Mit der HD-2D-Optik hob Square Enix 2018 einen Grafikstil aus der Taufe, der pixelige Nostalgie vorbildlich mit moderner Technik vermählt. RPG-Enthusiasten konnten sich seinerzeit kaum sattsehen am überaus hübschen Look von Octopath Traveler und auch in den Folgejahren blieb der charmante Artstyle en vogue.
Der Haken: So richtig daran erfreuen konnten sich hauptsächlich Rollenspiel-Fans. Vom gelungenen Strategie-Ausflug Triangle Strategy mal abgesehen, blieb der HD-2D-Stil RPG-Marken wie Octopath Traveler, Live A Live und zuletzt den diversen Dragon-Quest-Remakes vorbehalten. Wie schade!
Fand offenbar auch Square Enix und enthüllte im letzten Sommer überraschend The Adventures of Elliot: The Millennium Tales. Das Action-Adventure kehrt dem RPG-Genre (teilweise) den Rücken und erinnert stattdessen vielmehr an die 2D-Abenteuer von Link, Quintet-Meilensteine wie Terranigma und Illusion of Time oder auch diverse „Mana“-Spiele.
Das dürftet ihr aber bereits selbst festgestellt haben. Immerhin wurde die Ankündigung des Titels von einer (Switch-2-exklusiven) Demo begleitet. Nun sind wir der Einladung von Square Enix gefolgt, um zwei weitere Stunden an der Seite von Abenteurer Elliot und seiner magischen Begleitung Faie zu verbringen. So viel vorweg: The Adventures of Elliot legt vielleicht nicht die Genre-Messlatte höher, dürfte aber gerade Fans von Action-Adventures der 90er Jahre überaus glücklich stimmen.
Mit Liebesgrüßen aus Hyrule
Mit der Geschichte von „Elliot“ befassen wir uns in dieser Anspielrunde allenfalls am Rande. Stattdessen wirft man uns gleich ins Geschehen – ein Dungeon will erkundet werden. Der wartet mit genretypischen Herausforderungen auf: Wir vermöbeln Schergen mit einem üppigen Satz an Kriegswerkzeugen und lösen Umgebungsrätsel, um die Innereien des Verlieses zu erschließen.
Genre-Fans wissen gleich, was zu tun ist, wenn nicht nur ein wirrer Lichtstrahl, sondern ebenso bewegliche Spiegel den Raum schmücken. Ein bisschen an Letzteren geschoben und gerüttelt, lotsen wir den Strahl an sein Ziel und legen so neue Pfade frei. Je tiefer wir vordringen, desto verzwickter werden die Kopfnüsse. Wirklich ins Rauchen kommen die grauen Zellen dabei aber nie. Ob die Rätsel im weiteren Spielverlauf komplexer werden? Das bleibt abzuwarten.
Wir fühlen uns jedenfalls einmal mehr wohlig an eingangs genannte Titel erinnert. Auch dann, als wir den Boden mit kriegerhaften Gockeln, gepanzerten Krabben und wilden Schnecken aufwischen. Verließen wir uns in der Demo noch auf die klassische Schwert-Schild-Kombo, eine praktische Kettensichel, Bogen und Bomben, stehen uns diesmal auch die restlichen Waffentypen zur Verfügung.
Wir wehren uns also mit Lanze, Hammer oder auch dem Bumerang und achten darauf, dass die Siegesserie schön in die Höhe klettert. Dabei helfen auch Anpassungen an der Spielbalance: Man versichert uns etwa, dass an der Laufgeschwindigkeit des Protagonisten geschraubt wurde. Auch diverse Quality-of-Life-Maßnahmen seien seit dem Fan-Feedback zur Demo erfolgt. Die Menüs bleiben weiterhin etwas fummelig, arg daran gestört haben wir uns aber kaum.
Besonders komplex fallen die Keilereien übrigens nicht aus. Wir weichen den immergleichen Angriffen unserer ulkigen Schergen aus und langen selbst ohne großes Spektakel zu. Wer hier auf raffinierte Kombo-Eingaben und zeitige Paraden hofft, ist an der falschen Adresse. Auch hier liefern die 2D-Abenteuer von Nintendos zipfelmützigem Helden den passenderen Vergleich.
Eine Welt, viele Zeiten
Im Bosskampf gegen ein fieses Blechdosen-Duo bedarf es dann aber doch konzentrierter Eingaben. Greift der eine Roboter zum Schwert, macht uns sein stählerner Partner das Leben aus der Ferne schwer, indem er uns mit Pfeilen bearbeitet. Wir nutzen die kurzen Zeitfenster, um zuzuschlagen und schmettern vor allem dann die Angriffstasten, als unsere Feinde ins Taumeln geraten. Verheerenden Angriffen entgehen wir mittels praktischem Sprint-Zauber unserer feenhaften Begleitung. Unser Sieg wird mit ordentlich Ressourcen und einem Ausweg ins Freie belohnt.
