Es scheint, als kämen Rhythmusspiele in Wellen: Immer wieder gibt es Phasen, in welchen sie präsenter sind, und andere Phasen, in welchen sie in den Hintergrund geraten. Aktuell scheint wieder eine Phase zu sein, in welcher Rhythmusspiele etwas stärker werden.
In den letzten zwei Monaten konnte das VTuber-Rhythmusspiel Hololive Dreams über drei Millionen Downloads verzeichnen. Parallel kündigen Veteranen aus der Rythmusspielbranche das Spiel Stage Tour für Konsolen an, welches an alte Erfolge von Guitar Hero und Rock Band anknüpfen soll. Und dann ist da natürlich noch der Dauerbrenner Hatsune Miku: Colorful Stage! und das Konsolenspiel Hatsune Miku: Project DIVA, welches laut Famitsu-Lesern die beste aller Rhythmusspielreihen ist.
Die „BanG Dream!“-Reihe hat gegenüber diesen Spielen dabei jedoch mehrere Vorteile: Eine starke Songliste mit bekannten Coversongs, den sehenswerten BanG Dream! Anime sowie Live-Konzerte der „realen“ Bands im Spiel, welche in japanischen Konzerthallen stattfinden. Daraus basteln Entwickler From Tokyo und Bushiroad mit dem Publisher Bilibili Games bei BanG Dream! Our Notes ein besonderes Rhythmusspiel für iOS und Android.
Erwachsener Stil stellt Story und Konzerte in Vordergrund
BanG Dream! Our Notes wirkt bereits auf den ersten Blick deutlich weniger verspielt als das erst kürzlich veröffentlichte Hololive Dreams, das bewusst auf eine ausgeprägte „Cutesy-Ästhetik“ setzt. Stattdessen präsentiert sich Our Notes fokussierter und richtet den Blick auf das Kernthema der Reihe: die tiefgehenden Geschichten rund um die fünf Bands und ihre Konzerte.
Das passt zur bisherigen Entwicklung von BanG Dream!, denn insbesondere die dramatischen Anime-Handlungen mit Konflikten, starken Emotionen und Mystery- beziehungsweise Psychodrama-Elementen rund um MyGo!!!!! und Ave Mujica kamen bei den Fans hervorragend an. Die Popularität dieser Geschichten zeigt sich auch darin, dass Ave Mujica einen eigenen Kinofilm erhält und It’s MyGO!!!!! 2027 als Serie fortgesetzt wird.
Das Hauptmenü zeigt bereits ein „sauberes“ Diorama-Hintergrundbild der aktuell im Event befindlichen Band und auch klar strukturierte Menüpunkte. Die Geschichten werden weniger „nebenbei“ präsentiert als noch im Vorgänger, sondern wurden ausgebaut: 3D-Animationen vor 2D-Hintergründen mit Kamerafahrten sind nun der Standard, die Geschichten werden wie üblich in Kurzepisodenform erzählt – wobei diese auch schon mal bis zu 10 Minuten dauern können.
Während die Geschichten bei vielen anderen Rhythmusspielen zum „Skip“ einladen, um die Ressourcen einzusammeln, ist das bei BanG Dream! Our Notes anders: Nicht nur die Storys sind interessant aufgebaut, auch die wiederholten, kurzen Anime-Sequenzen rund um die Auftritte werden hochwertig präsentiert und geben das Gefühl, beim Überspringen wirklich etwas zu verpassen. Die Geschichten sind übrigens voll auf Japanisch vertont – wie bereits im Vorgänger, BanG Dream! Girls Band Party.
Zwischendurch wird die ernste Aufmachung aufgelockert mit witzigen Manga-Panels während der Ladezeiten, kleinen Nachrichten auf das virtuelle Smartphone oder durch neckische Kommentare der Charaktere in den Menüs.
Hochqualitative, überraschende Cover und Symphonic Metal
Die Songliste ist aktuell noch etwas dünn – gewohnt sind wir in der Regel zwischen 200 und 500 Songs bei den über Jahren gewachsenen Rhythmusspielen. BanG Dream! Our Notes startet mit gerade einmal ca. 80 Titeln. Am Anfang ist das etwas überraschend, allerdings überzeugt die Qualität der bereits vorhandenen Songs.
Besonders die zahlreichen Cover sind erwähnenswert: Seishun Complex aus Bocchi the Rock!, UNDEAD von YOASOBI aus der Monogatari – Reihe, Ao no Sumika aus Jujutsu Kaisen und mit Six Trillion Years and Overnight Story gibt es auch ein Vocaloid – Cover.
Eine Coverversion weiß besonders zu gefallen: A Cruel Angel’s Thesis aus Neon Genesis Evangelion wird von der Gothic / Symphonic Metal Band Ave Mujica gesungen und bringt den emotionalen Schmerz aus der Anime-Serie perfekt in musikalische Form – natürlich auch mit der entsprechenden schwarzen Bühnengestaltung. Gänsehaut!
