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JPGAMES.DE: Rubens Spiele der Dekade

Ich habe in den vergangenen zehn Jahren so einige Spiele gespielt. Dabei kann ich nicht behaupten, dass unter den aktuellen Erscheinungen jedes Jahr Titel dabei gewesen sind, die mich begeistert haben. Obwohl ich hauptsächlich JRPGs spiele, habe ich gemerkt, dass meine schönsten Erfahrungen oft mit Spielen waren, die mir etwas Neues, Frisches geboten haben. Narrativ gab es in den letzten Jahren auch unter den viel gelobten Titeln meines Lieblingsgenres wenige, die mich gänzlich überzeugen konnten.

Trotz allem fiel es mir schwer, die Auswahl auf fünf Titel einzugrenzen. Zumindest erwähnen möchte ich hier Catherine, Hollow Knight, Undertale, Xenoblade Chronicles und Ori and the Blind Forest, die mich auf verschiedenste Weise in ihren Bann gezogen haben.

Mein Vorsatz für die nächsten Jahre? Mehr neue Dinge ausprobieren, nicht zu viel Zeit auf Spiele verwenden, die mich nicht begeistern und einige der Backlog-Titel angehen, von denen ich weiß, dass ich sie mögen werde. Es gibt genug gute Spiele und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Man muss sie nur spielen.

Dies ist übrigens auch der letzte Teil unserer Spiele-der-Dekade-Reihe – ich hoffe, es hat euch gefallen.

Rubens Spiele der Dekade
Platz 5: Child of Light

Child of Light ist ein Titel, der mich durch seine wunderschöne Spielwelt und märchenhafte Atmosphäre derart eingenommen hat, dass ich mich noch heute regelmäßig daran zurückerinnere und mir wünsche, dass Ubisoft mehr solche Spiele gemacht hätte. Spielerisch und erzählerisch ist Child of Light eher passabel, aber die künstlerische Gestaltung der Welt untermalt von sehr ruhiger, stimmungsvoller Musik haben Auroras einsame Reise durch diese düstere Märchenwelt für mich zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Liebe Spielefirmen, bitte mehr solcher Experimente!

Platz 4: Life Is Strange / Life Is Strange 2

Eine Affinität für sogenannte „Narrative Games“ habe ich schon eine Weile. Spätestens Life Is Strange im Jahr 2015 hat mir mit seiner Jugendlichkeit, seinem Alltagsdrama und den bodenständigen, fehlerbehafteten und einfühlsam präsentierten Charakteren bewiesen, dass Videospiele bereit sind, neue Arten von Geschichten zu erkunden.

Life Is Strange 2, das ich erst kürzlich gespielt habe, beschreitet erneut neue Wege und wirkt erzählerisch und von der Präsentation sogar noch eine Ecke ausgereifter. Mit der Geschwisterthematik, dem Roadtrip und den politischen Untertönen hat Dontnod erfolgreich Neuland betreten. Besonders zugesagt hat mir der Kontrast zwischen permanenter Einsamkeit und Wärme sowie das Thema der „Suche nach einem Platz in der Gesellschaft“. Die Charaktere sind mehrdimensional und glaubwürdig und die Entscheidungen des Spielers haben emotionales Gewicht. Auch wenn ich gegen Ende wieder einige Kritikpunkte an der Erzählweise habe, hat mich Life Is Strange 2 narrativ und atmosphärisch gepackt wie lange kein Spiel.

Platz 3: To The Moon

Weit länger als zehn Jahre bin ich schon Fan der Spiele von Kan Gao und Mitglied seiner kleinen Community. Auch die Entwicklung von To The Moon habe ich von den Kinderschuhen an aus nächster Nähe miterlebt. Es war unglaublich erfüllend zu sehen, wie das erste kommerzielle Projekt von Freebird Games zum verdienten Riesenhit wurde und derart viele Leute erreicht hat – allein durch seine narrativen Qualitäten.