Ein Blick ins Menü enthüllt hier eine (vermutlich vorerst) überschaubare Oberkarte, aber auch zahlreiche bereits aufgedeckte Punkte, mit denen im Vorhinein vermutlich manch kleines Abenteuer einherging. Von Schreinen, die Partnerin Faie (und damit uns) mit neuen Fähigkeiten belohnen, über Dörfer, in denen wir uns mit neuer Ausrüstung eindecken, bis zu optionalen Grotten, die mit Schätzen locken – „Elliot“ verspricht diverse Möglichkeiten zum Zeitvertreib abseits der Hauptgeschichte.
Darüber hinaus winkt das titelgebende Element der Zeitreisen. In der Vollversion werdet ihr diverse Epochen bereisen, von denen in der Preview-Fassung zwei bereitstanden. Zwischen der „Zeit der Obhut“ und jener des „Wiederaufbaus“ konnten wir auf Anhieb nur marginale Unterschiede feststellen. Allerdings waren wir im Rahmen der limitierten Zeit auch auf das große Ganze und weniger auf Details fokussiert. Sicherlich dürften mit den „Millennium Tales“ so manche spielerische wie erzählerische Kniffe einhergehen.
Viel zu entdecken
Ohne klar abgestecktes Ziel nutzen wir unsere Zeit in Philabieldia, um möglichst viel zu sehen. Wir kämpfen uns gleichermaßen durch staubige Wüsten und frostige Berggipfel, wandern durch sumpfige Moore und über blumige Wiesen. Der HD-2D-Look ist sicher nicht jedermanns Sache, wir sind aber einmal mehr überaus angetan von der hübschen Optik.
Bei unseren Erkundungen haben wir immer wieder die Möglichkeit mit der Umgebung zu interagieren. Wir donnern übergroße Nägel mit einem satten Hammerschlag in den Boden, um den Weg freizumachen. Vielleicht legen wir aber auch verborgene Höhlen frei, indem wir brüchige Wände aufsprengen. Hier winkt dann noch ein kleines Rätsel, dort eine schüchterne Geschicklichkeitseinlage. Und wenn wir im nahegelegenen Dorf Rast machen, greifen wir auch gleich noch manch Hilfesuchendem mit seinen Problemchen unter die Arme.
Wir bleiben noch ein bisschen länger im Dorf, feilen an unserer Ausrüstung und schleifen an den vielseitigen Maginit-Klunkern. Die üppige Auswahl an Edelsteinen verleiht uns die unterschiedlichsten Status-Boni und Fähigkeiten und bietet so viel Raum für Individualisierung und Optimierung. Gefallen uns Steine nicht, verarbeiten wir sie zu Ressourcen, die in die Produktion von neuem Maginit fließen. Hier lässt „Elliot“ dann also doch noch etwas RPG-Romantik aufkommen.
Wie ein vergessenes Genre-Juwel der SNES-Ära
Erfindet The Adventures of Elliot das Rad neu? Nicht wirklich. In unserer Spielzeit kommen uns keine nennenswerten Elemente unter, die nicht auch schon manch Genre-Pionier vor 30 Jahren bemühte. Allerdings führt „Elliot“ seine Zutaten spielerisch so spaßig und audiovisuell so stimmig zusammen, dass wir uns über die gesamte Spielzeit hinweg bestens unterhalten fühlen.
Wir sind sogar überrascht, als wir darum gebeten werden, zum Schluss zu kommen. Ist die Zeit tatsächlich so fix verflogen? Wir blicken der Vollversion jedenfalls mit Zuversicht entgegen: Hier steckt eine nostalgische und überaus charmante Verbeugung vor den Action-Adventures der SNES-Ära in den Startlöchern. Wenn ihr für diese ein Herz habt, dann streicht ihr euch den 18. Juni 2026 dick im Kalender an.
Bildmaterial: The Adventures of Elliot: The Millennium Tales, Square Enix, Claytech Works

Ich habe schon wahnsinnig Lust auf den Titel. Die Vorschau unterstreicht das noch einmal.
Boah, total vergessen:D Der Release ist ja auch schon bald. Freu mich drauf. Aktuell spiele ich CrossCode und bin beigeistert.
Klingt alles sehr gut und macht Lust auf mehr
Auch gut, dass der Titel damit wieder in Erinnerung gerufen wird. Hatte auch schon wieder vergessen, dass er schon im Juni kommt ^^"