Vielleicht erinnert ihr euch an Project Phoenix, wahrscheinlicher ist aber, dass ihr die groß angelegte Crowdfunding-Hoffnung nicht mehr auf dem Schirm habt. Das Projekt – ein Echtzeitstrategiespiel mit „starken“ JRPG-Einflüssen – wurde bereits 2013 auf Kickstarter angekündigt.
Die Kampagne generierte zu besten Kickstarter-Zeiten schnell stolze eine Million Dollar; heute gleicht die Subpage einem Friedhof. PlayStation Vita und PlayStation 4 sind dort stolz als unterstützte Plattformen aufgeführt, und als voraussichtlicher Veröffentlichungszeitraum wird „Mitte 2015“ genannt. In den Kommentaren gibt es seit Jahren nichts als Rückforderungen. Jetzt gibt es eine überraschende Wendung.
In der Anfangszeit war Project Phoenix vielversprechend. Die Kickstarter-Kampagne generierte mehr als das Zehnfache des ursprünglichen Finanzierungsziels, und das Entwicklerteam bestand aus echten Branchenveteranen, die an Titeln wie The Elder Scrolls: Skyrim, Final Fantasy, Diablo, L.A. Noire und anderen mitgewirkt hatten. Sogar Nobuo Uematsu war beteiligt.
Was ist also schiefgelaufen? Nun, das blieb bis kürzlich unklar. Nachdem mehrere Termine verstrichen waren, wurden die Updates zum Projekt immer seltener, bis das Projekt 2019 ohne ersichtlichen Grund völlig in der Versenkung verschwand.
Natürlich hat das siebenjährige Schweigen das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Projekt nachhaltig erschüttert. Doch nun hat Director Hiroaki Yura ein ausführliches Kickstarter-Update veröffentlicht. In diesem erklärt er, was schiefgelaufen ist, was mit den Kampagnengeldern geschehen ist und wie es mit dem Spiel weitergeht.
Update nach sieben Jahren
„Es sind sieben Jahre seit meinem letzten Update vergangen. Ich werde das nicht beschönigen“, so Yura. „Ihr habt dieses Projekt unterstützt, mir euer Vertrauen geschenkt und dann sehr lange nichts mehr gehört. Für dieses Schweigen trage ich die Verantwortung. Ich schulde euch eine vollständige Erklärung – und mehr noch: Ich schulde euch den Beweis, dass Project Phoenix noch lebt. Beides findet ihr in diesem Update.“
Im Folgenden begründet Yura das lange Schweigen mit der selbstauferlegten „Regel“, kein Update zu veröffentlichen, ehe er etwas vorzuweisen hätte. Eine Fehlentscheidung, wie er jetzt zugibt. „Ein schlichtes ‚Wir arbeiten noch daran, wenn auch langsam‘ wäre weitaus besser gewesen als gar nichts, und es tut mir leid, dass ich euch das nicht mitgeteilt habe.“
Yura erklärt, dass es verschiedene Gründe für das Schweigen rund um Project Phoenix gab. Einer davon seien persönliche Probleme gewesen, die ihn „stark mitgenommen“ hätten. Zudem verließ irgendwann einer der wichtigsten Programmierer das Projekt. „Den Ausfall zu kompensieren und die Entwicklung neu aufzustellen, kostete Jahre und Geld, das ich nicht einfach auf dem Konto liegen hatte“, so Yura. Anstatt die verbliebenen Mittel aufzubrauchen, entschied sich Yura zunächst ein solides Unternehmen aufzubauen, das die Finanzierung des Spiels ermöglichen konnte, so seine Erklärung.
Kickstarter-Mittel flossen allesamt in das Projekt
Einer der größten Kritikpunkte an Project Phoenix war, dass Yura in den Jahren, in denen die Kickstarter-Unterstützer keinerlei Updates erhielten, andere Studios gründete und andere Spiele veröffentlichte – und dabei den Eindruck unkommentiert ließ, das Projekt sei aufgegeben worden.
„Der Grund dafür ist, dass ich mit diesen Projekten das Geld verdiene, um dieses hier zu finanzieren“, so Yura. „Der Geldfluss ging immer nur in eine Richtung: von jener Arbeit hin zu Phoenix, niemals umgekehrt. Wir sind dadurch nicht reich geworden. Wir sind nicht einmal annähernd reich. Jeder finanzielle Spielraum, den diese Projekte schaffen, fließt direkt wieder in die Fertigstellung von Phoenix – und zwar so, wie es sein sollte.“
Yura räumt zudem offen ein, dass ihm anfangs das nötige Verständnis für die Anforderungen und Herausforderungen eines Spiels in der Größenordnung von Project Phoenix gefehlt habe. Die anderen Spiele und Studios, an denen er beteiligt war, dienten als Sprungbrett, das ihn schließlich – nun mit der erforderlichen Erfahrung ausgestattet – zur Arbeit an Project Phoenix zurückführte.
Was die eine Million Dollar betrifft, hat Yura auch eine Erklärung parat: „Ein Großteil der Mittel floss in die Arbeit der Anfangsjahre: Charakter- und Kreaturendesigns, Basismodelle, das Szenario und die Spielwelt sowie einen beträchtlichen Teil von Uematsus Musik.“
Dabei sei nicht jeder Dollar optimal eingesetzt worden. In jedem Fall sei das gesamte Geld aber in das Projekt geflossen, bekräftigt Yura. „Seither habe ich sichergestellt, dass die weitere Finanzierung gesichert ist, damit das Projekt nicht an eurem Beitrag scheitert.“
Veröffentlichung bis … Ende 2031
Auch wenn die Skepsis von Unterstützern und Fans durchaus berechtigt sei, betont Yura, dass sich Project Phoenix weiterhin in der Entwicklung befinde und einen größeren Umfang aufweise als ursprünglich geplant. Der Haken: Er hofft, dass die Produktion bis Ende 2031 abgeschlossen sei. Eine Nachricht, die für all jene schmerzhaft sein dürfte, die schon seit 2013 darauf warten.
„Ich würde mich immer für ein Ziel entscheiden, hinter dem ich voll und ganz stehen kann, statt für ein bequemes“, so Yura. „Sobald wir Dinge festlegen, die ich tatsächlich versprechen kann, werdet ihr davon erfahren – und zwar weitaus häufiger als bisher.“
Im Sinne der Transparenz kündigt Yura an, dass bald einen Discord-Server zum Projekt an den Start gehe. Dort sollt ihr die Entwicklung verfolgen, Kontakt zu den Entwicklern aufnehmen können und „mich dazu anhalten, einen beständigeren Rhythmus einzuhalten, als es mir bisher gelungen ist“.
Ob das ausreicht, um euer Wohlwollen zurückzugewinnen, liegt bei euch; Yura verspricht jedoch, sich entsprechend zu engagieren. „An alle, die nach all dieser Zeit noch dabei sind: Danke. Ich weiß das sehr zu schätzen und bin entschlossen, mir das Vertrauen, das ihr in mich gesetzt habt, wieder zu verdienen.“
via GamesRadar, Bildmaterial: Project Phoenix

Das Kickstarter-Update ist "nur für Backer" und für niemand anderen einzusehen.
Ja, aber das Wesentliche daraus wird ja zitiert. Und es hat mich genau zwei Klicks gekostet, das Update zu lesen. Quelle -> ResetEra.
Sorry, hätten wir natürlich auch in den Artikel packen können.