Lange Zeit war Romancing SaGa außerhalb Japans eher ein Nischenthema. Inzwischen investiert Square Enix allerdings wieder verstärkt in die traditionsreiche Rollenspielreihe. Zuletzt erschien im Oktober 2024 mit Romancing SaGa 2: Revenge of the Seven eine umfangreiche Neuauflage des zweiten Teils. Das von xeen entwickelte Remake modernisierte das Original mit einer vollständig dreidimensionalen Spielwelt, neuen Charaktermodellen, Sprachausgabe und einem zugänglicher gestalteten Kampfsystem.
2027 folgt nun also auch die Neuauflage des dritten Teils. Dieser wurde bereits 2019 mit einem Remaster bedacht und erschien damit erstmals offiziell im Westen. Ursprünglich wurde Romancing SaGa 3 am 11. November 1995 für das Super Famicom in Japan veröffentlicht und bildete damals den Abschluss der ursprünglichen Romancing-SaGa-Trilogie.
Mit Romancing SaGa 3: Destinies United möchte Square Enix den Klassiker nun noch einmal grundlegend modernisieren. Das Rollenspiel erscheint am 16. Februar 2027 für Nintendo Switch 2, Nintendo Switch, PlayStation 5, Xbox Series und PCs via Steam.
Verantwortlich für die Neuauflage zeichnet das Entwicklerteam hinter Trials of Mana und Romancing SaGa 2: Revenge of the Seven. Dabei bleibt das Remake dem für die Reihe charakteristischen Freiform-Szenariosystem mit seinen verzweigten Handlungssträngen treu.
Wir hatten jetzt die Gelegenheit, die auf der diesjährigen Tokyo Game Show präsentierte Demo selbst auszuprobieren. Ob auch der dritte Teil von seiner umfassenden Modernisierung profitiert und wie sich das neue Kampfsystem schlägt, verraten wir euch in unserem „Angespielt“.
Ein Schicksal, das sich alle 300 Jahre wiederholt
Die Handlung von Romancing SaGa 3 spielt in einer Welt, die von einem mysteriösen kosmischen Ereignis geprägt wird. Alle 300 Jahre ereignet sich das sogenannte Morastrum, eine Sonnenfinsternis, die sämtlichen in diesem Zeitraum geborenen Kindern das Leben nimmt. Nur ein einziges Kind überlebt: das sogenannte Kind des Schicksals.
Diese Überlebenden besitzen das Potenzial, die Geschichte der gesamten Welt grundlegend zu verändern. In der Vergangenheit gingen aus ihnen sowohl eine zerstörerische als auch eine rettende Gestalt hervor. Entsprechend groß ist die Bedeutung des nächsten Kindes des Schicksals.
Eine Sache ist dabei besonders wichtig zu verstehen: Die drei Romancing-SaGa-Spiele erzählen jeweils eigenständige Geschichten. Ihr müsst die Vorgänger also nicht gespielt haben, um euch im dritten Teil zurechtzufinden.
Typisch für die Reihe ist außerdem das bereits erwähnte Freiform-Szenariosystem. Statt einer streng vorgegebenen Handlung erwarten uns unterschiedliche Charaktere, Perspektiven und verzweigte Handlungsstränge, die uns vergleichsweise viele Freiheiten lassen.
In unserer kurzen Anspielsession blieb allerdings noch einiges ziemlich kryptisch. Die gezeigten Ereignisse warfen zunächst mehr Fragen auf, als sie beantworteten. Das muss natürlich nichts Schlechtes sein, schließlich konnten wir nur einen sehr kleinen Ausschnitt der Geschichte erleben.
Ein Klassiker im neuen Gewand
Die wohl offensichtlichste Neuerung betrifft natürlich die Grafik. Während das Original noch auf klassische Pixeloptik setzte, präsentiert sich Romancing SaGa 3: Destinies United nun mit vollständig dreidimensionalen Umgebungen und grundlegend überarbeiteten Charaktermodellen.
Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Die Spielwelt wirkt deutlich lebendiger und auch die Figuren haben ein ordentliches optisches Upgrade erhalten. Ganz ohne kleinere Schwächen kommt die Präsentation allerdings nicht aus.
