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Im Test! OPUS: Prism Peak ist ein Abenteuer wie ein Ghibli-Film

Titel OPUS: Prism Peak
Japan 16. April 2026
Shueisha Games
Nordamerika 16. April 2026
Shueisha Games
Europa 16. April 2026
Shueisha Games
System PC, Switch, Switch 2
Getestet für PC
Entwickler Sigono
Genres Adventure
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Etwas unverhofft tauchte im „Persönlichen Kalender“ in Steam (Experiment 16 der Steam Labs) ein Spiel auf, dessen Namen geheimnisvoll genug war, um im Gedächtnis zu bleiben. OPUS: Prism Peak versprach, ein spirituell angehauchtes Spiel im Anime-Cel-Shading-Look zu werden, dessen Gameplay an das altbekannte Life is Strange erinnert.

Als uns Sigono und Shueisha Games einen Test anboten, da das Spiel zu unserer Seite passen würde, waren wir daher sofort an Bord. Wenige Stunden im Spiel war bereits klar: Wir haben es hier mit einem Top-Titel zu tun. Aber erst mal der Reihe nach!

Gescheiterte Träume und Verlust – und die Suche nach einem Sinn

Im Spiel übernehmen wir die Rolle des 40-jährigen ehemaligen Fotojournalisten Eugene, der auf dem Weg war, sich sein perfektes Leben aufzubauen. Nach dem Aufwachsen in einer etwas eigensinnigen Familie mit starken Charakteren fand er sein Glück in der Fotografie und seiner selbst gegründeten Familie – in seinem Fotocafé servierte er nicht nur Getränke, sondern Lebensgeschichten, Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Doch all das ging nach und nach aufgrund unglücklicher Umstände in die Brüche. Als gescheiterte Existenz entschließt er sich, nach längerer Abwesenheit in seine Heimat zurückzukehren – einen Anlass dazu gibt es auch, denn sein Großvater ist gestorben.

Zu allem Überfluss baut er auf dem Weg zur Beerdigung einen Unfall, der ihn in eine dunkle Parallelwelt bringt. In dieser Welt vermischt sich die reale Ebene mit einer mystischen, spirituellen Welt, in der Geister existieren. Hier muss er sich wohl oder übel mit seinen Erinnerungen, Verlusten und der Frage auseinandersetzen, ob er seine eigenen gescheiterten Träume loslassen kann – und wie es ab sofort weitergeht, so ganz ohne großes Lebensziel.

Der Weg ist das Ziel – aber laufen wir auf etwas zu, oder von etwas weg?

In der Parallelwelt leben viele Geister – meist Tiere mit einer starken Bindung an eine Realität, in der der sogenannte „Seher“ ein guter Freund war. Auch der Seher war ein sehr guter Fotograf, seine Bilder konnten verblasste Geister wieder erwecken, ihnen einen besonderen Namen geben und ihnen ihren Lebenswillen zurückgeben. Eines Tages verschwand der Seher hoch oben auf einem Berg, was die Geister wieder verblassen ließ. Sie sind nun auf sich alleine gestellt in einer Welt, in der die mysteriösen Schatten sie jederzeit auslöschen können.

In dieser düsteren, desillusionierten Welt trifft Eugene auf ein vorlautes Mädchen am Ende des Tunnels, in dem er sein Auto schrottreif gefahren hat. Auch sie ist bereits am Verblassen und fürchtet sich vor den Schatten, die wie ein Fluch alles zu verschlingen drohen. Eugene ist zwar emotional orientierungslos, aber kein Unmensch.

So nimmt dieses Mädchen an die Hand und leitet es hinaus aus dem Tunnel, rein in den Wald. Nach wenigen Stunden fangen sich beide an, sich einander zu öffnen. Das Mädchen hat sich verirrt – ihre Heimat ist der Berg in der Ferne. Also begeben wir uns zusammen auf eine emotionale Reise, denn ein anderes, wichtiges Ziel haben wir aktuell sowieso nicht.

Alles Fremde wirkt vertraut, alles Vertraute fremd

Auf dem Weg begegnen wir vielen Tieren, die fremd, aber doch gleichzeitig vertraut wirken. Ein freundlicher Hirschgeist bringt uns im Wald unsere alte Kamera wieder, die wir erst vor wenigen Tagen verkauft haben. Ein Kumpel im „echten Leben“ faltete uns dafür noch wenige Stunden vorher zusammen – was uns denn einfallen würde, die Kamera zu verkaufen, an der so viele Erinnerungen und Lebensträume hingen.

