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Im Test! Sword Art Online: Alicization Lycoris

TitelSword Art Online: Alicization Lycoris
Japan9. Juli 2020
Bandai Namco Games
Nordamerika10. Juli 2020
Bandai Namco Games
Europa10. Juli 2020
Bandai Namco Games
SystemPlayStation 4, Xbox One, PCs
Getestet fürPlayStation 4
EntwicklerAquria
GenresJRPG
Texte Deutschland Nordamerika
VertonungJapan

Sword Art Online blickt auf eine lange Seriengeschichte zurück. Ursprünglich von Reki Kawahara als Light-Novel erdacht und im Jahr 2002 erstmalig veröffentlicht, folgten in der Zukunft sowohl Manga- als auch Anime-Adaptionen. Diese wiederum förderten zahlreiche Spielumsetzungen zu Tage, die sich an den verschiedenen Handlungsbögen der Vorlage orientierten. Nun steht uns mit Sword Art Online: Alicization Lycoris also der nächste Titel von Publisher Bandai Namco und Entwickler Aquria ins Haus. Dieser nimmt sich die erste Staffel der „Alicization“-Arc zur Brust, um Fans und jene, die es noch werden wollen, einmal mehr in das SAO-Universum zu entführen. Ob dieses neue Action-RPG-Abenteuer zu überzeugen weiß, klären wir im folgenden Test.

Wie der Titel schon andeutet, nimmt sich „Alicization Lycoris“ die erste Staffel der „Alicization“-Arc zur Brust.

Die erste Alicization-Staffel im „komprimierten“ Format

Sword Art Online: Alicization Lycoris beginnt damit, dass wir uns in der Rolle von Serienheld Kirito in einem Wald wiederfinden. Nicht ganz im Klaren darüber wie es ihn dorthin verschlug, stellt er fest, sich nicht in der realen Welt zu befinden. Der Zugang zu den gewohnten Online-Menüs (und damit die Möglichkeit zum Logout) bleibt ihm jedoch verwehrt. Stattdessen macht er sich auf, die Umgebung zu erkunden und trifft hierbei auf einen Jungen, der sich als Eugeo vorstellt. 

Die beiden greifen einander unter die Arme, freunden sich an und erkennen bald, dass ihre Verbindung weiter zurückreicht, als sie anfangs dachten. Eng mit ihrer gemeinsamen Geschichte verflochten ist auch jene ihrer Kindheitsfreundin Alice. Diese wurde bereits im Kindesalter verschleppt, nachdem sie gegen den sogenannten Tabu-Index verstieß. Sechs Jahre später ziehen Eugeo und Kirito nun los, um Alice zu retten.

»Kenner der Vorlage fühlen sich schnell mit dem Handlungseinstieg und den Charakteren vertraut. Das erste Kapitel erzählt nämlich die Handlung der ersten Alicization-Staffel von Sword Art Online komprimiert nach.«

Kenner der Vorlage fühlen sich schnell mit dem Handlungseinstieg und den Charakteren vertraut. Das erste Kapitel von „Alicization Lycoris“ erzählt nämlich – wie eingangs beschrieben – die Handlung der ersten Alicization-Staffel von Sword Art Online komprimiert nach. „Komprimiert“ versteht sich dabei als relativer Begriff. Während viele Szenen nämlich nur in abgespeckter Version Erwähnung finden, nimmt das erste Kapitel dennoch gute 12–15 Stunden(!) in Anspruch.

Ein Neuzugang inmitten der Dialogflut

Das sind 12–15 Stunden, die wir allem voran mit dem Lesen von – mal mehr, mal weniger relevanten – Dialogen beschäftigt sind, die sich uns in klassischer Visual-Novel-Manier präsentieren. Immer mal wieder bekommen wir anstelle starrer Charakterportraits auch In-Game-Zwischensequenzen spendiert. Besonders wichtige Story-Momente werden sogar mit aufwendig und hübsch animierten CG-Sequenzen bedacht – das passiert allerdings verhältnismäßig selten.