So wirkten manche Texturen während unserer Anspielsession noch etwas matschig. Auch einige Gegnermodelle haben einen leicht cartoonartigen Look, der sicherlich nicht jedem gefallen dürfte. Andererseits passt dieser Stil durchaus zur etwas eigenwilligen Ästhetik der Reihe. Man muss ihn eben mögen.
Technisch machte das Spiel auf der normalen PlayStation 5 einen weitgehend flüssigen und soliden Eindruck. Größere Probleme konnten wir während unserer kurzen Spielzeit jedenfalls nicht feststellen.
Eine weitere wichtige Neuerung betrifft die Sprachausgabe. Zahlreiche Ereignisse und Dialoge sind nun vertont, wahlweise auf Japanisch oder Englisch. Das sorgt gerade in den erzählerischen Abschnitten für eine deutlich modernere Präsentation.
Auch musikalisch hat Square Enix Hand angelegt. Die bekannten Stücke wurden neu arrangiert, wobei auch Komponist Kenji Ito an den Arrangements beteiligt war.
Besonders erfreulich für deutschsprachige Fans: Romancing SaGa 3: Destinies United bietet deutsche Bildschirmtexte. Darauf mussten wir beim Remaster von 2019 noch verzichten.
Zwei Demos, zwei unterschiedliche Schwerpunkte
Unsere Anspielsession war in zwei separate Abschnitte unterteilt, die jeweils einen anderen Schwerpunkt setzten. Beide waren bereits auf der Tokyo Game Show spielbar und auf eine maximale Spielzeit von jeweils 25 Minuten ausgelegt.
Der erste Abschnitt trug den Titel „Rettet den verschwundenen Gon!“ und konzentrierte sich stärker auf die Geschichte. Hier übernahmen wir die Rolle von Katarina und erkundeten gemeinsam mit Sarah, Thomas, Julian und Monika den Palast des Erzdämons.
Ziel war es, den verschwundenen Gon zu retten. Dabei standen vor allem die Erkundung, Dialoge und das Kennenlernen grundlegender Spielmechaniken im Vordergrund. Ein Bosskampf durfte am Ende natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Deutlich kampflastiger ging es dagegen im zweiten Abschnitt „Begegnung mit Gwayne“ zur Sache. Diesmal führte uns das Abenteuer in den Unterschlupf des gleichnamigen Drachens. Unsere Gruppe bestand aus Khalid, Ellen, Peony, Robin und Flurry.
Hier sollten wir vor allem die taktischen Möglichkeiten des überarbeiteten Kampfsystems kennenlernen und uns schließlich einem anspruchsvolleren Bossgegner stellen. Praktisch war dabei, dass wir zwischen drei Schwierigkeitsgraden wählen konnten: Casual, Normal und Hard (Classic).
Gerade diese Auswahl dürfte vielen SpielerInnen entgegenkommen. Schließlich genießt die SaGa-Reihe seit jeher den Ruf, vergleichsweise komplex und stellenweise ziemlich anspruchsvoll zu sein. Dass der höchste Schwierigkeitsgrad ausdrücklich als „Classic“ bezeichnet wird, kommt sicherlich nicht von ungefähr.
Rundenkämpfe mit überraschend viel Tiefgang
Das Kampfsystem bleibt seinen Wurzeln treu und läuft weiterhin rundenbasiert ab. Allerdings hat Square Enix einige Mechaniken modernisiert und die Benutzeroberfläche überarbeitet, wodurch die Gefechte etwas zugänglicher wirken.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Zeitleisten-Kampfsystem. Dieses zeigt uns an, in welcher Reihenfolge die einzelnen Charaktere und Gegner ihre Aktionen ausführen. Besonders gefährliche gegnerische Angriffe lassen sich dadurch frühzeitig erkennen, sodass wir unsere nächsten Schritte entsprechend planen können.
