Es gehört ohne jeden Zweifel zu den größten Gaming-Mysterien aller Zeiten. Seit der Veröffentlichung von Super Mario 64 im Jahr 1996 rätseln Fans über eine unscheinbare Inschrift im Innenhof von Prinzessin Peachs Schloss.
Auf einer kleinen Sternenstatue befindet sich eine kaum lesbare Plakette. Viele SpielerInnen waren jahrzehntelang davon überzeugt, darauf die Worte „L is real 2401“ erkennen zu können.
Daraus entstand eine der bekanntesten Videospiellegenden überhaupt: Luigi sollte irgendwo im Spiel versteckt und durch eine geheime Methode freischaltbar sein. Jetzt, fast 30 Jahre später, könnte dieses Rätsel tatsächlich gelöst worden sein. Allerdings dürfte die Antwort einige Fans enttäuschen.
Millionen Vergleiche statt bloßer Vermutungen
Der Retro-Gaming-Kanal mochi64 hat sich die mysteriöse Inschrift noch einmal genauer angesehen. Statt die verschwommenen Buchstaben einfach zu interpretieren, entwickelte er ein Programm, das mögliche Texte rekonstruiert und mit der ursprünglichen Textur vergleicht.
Das Problem: Die gesamte Plakette besteht lediglich aus einer 32 × 32 Pixel großen Textur. Einzelne Buchstaben sind gerade einmal drei bis fünf Pixel hoch. Für seine Untersuchung verglich mochi64 unter anderem rund 5.000 Schriftarten und mehr als 1,2 Millionen mögliche Zeichenfolgen für das erste Wort. Das Ergebnis: Die Inschrift lautet mit hoher Wahrscheinlichkeit:
“Eternal Star / We hope so”
Die bekannte Interpretation „L is real 2401“ schnitt beim Vergleich laut Untersuchung etwa 2,6-mal schlechter ab. Besonders interessant ist dabei die verwendete Schriftart. Die besten Übereinstimmungen lieferte Palatino Bold Italic, insbesondere eine Adobe-Version aus dem Jahr 1990. Diese wäre den damaligen Nintendo-Entwicklern durchaus zugänglich gewesen.
Was bedeutet die geheimnisvolle Botschaft?
Übersetzt bedeutet die mutmaßliche Inschrift ungefähr „Ewiger Stern / Das hoffen wir“. Mochi64 vermutet dahinter eine augenzwinkernde Botschaft der Entwickler: Der Stern beziehungsweise Super Mario 64 sollte möglicherweise auch in Zukunft in Erinnerung bleiben.
Das wäre durchaus passend. Schließlich wird über das Spiel und seine Geheimnisse auch drei Jahrzehnte später noch gesprochen. Die Untersuchung liefert außerdem eine mögliche Erklärung dafür, warum die ursprüngliche Inschrift so schwer zu entziffern ist. Beim Verkleinern der Schrift auf wenige Pixel gingen zahlreiche Details verloren.
Um die Methode zu überprüfen, führte mochi64 zusätzliche Tests durch. Unter anderem konnte das Programm 50 zuvor unbekannte Testwörter anhand ihrer verkleinerten Darstellung wiederfinden.
Die Ergebnisse, der Programmcode und ein ausführlicher Forschungsbericht mit 52 Seiten wurden öffentlich zugänglich gemacht.
Ist das Luigi-Rätsel damit endgültig gelöst?
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Nintendo hat die neue Interpretation bislang nicht bestätigt. Auch mochi64 betont ausdrücklich, dass nur die ursprünglichen Entwickler endgültige Gewissheit schaffen könnten. Hinzu kommt, dass die letzten Buchstaben der vermuteten Inschrift weniger eindeutig sind als der Anfang.
Die Geschichte um Luigi ist ohnehin etwas komplizierter. Tatsächlich existieren Hinweise darauf, dass Marios Bruder während der Entwicklung einmal für Super Mario 64 vorgesehen war. Unter anderem tauchte er in frühem Videomaterial von Nintendos Space World 1995 auf. Auch später entdeckte Entwicklungsdateien (Nintendo-Gigaleak) deuteten darauf hin.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Luigi in der veröffentlichten Nintendo-64-Version freigeschaltet werden kann. Die neue Untersuchung liefert nun zumindest ein bemerkenswert überzeugendes Argument gegen die berühmte „L is real“-Interpretation.
Ob das Rätsel damit wirklich abgeschlossen ist, bleibt abzuwarten. Vielleicht meldet sich ja irgendwann noch jemand aus dem ursprünglichen Entwicklerteam zu Wort.
Bis dahin dürfte die kleine Sternenstatue wohl weiterhin für Gesprächsstoff sorgen. Die vollständige Untersuchung samt Vergleichsbildern und Programmcode findet ihr auf GitHub.
via GameRant, Bildmaterial: Nintendo / mochi64, Super Mario 64, Nintendo

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