Ums ausgiebige Lesen werden die meisten allerdings nicht herumkommen. „Alicization Lycoris“ bietet nämlich ausschließlich eine japanische Tonspur. Vorbildlich dabei: Die meisten Dialoge – auch jene im Visual-Novel-Format – wurden vertont. Nur in den seltensten Fällen hören wir nicht die passende Stimme zum Text.

Die wichtigsten Storybeats finden im Rahmen des ersten Kapitels entsprechend Erwähnung, werden aber – wie bereits angedeutet – zu großen Teilen passiv vermittelt. Das bedeutet für Serienkenner also allenfalls ein ausuferndes Auffrischen ihrer Story-Kenntnisse. Serien-Neulinge hingegen lernen die wichtigen Charaktere kennen und bekommen alles nötige Wissen über die Welt mit auf den Weg. Die Anime-Vorlage zu schauen, macht dann aber sicher doch ein bisschen mehr Spaß.

Interessanter stellt sich ein Neuzugang mit dem Namen Medina Orthinanos heraus. Diese junge Frau kreuzt früh euren Weg, begegnet euch allerdings mit kalter Verschlossenheit. Ihr formt eine vorübergehende Zweckgemeinschaft und erfahrt von ihrem in Ungnade gefallenen Haus. Fortan bürdet sie sich den Weg zur Integritätsritterin auf, um den eigenen Familiennamen von dieser Schmach zu befreien. Medina fügt sich organisch in die bekannte Handlung ein, ehe sie im späteren Spielverlauf gar eine wichtigere Stellung einnimmt. SpielerInnen, die nicht schon mit der Vorlage vertraut sind, werden nicht merken, dass sie eigens für das Spiel konzipiert wurde.

Der neue Charakter „Medina Orthinanos“ fügt sich organisch in die Handlung ein.

Überfordernder Spieleinstieg

Lesen wir uns gerade nicht durch die mehr als zahlreichen Dialoge, macht uns das erste Kapitel des Spiels mit den diversen Spielmechaniken vertraut. Wir bekommen ein tiefgängiges Kampfsystem erklärt, das neben normalen Angriffen auch einen Ausweichschritt und verschiedene Variationen von Block-Manövern umfasst. Es gibt Schwert- und Verbündetenskills, Super- und Abschlusskünste, heilige Künste und vieles mehr. Wir lernen, wie wir unsere Angriffe zu Ketten koppeln und Gegner zum Taumeln bringen, um mehr Schaden zu verursachen. Und auch, wie wir auf welche Art von Angriff am besten reagieren. 

»Wir bekommen ein tiefgängiges Kampfsystem erklärt, das neben normalen Angriffen auch Spezialangriffe, einen Ausweichschritt und verschiedene Variationen von Block-Manövern umfasst.«

Im Verlauf des ersten Kapitels sammeln sich so stolze 80–90 Tutorial-Nachrichten im Archiv an. Und das weiß durchaus zu überfordern. Nicht selten erwischt man sich anfangs beim chaotischen Button-Mashing. Das klappt mal mehr, mal weniger, fühlt sich aber in jedem Fall alles andere als belohnend ein. Das kann vor allem vor dem Hintergrund frustrieren, da uns das Spiel nicht selten nach einem kurzen Kampf gleich wieder in eine Flut von Dialogfenstern entlässt, die den Spielfluss oft unwillkommen unterbrechen.

Sword Art Online: Alicization Lycoris
Eingangs weiß das umfängliche Kampfsystem zu überfordern.

Es handelt sich aber keineswegs um ein schlechtes Kampfsystem, ganz im Gegenteil. Den einen mag es leichter fallen als den anderen, aber über kurz oder lang macht man sich mit den verschiedenen Systemen und Mechaniken vertraut. Und spätestens dann entfalten die Kämpfe gerade und hauptsächlich im späteren Spielverlauf einen belohnenden Flow. Es fühlt sich gut an, von verschiedenen Fähigkeiten und Effekten in passenden Momenten Gebrauch zu machen und robusten Gegnern mit berstenden Angriffsketten das Leben schwer zu machen.

