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Angespielt! Das neue „Tomodachi Life“ wird die erhoffte Rückkehr von Nintendos skurrilster Simulation

Unglaubliche 13 Jahre ist es mittlerweile her, dass Tomodachi Life auf dem Nintendo 3DS erschien und sich rasch zu einem kleinen Phänomen entwickelte. Rund sieben Millionen Mal verkaufte sich das Spiel bis heute und verpasste damit nur knapp den Sprung in die Top Ten der meistverkauften 3DS-Titel aller Zeiten.

Nun bekommen Fans endlich einen Nachfolger, auf den viele bereits seit Jahren warten. Streng genommen handelt es sich dabei allerdings nicht um den zweiten Teil der Reihe, wie man zunächst vermuten könnte. Bereits 2009 erschien mit Tomodachi Collection ein erster Ableger auf dem Nintendo DS – allerdings ausschließlich in Japan. Erst mit Tomodachi Life schaffte es die Reihe auch in den Westen und konnte dort eine überraschend große Fangemeinde aufbauen.

Wir hatten nun die Gelegenheit, den neuen Teil bereits ausführlich anzuspielen und uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. Dabei stellt sich natürlich die Frage: Kann der neue Ableger die Erwartungen erfüllen, die sich über die vielen Jahre aufgebaut haben?

Dabei ist Tomodachi Life selbst gar nicht so leicht in Worte zu fassen. Bis heute gehört die Reihe zu den wohl ungewöhnlichsten und eigenwilligsten Spielereihen aus dem Hause Nintendo.

Für viele Fans steht sie zudem für ein bestimmtes Gefühl: Eine Zeit, in der Nintendo noch experimentierfreudiger, verspielter und vielleicht auch ein Stück weit sympathischer wirkte. Ein Blick auf die legendäre Nintendo-Direct-Präsentation zum 3DS-Teil genügt, um zu verstehen, welchen besonderen Charme die Reihe besitzt.

Doch passt dieses Konzept auch noch in die heutige Zeit? Und kann der neue Teil den einzigartigen Mix aus Humor, Simulation und absurden Momenten erneut erfolgreich aufleben lassen?

Willkommen auf der Insel der Miis

Eigentlich könnte ich an dieser Stelle auch direkt aus unserem Test zu Pokémon Pokopia zitieren: Wir starten auf einer zunächst noch sehr leeren Insel unser kleines „Abenteuer“. Diese Insel wird allerdings nicht von Pokémon bevölkert, sondern von Miis. Die kleinen Figuren, die auf der Switch zuletzt etwas in Vergessenheit geraten sind, bekommen hier wieder ihren großen Auftritt und sind das Herzstück des Spiels.

Bevor es richtig losgeht, erstellen wir zunächst unseren ersten BewohnerIn. Hier hat man einige Möglichkeiten, sich kreativ auszutoben. Natürlich immer unter der Berücksichtigung, dass es sich nach wie vor um den bekannten Mii-Maker handelt, der bereits auf der Nintendo Wii zum Einsatz kam. Dennoch gibt es inzwischen einige neue Funktionen und Anpassungsmöglichkeiten. Man kann sich selbst erstellen, Freunde, Familie, Bekannte, Prominente oder auch komplett fiktive Charaktere.

Was allerdings nicht mehr möglich ist, ist das Importieren von Mii-Designs aus externen Quellen. Das ist etwas schade, denn nicht jeder hat die Zeit oder das Talent, seine Lieblingsfigur im Detail nachzubauen. Der Import aus lokalen Quellen funktioniert hingegen weiterhin.

Nintendo nimmt einen bei der Erstellung neuer Miis aber auch stärker an die Hand. Über eine neue Funktion kann man sich mithilfe verschiedener Fragen automatisch einen Mii generieren lassen. Anschließend erhält man mehrere Varianten zur Auswahl und kann natürlich weiterhin selbst Anpassungen vornehmen.

Das spart zwar Zeit, allerdings schwanken die Ergebnisse teilweise deutlich. Wer eine sehr konkrete Vorstellung im Kopf hat, wird diese meist trotzdem selbst umsetzen müssen.

Eine weitere Neuerung betrifft die Beziehungen zwischen den Bewohnern. Nun sind auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften möglich. Beim 3DS-Teil wurde Nintendo genau für diesen Punkt damals noch kritisiert. Man entschuldigte sich später und versprach Besserung – ein Versprechen, das jetzt endlich eingelöst wird.

Alltag auf der Insel: Essen, shoppen und Drama

Mit zunehmender Zahl an Mii-Bewohnern eröffnen sich außerdem neue Möglichkeiten auf der Insel. So entstehen nach und nach neue Gebäude wie ein Supermarkt, in dem wir Lebensmittel kaufen können, eine Boutique für Kleidung oder ein Einrichtungsgeschäft, das Möbel und Dekoration anbietet.

