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Kaum Fortschritte: PlayStation-Vater glaubt, die Branche kann aus KI viel mehr herausholen

Die KI verändert derzeit viele Branchen grundlegend, und auch die Videospielindustrie wird davon nicht verschont bleiben. Ken Kutaragi, der als „Vater der PlayStation“ bekannt ist, glaubt jedoch, dass die Spielebranche bei der Entwicklung und Nutzung von KI noch weit zurückliegt.

In einem Interview mit 4Gamer (übersetzt von Automaton Media) sprach er über die Auswirkungen generativer KI auf die Spieleindustrie und darüber, wie sie das Potenzial hat, die Entwicklung und das Spielerlebnis grundlegend zu verändern.

Früher war Ken Kutaragi Chefentwickler der PlayStation und betrachtete Konsolen als technologische Treiber. Inzwischen seien Konsolen einem PC jedoch viel ähnlicher geworden – mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen. Eine Schwäche der Konsolen sei, dass sie nicht mehr zu technologischen Weiterentwicklungen beitragen würden, wie es noch während seiner aktiven Zeit der Fall gewesen sei.

Kein echter Fortschritt

Kutaragi habe seinerzeit intensiv mit NVIDIA und AMD an neuer Konsolenhardware gearbeitet. Die KI-Entwicklungen dieser Unternehmen seien bislang jedoch noch nicht in Konsolenspielen angekommen.

„KI beinhaltet eine weitaus fortgeschrittenere Technologie, aber die heutige Spielebranche hat davon noch nicht wirklich Gebrauch gemacht„, meint er. „Trotz all der Zeit und Ressourcen, die heutzutage in Spiele investiert werden, scheinen die einzigen Veränderungen Dinge wie etwas bessere Shader oder NPCs zu sein, die ein bisschen mehr sprechen können. Aber im Vergleich zur KI fühlt es sich an, als würde kein echter Fortschritt erzielt.“

Neue Spielerfahrungen und Unterhaltungsformen

Mit KI seien ganz neue Arten von Spielen und Spielerlebnissen möglich, die auch viele Menschen ansprechen könnten, die bisher nicht spielen. Videospiele könnten sich mithilfe von KI zu einer Unterhaltungsform entwickeln, die „menschliche Empfindsamkeiten verändern“ könne. Der globale Spielemarkt, der derzeit bei über 30 Billionen Yen liege, könnte so auf rund 3.000 Billionen Yen wachsen.

„Es wird vorhergesagt, dass Echtzeit-KI-Technologie etwa zwischen 2028 und 2029 in der Lage sein wird, Inhalte mit derselben Geschwindigkeit zu erzeugen wie die heutigen Konsolen. Wenn das passiert, wird sich jeder Inhalt verändern. Kommunikation und Fantasien werden zu Inhalten. Das Fantastisieren selbst wird zu einer Art Inhalt“, kommentiert Kutaragi.

Angesichts dessen glaubt Kutaragi, dass „wir Menschen und die KI“ gemeinsam die Zukunft gestalten werden. Es sei nicht ausreichend, KI lediglich zur Erweiterung bestehender Strukturen zu verwenden. Neues könne entstehen, wenn Menschen KI dazu nutzten, ihre eigenen Fähigkeiten mit den Möglichkeiten der KI zu verbinden.

via Automaton Media, Bildmaterial: Sony Interactive Entertainment

2 Kommentare

  1. Es wird vorhergesagt, dass Echtzeit-KI-Technologie etwa zwischen 2028 und 2029 in der Lage sein wird, Inhalte mit derselben Geschwindigkeit zu erzeugen wie die heutigen Konsolen.

    Ich finde, hier wird etwas deutlich, was zusätzlich eine Begründung sein könnte, warum die Firmen weg von physischen Datenträgern wollen.

    Reverse Engineering ist durch KI deutlich einfacher geworden. Das aktuelle Beispiel decomp.dev zeigt, dass KI-gestützte Rekonstruktionen und Ports zunehmend zum Problem werden und sogar zum Zurückfahren eines öffentlichen Projektarchivs beitragen können. Gleichzeitig scheint das Urheberrecht den KI-Aspekt noch nicht ausreichend abzudecken, und KI etwas vergessen zu lassen, ist sehr aufwendig.

    Vielleicht besteht bei den Firmen auch die Sorge, dass ihre Ideen und Inhalte Teil von KI-Modellen werden und sie sich damit langfristig selbst Konkurrenz schaffen. Etwas Ähnliches passiert bereits bei Synchronsprechern, deren Stimmen durch KI nachgebildet werden können.