Träge und undurchsichtige Nebenaufgaben

Kämpfen wir übrigens gerade nicht im Rahmen einer Hauptmission gegen Bestien oder duellieren uns mit Kameraden und Rittern, können wir auch zahlreiche Stadt- und Dorfbewohner bezüglich ihrer Problemchen ansprechen. Diese bitten dann gern mal um Hilfe beim Erlegen von Kleinvieh oder dem Sammeln bestimmter Gegenstände. Wirklich spaßig gestalten sich diese Nebenaufgaben nicht. Das liegt neben dem repetitiven und trägen Quest-Design nicht zuletzt an ihrer Undurchsichtigkeit. 

Markieren wir Nebenquests als Unteraufgabe, werden die entsprechenden Ziele auf der Karte sichtbar gemacht – zumindest manchmal. Viele Nebenquests verzichten nämlich auch darauf, euch über die Karte in die richtige Richtung zu weisen. Das wäre grundsätzlich in Ordnung, wenn es sich nicht so willkürlich gestalten würde.

Sword Art Online: Alicization Lycoris
Die Nebenaufgaben zeichnen sich leider durch repetitives und träges Quest-Design aus.

Immerhin werden wir für unsere Mühen auf verschiedene Art und Weise entlohnt. Neben Erfahrungspunkten und Geld, winken uns Items, Ausrüstung oder gar das Auftauchen neuer Händler. Diese stehen uns dann fortan mit entsprechend neuen Waren zur Verfügung.

Sword Art Online: Alicization Lycoris auf technisch überholter Erkundungstour

Wie beschrieben, jagt uns „Alicization Lycoris“ zu Beginn häufig durch lineare Abfolgen von Dialogwellen, die von kurzen Spielpassagen durchsetzt sind. Aber auch schon im ersten Kapitel haben wir des Öfteren die Freiheit, ein großes Areal nach Herzenslust zu erkunden. Hier warten wilde Monster, Nebenaufgaben und Kriegerstatuen darauf, entdeckt zu werden. Letztere lösen bei Interaktion verschiedene Effekte aus. Wir werden etwa mit neuen „Heiligen Künsten“ ausgestattet oder schalten gar neue Skillbaum-Zweige frei, in die ihr Rollenspiel-typisch eure mühsam verdienten Skillpunkte investiert. Das motiviert neben der Suche nach versteckten Schätzen immens, die Landschaft ordentlich zu durchkämmen.

Bedauerlich nur, dass vor allem in diesen Momenten die schwache technische Optimierung des Titels sauer aufstößt. Sword Art Online: Alicization Lycoris hat große Schwierigkeiten damit, eine konstante Framerate von 30 Bildern pro Sekunde aufrechtzuerhalten. Selbst auf PlayStation 4 Pro ruckelt das Bild regelmäßig. Das schmälert den Gesamteindruck gerade in Kombination mit dem altbackenen Grafikkleid und hölzernen Bewegungsanimationen. Außerdem verbringen wir viel untätige Zeit mit dem Starren auf Ladebildschirme. Die sind mal kürzer, mal länger, erreichen ihren Zenit jedoch beim Wechsel in andere Gebiete. Hier lassen sich die Übergänge gern mal bis zu einer Minute Zeit. Im Gegenzug bietet der Titel aber vorbildliche Schnellreise-Ladezeiten. Habt ihr einen Zielort angewählt, findet ihr euch knappe drei Sekunden später auch schon dort vor. Skurril.

»Alicization Lycoris hat große Schwierigkeiten damit, eine konstante Framerate von 30 Bildern pro Sekunde aufrechtzuerhalten. Selbst auf PlayStation 4 Pro ruckelt das Bild regelmäßig.«

Um einiges lästiger stellen sich aber Unsauberkeiten hinsichtlich der Spielbarkeit heraus. Kirito steuert sich schwammig und ungenau und Eingaben werden gefühlt verzögert registriert. Auch in Bezug auf die Menüführung stapeln sich insbesondere anfangs die Fragezeichen. Nicht selten navigierte ich minutenlang durch die verschachtelten Menüs und ärgerte mich über eine umständliche Bedienbarkeit und fehlende Komfortfunktionen. 