Die Geschichte über die Reue eines alten Mannes auf dem Sterbebett und seiner Beziehung zu seiner verstorbenen autistischen Frau ist genauso rührend wie einzigartig. Sie zeigt erneut, wie sehr das Medium Videospiel sich im letzten Jahrzehnt narrativ weiterentwickelt hat und dass auch ein Spiel im Pixel-Look durch einen einfühlsamen Erzählstil, charmante Charaktere und die richtige musikalische Untermalung schwierige Themen verarbeiten kann.

Empfehlenswert sind auch die Nachfolgerspiele!

Platz 2: Yakuza 0

An den Yakuza-Spielen hatte ich bereits längere Zeit Interesse und mit der Lokalisierung von Yakuza 0 gab es keine Ausreden mehr, mich der Serie weiter zu entziehen. Ich hätte jedoch nicht damit gerechnet, dass mich das Spiel derart umhauen würde.

Einerseits sicherlich deshalb, weil alles neu für mich war. Eine Spielwelt, die einen Teil Tokyos und Osakas in atemberaubendem Detail darstellt, hatte ich noch nicht gesehen. Die zahllosen Minispiele und die charmant-albernen Nebenaufgaben haben mich binnen kürzester Zeit mehr als 100 Stunden an den Bildschirm gefesselt – das hat kein anderes Spiel in diesem Jahrzehnt geschafft!

Doch am meisten beeindruckt hat mich die Geschichte mit all ihren dramatischen Wendungen, die in atemberaubenden Filmsequenzen und perfekter Vertonung (Majima!) präsentiert wird und mir stellenweise so nahe ging, wie ich es nie von einem Spiel über hartgesottene Yakuza-Männer erwartet hätte.

Wenn ich bis dahin noch Zweifel gehabt haben sollte, hat mich spätestens die 20-minütige Eröffnungsszene von Kapitel 3 von den Qualitäten des Spiels überzeugt. Dieses Niveau wurde wider Erwarten gehalten – bis zur letzten Sekunde hat mich Yakuza 0 mitgerissen, wie kein zweites Spiel in diesem Jahrzehnt. Das Niveau konnten die Kiwami-Spiele leider nicht so ganz erreichen – aber auf Yakuza 7 als „Soft-Reboot“ freue ich mich dafür umso mehr.

Platz 1: The Legend of Heroes: Trails in the Sky (Trilogie)

Im Gegensatz zu den anderen genannten Titeln ist The Legend of Heroes: Trails in the Sky kein Spiel, das Neuland betritt. Die Trilogie ist ursprünglich nicht einmal aus dem vergangenen Jahrzehnt, nur erfolgte die Lokalisierung spät und dauerte lange.

Doch alles, was ich an japanischen Rollenspielen liebe, wird hier so exzellent umgesetzt, dass jeder der drei Teile mich nach langer Zeit endlich wieder in meiner Liebe für das Genre bestätigen konnte. In keinem anderen Spiel (außer vielleicht Final Fantasy IX) habe ich mich den Charakteren derart verbunden gefühlt. Die fantastischen Dialoge in ihrer noch exzellenteren Lokalisierung sprühen so vor Liebe und Charme, dass sie mich mit purer Freude erfüllen. Die wunderbar detaillierte Spielwelt sowie die zauberhafte musikalische Untermalung tun ihr Übriges, um diese Trilogie zu Dauerkandidaten in der Liste meiner liebsten Videospiele aller Zeiten zu machen. Zwar bin ich Falcoms aktuellem Kurs gegenüber eher kritisch eingestellt, doch diese Spiele werden mich immer daran erinnern, was ich an japanischen Videospielen so liebe.

Bildmaterial: Ubisoft, Dontnod / Square Enix, Freebird Games, Sega, Nihon Falcom / XSEED

5 Kommentare

  1. Ich kommentiere echt selten, aber für die Nennung von Child of Light muss das mal sein. Ich Stimme dir zu, dass das Gameplay an Sich passabel ist, aber die Atmosphäre sucht seinesgleichen! Ich hoffe jedes Jahr auf der E3 das Ubisoft etwas ähnliches mit so viel Liebe präsentiert und nicht nur die Alt bekannten Marken.... Child of Light war 2014 auch ganz klar mein Game of the year :D
  2. Boah das freut mich riesig das jemand ausgerechnet Life is Strange 2 in seine Top 5 gepackt hat.^^
    Ich glaube ich fand die erste Staffel minimal besser, aber die zweite auch herausragend und fand es schade es hier so viel Kritik gab, oft aus für mich absolut nicht nachvollziehbaren Gründen wie dieser Propaganda-Vorwurf.
    Fand vor allem die letzte Episode auch richtig richtig gut. Die letzte Entscheidung fiel mir sehr sehr schwer. Vielleicht die schwierigste Entscheidung die ich bisher in einem Spiel treffen musste.