Allgegenwärtig ist natürlich auch wieder die typische Tomodachi-Sprachausgabe, die inzwischen fast schon Kultstatus erreicht hat. Sie klingt stellenweise etwas gewöhnungsbedürftig, versprüht aber gleichzeitig einen ganz eigenen Charme.

Eine klassische Handlung gibt es dabei nicht wirklich. Das Ziel besteht vielmehr darin, die eigene Insel wachsen und gedeihen zu lassen. Wir kümmern uns um die kleinen und größeren Probleme unserer Miis, sorgen dafür, dass sie eine gute Zeit haben, neue Freundschaften schließen oder sich sogar näherkommen. Sie wollen gefüttert werden, wünschen sich neue Kleidung oder eine neue Einrichtung für ihre Wohnung oder möchten andere Bewohner kennenlernen.

Skurrile Momente garantiert

Die Zeit läuft dabei in Echtzeit ab. Wir betrachten unsere Insel aus der Vogelperspektive und beobachten, was gerade passiert. Gegebenenfalls greifen wir ein und sorgen für neue Begegnungen oder lösen kleinere Probleme.

Besondere Highlights sind dabei die teilweise extrem absurden Situationen, in denen sich die Miis wiederfinden. Viele dieser Momente sind so seltsam und unerwartet, dass man unweigerlich schmunzeln muss oder sich fragt, was man da gerade eigentlich gesehen hat.

Gerade diese Mischung aus Weirdness und Skurrilität fängt den Charme der Vorgänger perfekt ein – Stichwort: die berüchtigten Träume. Das Spiel nimmt sich glücklicherweise nie zu ernst und liefert immer wieder humorvolle Situationen und Dialoge, die zumindest ein breites Grinsen, manchmal sogar ein lautes Lachen hervorrufen.

Mit wachsendem Fortschritt erweitert sich auch die Insel immer weiter. Neue Möglichkeiten zum Gestalten werden freigeschaltet und unsere Miis erhalten mehr Persönlichkeit. Die entscheidende Frage ist allerdings, ob das Konzept auch langfristig motivieren kann. Das lässt sich nach einigen Stunden Spielzeit noch nicht endgültig beantworten. Wie schon bei den Vorgängern wird es vermutlich wieder Spieler geben, die hunderte Stunden investieren – man muss nur wissen, worauf man sich hier einlässt.

Technisch alles beim Alten

Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden erscheint sowohl für die Nintendo Switch als auch für die Nintendo Switch 2. Eine speziell ausgewiesene Version für die neue Konsole gibt es derzeit allerdings noch nicht. Beide Fassungen scheinen daher weitgehend identisch zu sein.

Unsere Eindrücke stammen aus der Version, die wir auf der Nintendo Switch 2 gespielt haben. Technisch macht das Spiel dabei einen soliden Eindruck. Die Optik ist stimmig und passt gut zum charmanten, leicht verspielten Stil der Reihe.

Die Bildrate bleibt zwar durchgehend stabil, ist jedoch auf 30 Bilder pro Sekunde begrenzt. Gerade auf der leistungsstärkeren Switch 2 ist das etwas schade, denn hier wäre sicherlich noch etwas mehr möglich gewesen. Wirklich störend ist es zwar nicht, ein so statisches Spiel wie Tomodachi Life lässt sich auch so sehr gut spielen.

Erster Eindruck: Charmant, skurril und typisch Tomodachi

Nach unseren ersten Stunden macht Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden genau das, was sich viele Fans erhofft haben: Es fängt den eigenwilligen Charme und die skurrilen Situationen der Vorgänger wieder sehr gut ein. Die Mischung aus Alltagsbeobachtung, absurdem Humor und der Freiheit, seine eigene Insel mit Miis zu bevölkern, sorgt erneut für viele unterhaltsame Momente.

Gleichzeitig bleibt das Grundkonzept dem der früheren Teile sehr treu. Wirklich große spielerische Neuerungen sind bislang kaum zu erkennen, sodass sich die Frage stellt, wie stark das Spiel langfristig motivieren kann. Dennoch zeigt sich bereits jetzt: Wer schon damals Freude daran hatte, seine eigene Mii-Gesellschaft zu beobachten und zu beeinflussen, dürfte auch hier wieder viele Stunden verbringen können.

Technisch liefert das Spiel eine solide, wenn auch wenig spektakuläre Präsentation. Insgesamt hinterlässt der neue Teil aber einen sympathischen und vielversprechenden ersten Eindruck, der vor allem Fans der Reihe neugierig auf mehr machen dürfte. Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden erscheint am 16. April für die Nintendo Switch.

 

Bildmaterial: Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden, Nintendo

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