| Titel | Calamity Angels: Special Delivery |
| 26. Juni 2025 | |
| Idea Factory | |
| 17. Februar 2026 | |
| Idea Factory Int. | |
| 17. Februar 2026 | |
| Reef Entertainment | |
| System | PS4, PS5, Switch |
| Getestet für | PS5 |
| Entwickler | Compile Heart |
| Genres | Delivery-Service-RPG |
| Texte |
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| Vertonung |
Wer wollte nicht schon einmal Paketzusteller in einer Fantasy-Welt sein? Und nein, ich spreche hier nicht von irgendwelchen weichgespülten „DHL-Simulationen“ wie Death Stranding, bei denen man stundenlang Pakete durch postapokalyptische Landschaften balanciert. Ich meine das wahre Liefer-Business – jenes, bei dem ständig irgendetwas schiefläuft, unvorhersehbare Ereignisse an jeder Ecke warten und man gefühlt dauerhaft an der Schwelle zum Wahnsinn steht, weil die eigenen „Kollegen“ einfach nicht das tun, was sie sollen, damit der Auftrag endlich eingetütet werden kann.
Genau dieses Chaos-Paket schnürt Calamity Angels: Special Delivery. Ab dem 17. Februar dürfen wir auf PlayStation 5, PlayStation 4 und Nintendo Switch in die Rolle von „Fantasy-Zustellern“ schlüpfen. Hinter dem Projekt stecken Compile Heart zusammen mit Idea Factory, die auch als Publisher fungieren und uns ein sogenanntes „Delivery Service RPG“ liefern.
Und ja – dieses Spiel hat mich im Verlauf des Tests mehrfach zum Schmunzeln gebracht. Gleichzeitig gab es Momente, in denen ich ernsthaft an meinem Verstand gezweifelt habe. Aber dazu später mehr – erst muss das Paket ja ordentlich sortiert werden.
Zwischen Poststelle und Chaoskommando
Willkommen in der Orkotris-Region, einer quietschbunten Fantasy-Welt, in der wir als Zustellbote Briefe, Pakete und allerlei andere Lieferungen quer durch die Gegend transportieren. Klingt nach einem ehrbaren Job – wäre da nicht das allgegenwärtige Chaos, das gefühlt bei jeder Tour mit im „Lieferwagen“ sitzt.
Wir schlüpfen in die Rolle von Yuri, dem oder der AnführerIn der Cutie Angels – ja, das ist wirklich der Name unseres Teams. Zu Beginn dürfen wir das Geschlecht der Hauptfigur selbst wählen. Innerhalb der Poststelle läuft es für uns allerdings weniger rosig. Die konkurrierenden Teams nennen uns nur spöttisch die „Calamity Angels“, was uns natürlich gehörig gegen den Strich geht.
Allein liefern wir unsere Sendungen natürlich nicht aus. Schon früh formiert sich eine illustre Truppe rund um die Cutie Angels – und genau diese Mitstreiter sind eine der großen Stärken des Spiels. Jeder von ihnen ist auf seine schräge Art liebenswert und bringt ganz eigene Macken mit.
Da wäre zum Beispiel unsere eigentlich talentierte Magierin Ivris, die Magie zwar hervorragend beherrscht, aber schlicht keine Lust hat, sie zu benutzen. Stattdessen ignoriert sie im Kampf regelmäßig Befehle und verpasst Gegnern lieber Faustschläge – auch wenn Zauber doch deutlich effektiver gewesen wären. Und sie ist bei weitem nicht die Einzige mit Eigenheiten. Die Ritterin Selma fürchtet sich vor ihrem eigenen Spiegelbild, während der völlig durchgeknallte Alchemist Numero für seine Experimente wirklich alles riskiert – selbst wenn dabei sprichwörtlich alles in die Luft fliegt.
Die Dialoge innerhalb der Gruppe sind entsprechend humorvoll und oft herrlich überdreht inszeniert – definitiv ein Pluspunkt. Als Yuri bleibt es unsere Aufgabe, diesen chaotischen Haufen irgendwie zusammenzuhalten. Dafür braucht man allerdings ein ziemlich dickes Fell, denn nur selten läuft ein Auftrag so ab, wie man es sich eigentlich vorgestellt hat.