Solides Rhythmusspiel ohne große Überraschungen
Das eigentliche Gameplay gerät dabei fast in den Hintergrund, obwohl es wie zu erwarten ebenfalls hervorragend ist. Zu dem klassischen Rhythmusspiel-Gameplay mit Taps und Holds gesellen sich Flicks nach oben und Rolls zur Seite, was auf höheren Stufen ziemlich chaotisch und herausfordernd werden kann.
Die Musik wird klassisch in einem „Live2D-Panel“ gezeigt, in welchem die Figuren auf der Bühne stehen und von einem Leuchtstick-Publikum angefeuert werden. In einigen Fällen gibt es zur Musik auch Musikvideos, welche anstelle der Live2D-Animationen im Hintergrund angezeigt werden können.
Schwächen im Detail
Leider verpasst es BanG Dream! Our Notes, neben dem Kern des Spiels mit den Geschichten, Songs und Bands ein wenig mehr Abwechslung zu bieten. Hololive Dreams präsentiert seine Oberwelt etwa in 3D und gibt dem Spiel so etwas mehr Präsenz und wirkt allgemein weniger kühl und distanziert.
Dazu kommen normalerweise mehrere Minispiele, um zwischen den konzentrierten Rhythmusspiel-Phasen etwas entspannen zu können. Auch davon ist bislang in Our Notes keine Spur. Die Konkurrenz bietet auch gelegentlich eine aktive Modding-Community oder Community-gemachte Custom Notecharts im Spiel – auch davon ist bislang nichts zu sehen.
Durch den Japan-Fokus des Spiels gibt es auch keine englische Sprachausgabe. Das Menü ist zwar auf Englisch, aber die japanischen Songnamen werden weder in Romanji noch in übersetzten Versionen angeboten, was eine leichte, unnötige Sprachbarriere erzeugt. Der Vorgänger, BanG Dream! Girls Band Party, erhielt noch eine Version für die Nintendo Switch in Japan. Von BanG Dream! Our Notes ist bislang keine Version für die Nintendo Switch 2 angekündigt.
Monetarisierung entspricht den Erwartungen
Bei der Monetarisierung entspricht dagegen alles den Erwartungen: Das F2P-Spiel enthält klassisches Charakter-Gacha und bietet drei Stufen im Monatspass, von drei Euro/Monat bis 20 Euro/Monat. Dazu kommen diverse Mikrotransaktionen, Premiumwährungs-Pakete und optische Anpassungen wie Skins für das virtuelle Smartphone und In-Game-Chat-Sticker.
Einzig, dass man eine vierte Kategorie an auflevelbaren Objekten einführt, ist ungewöhnlich. Standardmäßig werden Bandmitglieder gelevelt und mit ihren Spezialfähigkeiten aufeinander abgestimmt. Diese bekommen mit einem weiteren Element – hier bedeutende „Snapshots“ der Bands und Charaktere – weitere Boosts. In Bandori-ON muss jedoch auch das Instrument der Bandmitglieder eingespielt werden. Jede der 25 Hauptcharaktere hat ein Lieblingsinstrument, das ebenfalls gelevelt werden muss.
Eine tolle Neuauflage mit großartigen Coverversionen
Über zwei Millionen Fans weltweit warten auf BanG Dream! Our Notes – und was wir für ein paar Stunden anspielen durften, weiß zu gefallen. Das F2P-Spiel für Mobilgeräte bietet genau das, was zu erwarten war: großartige Coverversionen und Original-Songs, interessante Geschichten rund um die fünf Bands und kurze Anime-Sequenzen rund um die Konzerte.
Die hochwertig inszenierten, emotionalen Kurzepisoden, die vollständige japanische Vertonung und die damit verbundene starke Songauswahl machen die Storys zu einem echten Kernbestandteil – nicht zu Inhalten, die man lediglich für Belohnungen überspringt.
Die gelungenen Coverversionen und Ave Mujicas Symphonic-Metal-Version von „A Cruel Angel’s Thesis“ bleiben im Gedächtnis. Dazu wird am 24. September per Day-1-Patch ein Cover eines besonders in Amerika beliebten Songs inklusive Musikvideo im Spiel erscheinen.
BanG Dream! Our Notes ist vor allem für Fans der Anime-Serie und der Bands interessant, die ihre Geschichten in einem neuen Format erleben möchten. Im Hinblick auf Abwechslung und Umfang bietet die Konkurrenz – und auch der fast 10 Jahre alte Vorgänger – derzeit noch mehr.
Wir sind gespannt, was From Tokyo, Bushiroad und Bilibili in den nächsten Monaten und Jahren noch an Inhalten nachliefern werden, denn die Inhalte zum Start am 24. September geben bereits einen vielversprechenden Ausblick.
Bildmaterial: BanG Dream! Our Notes, Bilibili, Bushiroad, Fromtokyo

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