Ebenfalls wieder mit dabei ist das bekannte Glimmer-System. Dabei können unsere Figuren mitten im Kampf spontan neue Techniken erlernen. Das sorgt immer wieder für kleine Überraschungsmomente und macht die Charakterentwicklung besonders interessant. Die überarbeitete Benutzeroberfläche hilft außerdem dabei, entsprechende Möglichkeiten besser nachzuvollziehen.
Noch mehr taktische Tiefe bringen die Formationen ins Spiel. Je nachdem, wie wir unsere Gruppenmitglieder positionieren, profitieren diese von unterschiedlichen Vorteilen. Dabei kommt es nicht nur darauf an, wer vorne oder hinten steht. Auch die Zusammenstellung der gesamten Gruppe spielt eine wichtige Rolle.
Fällt beispielsweise ein Charakter im Kampf aus, können die Vorteile der gewählten Formation verloren gehen. Wer sich hier richtig hineinfuchst, dürfte entsprechend viel Zeit mit der Optimierung seiner Gruppe verbringen können. Die Möglichkeiten sind jedenfalls ziemlich umfangreich.
Hinzu kommen die vereinten Angriffe. Über eine aufladbare Leiste können wir besonders mächtige Kombinationsattacken ausführen, bei denen mehrere Gruppenmitglieder gemeinsam zuschlagen. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Art Ultimate-Angriff, den man natürlich möglichst im richtigen Moment einsetzen sollte.
Auch die Schwächen der Gegner werden nun deutlicher dargestellt. So lässt sich besser erkennen, welche Angriffe besonders effektiv sind und welche Gegner von Flächenattacken getroffen werden. All diese Anpassungen sorgen dafür, dass die Kämpfe insgesamt übersichtlicher und nachvollziehbarer ausfallen, ohne dabei ihren taktischen Anspruch zu verlieren.
Ganz perfekt ist das Kampfsystem nach unserem ersten Eindruck allerdings noch nicht. Manche Auseinandersetzungen können sich durchaus etwas in die Länge ziehen. Dafür machen die Gefechte grundsätzlich Spaß und auch die teils aufwendigen Kampfanimationen können sich sehen lassen.
Gerade bei den größeren Gegnern wurde schnell deutlich, wie wichtig es ist, die unterschiedlichen Systeme sinnvoll miteinander zu kombinieren. Einfach nur die stärksten Angriffe auszuwählen, dürfte zumindest auf den höheren Schwierigkeitsgraden nicht immer zum Erfolg führen.
Ein vielversprechendes Comeback
Nach unserer kurzen Anspielsession hinterlässt Romancing SaGa 3: Destinies United einen durchaus positiven Eindruck. Square Enix scheint auch beim dritten Teil einen guten Mittelweg zwischen einer umfangreichen Modernisierung und den Eigenheiten des Originals gefunden zu haben.
Die neue Grafik, die Sprachausgabe und insbesondere die deutschen Bildschirmtexte sind willkommene Verbesserungen. Auch das überarbeitete Kampfsystem weiß mit seinen zahlreichen taktischen Möglichkeiten zu gefallen, wenngleich sich manche Gefechte etwas ziehen können.
Natürlich konnten wir bislang nur einen kleinen Ausschnitt des Abenteuers erleben. Gerade die verzweigte Handlung und das Freiform-Szenariosystem werden erst über längere Zeit zeigen müssen, wie gut das Konzept heute noch funktioniert.
Wer mit der eigenwilligen SaGa-Formel etwas anfangen kann oder bereits am Remake des zweiten Teils Gefallen gefunden hat, dürfte sich aber auch auf Romancing SaGa 3: Destinies United freuen können. Der erste Eindruck macht jedenfalls Lust auf mehr.
Bildmaterial: Romancing SaGa 3: Destinies United, Square Enix, Xeen

Vielen Dank für euren ersten Eindruck! Klingt wieder interessant. Schon die Demo zum Remake des zweiten Teils hat mir gut gefallen, auch wenn ich es bisher noch nicht gespielt habe. Den dritten Teil werde ich auf jeden Fall ebenfalls im Auge behalten. 😊
Gibt es eigentlich auch ein solches Remakefür den ersten Teil?