen, wie digitale Stores auszusehen haben. Wenn ein digitaler Vertrieb gut umgesetzt wird, ist ein digitaler Spiele-Shop ein Gewinn für SpielerInnen und Publisher.
Steam hält als größte digitale Spieleplattform auf dem PC eine gute Balance zwischen Kundenfreundlichkeit und Publisher-Freundlichkeit – auch wenn mehrere Publisher das anders sehen. Bemängelt werden unter anderem die angeblich hohen Gebühren und zu hohe Transparenz durch API-Abfragen, die durch Dienste wie SteamDB ausführlich genutzt werden.
Besonders Steam bietet aber viele kundenfreundliche Features. Angefangen vom ausführlichen Bewertungssystem über ausführliche Produktbeschreibungen mit sehr vielen wichtigen Informationen auf einen Blick. Viele davon sind nützlich, da sie KundInnen negativ betreffen können, wie DRM, Drittaccounts und KI-Nutzung in den Spielen. Dazu kommen das universelle Rückgaberecht, kostenlose Online-Dienste und Cloud‑Saves, ein überwiegend guter Kundensupport und natürlich eine große Auswahl zu fairen Preisen, besonders in den bekannten Steam Sales.
Bereits Gekauftes gratis verbessern und erweitern
Dazu kommen viele neue Entwicklungen, von denen auch alte Spiele profitieren. Mit Proton laufen Steam-Spiele problemlos auf Linux- und MacOS-Geräten, aber auch in mobilen Android-Geräten und bekannten Cloud-Diensten können die Steam-Dienste angebunden werden. Dazu testet man derzeit bei Valve eine KI-Funktion, die vorhersagen soll, wie performant das Spiel auf dem eigenen PC laufen wird. Nicht umsonst ist Steam die derzeit wahrscheinlich beliebteste Plattform für Indie-Entwickler und kleine Publisher – und gleichzeitig der Favorit der meisten PC-SpielerInnen.
Google Play geht in eine eigene Richtung. Der Preis-Leistungs-Sieger der digitalen Spiele-Stores ist bekannt für seine sehr niedrigen Einstiegshürden für kleine Entwickler und Publisher. Durch die gute Kuratierung geht kaum ein herausragendes Spiel in der Masse der digitalen Spiele unter.
Als Bonus gibt es auch hier gute Bewertungsfunktionen und gratis Cloud-Speicher. Mit Google Play Spiele für Windows öffnet sich der Store dazu auch für Windows-Laptops, um nahtlos auf möglichst vielen mobilen Geräten spielen zu können – und nicht nur auf Google-Phones und Tablets.
GOG ist dagegen führend bei der digitalen Archivierung von Spielen. Die Spiele ohne Kopierschutz werden oft noch gepatcht, modernisiert und angepasst – damit man die 20 Jahre alten Discs nicht selbst patchen, in ini-Dateien editieren, zweifelhafte Fan-Patches integrieren oder eine DosBox konfigurieren muss.
Das PSN muss kundenfreundlicher werden
Davon bietet der PlayStation Store bisher nur wenig. Das PSN kann vor allem von Steam noch viel lernen – nicht nur bei den Sales und den allgemein niedrigeren Preisen auf dem PC, da im offenen Ökosystem echte Konkurrenz statt zentral gesteuerter, dynamischer Preisgestaltung herrscht, auf die der freie Markt kaum einen Einfluss hat.
Allgemein wirkt der Store sehr eingeschränkt. Steam bietet deutlich tiefere Community‑Funktionen wie Foren, Guides, Kuratoren, Workshops und Reviews, die den SpielerInnen wirklich weiterhelfen.
Steam erlaubt gerade kleineren Studios vergleichsweise einfachen Zugang zu Millionen KundInnen, und hilft den ihnen, mit guter Kuratierung, regelmäßigen Aktionen und KI-gestützten Tools wie dem persönlichen Spielekalender auch weniger bekannte Spiele sichtbar zu machen.
Im Sony-Store sind vor allem die Kosten für Kunden und Publisher hoch – kein Wunder, dass viele kleinere und Indie-Studios ihre Spiele mehrere Jahre auf Steam bekannt machen, bevor man überhaupt eine Version für die PlayStation-Konsolen berücksichtigt.
Auch auf Kundenseite ist Sony in vielen Punkten deutlich schlechter, teurer und eingeschränkter. Cloud-Speicherstände und Online-Multiplayer gibt es nur gegen Münzeinwurf, idealerweise im Abo. Ein allgemeines Rückgaberecht für digitale Spiele gibt es nicht, selbst bei technisch stark mangelhaften Spielen ist eine Rückgabe jedes Mal eine Einzelfallentscheidung.
Sony mangelt es an Transparenz
Bei Spielen gibt Sony selbst nur die nötigste Auskunft – was oft ein Vorteil für den Publisher, aber ein Nachteil für die KundInnen ist. Ein vergeigter Patch geht oft in der Masse der Bewertungen unter und KI-Nutzung in den Spielen wird gar nicht erst angegeben – klar, denn Sony selbst nutzt KI-Tools in den eigenen Spielen.
Die Abwärtskompatibilität ist oft grob – wirkliche Verbesserungen kann man häufig nicht erwarten. Aber auch Patches für die Pro-Konsolen sind mangelhaft und werden nicht transparent dargestellt. „Für PS5 Pro verbessert“ kann beispielsweise alles bedeuten – von schlechterer Bildqualität und Framerate bis hin zu umfassenden Überarbeitungen, gelungener PSSR-Integration und genialen Raytracing-Effekten.
Transparenz und Kundenfreundlichkeit sind keine Lava, die man nicht berühren sollte. Sony sollte hier dringend nachbessern, wenn sie im Zuge ihrer Umstellung auf Digital-Only nicht noch mehr langjährige Fans verärgern wollen.
Bildmaterial: Sony Interactive Entertainment

Ja die Stores sind überraschend kümmerlich. Es fängt ja schon bei so banalen Dingen an dass ich im Playstation Store kein Spiel verschenken kann.
Ich müsste einene Guthaben Code kaufen und den verschenken ...
Danke für den Post! Ein schöner Vergleich der verschiedenen Stores, auch aus Sicht der Entwickler.
Da würde ich weiterhin sagen: Hier soll jeder für sich entscheiden, was er lieber mag. Zumindest bis Ende 2027. Dann hat man statt der Wahl auf einer Plattform die Wahl zwischen den Plattformen.
Ich lobe Steam eher selten, aber das Rückgaberecht bis max. 2 Stunden Spielzeit ist definitiv fair und wird scheinbar auch so umgesetzt. Etwas in dieser Richtung sollten alle Stores anbieten, um zumindest einen Teil der Freiheit von Discs zu gewähren. Ein Weiterverkaufen wäre ebenfalls wünschenswert, bleibt aber wohl Wunschdenken. Da gäbe es aktuell einfach keinerlei Zugzwang für den Publisher so etwas umzusetzen. Und Funktionen in einem Abo-Modell zu verstecken ist leider auch gelebte Praxis; das sehe ich auch bei Nintendo kritisch. Statt SNES, Gamecube Games & Co. käuflich anzubieten, erhält man sie nur als Leihgabe im Abo.
Dem kann man nur beipflichten. Ich selbst werde dann wahrscheinlich nicht mehr zu den langjährigen Fans gehören, aber diejenigen, die mit der PS6 weiter dabei sind, sollten ein Entgegenkommen erfahren und sich mit nicht teils fragwürdigen Praktiken herumschlagen müssen. Sonst werden womöglich noch weitere Fans Sony den Rücken kehren.