Jetzt geht’s erst richtig los

„Alicization Lycoris“ macht es SpielerInnen wirklich nicht leicht mit dem Titel warm zu werden. Es übermannt mit einer Flut an Tutorials und traktiert mit einer antiquierten Menügestaltung. Es unterbricht – zugunsten einer eintönigen Erzählweise – regelmäßig den Spielfluss und lässt uns nicht zuletzt mit technischen Wehwehchen kämpfen. Einige SpielerInnen dürften entsprechend schon im Laufe des ersten Kapitels unmotiviert das Handtuch werfen.

Und während das verständlich ist, ist es ebenso schade. Habt ihr euch nämlich einmal durch das ausufernde erste Kapitel durchgebissen, geht es eigentlich erst richtig los. „Alicization Lycoris“ öffnet sich mit einer für das Spiel entworfenen Fortführung der Handlung, lässt euch auf neue alte Charaktere treffen und macht zusätzliche Spielsysteme und Areale verfügbar. 

Die Fortführung der Geschichte bleibt seicht. Sie bietet hauptsächlich einmal mehr den Ausgangspunkt, um euch von einer Bestienjagd zur nächsten zu leiten. Das gestaltet sich aber fortan deutlich weniger restriktiv als noch im Startkapitel. Außerdem bereitet es immer größere Freude, je mehr wir mit den Finessen des Kampfsystems vertraut werden. Wir lernen verschiedene Waffentypen und ihre Vorzüge und Nachteile kennen. Weiterhin wählen wir aus einem Pool von Vertrauten, um eine individuelle Party aus vier HeldInnen für den Kampf zusammenzustellen.

„Romantischer“ Zeitvertreib

Die zahlreiche, weibliche Verstärkung, die Kirito zu Beginn des zweiten Kapitels zur Hilfe eilt, unterstützt ihn nicht nur im Kampf. Ihr mögt es geahnt haben, der Fan-Service macht auch vor „Alicization Lycoris“ nicht Halt. Mit Asuna, Sinon und Co. lassen sich intime Einzelgespräche führen, in denen wir unsere Beziehungen zu den Damen und Herren vertiefen. Das geschieht durch die zeitlich abgepasste Wahl von Aktionen. Diese reichen von einem Gespräch über Gott und die Welt über das Zuwerfen von verliebten Blicken bis hin zur innigen Umarmung. Alles inklusive zahlreicher geröteter Wängchen, versteht sich.

Sword Art Online: Alicization Lycoris
Wir reden über Gott und die Welt oder… stupsen Wängchen.

Stellen wir uns gut(?) an, können wir mit der/dem Auserwählten Händchen haltend durch die Stadt spazieren. Oder wir laden sie gar auf den Armen tragend ins eigene Zelt ein. Fans solcher Mechaniken kommen sicher auf ihre Kosten. Es warten immerhin eine ganze Menge potenzieller PartnerInnen, denen wir schöne Augen machen können.

Für unsere romantischen Abenteuer werden wir übrigens zumindest, neben neuer Kostüme für unsere GefährtInnen, auch mit Kunstcodes belohnt. Diese finden dann wieder im Kampf Verwendung. Mit besagten Codes geben wir unseren KameradInnen nämlich vor, wie sie in welchen Kampfsituationen vorgehen. Neben der Möglichkeit zu aktiven Befehlen während des Kampfes, legen wir hier Bedingungen für bestimmte Aktionen fest. Bei Erfüllung dieser agiert euer Partner dann entsprechend.

Auch dieses System gilt es sich mehr oder weniger in Eigenregie anzueignen. Sobald man aber hineinwächst, lassen sich individuell agierende Partys erstellen, die sich je nach Konfrontation entsprechend anpassen lassen.

