| Titel | Marvel’s Wolverine |
| 15. September 2026 | |
| Sony Interactive Entertainment | |
| 15. September 2026 | |
| Sony Interactive Entertainment | |
| 15. September 2026 | |
| Sony Interactive Entertainment | |
| System | PlayStation 5 |
| Getestet für | PlayStation 5 Pro |
| Versionsnummer | 1.001.003 |
| Entwickler | Insomniac Games |
| Genres | Action-Adventure |
| Texte |
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| Vertonung |
Als 2018 Marvel’s Spider-Man von Insomniac Games erschien, musste man richtig gute Comicbuch-Adaptionen im Spielebereich noch fast mit der Lupe suchen. Batman war mit der Arkham-Reihe bis dahin das Maß aller Dinge. Spider-Man füllte diese Lücke seinerzeit hervorragend und legte auch gleichzeitig einen wichtigen Grundstein für die starken Singleplayer-Abenteuer, für die PlayStation in den folgenden Jahren bekannt werden sollte.
Es folgten zwei durchaus respektable Nachfolger und zwischendrin mit Ratchet & Clank: Rift Apart noch ein fantastisches Abenteuer abseits des Marvel-Kosmos. Es lief also für das Studio. Eigentlich war klar, dass diese Reise weitergehen würde – und so kündigte Insomniac bereits 2021 das nächste Spiel rund um einen mindestens ebenso großen Fanliebling an: Wolverine. Und wenn sich jemand dieser Figur annehmen kann, dann doch wohl die talentierten EntwicklerInnen aus Kalifornien.
Trotzdem sollte es ganze fünf Jahre dauern, bis das Spiel tatsächlich erscheint. Am 15. September ist es nun endlich so weit und die PlayStation 5 bekommt einen weiteren der wenigen echten Exklusivtitel – zumindest vorerst. Mit Wolverine schlägt Insomniac allerdings eine deutlich andere Richtung ein als noch mit Spider-Man.
Weg von der großen Open World, hin zu einer lineareren und erbarmungslosen Action-Erfahrung. Schon die bisherigen Trailer machten vor allem mit ihrem ziemlich exzessiven Einsatz von Gewalt auf sich aufmerksam.
Abgetrennte Gliedmaßen statt freundlicher Netzschwingerei – Wolverine macht schnell klar, dass hier ein anderer Wind weht. Wir konnten selbst die Krallen ausfahren und verraten euch in diesem Test, ob auch Wolverine zum nächsten Glanzstück in der ohnehin schon beeindruckenden Vita von Insomniac Games wird.
Narben heilen nicht immer
Wolverine kennen wir vor allem als festen Bestandteil der X-Men. Die X-Men, wie wir sie kennen, existieren hier allerdings nicht. An ihre Stelle tritt das sogenannte Team X, das vor vielen Jahren von Nathaniel Essex gegründet wurde. Am ehesten könnte man ihn als deutlich radikalere Version eines Charles Xavier beziehungsweise Professor X beschreiben. Sein erklärtes Ziel: Mutanten ein Zuhause und eine Zukunft geben – und gleichzeitig den Mutationen und dem mysteriösen X-Gen auf den Grund gehen.
Vor rund 30 Jahren war es auch Essex, der Logan alias Wolverine aus der Wildnis holte und ihm ein neues Zuhause gab. Dumm nur, dass Logan seine Erinnerungen verlor und sich an praktisch nichts aus seinem früheren Leben erinnern kann. Vielleicht ist das aber auch besser so.
Denn obwohl sein Körper dank seiner unglaublichen Regenerationsfähigkeiten nahezu jede Verletzung heilt, ist Logans Seele von Narben übersät, gegen die selbst sein Heilungsfaktor machtlos ist. Seine Vergangenheit lässt ihn nicht los – und im Laufe der Handlung beginnen wir Stück für Stück herauszufinden, was damals tatsächlich passiert ist.
Team X gegen Trask
Halt und einen gewissen Sinn findet Logan im Team X. Zu Beginn ist er gemeinsam mit Mystique und Sabretooth unterwegs. Ihr Ziel ist Bolivar Trask, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sämtliche Individuen mit dem X-Gen auszulöschen. In seinen Augen sind Mutanten eine Gefahr für die Menschheit – und er selbst derjenige, der sie davor beschützen muss.
