„Early Access“-Titel sind ein zweischneidiges Schwert – vor allem für KäuferInnen. Manche Spiele machen große Versprechungen, die sie am Ende nie halten können. Für Entwickler bedeutet der Early-Access oft genug eine Chance. Die Mischung macht’s – und die funktioniert offensichtlich. Denn die meisten der aktuell beliebtesten Spiele auf Steam kommen aus einem „Early Access“-Programm.
Palworld und Valheim sind längst bekannten und immer noch beliebten solche Beispiele. Sie sind aus der „Early Access“-Phase gekommen und gehören zu den bestbewerteten Neuerscheinungen des Jahres.
Auch der TCG Card Shop Simulator auf Platz 5, das Farming-RPG Fields of Mistria auf Platz 7, der Biber-Städtebauer Timberborn auf Platz 8 und das maschinenlastige Survival-Spiel Scrap Mechanic auf Platz 10 haben Top-Bewertungen und sind bei Fans beliebt.
Das zeigt zumindest die Seite Steam250 – sie gewichtet den Prozentsatz positiver Reviews mit der Gesamtzahl der Bewertungen, sodass kleine Spiele mit nur wenigen, aber ausschließlich positiven Stimmen die Ranglisten nicht dominieren können.
Trotzdem ist es bemerkenswert, dass so viele ehemalige „Early Access“-Titel in der Fan-Beliebtheit neben großen, traditionellen Titeln bestehen – etwa Capcom-Hits wie Resident Evil Requiem und Pragmata.
Doch Titel wie Palworld und Scrap Mechanic zeigen auch, wie gut das Early Access funktionieren kann. Für die meisten kleineren und unbekannteren Entwicklerteams bedeutet das „Early Access“-Modell eine frühezitige und gesicherte Finanzierung. Aber auch das Feedback von Testspielern ist natürlich Gold wert.
via GamesRadar (2), Bildmaterial: Palworld, Pocketpair

Das Gute an der Idee ist, dass dadurch unabhängige Indie-Studios entstehen. Dass sich aktuell auch AAA-verwöhnte Spieler vom Massenmarkt abwenden, um persönlichere Spielerfahrungen zu machen. Und vor allem, dass Kunden diesen Indies hohe Bewertungen verschaffen, von denen die (zugegebenermaßen oft überkritisch) bewerteten AAA-Studios nur träumen können.
Daher will ich Early Access auch nicht summarisch verteufeln.
Auf der Contra-Seite haben wir dadurch jedoch auch faktisch mehr Steam-Exclusives. Wenn Spiele Version 1.0 erreichen, ist das Gros der Verkäufe meist gelaufen und man denkt allerhöchstens noch über den Sprung auf Konsole nach. Das, was früher der "Gold-Status" war, in dem Spiele ins Presswerk gehen können, gibt es nicht mehr. Spiele werden so lange aktualisiert, wie sie gekauft werden. Sie leben und sterben in der Entwicklungsphase. Es sind de facto Live-Service-Spiele, die Jahre rauskommen, bevor Ubisoft & Co. diese released hätte. Der Kunde sieht es aber offenbar nicht so.
Das Kernprinzip von Early Access ist, dass man unfertige Spiele, die ggf. unfertig bleiben, zum Vollpreis kauft. Das finde ich im Kern weiterhin unerhört. Der Kunde trägt das gesamte Risiko. Sagt der Entwickler: "Macht's gut und danke für den Fisch", ist der Kunde gelackmeiert. Anderswo fordern wir elementare Kundenrechte über Klageerhebung und EU-Parlament ein. Bei Early Access akzeptieren wir einfach, dass wir mit unserem Kauf ein Glücksspiel betreiben.
Offenbar hat sich Sony gegen einen solchen Service entschieden, weil das den qualitativen Erwartungen der Spieler innerhalb ihres "geschützten" Ecosystems widerspricht, und das halte ich für respektabel.