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Angespielt! Yoshi and the Mysterious Book gibt der Serie einen erfrischend neuen Spin

Das letzte Abenteuer von Yoshi ist tatsächlich schon gut sieben Jahre alt – damals erschien Yoshi’s Crafted World. Und wer sich aktuell wundert, warum das kommende Yoshi and the Mysterious Book keinen deutschen Titel erhalten hat, wo Nintendo doch so zuverlässig lokalisiert, wundert sich gleich nicht mehr.

Neben Yoshi’s Crafted World blieben nämlich auch die Vorgänger wie Yoshi’s Story, Yoshi’s Cookie, Yoshi’s Island und Yoshi’s Woolly World bei ihren englischen Titeln. Während Kirby also den Power-Malpinsel schwingt, das magische Garn spinnt und das vergessene Land erkundet, blieb Yoshi stets der Englishman. Spannend, oder?

Das hatte den Autor tatsächlich beschäftigt und deshalb wollte ich euch diese Erkenntnis nicht vorenthalten. Doch nun zum eigentlichen Anlass dieses Textes. Ich konnte Yoshi and the Mysterious Book nämlich anspielen und möchte euch nachfolgend meine Eindrücke schildern!

Enzo besucht die Yoshi-Insel

Zunächst zum geschichtlichen Rahmen – und da verrate ich keine Geheimnisse, diese Details sind bereits bekannt. Ein Buch fällt vom Himmel auf die Yoshi-Insel und es hat nicht nur einen Namen, sondern kann auch sprechen. Die Yoshis sind neugierig und lernen Enzo (richtiger Schenkelklopfer) kennen, dessen Buchseiten dummerweise verblasst sind. Gemeinsam sollen sie wieder mit Leben gefüllt werden.

Denn sie wurden einst bevölkert von lebhaften Einträgen zu allerlei kuriosen Kreaturen – und die Yoshis wollen mehr wissen. Wir tauchen also in diese Seiten ein und lernen diese Lebewesen nach und nach kennen. Faustregel zu Beginn: ein Lebewesen, eine Fähigkeit, ein Level.

Kreaturen und ihre Habitate

Ganz klassisch geht’s los: Yoshi kann springen, stampfen, flattern, ausufernd seine Zunge zum Einsatz bringen und andere Kreaturen huckepack nehmen – oder sich selbst huckepack nehmen lassen. So springen wir durch die Level, deren Aufbau anfangs oft erfrischend wenig linear ist. Das weckt den Erkundungsdrang.

Nun gilt es, mehr über die Kreaturen herauszufinden. Wie schmecken sie, wie verhalten sie sich, wie reagieren sie auf bestimmte Dinge? Enzo hält alle Erkenntnisse fest und am Ende des Levels gibt es für jede Entdeckung ein Sternchen. Die werden im weiteren Verlauf für den Spielfortschritt notwendig. Dazu gibt’s einen Eintrag ins private Lore-Kompendium: So viel wie in diesem Spiel konnten wir wahrscheinlich noch nie über Shy Guy erfahren.

Die Kreaturen prägen jeweils das spielerische Bild der Habitate – so heißen die Level. Ein Blümchen lässt andere Blumen im Habitat erblühen. Ein komisches, Frosch-ähnliches Wesen spuckt beständig Blubberblasen, mit denen wir das Level in der Vertikale erkunden. Pusteblumen legen sich wie Schnee über andere Wesen und Gegenstände. Das Interagieren mit den Kreaturen öffnet dabei oft neue Pfade und Möglichkeiten.

Ein anderes Tierchen versteckt sich in einer Wassermelone. Schlucken wir es, schlucken wir auch dessen Kerne, die wir anschließend in einer wahren Salve wieder ausspucken können. Dass sich im Level entsprechende Anwendungsmöglichkeiten finden, dürfte klar sein.

Die Wesen in der ersten Welt waren hier schon ziemlich abwechslungsreich und wirkten mit ihren Eigenheiten mal mehr, mal weniger intensiv in ihre Habitate hinein. Dass ein Nintendo-Spiel sein Pulver schon in der ersten Welt verschießt, ist nicht zu erwarten. Insofern bin ich schon sehr gespannt, welche Überraschungen die weiteren Welten hier zu bieten haben.

Es deutet sich allerdings auch an: Der Fokus auf die Kreaturen, ihre Fähigkeiten und deren Entdeckung geht zu Lasten des Leveldesigns, auf dem erkennbar weniger das Augenmerk lag. Sprungpassagen, die sich wie von Zauberhand in die Level einfügen oder ein Wunderblumen-Moment dürft ihr nicht erwarten. Aber es ist eben auch kein Super Mario, sondern ein Yoshi-Spiel.

Nach einem weiteren kurzen Testlauf in einer später im Spiel angesiedelten Welt wird deutlich, dass der Schwierigkeitsgrad zwar leicht zunimmt und die Abschlussbedingungen für einzelne Level etwas mehr abverlangen, aber es erwartungsgemäß insgesamt leicht bleibt.

Stressfrei ist das neue Yoshi-Abenteuer jederzeit. Dazu trägt auch bei, dass Yoshi im Prinzip nichts passieren kann – und das ist auch voll in Ordnung und passt ins Spiel. Schließlich wollen wir uns auf die Erkundung und Experimente konzentrieren, nicht auf Lebenspunkte.

Typisch fürs Genre: Nach dem ersten Durchlauf hat man selten alles entdeckt, das gilt sowohl für die buchstäblichen Entdeckungen an und um die Wesen, als auch für die sammelbaren Blumen. Spannend: In der ersten Welt ergab es sich, dass sich ein bereits erkundeter Eintrag auf Enzos Seiten nachträglich änderte. Das dürfte sicherlich der Wiederspielbarkeit einzelner Level zuträglich sein und erleichtert die Entscheidung, ein bereits gespieltes Level erneut zu betreten.

Ein erfrischend neuer Spin für die Yoshi-Serie

Ich hatte viel Spaß mit den ersten Szenen von Yoshi and the Mysterious Book. Das Experimentieren mit der Flora und Fauna der Habitate weckt den Entdeckerdrang und wird fortlaufend belohnt. Die Level lassen euch viel Freiraum und öffnen sich angenehm organisch. Die Erkundung ist zwanglos und das Spielerlebnis stressfrei. Der charmante Grafikstil fügt sich nahtlos ein.

Es gibt der Yoshi-Serie einen erfrischenden Spin, dass es weniger darum geht, die berühmte Fahnenstange lebend zu erreichen, als vielmehr die Welt zu erkunden und mit ihren Lebewesen zu interagieren. Ob es die Entwicklung der Yoshi-Serie ist, die ihr euch wünscht, steht möglicherweise auf einer anderen Buchseite. Ich bin nach der Anspielgelegenheit jedenfalls gespannt, was spätere Welten noch zu bieten haben.

Yoshi and the Mysterious Book hat eine spielerische Prämisse und verfolgt sie konsequent, scheint aber abseits davon keine Überraschungen aufzubieten. Die Kreativität erschöpfte sich (zumindest in meiner kurzen Anspielzeit) in den Kreaturen und ihren Wirkungen, weniger in der Ausgestaltung der Habitate. Vor allem die jüngere Zielgruppe dürfte in ihrer Neugier aber der zwanglosen, oft auch zufälligen Entdeckung erliegen.

 

Bildmaterial: Yoshi and the Mysterious Book, Nintendo

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