Gemeinsam gegen die richtigen Herausforderungen

Ihr müsst euch in „Alicization Lycoris“ aber nicht zwangsläufig auf NPC-Charaktere stützen. Wenn euch der gemeinsame Kampf mit menschlichen MitstreiterInnen lieber ist, dürfte euch ein recht offener Online-Multiplayer erfreuen. Wir können einem Spiel beitreten oder andere SpielerInnen in unserer Session empfangen. Mit einer insgesamt vierköpfigen Gruppe können wir dann ohne größere Beschränkungen unseren Aufgaben nachgehen. Oder aber jeder kümmert sich um seinen eigenen Kram. Das führt zum einen zu einer angenehmen MMO-artigen Spielerfahrung. Zum anderen kann dies im Falle von Gruppenbildungen mit fremden SpielerInnen aber auch dazu führen, dass wir eher benachteiligt werden als vom Multiplayer zu profitieren. Im Gegensatz zum Solo-Spiel dürfen wir nämlich nur einen statt vier NPC-GefährtInnen mit ins Gefecht nehmen. Tun wir uns dann nicht mit den anderen SpielerInnen zusammen, fehlt uns gleich mal ein substantieller Teil unserer Kampfkraft.

Damit wir im Multiplayer übrigens nicht in einer Flut von Kirito-Klonen untergehen, steht ein Charakter-Editor für uns bereit. Der ist nicht besonders umfangreich, lässt uns aber immerhin essentielle Anpassungen an unserer Spielfigur vornehmen. Wir wählen Anzeigenamen und Geschlecht und schöpfen aus einem sehr übersichtlichen Pool an Frisuren, Haar- und Augenfarben und Ähnlichem. Achja, bei Wahl einer weiblichen Figur passen wir optional natürlich zusätzlich den Brustumfang an. Das durfte natürlich nicht fehlen.

Sword Art Online: Alicization Lycoris
Sonderlich umfangreich gestaltet sich der Charakter-Editor nicht – er sorgt aber immerhin dafür, dass ihr nicht in einer Flut von Kirito-Klonen untergeht.

Wirklich spaßig wird es, wenn ihr Freunde zur Hand habt, mit denen ihr eine Party formen könnt. Davon profitiert die Spielerfahrung nämlich enorm. Es macht große Freude, verschiedene Rollen im Kampf einzunehmen und sich mit seinen SpielpartnerInnen abzusprechen. Insbesondere im späten Spielverlauf und nach Beenden der Story, wenn sich kniffligere Gefechte auftun. Künftige, neue Endgame-Inhalte dürfen hierauf aufbauen – wünschenswert wäre es.

Ein solides Action-RPG mit absurd zähem Einstieg

Sword Art Online: Alicization Lycoris ist zu Beginn vor allem eines: eine echte Herausforderung. Und das meine ich nicht im positiven Sinne. Es testet eure Geduld und Belastbarkeit mit einem wahnsinnig ausladenden ersten Kapitel, das gut und gern 12–15 Stunden umspannt. Der Einstieg bombardiert euch mit einer Flut an Tutorials und lässt euch im Hinblick auf das umfängliche Kampfsystem erstmal Fragezeichen sehen. Andere essentielle Systeme enthält es euch hingegen vor, bis ihr euch durch die langatmige Textflut gearbeitet habt, welche die Handlung der ersten „Alicization“-Staffel wiedergibt.

Dieser absurde Aufbau verwirrte mich sehr und sorgte dafür, dass ich nicht nur einmal unmotiviert vom Controller abließ. Wer weiß, ob ich unter normalen Umständen nicht sogar das Handtuch geworfen hätte. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass dies für einige SpielerInnen der Fall sein wird und während ich es nachvollziehen kann, ist es ebenso schade.

Denn wenn ihr euch einmal durch den zähen Einstieg gebissen habt, belohnt euch „Alicization Lycoris“, indem es euch von der Leine lässt. Ihr entscheidet fortan freier, wie ihr vorgeht, und erhaltet Zugriff auf neue Mechaniken, wie die Zusammenstellung von Gruppen und Social-Quests. Fan-Lieblinge gesellen sich im Rahmen der (seichten) Geschichte hinzu und ihr lernt die Finessen des Kampfsystems. Je mehr sich das Spiel von seiner Geschichte löst, desto spaßiger wird es – vor allem im Zusammenspiel mit Freunden, wenn ihr euch herausfordernden Gegnern im Endgame stellt.