Dafür unterhält Trask unter anderem seine eigene kleine Söldnertruppe: die Reaver. Ausgestattet mit futuristischer Technologie machen sie Logan und anderen Mutanten das Leben schwer und sorgen gleichzeitig dafür, dass Wolverine seine Krallen ziemlich regelmäßig ausfahren darf.
Wer sind hier eigentlich die Guten?
Anders als noch in den Spider-Man-Spielen steht die eigentliche Geschichte deutlich stärker im Mittelpunkt. Während man sich dort gerne stundenlang in den Aktivitäten der Open World verlieren und die Handlung auch einmal links liegen lassen konnte, folgt Wolverine einem wesentlich geradlinigeren Ansatz. Die Story wird dadurch prominenter inszeniert und wartet mit einigen Überraschungen auf, die sowohl Comic-Fans als auch Leute außerhalb der Marvel-Bubble abholen können.
Besonders interessant wird es, wenn das Spiel seine moralischen Fragen aufmacht. Wie weit darf man gehen, um die eigenen Ideale durchzusetzen? Heiligt der Zweck wirklich jedes Mittel? Und wer sind am Ende überhaupt die Guten und die Bösen?
Wolverine liefert darauf nicht immer einfache Antworten und bringt uns durchaus dazu, Logans eigene Taten und Entscheidungen zu hinterfragen. Gerade diese Grauzonen stehen der Figur hervorragend und verleihen der Geschichte deutlich mehr Gewicht, als man angesichts der ganzen fliegenden Körperteile zunächst vielleicht erwarten würde.
Krallen raus und rein ins Getümmel
Beim Gameplay und insbesondere beim Kampfsystem glänzt Wolverine mit am meisten. Logan ist ein klassischer Nahkämpfer und entsprechend direkt geht es zur Sache. Mit seinen Adamantium-Klingen malträtiert er alles, was sich ihm in den Weg stellt. Das Grundgerüst bleibt dabei relativ simpel: normale Angriffe, Sprintattacken zum nächsten Gegner, Spezialangriffe sowie Parieren und Ausweichen. Mehr braucht es aber auch gar nicht, denn das alles geht hervorragend von der Hand und fühlt sich extrem befriedigend an.
Und Wolverine wäre natürlich nicht Wolverine, wenn die Kämpfe zimperlich ausfallen würden. Blut fließt eimerweise, Gliedmaßen fliegen durch die Gegend und Logan schnetzelt sich teilweise regelrecht durch ganze Gegnerhorden. Gerade hier spielt Insomniac seine große Stärke aus. Fantastische Animationen, fließende Übergänge zwischen den Attacken und die enorme Wucht hinter jedem Treffer sorgen für unglaublich flüssige und fast schon süchtig machende Kämpfe.
Alternativ kann Logan auch seine leisere Seite zeigen und sich an Gegner anschleichen. Das funktioniert grundsätzlich ordentlich, wirkt neben dem hervorragenden Nahkampfsystem aber fast ein wenig wie die langweiligere Alternative. Warum lange verstecken, wenn man dem Gegner auch einfach direkt auf die Mütze geben kann?
Einmal um die halbe Welt
Abseits der Kämpfe fällt die Erkundung ausgesprochen linear aus. Dafür führen uns die einzelnen Abschnitte durch überraschend abwechslungsreiche Schauplätze. Vom fiktiven Insel-Stadtstaat Madripoor über die verschneiten Landschaften Kanadas bis in die verregneten Gassen Tokios bekommt das Auge einiges geboten. Eine Open World sollte man allerdings nicht erwarten – Wolverine führt uns ziemlich geradlinig von einem Schauplatz zum nächsten.
Sammelobjekte gibt es ebenfalls, sie bleiben aber eher Beiwerk. Übersehen kann man sie ohnehin kaum, schließlich blinken und leuchten sie teilweise so auffällig, als würden sie förmlich darum betteln, eingesammelt zu werden. Und damit wären wir bei einem Punkt, über den bei modernen Action-Adventures gerne diskutiert wird: Wolverine nimmt uns ziemlich stark an die Hand.
