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Im Test! Der Anime-Racer Screamer brennt euch die Neonfarben direkt in die Netzhaut

Titel Screamer
Japan 26. März 2026
Plaion
Nordamerika 26. März 2026
Plaion
Europa 26. März 2026
Plaion
System PS5, Xbox Series, PC
Getestet für PC-Steam
Entwickler Milestone, Polygon Pictures
Genres Arcade-Racer
Texte
Deutschland Nordamerika
Vertonung Deutschland Nordamerika Japan

Große Rennspielmarken gibt es nur noch wenige. Viele erinnern sich an die goldenen Zeiten der frühen 2000er mit Arcade-lastigen Rennspielen wie Need for Speed Underground, Burnout und Blur, aber auch nischigere Titel wie Auto Modellista oder Initial D Special Stage. Entwickler Milestone und Publisher Plaion knüpfen mit Screamer an diese alten Zeiten an.

Dem ein oder anderen älteren Semester werden die Namen vielleicht bekannt vorkommen, und richtig – hier ist tatsächlich das ursprüngliche Team hinter der Bleifuss-Reihe (international damals schon Screamer genannt) am Werk.

Mit den ursprünglichen Bleifuss-Titeln hat das aktuelle Screamer aber wenig gemein. Man könnte sogar von einem Reboot der Reihe sprechen – und ehrlich gesagt hoffen wir auf eine Verlängerung der Reihe, denn Screamer (2026) macht viel richtig, leidet aber an seiner schwankenden Qualität.

Karierre-Modus im Visual-Novel-Stil mit Anime-Sequenzen

Herzstück des Spiels ist der Turniermodus mit einem von „Screamern“ aus aller Welt ausgetragenen Turnier, in dem es um das enorme Preisgeld von 100 Milliarden Dollar und die Geheimnisse einer mysteriösen Maschine mit dem Namen „Echo“ geht. Sie kann nicht nur die Zeit zurückdrehen, sobald ein Wagen explodiert – wenn dabei Menschen sterben, kann sie sogar tote wiederauferstehen lassen.

Jedes der fünf Teams hat ganz eigene Gründe am Rennen teilzunehmen, welche ihr im Laufe der 70 Episoden umfassenden Story kennenlernt – während der etwa 10 Stunden werden die Rivalitäten immer stärker und die Kämpfe immer erbitterter.

Die Story selbst ist dabei sehr interessant, aber manchmal etwas zu ausführlich. Insbesondere die „Zwischenepisoden“ im Visual-Novel-Stil ziehen sich manchmal ganz schön in die Länge. Dagegen wirken die Hauptsequenzen im Anime-Stil hochwertig. Schade, dass man es hier verpasst hat, eine gewisse Konsistenz herzustellen. Eine kürzere, knackiger präsentierte Story in einem stilistisch passenderen Manga-Panel-Style hätte zum Beispiel deutlich besser gepasst. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Etwas eigenwillig ist auch das ständige hin- und herspringen zwischen den verschiedenen Teams. Selten sitzt man zwei Rennen in Folge im gleichen Wagen, ständig wird gewechselt. Es ist nicht nur schwer, der Story zu folgen – auch das Eingewöhnen auf ein Fahrzeug fällt schwer. Die Fahrzeuge heben sich allerdings hauptsächlich optisch ab, spielerisch wirken sie alle recht ähnlich und unterscheiden sich bevorzugt in der Höchstgeschwindigkeit und den Spezialattacken.

Die Vollvertonung der Story weiß zu gefallen: Die TeilnehmerInnen sprechen in unterschiedlichsten Sprachen, von Deutsch über Spanisch bis Holländisch und Japanisch. Das bringt den internationalen Charakter der hoch getunten Wagen mit 350 km/h Spitzengeschwindigkeit sehr gut in die Wohnzimmer – auch wenn holländisch für uns Deutsche manchmal einfach unfreiwillig lustig klingt. Oder wie man im Spiel sagen würde: „Waarom zou iemand respect voor jou hebben?“

Ansonsten bietet Screamer das, was man von einem Arcade-Racer erwartet: Mehrere Spielmodi wie Einzelrennen, Teamrennen, Zeitrennen sowie Punkteherausforderungen, Overdrive-Herausforderungen und Kontrollpunkte-Rennen sind vorhanden – auch im lokalen Splitscreen und als „Mixtape“ im Online-Modus. Tuning ist leider nur optisch vorhanden, das jedoch sehr umfangreich. Ein Schadensmodell ist quasi nicht vorhanden – ab und zu fliegt ein Heckflügel ab, was nur optische Auswirkungen hat.

Drifte um dein Leben

Die Rennen auf den über 30 Strecken machen nach wenigen Stunden Eingewöhnungsphase richtig Spaß. Die Lernkurve ist dabei aber ziemlich steil. Nicht nur ist das Driftverhalten der Boliden äußerst gewöhnungsbedürftig und erinnert mit seinen ständigen Heckausbrüchen und etwas verzögertem Einlenken stark an Wipeout. Auch die KI-Gegner sind teilweise wirklich unerbittlich. Schon auf mittlerer Schwierigkeitsstufe („ausgeglichen“) braucht man für manche Teamrennen sowohl viel Glück als auch Können, was zu mehrfachen Wiederholungen eines Events führt. Da hilft nur ein Zurückschrauben auf den einfachen Schwierigkeitsgrad.