Fans der Serie werden vermutlich ohnehin einen Blick auf den Titel werfen und eine größere Bereitschaft mitbringen, die Einstiegshürde von „Alicization Lycoris“ zu überwinden. Alle anderen müssen sich überlegen, ob es ihnen wert ist, die Zeit in ein technisch unausgegorenes Action-RPG zu investieren, das erst im späten Spielverlauf wirklich zu belohnen weiß.

 

Story

Nach einer komprimierten (und dennoch zähen) Wiedergabe der Alicization-Story zum Einstieg, entfaltet sich eine eigens für das Spiel entwickelte Fortführung der Handlung. Diese bleibt aber hauptsächlich der seichte Ausgangspunkt für weitere Bestienjagden.

Gameplay

Ein tiefgängiges, anfangs gar überforderndes Kampfsystem bietet zahlreiche Möglichkeiten für individuelle Gefechtsstrategien. Dieses entfaltet vor allem im gemeinsamen Multiplayer sein volles Potenzial.

Grafik

Schöne Charaktermodelle in einer sonst grafisch recht altbackenen Spielwelt. Zwischensequenzen hauptsächlich im Visual-Novel-Format und ganz selten mal in Form hübsch animierter CG-Cutscenes.

Sound

Ausgezeichnete – und vorbildlich umfängliche – japanische Vertonung.

Sonstiges

Die technische Optimierung gestaltet sich problematisch. Von inkonsistenter Framerate über ausgiebige Ladezeiten bis hin zu einer schwammigen Steuerung und Eingabe-Verzögerungen.

Bildmaterial: Sword Art Online: Alicization Lycoris, Bandai Namco / Aquria

2 Kommentare

  1. Sehr schöner Test. Da ich selber nun seit knapp 120 std an dem Spiel drann bin kann ich das meiste genauso unterstreichen.

    Bei der FPS muss ich sagen das diese ab dem 3. Kapitel deutlich besser wird. Man hat sich keinen Gefallen getan die Welt so voll zu kleistern mit der ganzen Fauna bzw das dann so schlecht zu optimieren.

    Mittlerweile ist auch schon der 1. Patch raus der zumindest etwas an den unsagbar langen Ladezeiten tut und ein paar kleinere Fehler ausbessert. Die Entwickler sind sich ihrer Probleme jedenfall bewusst und haben für August schon den nächsten großen Patch angekündigt der wieder etwas an der Performance optimiert.

    Ich war ebenfalls sehr enttäuscht als ich das Spiel auf der ps4 Pro gestartet habe gerade was die Ladezeiten angeht. Habe zwischenzeitlich auch Ghost of Tsushima beendet und die Ladezeiten sind halt ein Unterschied wie Tag und Nacht. Den einzigen Trost den ich an dem Spiel habe war ein Fehler im PSN wo die Deluxe Ed mit Season Pass (40€) für kurze Zeit genauso teuer war wie die normale Ed.

    Aktuell habe ich sehr viel Spass im Endgame, hatte aber auch sehr viele Durststrecken gerade in den ersten beiden angesprochenen Kapiteln.
  2. Technisch ist das Ding ein Debakel - bin froh, meine Bestellung doch noch storniert zu haben. Ein Spiel mit so einer großen Lizenz in den Sand zu setzen ... zumal die vorherigen Teile beim besten Willen keine super Spiele waren ...

    Im jetzigen Zustand müsste man eher eine Kaufwarnung aussprechen. Bis Ende August sollen die zwei wichtigeren Optimierungs-Patches raus sein, vorher sollte man dem Spiel so wenig mediale Aufmerksamkeit wie möglich geben und potentielle Käufer vor dieser Falle schützen - wer weiß, wie viel da wirklich nachgebessert wird.

    Sollte es danach Wenigstens spielbar sein, hole ich es mir gern zu Weihnachten oder so für 15 €.
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