    Child of Light habe ich auch sehr gemocht, ist aber schon recht lange her, müsste ich mal wieder spielen, fand das auch optisch wunderschön.
    Echt schade das Ubisoft sowas selten finanziert, ein zweiter teil oder ein Spiel in dem Stil wäre ein Day One kauf.

    To the Moon, boah da warte ich auch seit Ewigkeiten auf einen PS4-Release, aber so langsam glaube ich nicht mehr daran, vielleicht hole ich mir dieses Jahr dann doch die Switch Version. Das soll ja auch richtig emotional sein.


    Brandybuck schrieb:

    Zwar bin ich Falcoms aktuellem Kurs gegenüber eher kritisch eingestellt
    Habe Trails in the Sky ja auch geliebt, vollkommen nachvollziehbar auf dem ersten Platz, aber was meinst du denn genau damit? :O
    Gefiel dir die Cold Steel Reihe nicht so gut? Die Cold Steel Reihe gefällt mir inzwischen sogar besser als die Sky Trilogie, nachdem CS eher schwächer anfing hat sich die Story in den darauffolgenden Spielen so enorm weiterentwickelt. Kann den Release von Cold Steel 4 kaum abwarten. ^^

    Auch ne schöne Liste, glaube in jeder Liste waren 1-2 Titel dabei die auch in meiner Top 10 wären. Wobei hier auch wieder Persona 5 fehlt, aber ich denke das fehlt hier auch nur weil man den Rahmen nicht sprengen wollte oder so. Kann ich verstehen. :P
  3. Wundert mich wenig, dass Trails in the Sky auf Platz 1 steht. Wundert mich eher, dass Child of Light den Vorzug gegenüber Ori erhalten hat. Verdient hätten es aber beide Titel, sind beide toll, und ich find's schade, dass Ubisoft von diesen kleinen Spielen wieder abgerückt ist.... D:


    @Aruka: Ich glaube, seine Bedenken gegenüber den neueren Teilen (und ggf auch anderen neueren Falcom-Titeln?) sind ähnlicher Natur wie meine Kritik an den Cold Steel Titeln.
  4. Aruka schrieb:


    Brandybuck schrieb:

    Zwar bin ich Falcoms aktuellem Kurs gegenüber eher kritisch eingestellt
    Habe Trails in the Sky ja auch geliebt, vollkommen nachvollziehbar auf dem ersten Platz, aber was meinst du denn genau damit? :O

    Habe Trails in the Sky ja auch geliebt, vollkommen nachvollziehbar auf dem ersten Platz, aber was meinst du denn genau damit? :O

    Ich bin kein großer Freund von dem Weg, den Falcom in den letzten Jahren stilistisch eingeschlagen hat – der Wendepunkt war wohl Nayuta, wenn auch noch nicht so offensichtlich. Mirai hat es schon erwähnt, aber ich führe es noch einmal etwas aus:

    Ab Trails of Cold Steel wirken die Spiele vom Design der weiblichen Charaktere, ihren Persönlichkeiten und ihrer Interaktion mit Rean (und durch ihn dem Spieler) sehr stark auf eine männliche Otaku-Zielgruppe zugeschnitten, ein Trend der sehr analog zu entsprechenden Animes und Light Novels verläuft und doch einen recht faden Beigeschmack hat. Insbesondere wenn ich lese, dass diese Harem-Elemente in den Nachfolgern (insbesondere wohl IV) noch dominanter sind und bisweilen gar Cringe-Level (für mich) erreichen. Meinetwegen hätte der ganze Social-Link- und Dating-Sim-Kram wegbleiben sollen. Trails in the Sky hatte so viel Interaktionen zwischen den Charakteren, dass es gar kein Social Link über einen Self-Insert-Charakter brauchte, um sie besser kennenzulernen.

