Die EU bereitet neue Gesetze vor – und die Spielebranche schlägt Alarm. Vom „Töten des europäischen Games-Sektors“ und einer „katastrophalen Entscheidung“ ist zu hören. Pocket Gamer hat Stimmen gesammelt. Die EU behauptet, vor allem den Kinderschutz ausbauen zu wollen. Dabei geht es auch In-App-Käufe, Lootboxen und „suchterzeugende“ Features wie Login-Boni oder Bestrafungen bei Spielabstinenz.
Neu: Der EU Kids Act
Der EU Kids Act soll die Online-Sicherheit von Kindern verbessern. Ziel sind vorwiegend soziale Medien, Video-Sharing-Apps, KI‑Chatbots – aber auch Videospiele.
In Artikel 15 sollen Entwickler verpflichtet werden, Maßnahmen zu ergreifen, die „ein hohes Niveau an Privatsphäre, Sicherheit und Schutz für Minderjährige gewährleisten“. Voraussichtlich bedeutet das: Tägliche Login-Boni, Aktivitäts-Serien und andere zeitbasierte Mechanismen wären damit nicht mehr erlaubt.
Wer an Mobile-Games denkt, liegt nur zum Teil richtig. Denn auch viele andere Spiele bieten „Daily Quests“ an: von MMORPGs wie Final Fantasy XIV über Onlinemodi bis hin zu klassischen Spielen wie Red Dead Redemption 2 Online und auch Offline-Spielen wie Animal Crossing.
Jugendschutz schwer umzusetzen
Eine sichere Altersverifikation wäre eine große Hürde für viele Spiele – denn kaum jemand möchte einen langwierigen und ggf. kostspieligen Online-Verifizierungsprozess durchlaufen, um ein Spiel spielen zu können. Daher könnte es darauf hinauslaufen, dass manche Spiele gar nicht mehr in Europa angeboten werden – oder neue Spiele ihren Gameplay-Loop massiv anpassen müssen.
Die Altersverifikation ist ein zentrales Thema in der EU geworden. Bereits 2021 berichtete das Wall Street Journal über interne Instagram-Forschungen, wie diese Apps Teenager (negativ) beeinflussten – mit teilweise erschütternden Ergebnissen. Aber auch bei Teenagern beliebte Spiele wie Roblox geraten zunehmend unter Druck, da sehr viel schwer kontrollierbarer Inhalt von der Community erstellt wird.
Eine „Dreifach-Bedrohung“ für die Spielebranche
Der EU Digital Services Act mit Richtlinien zum Schutz Minderjähriger ist bereits in Kraft getreten. Bald soll der EU Kids Act folgen, welcher eine Lücke des DSA schließen soll. Dazu kommt der Digital Fairness Act, welcher die Monetarisierung von Videospielen betrifft – insbesondere In-App-Käufe, Mikrotransaktionen, Lootboxen, Zufallsmechaniken, virtuelle Premium-Währungen (Hard Currency) und „suchterzeugende“ Features wie Login-Boni, Aktivitäts-Serien, Bestrafungen bei Spielabstinenz oder FOMO-Mechaniken (Fear of Missing Out).
Jedoch ist der EU Kids Act sowie der DFA noch in einer frühen Phase. Europäisches Parlament und Rat müssen noch darüber verhandeln. Möglicherweise dauert das Inkrafttreten also noch mehrere Jahre.
via PocketGamer, Bildmaterial „Würfel“ via Pixabay unter freier Lizenz

Man darf die EU nun nicht ewig für die einheitlichen USB-Anschlüsse und den austauschbaren Akkus auf ein Podest hieven^^ Seien wir doch ehrlich, die Konsumenten waren bei den Ideen immer an letzter Stelle, man treibt lediglich seinen Öko-Trip voran. Wir profitieren zwar davon, waren aber eben nicht das Ziel dieser Kampagne. Am Ende möchte man mehr Müll vermeiden, dies hatte den Vorteil, dass es eben einheitliche USB-Anschlüsse gibt und automatisch mit den neuen Regelungen Hersteller dazu verpflichtet sind, Geräte länger zu reparieren und Möglichkeiten anzubieten, den Akku eines Elektrogeräts auszutauschen. Das kommt ja schon wieder mit zahlreichen anderen Problemen, fortan werden sich bei den Herstellern die Lager für Ersatzteile stauen zu antiker Technik, die keiner mehr nutzt. Denn nur die wenigsten werden auf ein brandneues Smartphone verzichten, wenn ihr Mobilfunkanbieter ihnen ein brandneues anbietet. Nintendo geht ja nun den Weg und nimmt deshalb die alte Switch gleich direkt aus dem Programm für Europa.
Und wollen wir gar nicht anfangen, welch absurde Regelungen kommendes Jahr auf die Gastronomie zukommt, wo besonders kleinere Betriebe einen Mehraufwand bekommen werden, der auch noch ins Geld geht und vermutlich dann wieder an die Kunden weitergegeben wird. Mit weiteren Nachteilen für die Verbraucher letztendlich.