Trotzdem: Hat man das Driftgefühl erst einmal verinnerlicht, gerät man schnell in einen sehr befriedigenden Flow, welchen man sonst nur von Future-Racern kennt. Das gezielte Antippen der Bremse vor und während eines Drifts, während man die tonnenschwere Karosse nur wenige Zentimeter von der Bande entfernt um die schwierige Kurvenpassage schwingt, sorgt für ein Gefühl, das nur wenige Rennspiele so perfekt hinbekommen wie Screamer.

Auf der ein oder anderen Strecke wird es jedoch zu viel des Guten, denn auf den Serpentinen des „Nebelhügels“ oder „Falkenpfads“ gibt es kaum Verschnaufpausen zwischen den anspruchsvollen Drifts. Alle fünf Sekunden erneut anbremsen, um im zweiten Gang die nächste Kurve zu nehmen, artet schon fast in Arbeit aus und ist ermüdend.

Doch Driften ist nicht die einzige Spielmechanik, die perfektioniert werden möchte. Auch die Boosts, oder besser gesagt das passende „aus der Kurve Boosten“, entscheidet oft über Sieg und Niederlage in den erbitterten Straßenrennen. Dazu kommen die tödlichen Explosionsangriffe des „Echos“ à la Burnout und Blur, die gar nicht so einfach zu timen und auszurichten sind. Mit etwas Geschick lassen sich diese mit einem wenige Sekunden anhaltenden Schild abblocken.

Stilistisch Weltklasse, Sound sehr gut

Technisch weiß Screamer (2026) auf ganzer Linie zu überzeugen, besonders in epischen Einstellungen auf dem PC. Die Grafik ist sehr gut und bringt das Geschwindigkeitsgefühl überzeugend rüber. Wirklich herausragend ist das Spiel jedoch an anderer Stelle: Die Städte im Cyberpunk-Stil sind hervorragend getroffen, der Stil ist ähnlich überzeugend und zeitlos wie damals bei Need for Speed Underground. Die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten der PC-Version lassen auch kaum Wünsche offen.

Die Entwickler wissen offenbar genau, wie gut ihnen der in neonfarben leuchtende Stil ihrer Städte gelungen ist und liefern einen Weltklasse-HDR-Effekt mit, der zudem noch auf den eigenen Fernseher angepasst werden kann. Ohne Übertreibung: Wer einen leuchtstarken HDR-TV oder gar einen OLED-TV besitzt, muss Screamer (2026) erlebt haben. Der HDR-Effekt ist nahezu ebenbürtig mit den besten in dieser Disziplin, etwa Tetris Effect und Ori and the Will of the Wisps.

Auch der Sound ist sehr gut gelungen. Er ist nicht so kultig wie ein F-Zero GX, Wipeout oder der ein oder andere Need for Speed-Teil, trotzdem überzeugt der Metal- und Electronic-lastige Soundtrack. Die Motorengeräusche sind kernig, die Soundeffekte sind ebenso passend.

Ein Wechselbad der Gefühle

Screamer ist ein Wechselbad der Gefühle: Die Story wird zum Teil spannend in aufwändig gezeichneten Anime-Sequenzen präsentiert, nur um sich dann in Visual-Novel-Sequenzen in die Länge zu ziehen. Das Driften und die gezielten Attacken machen richtig Spaß – nur nicht zehnmal hintereinander auf der gleichen Strecke, weil die CPU-Gegner wirklich unerbittlich sind.

Die futuristischen Rennwagen sehen toll aus und fahren sich angenehm, aber zu Anfang stark gewöhnungsbedürftig. Dazu springt man in der Story ständig zwischen den unterschiedlichen Teams – ein Eingewöhnen ist schwierig.

Dennoch: Screamer macht ohne Zweifel einen Riesenspaß und die Städte im Cyberpunkt-Stil sehen großartig aus, insbesondere in HDR. Die Inkonsistenzen im Gameplay, der Schwierigkeit und der Präsentation sind aber zu präsent. Doch die Basis ist sehr gut und macht Lust auf mehr.

 

Story

Der aggressive, rücksichtslose Kampf um 100 Milliarden Dollar Preisgeld wird von Rennen zu Rennen härter und gnadenloser – leider zieht er sich phasenweise etwas in die Länge

Gameplay

Die Rennen machen richtig Spaß, das genaue Driften, Boosten und Verteidigen ist richtig befriedigend. Die CPU-Gegner sind gnadenlos, was zu regelmäßigen Wiederholungen der Strecke führt.

Grafik

Zeitgemäße Optik, vornehmlich die toll designten Rennwägen und die Städte im Cyberpunk-Stil wissen zu gefallen. Der HDR-Effekt ist Weltklasse.

Sound

Sehr gut gelungen. Der Metal- und Electronic-lastige Soundtrack überzeugt. Auch die Motorengeräusche sind kernig, die Soundeffekte sind ebenso passend. Die Story ist dazu voll vertont.

Sonstiges

Wir sind glücklich über jeden hochwertigen „Future-Racer“. Die PC-Version überzeugt mit vielen Einstellungsmöglichkeiten.

 

Bildmaterial: Screamer, Milestone, Plaion

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