Eine Duftspur zeigt sehr häufig den Weg zum nächsten Ziel, während weiße Markierungen kaum Zweifel daran lassen, an welcher Wand geklettert oder über welche Kante gesprungen werden soll. Ganz so schlimm, wie die Hilfen hier teilweise dargestellt werden, empfand ich es allerdings nicht. Die Level sind ohnehin derart linear aufgebaut, dass es meistens sowieso nur eine sinnvolle Richtung gibt.
Quick-Time-Events sind auch interessant, diese lösen sich quasi von selbst und bei keiner oder falscher Eingabe werden sie auch „gelöst“. Und nein, die Option für automatische QTEs war natürlich deaktiviert.
Viel Hilfe – wenn man sie möchte
Darüber hinaus lassen sich zahlreiche weitere visuelle Hilfen optional aktivieren. Ob man solche Anzeigen mag oder nicht, bleibt natürlich Geschmackssache. Wer sie benötigt, bekommt hier allerdings viele Möglichkeiten geboten.
Generell verdient Insomniac für die umfangreichen Barrierefreiheitseinstellungen ein großes Lob. Die Auswahl ist wirklich hervorragend und ermöglicht es, zahlreiche Aspekte des Spiels an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Produktionen dieser Größenordnung dürfen sich davon gerne eine große Scheibe abschneiden.
Etwas zusätzliche Abwechslung bringen schließlich die sogenannten Albtraumtüren. Dahinter warten kleinere optionale Herausforderungen, meistens in Form von Kämpfen gegen besondere Gegner oder mehrere Wellen. Gelegentlich steht stattdessen ein kleiner Parcours auf dem Programm. Das ist eine nette Ergänzung für zwischendurch, mehr aber auch nicht.
Hollywood lässt grüßen
Neben den hervorragenden Kämpfen punktet Marvel’s Wolverine vor allem bei seiner Inszenierung. Die bewegt sich über weite Strecken tatsächlich auf Hollywood-Niveau. Besonders die spektakulären Verfolgungsjagden gehören zu den optischen Highlights und lassen es regelmäßig ordentlich krachen. Auch die wenigen Bosskämpfe sind dafür umso aufwendiger inszeniert und bleiben entsprechend im Gedächtnis.
Getestet wurde auf der PlayStation 5 Pro, wo das Spiel im Leistungsmodus konstant die angepeilten 60 FPS hält. Ähnlich soll es auch auf der normalen PlayStation 5 aussehen. Gerade bei den schnellen und teilweise völlig chaotischen Kämpfen ist die stabile Bildrate Gold wert. Diesen Modus würde ich auch im Vergleich zum „Wiedergabetreue“-Modus empfehlen, der nur 30 FPS anpeilt. Alternativ kann noch ein 120-Hz-Anzeigemodus gewählt werden. Mit eingeschalteten „VRR” können Spitzenwerte von 100 fps, in der Regel aber zwischen 70 und 80 fps, auf der PlayStation 5 Pro erreicht werden. Ein entsprechender Monitor oder Fernseher ist natürlich Voraussetzung.
Schön, brutal und butterweich
Auch grafisch zeigt Insomniac erneut, was das Studio aus der PlayStation 5 herausholen kann. Beleuchtung, Reflexionen und insbesondere die Gesichtsanimationen bewegen sich auf einem hervorragenden Niveau. Dazu gesellt sich schickes Raytracing, das gerade die ohnehin beeindruckenden Schauplätze noch einmal aufwertet.
Besonders Logan selbst sieht fantastisch aus. Haare, Bart und natürlich seine ikonischen Koteletten sind derart detailliert dargestellt, dass man gefühlt jedes einzelne Haar zählen könnte. Insomniac hat hier sichtbar viel Arbeit in seine Hauptfigur gesteckt – und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.
Technisch hinterließ das Spiel während meines gesamten Testzeitraums ebenfalls einen hervorragenden Eindruck. Bugs, Abstürze oder andere größere Probleme? Fehlanzeige. Kleinere Problemchen sollen laut Entwickler zusätzlich noch mit einem Day-One-Patch behoben werden.
Musikalisch bewegt sich Wolverine ebenfalls auf einem hohen Niveau. Der Soundtrack ist treibend, passend und unterstützt insbesondere die Action hervorragend. Ganz so stark im Gedächtnis wie einige Stücke aus Spider-Man bleibt er für mich allerdings nicht. Seinen Zweck erfüllt er trotzdem mehr als ordentlich.