Vielleicht wollten wir sie aber gerade deswegen loswerden. Nun ist sie wieder da – halb kaputt wie unser Leben, aber mit besonderen Fähigkeiten in der Geisterwelt. Diese besonderen Fähigkeiten sind hilfreich bei der Erkundung und dem Festhalten besonderer Momente, aber auch nützlich für die Geister. Die Fotos dienen als Leitfaden in unserem Notizbuch, in dem wir die Reise festhalten und uns so immer wieder etwas mehr an die wirklich wichtigen Dinge erinnern.

Allzu tief möchten wir an dieser Stelle aber nicht in die Story eintauchen. Jede Begegnung mit einem verblassenden Tier ist mysteriös, aber auch gleichzeitig bedeutungsvoll. Der Eber ist im Streit mit seinem Freund auseinandergegangen, würde ihm aber am liebsten sagen, wie leid ihm alles tut und sich mit ihm Versöhnen – eine Situation, in die sich Eugene nur zu gut hineinversetzen kann.

Am Bahnhof wartet eine Hundedame seit langer Zeit auf jemanden – hat Eugene etwa bei der Erfüllung seines Lebenstraums jemanden vernachlässigt, der ihn sehr vermisst? So geht es Stück für Stück weiter auf der Reise – selbst das Mädchen, das wir in ihre Heimat begleiten, hat einen Namen, mit dem wir schmerzhafte Erinnerungen verbinden. Und der Berg, auf dem der Seher verschwunden ist – ist das etwa … nein, das kann nicht sein.

Erinnerungen an die besten Anime-Filme werden wach

Die Anlehnungen an viele Meisterwerke der japanischen Anime-Kunst sind ab diesem Punkt nicht mehr zu leugnen. Der Grafikstil erinnert an die legendären Filme des Studio Ghibli, die Erzählung spiritueller Geschichten durch sprechende Tiere in einer Welt mit einem alles verschlingenden Schatten an das Meisterwerk Prinzessin Mononoke.

Aber auch die Anlehnungen an moderne Werke von Shinkai Makoto sind deutlich sichtbar. Wer die Filme im japanischen Originalton gesehen hat, dem können wir die japanische Sprachausgabe des Spiels mit deutschen Untertiteln ans Herz legen.

OPUS: Prism Peak lehnt sich zwar stark an viele Kunstwerke an, behält aber dabei eine eigene Identität, die sowohl als Videospiel, als Kunstwerk als auch als spirituelle Reise in multimedialer Form funktioniert.

Spiritualität hilft auf der Suche nach dem Sinn – Albträume aber auch

Eine magische Feuerschale gilt als Erdungspunkt auf der Reise. Sie gibt Hinweise auf die Ziele, gibt Tipps und gegen ein entsprechendes Opfer – meist Fotos – auch wichtige Items. Gleichzeitig gibt sie auch Zugriff auf die Totems der Tiere, die ihr getroffen habt. Hier könnt ihr Fotos zu wichtigen Momenten im Leben der Tiere einlösen und bekommt dadurch mehr Klarheit in der Story.

Eine wichtige Rolle spielen die Schnappschüsse eurer Retro-Kamera aber auch in euren nächtlichen Albträumen, die euch über die gesamte Spielzeit hinweg verfolgen. Hier setzen sich die Erfahrungen der vergangenen Tage neu zusammen, während die kürzlich geschossenen Fotos bei der Einordnung helfen. Sie schalten wichtige Storysequenzen frei, die Hintergrundinformationen in kurzen Videosequenzen enthalten. Ein zweiter Spieldurchgang ist zwingend notwendig, um den gesamten Umfang der Story zu erleben – und damit auch ihr gesamtes Gewicht.

Technik: Ausreichend Plus

Die Technik gerät bei einem narrativen Meisterwerk wie OPUS: Prism Peak schnell in den Hintergrund. Wie bereits erwähnt ist der Grafikstil im Cel-Shading-Look gehalten, mit etwas realistischeren, stark stilisierten Umgebungen. Er erinnert so an die Filme von Studio Ghibli und bricht nicht die Immersion. Der Sound ist zurückhaltend, aber stets passend. Er gibt der Reise eine gute Untermalung und die nötige Ernsthaftigkeit, ohne besonders aufzufallen.