    Ich will die Spiele nicht zu sehr runterreden, denn Falcom ist noch immer gut darin, Charaktere zu schreiben, trotz der gelegentlich peinlichen Momente (musste sehr mit den Augen Rollen, als Rean zu Beginn des ersten Teils zufällig auf Alisa fällt, etwas, das ich normalerweise von trashigen Ecchi-Animes erwarten würde). Es ist einfach sehr viel vom Charme der Trails-in-the-Sky-Spiele nicht mehr da. Das liegt natürlich auch etwas an der visuellen Präsentation, denn Trails in the Sky die Ausdrucksstärke von Sprite-Charakteren und Dialogboxen quasi perfektioniert, während Cold Steel dafür auf eine Dub setzt, was für mich persönlich schlechter funktioniert. Beispielsweise fand ich’s sehr schade, dass die gezeichneten Charakterbilder, die die Vorgänger in den Textboxen hatten, durch recht schnöde 3D-Gesichter ausgetauscht wurden. Den Grund verstehe ich, aber für mich fehlt da einfach was.

    @Mirai: Ori war für mich beim Spielen vermutlich das eindrucksvollere Erlebnis, aber Child of Light ist ein Spiel, das mir aus irgendeinem Grund ganz besonders positiv in Erinnerung geblieben ist. Ich vermute mal, es liegt daran, dass mich der emotionale Kern von Ori gar nicht mal so sehr mitgenommen hat, obwohl ich die Welt für ihre Atmosphäre natürlich sehr gern mag. Das Märchenhafte bei Child of Light, gerade in Kombination mit den handgezeichneten Hintergründen und der stimmungsvollen Musik, hat einfach einen besonderen Nerv bei mir getroffen.

    @Soruke: Freut mich, dass es noch weitere Fans gibt, hehe. :>
  5. Boah sorry @Blackiris, jetzt hatte ich deine Antwort vergessen! X(


    Blackiris schrieb:

    Ab Trails of Cold Steel wirken die Spiele vom Design der weiblichen Charaktere, ihren Persönlichkeiten und ihrer Interaktion mit Rean (und durch ihn dem Spieler) sehr stark auf eine männliche Otaku-Zielgruppe zugeschnitten, ein Trend der sehr analog zu entsprechenden Animes und Light Novels verläuft und doch einen recht faden Beigeschmack hat. Insbesondere wenn ich lese, dass diese Harem-Elemente in den Nachfolgern (insbesondere wohl IV) noch dominanter sind und bisweilen gar Cringe-Level (für mich) erreichen.
    Also was das angeht kann ich voll und ganz unterschreiben, wenn einen das richtig stört sind die Spiele wohl echt schwächer.
    Kann mit dem haremding auch wenig anfangen, ich mag die weiblichen Charaktere alle, könnte aber gerne auf die Romanzen verzichten. Ich habe dann lieber eine Romanze im Spiel die dafür umso besser ausgebaut wurde. Zumals einige dieser Romanzen eh zu nix führt, wie die mit Fie, wo doch eh immer so dieses "Grosser Bruder" Ding mitschwingt.
    Ich finde aber das sich die weiblichen Charaktere doch noch weiterentwickeln ohne es in Bezug zu Rean zu tun. Also die meisten zumindest.
    Da gefiel mir TitS auch besser, aber obwohl Cold Steel echt teilweise zu sehr auf dieser Haremschiene reitet, gefiel mir die Story doch noch besser, einfach weil sie sich im zweiten und dritten Teil so interessant weiterentwickelt.

    Aber das ist reine Geschmackssache, optisch finde ich die Neuausrichtung nämlich auch noch sehr schick und recht detailliert, zumals wenn man es mit anderen Nischen-JRPGs vergleicht.

    Hoffe du gibst Cold Steel aber irgendwann nochmal eine Chance, zumals im dritten teil ja viele alte Gesichter wieder auftauchen, fand ich auch sehr charmant gelöst. :)
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