Grummelig, direkt und irgendwie sympathisch
Die deutsche Synchronisation ist ein zweischneidiges Schwert. Besonders Logan und die anderen Mitglieder von Team X sind gut getroffen, während einige Nebenfiguren qualitativ doch merklich abfallen. Trotzdem ist es schön, dass überhaupt eine vollständige deutsche Vertonung vorhanden ist – bei einer Produktion dieser Größenordnung durfte man das allerdings auch erwarten.
Gerade Logans grummelige Art, wie wir sie aus Filmen, Serien und Comics kennen, fängt die deutsche Stimme erstaunlich gut ein. Der Mann hat nun einmal seine Laster, allen voran den Alkohol, trägt das Herz auf der Zunge und hält mit seiner Meinung selten hinterm Berg. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – bleibt Logan genauso sympathisch beziehungsweise unsympathisch, wie wir ihn kennen und lieben.
Fanservice bis in die Koteletten
Generell verneigt sich Insomniac vor zahlreichen Stationen aus Wolverines langer Geschichte. Unzählige Kostüme lassen sich freischalten und Comic-Fans dürften an jeder Ecke kleinere und größere Anspielungen entdecken. Selbst Verweise auf Spider-Man fehlen nicht. Gleichzeitig findet sogar die zeitgenössische Meme-Kultur ihren Platz. Stichwort: „Wolverine Remember“. Wer tief im Marvel-Kosmos steckt, bekommt hier einiges zu entdecken.
Beim Schwierigkeitsgrad stehen insgesamt fünf Stufen zur Auswahl, zusätzlich lassen sich einzelne Parameter noch einmal separat anpassen. Damit sollte für nahezu alle SpielerInnen etwas Passendes dabei sein. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad fällt das Abenteuer allerdings stellenweise sogar etwas zu leicht aus – gerade angesichts dessen, wie erbarmungslos Logan auf dem Bildschirm eigentlich zu Werke geht.
Kürzer, dafür ohne große Umwege
Wer in einem normalen Tempo spielt, sollte nach etwa 15 bis 17 Stunden den Abspann erreichen. Damit fällt Wolverine etwas kürzer aus als die Spider-Man-Abenteuer von Insomniac, wobei der Vergleich natürlich etwas hinkt: Schließlich verzichtet Logan komplett auf eine Open World und setzt stattdessen auf ein deutlich lineareres Erlebnis.
Für meinen Geschmack geht der Umfang damit vollkommen in Ordnung. Wer nach dem Abspann noch nicht genug vom Krallenschwingen hat, bekommt außerdem ein New Game+ spendiert und kann sich ein weiteres Mal durch Logans Abenteuer schnetzeln.
Diese Krallen hinterlassen Eindruck
Marvel’s Wolverine ist vielleicht nicht ganz das nächste Meisterwerk von Insomniac Games, aber verdammt nah dran. Vor allem das unglaublich befriedigende Kampfsystem, die erstklassigen Animationen und die Inszenierung auf Hollywood-Niveau machen Logans Abenteuer zu einem echten Brett.
Dazu kommt eine überraschend interessante Geschichte, die auch einmal ernstere Fragen stellt und wunderbar zu Wolverines zerrissener Persönlichkeit passt.
Ganz ohne Kratzer kommen die Adamantium-Klingen allerdings nicht davon. Die Level sind sehr linear, das Spiel nimmt uns stellenweise etwas zu sehr an die Hand und optionale Aktivitäten sowie Sammelobjekte bleiben eher Beiwerk. Auch der normale Schwierigkeitsgrad hätte etwas knackiger ausfallen dürfen. Dafür konzentriert sich Wolverine konsequent auf seine größten Stärken und verzichtet auf unnötigen Ballast.
Nach rund 16 Stunden war für mich Schluss – und das geht vollkommen in Ordnung. Wolverine ist kompakter als Spider-Man, dafür aber auch fokussierter, brutaler und kompromissloser. Insomniac beweist erneut, wie gut das Studio große Comicfiguren in Videospielform übersetzen kann. Logan bekommt damit genau das Abenteuer, das er verdient hat.
Story
Gameplay
Grafik
Sound
Sonstiges
Bildmaterial: Marvel’s Wolverine, Sony, Insomniac Games

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