Branche News

Spielemarkt in Indien wächst dank Startup-Kultur rasant – und hat ganz eigene Probleme

Aktuell steht die Gaming-Branche vor starken Umbrüchen. Westliche Studios stagnieren oder müssen Personal abbauen, während der chinesische Markt seit über einem Jahrzehnt massive Wachstumsraten hinlegt und bald der größte Videospielemarkt der Welt sein könnte.

Im Schatten von China schiebt sich Indien an, ebenfalls zu einem „Global Player“ in der Branche zu werden. Doch im Gegensatz zu diesem Land steht man in Indien vor ganz eigenen Herausforderungen, welche besonders mit der Kultur des Landes zu tun haben.

rec-mobile

Smartphones als Wachstumsmarkt

Trotz des ökonomischen Aufstiegs konnte Indien in der Breite der Bevölkerung bisher nicht vom ökonomischen Aufstieg profitieren, wie es seinerzeit China tat. Dedizierte Gaming-Hardware ist ein Luxus, den sich nur die indische Oberschicht leisten kann. Daher nutzen Inder in der Regel günstige Smartphones als Gaming-Plattform Nummer eins – meist mit Android oder der abgespeckten Android Go Edition.

Unternehmergeist mit sozialem Zusammenhalt

In Indien wird der soziale Zusammenhalt großgeschrieben – am Ende sogar oft größer als das Arbeitsergebnis. Ein klassisches Top-Down-Management funktioniert nur, wenn der Vorgesetzte sich den Respekt erarbeitet oder auf andere Weise verdient hat. Das stellt die Spielebranche in Indien vor besondere Herausforderungen: Große Spiele benötigen oft hunderte MitarbeiterInnen, in China skalieren die größten Videospieleunternehmen sogar bis in die Tausender.

Deshalb setzen sich Videospieleunternehmen in Indien mehrheitlich aus kleineren Start-ups zusammen, welche gemeinsam überwiegend Smartphone- und PC-Spiele für den einheimischen Markt entwickeln. Vereinzelt entstehen so am Ende größere Unternehmen: Mit dem virtuellen Brettspiel Ludo King wurde Gametion erfolgreich, Games24x7 wurde mit virtuellen Brett- und Kartenspielen wie RummyCircle groß.

Klassische PC- und Konsolentitel aus Indien sind selten. Talent aus den Studios wird größtenteils von anderen Unternehmen abgezogen, in China kauft man bekanntermaßen auch gerne vielversprechende Teams und gibt ihnen das nötige Entwicklungsbudget – örtlicher Umzug nach China vorausgesetzt.

Große Spiele schwierig, die KI als Chance

Klassische, aufwändige Spiele, wie wir sie im Westen kennen sind daher schwierig – nicht nur wegen der vergleichsweise kleinen Teams, sondern auch wegen der geringen Kaufkraft der indischen Bevölkerung. Das bedeutet aber nicht, dass man es nicht gelegentlich doch versucht: Die Unreal Engine 5 gibt mit ihren ausgereiften Werkzeugen auch kleineren Teams die Möglichkeit, aufwändigere Spiele zu erstellen.

The Age of Bhaarat ist einer der Hoffnungsträger. Das Action-RPG im Dark-Fantasy-Indien gegen Dämonen soll möglichst einen internationalen Durchbruch schaffen, ähnlich wie es Black Myth: Wukong aus China gelang.

Besonderen Fokus bekommen auch die KI-Tools: Sie können viele Arbeitsschritte deutlich vereinfachen oder sogar brauchbare Assets generieren, ohne dafür Spezialisten in jedem Bereich einstellen zu müssen. So können auch kleinere Teams aufwändige Spiele produzieren. Die Kunst wird sein, die Qualität im Endprodukt hochzuhalten.

Verdreifachung in 7 Jahren möglich

Analysten halten aufgrund der besonderen Situation eine Verdreifachung des indischen Gaming-Marktes in 7 Jahren für möglich. Er soll von aktuell ca. 4,3 Mrd. USD bis 2033 auf 7–15 Mrd. USD wachsen – je nach Vorhersagemodell. Mit aktuell 488 Mio. Gamern zählt Indien zu den größten Gaming-Märkten weltweit. Chinesische und koreanische Unternehmen haben Indien bereits als Zielmarkt im Blick, aber auch japanische Unternehmen wie SEGA möchten mit ihren starken Marken auf einen Durchbruch im indischen Markt hinarbeiten.

The Age of Bhaarat Trailer:

Podiumsdiskussion der India GDC 2025

Bildmaterial: The Age of Bhaarat, Tara Gaming, Noredine Abboud

0 Kommentare

Zu diesem Beitrag gibt es noch keine Kommentare, besuche das Forum und sei der Erste der einen Kommentar hinterlässt!