War früher wirklich alles besser? Wenn man Oji Hiroi zuhört, könnte man fast zu diesem Schluss kommen – zumindest teilweise. Der Autor und Game-Designer, bekannt als Schöpfer von Sakura Wars und Far East of Eden, hat in einem Interview mit Business Hit (via Automaton Media) offen darüber gesprochen, warum Japans Spieleindustrie seiner Meinung nach im 21. Jahrhundert ins Stocken geraten ist.
Hiroi erinnert sich an die Mitte der 90er als eine Zeit, in der Japan sich klar an der Spitze sah: „Damals befanden sich sowohl Japan insgesamt als auch ich selbst auf einer Erfolgswelle. Ich war fest davon überzeugt, dass Japan sowohl bei Spielen als auch bei Anime weltweit die Nummer eins war, und ehrlich gesagt glaube ich, dass ein Teil von mir Amerika bis zu einem gewissen Grad herabblickte.“
Der Blick über den Tellerrand
Diese Haltung sei rückblickend durchaus arrogant gewesen. Als er später selbst in den USA arbeitete – unter anderem mit Lucasfilm und Pixar – habe sich sein Blick deutlich verändert. Trotzdem betont Hiroi, dass Japan in den 90ern tatsächlich an der kreativen Spitze stand, sowohl technisch als auch kulturell.
Während Japan im Anime-Bereich diesen Vorsprung langfristig nutzen konnte, sieht Hiroi die Spielebranche deutlich kritischer. Seiner Meinung nach begann das Problem, als erfolgreiche Titel zu schnell ausgeschlachtet wurden:
„Es wurde zum Trend, sofort Fortsetzungen wie „2“ und „3“ herauszubringen, sobald ein Titel zum Hit wurde.“ Der Gedanke dahinter sei fatal gewesen: „Da es sich um eine Fortsetzung handelt, sollten wir es billiger machen können“, so Hiroi
Ein falsches Verständnis von IP-Pflege
Für Hiroi ist das das genaue Gegenteil einer gesunden IP-Strategie. Statt in erfolgreiche Marken weiter zu investieren, habe man versucht, mit geringeren Budgets schnelle Gewinne mitzunehmen – was langfristig den Wert vieler Serien beschädigt habe.
Ein weiteres Problem sieht er in der damaligen Marktsituation selbst. Weil Japan in den 90ern der weltweit führende Games-Markt war, fehlte laut Hiroi der Anreiz, global zu denken: „Da Japans Spielemarkt selbst weltweit führend war, gab es kaum Anreize, darüber nachzudenken, wie man im Ausland konkurrieren oder global expandieren könnte.“
Was damals funktionierte, sei heute jedoch ein „große Herausforderung“. Hirois Fazit klingt weniger nostalgisch als ernüchternd: Japans Games-Industrie hat ihr enormes kreatives Fundament nie verloren – aber sie muss wieder lernen, mutiger zu investieren, weiterzudenken und sich konsequent international auszurichten.
Was ist eure Meinung zu diesem Thema? Stimmt ihr Hiroi zu oder seht ihr das anders?
via Automaton Media, Bildmaterial: FINAL FANTASY XVI © 2023 SQUARE ENIX CO., LTD. All Rights Reserved.

Ganz verwerfen kann man das, was Oji Hiroi hier sagt, nicht. Grob in der Übergangszeit zwischen 6. und 7. Konsolengeneration wurde es üblich erfolgreiche IPs zu melken statt mit Verstand fortzusetzen. Etwa zur gleichen Zeit kamen japanische Entwickler davon weg, eigene Trends/Impulse zu setzen und kopierten im großen Stil Features/Konzepte westlicher Unternehmen.
Hierbei sitzt Hiroi aber in einem glasigeren Glashaus als manche Konkurrenten. Speziell Far east of Eden ist eine IP, bei der sich selbst zu Zeiten, als andere dies längst taten, nicht für einen Pfifferling darum bemüht wurde, westliche Märkte zu erschließen.
Stimme überhaupt nicht zu nur weil ein Spiel günstiger wird heißt es doch nicht das es an Wert verliert. Vor allem da ja der große Vorteil an Sequels ist das man vieles aus dem vorherigen Spiel nochmal benutzen kann und nicht neu machen muss, was halt buget spart. Ich bin eh der Meinung das wir viel mehr Sequells in rpgs brauchen allein schon weil das Worldbuilding Einzelspiele um einiges überlegen ist und da heute sich eh immer über zu teuer Produktionskosten aufgeregt wird ist das eine sehr gute Lösung.