    Wenn KI irgendwann Spiele in vergleichbarer Geschwindigkeit selbst erzeugen kann, stellt sich natürlich auch die Frage, wie gut sich die eigenen Ideen und Inhalte noch schützen lassen.

  2. Eine Schwäche der Konsolen sei, dass sie nicht mehr zu technologischen Weiterentwicklungen beitragen würden, wie es noch während seiner aktiven Zeit der Fall gewesen sei.

    Er hat zwar nicht unrecht, aber man kann es auch aus einem anderen Blickwinkel sehen: Bis zur PS5/Switch 2 waren Konsolen stets eine erschwinglichere Alternative zum PC gewesen, um ebenfalls in den Genuss moderner Titel kommen zu können, ohne massive Abstriche machen zu müssen.

    Man hat also den Anspruch aufgegeben, mit dem PC um die höchste Leistung zu wetteifern, um ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Und persönlich bin ich froh drum, denn in der aktuellen Hardwarekrise, wo PCs nahezu unbezahlbar geworden sind, kann man mit einer PS5 & Co. immer noch hervorragend zocken. Man stelle sich vor, da würde man versuchen dieselbe teure Hardware zu verbauen - na dann, gute Nacht.

    „Es wird vorhergesagt, dass Echtzeit-KI-Technologie etwa zwischen 2028 und 2029 in der Lage sein wird, Inhalte mit derselben Geschwindigkeit zu erzeugen wie die heutigen Konsolen. Wenn das passiert, wird sich jeder Inhalt verändern. Kommunikation und Fantasien werden zu Inhalten. Das Fantastisieren selbst wird zu einer Art Inhalt“, kommentiert Kutaragi.

    So wie ich Kutaragi verstehe, wird dann in seinem Wunschdenken der Konsument in Echtzeit zum Künstler/Spielentwickler? Soll dann jeder seine eigene Wunschversion eines Spiels durch KI-Überarbeitung erhalten oder gleich selbst eines erstellen? Streaming von KI-Inhalten als Heilsbringer? Er bleibt da sehr vage und ich frage mich, wo in seiner Vorstellung die klassische Spieleentwicklung verbleibt. Ich spiele gerne exakt dasselbe Spiel, das Hundertausende andere in der selben Form zocken. Dann kann ich meine Erfahrung teilen und mit anderen darüber diskutieren, so wie hier im Forum. Wenn jeder mit KI etwas eigenes bastelt, wäre ein Austausch mit anderen obsolet und jeder erstellt seine eigene Konsumblase. Da würden mir viele tolle Spiele entgehen, wenn der Tellerrand nur durch meine Vorstellung und die KI vorgegeben wird.

    Angesichts dessen glaubt Kutaragi, dass „wir Menschen und die KI“ gemeinsam die Zukunft gestalten werden. Es sei nicht ausreichend, KI lediglich zur Erweiterung bestehender Strukturen zu verwenden. Neues könne entstehen, wenn Menschen KI dazu nutzten, ihre eigenen Fähigkeiten mit den Möglichkeiten der KI zu verbinden.

    Seiner romantischen Vorstellung einer KI-Mensch-Beziehung kann ich nicht viel abgewinnen. KI ist ein Instrument großer Tech-Konzerne, um kostengünstiger Angebote bereitzustellen, die bislang von Menschen gemacht wurden. Gleichzeitig kostet sie sehr viele Ressourcen, Platz und Energie und bedient sich für ihre Entwicklung unentgeltlich an Daten, die von Journalistinnen, Wissenschaftlern, Künstlern & Co. mühsam zusammengetragen und erstellt wurden. Zudem haben selbst die großen Tech-Konzerne keine vollständige Kontrolle über ihre eigene Kreation, weswegen u.a. die Geschäftsführer von Anthropic und OpenAI offen für eine weltweite Regulierung plädieren.

    Ich bin nicht gegen KI, denn an den richtigen Stellen eingesetzt, wie z.B. in der Medizin bei der Diagnose oder bei der Faltung von Proteinen bei der Wirkstoffentwicklung, kann sie erhebliche Fortschritte bringen. Aber sie in einer Wildwest-Manier einzusetzen bringt aus meiner Sicht gegenwärtig sehr viel mehr Schaden als Nutzen. Wie überall sonst gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Das sollte Kutaragi auch für die Spielebranche im Hinterkopf behalten.

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