Die EU tut nur selten etwas, was im Sinne für die Verbraucher ist. Man hätte vor Jahren schon etwas gegen Loot Boxen oder eben Service-Games tun können, besser regulieren, Sanktionen verhängen. Man hätte unlängst schon sehr lange digitale Store-Monopolisierungen wie von Apple und Sony ausbremsen können, den Wind aus den Segeln nehmen. Oder eben Verbraucherrechte bei digitalen Käufen stärken. Nichts davon wurde je ehrgeizig umgesetzt von der EU und man schob die Verantwortung da eher auf vereinzelte Länder innerhalb der EU, von denen aber auch nur die wenigsten aktiv gegen irgendwas vorgegangen sind. Man hat zwar seine schwarzen Schafe mit Google und Meta, die immer wieder viel Geld abdrücken müssen, aber das ist allgemein viel zu wenig, was man sich da vorgenommen hat.
Was man hier vor hat ist ambitioniert und die Publisher wissen nun bescheid. Man wird Ewigkeiten brauchen, um irgendwas davon durchzubekommen. Die Publisher hingegen werden diesen Regularien bald mehrere Schritte mit irgendwelchen wahnwitzigen Ideen dann wieder voraus sein und die EU-Verordnungen sind dann schon wieder obsolet, bevor sie noch richtig in Kraft treten können.
Auf ein Podest hievt die EU hier keiner. Kontrapunkte wie der mangelnde Respekt für die Privatsphäre der Bürger wurden klar benannt (siehe auch: "Chatkontrolle"). Den 'Öko-Trip' wird mir jedoch keiner als egomane Eitelkeit verkaufen. Die EU stemmt sich hier immerhin gegen die Interessen der Industrie. Vom Umweltschutz und der Ressourcenschonung profitiert der Konsument, und auch nur der Konsument.
Ich find's schwierig, hier einerseits zu sagen "Diese Entscheidungen zum Vorteil des Verbrauchers wurden ja gar nicht wegen des Verbrauchers getroffen", andererseits aber auch: "Diese zukünftigen Entscheidungen zum Vorteil des Verbrauchers hätten vor Jahren kommen müssen". Ich meine – Ende nächstes Jahr werden mit entsprechenden Thesen dann ja sicher die Motive des Digital Fairness Act in Verruf gebracht.
Und woran liegt das wohl, dass die Apfelfanatiker jedes Jahr das allerallerneuste iPhone brauchen, obwohl außer grenzdebilen KI-Funktionen die einzige Neuerung das noch absurdere Preisschild ist? Am FOMO-Effekt. Am Sozialzwang. An der Mode. Am aggressive outphasing. An der geplanten Obsoleszenz. Am übersteigerten Konsum. Mit noch anderen Worten, an genau den Suchtmechaniken, die der Kids Act und mehr noch der Digital Fairness Act auszuhebeln versucht.
Wenn die Preise für Hardware sich weiter so entwickeln wie in den letzten drei Jahren, wird das Interesse am "Recht der Reparatur" unter den Konsumenten geradezu explodieren und die Ersatzteillager bleiben dann auch nicht proppevoll. Die gegenwärtige Technologie wird länger relevant bleiben, weil sich der Kunde die High-End-Technologie gar nicht mehr leisten kann.
Auf das EU-Recht zur Reparatur beruft sich auch Stop Killing Games. Wie bei der USB-C-Debatte ist eines der Schlüsselargumente der Industrie dagegen, dass das der Innovation im Wege stünde, wenn die herkömmliche Technologie ewig weiter betrieben werden könne.
Bei der Gelegenheit kann die EU auch gleich Micro SD-Kartenslots bei Hardware wie Smartphones verpflichtend machen. Ich sehe es nicht ein einem Anbieter jeden Monat 5 € in den Rachen zu schmeißen für Online Storage, auf den ich in regionalen Zügen keinen Zugriff habe, wenn ich auch einfach eine Karte mit 500 GB/1 TB nutzen kann und dann ÜBERALL meine Musik hören und Comics lesen kann.
Mir geht, nur so zum Vergleich, die Art und Weise auf den Sack, wie e-Reader mit DRM und Länderkennung kaputtgemacht werden. Tolle Idee im Prinzip, für mich aber inzwischen komplett unattraktiv. Ich kaufe jetzt ausschließlich wieder physische Bücher, den Markt gibt es ja gottlob noch.
Das ist aber auch eine Urheberrechtsfrage – wo ich mir von der EU keine Eingriffe erwarte oder erhoffe.
Die EU sagt der Industrie mit dem Kids Act: "Wenn euer Geschäftsmodell aus suchterzeugenden Mechaniken besteht, könnt ihr euer Produkt nur noch an Erwachsene verkaufen". Da wird eine klare (Anstands-)Regel gebrochen, das rechtfertigt den Eingriff. Beim Urheber- bzw. Lizenzrecht werden wir dagegen mit der Diskussion, was überhaupt "anständig" ist, niemals fertig. Und falls doch, stehen wir vor einem Berg von Regularien, die sich von Mitgliedsstaat zu Mitgliedsstaat unterscheiden. Da müsste die EU mit der Kettensäge dran, und würde am Ende doch nur einige Fachanwälte für EU-Recht reich machen.
Für so etwas hat der liebe Gott glücklicherweise Calibre und das DeDRM-Plugin erfunden. So kann ich jetzt jederzeit die Bücher überall lesen... solange mein Smartphone noch funktioniert. Es entfernen ja alle großen Hersteller die MXCD-Kartenslots um dir Online Storage anzudrehen. -.~ Bei den Einsteigermodellen ist es noch manchmal vorhanden... NOCH.