Die eigentliche Hauptgeschichte dagegen bleibt eher Beiwerk. Sie dient als lose Rahmenhandlung für das turbulente Lieferleben und drängt sich nie wirklich in den Vordergrund. Nach rund elf bis zwölf Stunden erreicht man den Abspann – wer sich strikt auf die Hauptstory konzentriert, dürfte sogar noch etwas schneller am Ziel sein.
Zustellen mit Zufallsfaktor
Der Arbeitsalltag in Calamity Angels beginnt ganz klassisch in der Postzentrale. Dort nehmen wir neue Aufträge an, stopfen unsere anfänglich noch recht kleine Posttasche mit Fracht voll und machen uns Schritt für Schritt an die Auslieferung.
Die Liefergebiete bilden dabei unterschiedliche Biome ab und erinnern in ihrer Struktur ein wenig an ein Brettspiel. Statt frei herumzulaufen bewegen wir uns mithilfe einer Art Glücksrad-Mechanik, ähnlich wie bei „Game of Life“, über einzelne Felder. Manche davon stärken uns mit Buffs, andere schwächen unsere Gruppe. Und natürlich lauern unterwegs immer wieder Monster, die unsere Tour unsanft unterbrechen.
Dann ist unsere Truppe gefragt – zumindest theoretisch. Denn ob unsere Mitstreiter gerade Lust haben, Befehle auszuführen, steht auf einem ganz anderen Lieferschein. Jeder Charakter verfügt über verschiedene Attacken und Fähigkeiten, doch ob diese auch wirklich wie geplant eingesetzt werden, hängt stark von ihrer momentanen „Motivation“ ab. Die Beschreibungen der Fähigkeiten helfen dabei nur bedingt weiter, frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss. Das Spiel fordert uns regelrecht zum Experimentieren auf, denn unter bestimmten, teils völlig obskuren Bedingungen lösen die Charaktere mächtige Spezialattacken aus. Diese sind nicht nur herrlich überdreht, sondern oft so stark, dass sie Kämpfe meist mit einem Schlag beenden.
Wie genau man diese Spezialfähigkeiten auslöst, ist allerdings von Fall zu Fall unterschiedlich. Manchmal hilft es sogar, einfach gar nichts zu tun. Das kann frustrieren – vor allem, wenn zum zehnten Mal in Folge eine gewünschte Aktion einfach ignoriert wird. Andererseits ist die Freude groß, wenn plötzlich alles aufgeht und die Gegner in einer „spektakulären“ Attacke vom Bildschirm gefegt werden.
Alles wird dabei in ein loses RPG-Korsett gezwängt. Der Gruppenfortschritt ist an einen Team-Rang geknüpft, sodass alle Teammitglieder parallel leveln. Das ist natürlich schön, wenn man mal wild wechseln möchte. Dazu geben wir unseren Mitstreitern neue Ausrüstung, die aufgrund der sehr einfachen Schwierigkeit und des stumpfen Ansteigens der „Levelkurve” jedoch kaum spürbaren Einfluss hat.
Unterm Strich bleibt dieses unberechenbare Kampfsystem ein zweischneidiges Schwert. Taktisch besonders anspruchsvoll sind die Gefechte zwar nicht, doch sie leben vom Chaos und vom Überraschungseffekt. Wer bereit ist, eine gewisse Frustresistenz mitzubringen und sich auf das experimentelle System einzulassen, findet hier den wohl größten USP des Spiels – alle anderen dürften gelegentlich kräftig mit den Zähnen knirschen.
Zwischen Charme und Durchschnitt
Optisch bewegt sich Calamity Angels: Special Delivery irgendwo im Mittelfeld. Die Grafik ist okay – nicht mehr und nicht weniger. Sie erfüllt ihren Zweck und passt zur locker-chaotischen Geschichte.
Ein klares Highlight sind dagegen die Charakterdesigns von Kei Nanameda (Mary Skelter und Death end re;Quest). Hier merkt man deutlich, dass viel Arbeit und Liebe zum Detail hineingeflossen sind. Die Figuren sind schön in 2D animiert und spiegeln ihre jeweiligen Persönlichkeiten hervorragend wider. Das gilt sowohl für unsere Teammitglieder als auch für wichtigere Nebencharaktere. Ganz anders sieht es bei den Gegnern und eher unwichtigen NPCs aus: Deren Designs bewegen sich eher im Bereich „zweckmäßig“ bis „ziemlich lahm“.
Technisch läuft das Spiel auf der PS5 angenehm flüssig mit stabilen 60 fps – was bei der gebotenen Optik allerdings auch zu erwarten war. Während meiner Spielzeit sind mir keine nennenswerten Bugs oder größeren technischen Probleme aufgefallen.