Die Charaktere sind sympathisch und komplett in mehreren Sprachen vertont – wir haben uns für die japanische Sprachausgabe entschieden, aber auch eine englische Sprachausgabe steht zur Auswahl. Die Grafik selbst ist zweckmäßig – nichts, was nicht auch auf einer zwölf Jahre alten PlayStation 4 möglich wäre. Wer in der Vergangenheit Life is Strange oder Spiele von Telltale Games gespielt hat weiß aber auch, dass das völlig ausreichend ist.

Ein Abenteuer wie ein Ghibli-Film

Was für ein Überraschungshit aus dem Nichts! Die OPUS-Reihe ist zwar nicht völlig unbekannt, hat aber bislang nicht für großes Aufsehen gesorgt. OPUS: Prism Peak dürfte das sicherlich ändern: Alleine der Grafikstil ist außergewöhnlich, die erzählerische Stärke mit Anlehnungen an die besten Anime-Werke der letzten drei Jahrzehnte ist herausragend.

Die spirituelle Selbstfindungsreise gehört mit zu den besten des Genres und weiß mit seinem zugänglichen Gameplay zu begeistern. Kritikpunkte muss man bei diesem Spiel finden wollen: Die Technik ist lediglich „gut genug“ für den Zweck. Dem ein oder anderen könnte das Spiel fast zu simpel und repetitiv sein. Das Spielkonzept ist ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig.

Doch wer sich auf die herzerwärmende Geschichte einlassen kann, für den wird das alles zur Nebensache. Das Spiel ist eine Empfehlung für jeden, der spirituell angehauchte Geschichten im Anime-Stil mag – auch für Menschen, die normalerweise selten einen Controller in der Hand haben.

 

Story

Die spirituelle Selbstfindungsreise in OPUS: Prism Peak ist definitiv etwas Besonderes und sollte von jedem selbst erlebt werden. Der Hauptcharakter steht an einem Wendepunkt in seinem Leben – die Lebensträume kurzzeitig verwirklicht, ging am Ende doch alles in die Brüche. Auf der Reise mit einem vorlauten Mädchen an seiner Seite trifft er auf viele Tiergeister, die fremd, aber dennoch vertraut sind.

Gameplay

Das Gameplay ist recht simpel und auch für Gelegenheitsspieler zugänglich: Zentrales Spielelement ist die Kamera, mit der die Umgebung erkundet und festgehalten werden möchte. Die magische Feuerschale bestätigt, ob ihr alles richtig gemacht habt und hilft bei der Progression. Ansonsten ist das Gameplay gemütlich und lädt dazu ein, die Spielwelt zu bewundern und Freundschaften mit den Tiergeistern zu schließen.

Grafik

Zweckgemäß und trotzdem wunderschön. Der Cel-Shading-Stil der Charaktere passt perfekt in die stilisierte Spielwelt, die regelmäßig an die alten Filme des Studio Ghibli und andere große Anime-Kinofilme erinnert.

Sound

Der Sound ist zurückhaltend, aber stets passend. Er gibt der Reise eine gute Untermalung und die nötige Ernsthaftigkeit, ohne besonders aufzufallen.

Sonstiges

Die spirituelle Selbstfindungsreise gehört mit zu den besten des Genres und weiß zu begeistern. Für manch einen älteren Spieler ist die Story vielleicht sogar näher am eigenen Leben, als ihm lieb ist.

Bildmaterial: OPUS: Prism Peak, Shueisha Games, Sigono

3 Kommentare

  1. Danke für den Test. DAs spiel hatte ich ja gar nicht auf den Schirm. Werde ich jetzt 100%ig auf meine Liste packen, da sich das verdammt gut anhört.

  2. Auch von mir danke für den Test. Auf meiner Wunschliste sitzt es schon ein Weilchen, auf seinen Release wartend. Freue mich schon sehr drauf^^

  3. Danke für den Test. DAs spiel hatte ich ja gar nicht auf den Schirm. Werde ich jetzt 100%ig auf meine Liste packen, da sich das verdammt gut anhört.

    Ich auch nicht wirklich... Wie gesagt, das war einfach mal eine Steam-Empfehlung... und dann kommt direkt so ein Brett :D
    Was für eine angenehme Überraschung.

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