Weniger überzeugend ist leider die Musik. Die Auswahl fällt recht klein aus und die Stücke bleiben insgesamt ziemlich generisch – nichts, was lange im Ohr bleibt. Dazu gesellen sich Soundeffekte, die entweder absichtlich völlig überdreht, billig und etwas mau klingen … oder es war vielleicht wirklich so gewollt. Ganz sicher ist man sich da nicht immer. Eine Ausnahme bildet aber der Opening-Song von MINA: „Haihaihaitatsu“, der fetzt immerhin.
Solide Lieferzeit
Beim Umfang liefert das Spiel genau das, was man für den Preis erwarten darf. Wer sich ein wenig Zeit lässt, kommt auf etwa elf bis zwölf Stunden Spielzeit.
Der Schwierigkeitsgrad ist dagegen quasi nicht existent. Selbst Spielerinnen und Spieler ohne nennenswerte RPG-Erfahrung dürften problemlos durch das Abenteuer kommen. Neben der Hauptquest, die die lose Story vorantreibt, gibt es auch diverse Nebenaufträge. Diese laufen allerdings meist nach demselben Muster ab: Auftrag annehmen, ausliefern, fertig.
Ein paar Ausnahmen bilden spezielle Charakterquests, die unseren Mitstreitern zumindest ein kleines bisschen mehr Tiefe verleihen. Das ist ein netter Zusatz, ändert aber nichts daran, dass der Großteil der Nebenbeschäftigungen spielerisch recht eintönig bleibt.
Deutsche Texte oder gar eine deutsche Sprachausgabe gibt es leider nicht. Die englischen Sprecher machen ihren Job gut, wobei vertonte Abschnitte eher die Ausnahme sind, die werden nämlich nur für die „wichtigen“ Storyabschnitte aufgehoben. Eine japanische Sprachausgabe gibt es auch noch.
Sonderlieferung mit Macken
Die Story von Calamity Angels: Special Delivery passt auf einen Bierdeckel, reicht aber als Rahmen für das chaotische Lieferabenteuer. Große erzählerische Tiefe sollte man nicht erwarten – dafür überzeugen der Humor und die herrlich schrägen Charaktere.
Man muss sich auf das Spiel einlassen. Wer das unberechenbare Kampfsystem akzeptiert, bekommt ein sehr leichtes RPG mit vielen witzigen Momenten. Wer volle Kontrolle erwartet, dürfte schneller frustriert sein.
Grafisch bleibt der Titel – abgesehen von den starken Charakterdesigns – eher durchschnittlich und versprüht stellenweise billigen Mobile-Game-Charme. Musik ist unspektakulär, Soundeffekte wirken teils wie von der Resterampe. Trotzdem passt das Gesamtbild irgendwie zur überdrehten Welt.
Wer ein paar Stunden lockeren Spaß sucht und die Figuren mag, kann den Cutie Angels eine Chance geben – sollte aber wissen, worauf man sich einlässt. Und am Ende heißt es eben doch: Fight, Deliver, Calamity Angels!
Story
Gameplay
Grafik
Sound
Sonstiges
Bildmaterial: Calamity Angels: Special Delivery, Idea Factory, Compile Heart

Ich war letzten Freitag überrascht über die Ankündigung der Sendung. Irgendwie hatte ich April im Kopf.
Der Test bestätigt, was ich mir beim Kauf gedacht habe: eine leichte, abgedrehte Komödie, die nicht sonderlich anspruchsvoll ist. Also genau, was ich erwartet habe.
Aber mal ganz ehrlich, bei solchen Nischentiteln deutsche Text oder gar deutsche Synchronisation zu erhoffen, ist sinnlos. Letztendlich spielt man solche Titel sowieso am besten mit dem Originalton und Englisch sollte ja nun jeder beherrschen, der sowas spielen will.
Da hast du natürlich recht. Bei solchen Spielen ist es vielleicht etwas zu viel, sich deutsche Texte oder Vertonung zu „erhoffen“. Das ist definitiv kein Kritikpunkt im eigentlichen Sinne. Es dient vor allem als allgemeine Information.
Immerhin gibt es eine Option für eine weibliche Protagonistin. Das ist doch schon mal was.
Danke für den Test.
Wollte es mir so oder so holen, aber jetzt greif ich nochmal beherzter zu XD