PS4 Test

Im Test! Contra: Rogue Corps

TitelContra: Rogue Corps
Japan24. September 2019
Konami
Nordamerika24. September 2019
Konami
Europa24. September 2019
Konami
SystemPlayStation 4, Nintendo Switch, Xbox One, PC
Getestet fürPlayStation 4
EntwicklerToylogic
GenresAction
Texte
Deutschland 
VertonungNordamerika

Bildmaterial: Contra Rogue Corps, Konami

Im Vergleich zu den Anfängen der Heimkonsolen-Ära gibt es heutzutage nur noch wenige Spiele aus dem Hause Konami. In den letzten Jahren ist es, vor allem seit dem Debakel rund um Silent Hills und Hideo Kojima, ruhiger um den japanischen Konzern geworden. Mit einem neuen Bomberman und Yu-Gi-Oh-Spielen machte man weiter auf sich aufmerksam. Der neueste Streich ist nun ein neuer Ableger einer Serie, um die es seit über zehn Jahren still war: Contra! In Contra: Rogue Corps geht die Reihe einen neuen Weg als Twin-Stick-Shooter, doch kann die Serie heute überhaupt noch begeistern?

Eine Stadt, die der Hölle gleicht

Die Story von Contra: Rogue Corps schließt sich an die alten Teile an. Nachdem die Alien-Invasionen abgewehrt werden konnten, tauchte plötzlich eine riesige geheimnisvolle Stadt auf. Diese ist natürlich voll mit schrecklichen Aliens und Monstern, aber auch voller Schätze. Normale Menschen können dort nicht überleben, aber es gibt dennoch genug verrückte Wesen, welche sich auf die Jagd danach machen, die Stadt von den Ungeheuern zu befreien und nebenbei sich eine goldene Nase zu verdienen.

In Contra: Rogue Corps könnt ihr einen von vier verschiedenen Charakteren auswählen. Die Auswahl ist attraktiv, da alle Figuren sich alleine vom visuellen Aspekt her sehr unterscheiden. Da ist zum Beispiel der aus einem Vorgänger bekannte Kaiser oder Ms. Harakiri, eine Assassinin mit einem Alien-Parasiten im Bauch. Oder spielt doch The Gentleman, ein überdimensionales Alien-Insekt. Zu guter Letzt ist da noch Hungry Beast, ein Cyborg-Panda, welcher das Gehirn eines genialen Wissenschaftlers besitzt.

Viel Geballer und fette Explosionen

»Contra: Rogue Corps mischt das altbekannte Konzept auf. Während ihr euch in der Vogelperspektive mit dem einen Analog-Stick bewegt, wird mit dem anderen Stick in die gewünschte Richtung geballert.«

Die alten Contra-Klassiker überzeugten mit knackigem Schwierigkeitsgrad, coolen Gegnern und fetten Wummen. Das Ganze spielte sich als 2D-Abenteuer ab. Mit Contra: Rogue Corps geht Konami nun einen anderen Weg, zumindest was die Perspektive angeht. Aus der Vogelperspektive könnt ihr mit insgesamt vier Spielern in alle Richtungen feuern. Während ihr euch mit dem einen Analog-Stick bewegt, wird mit dem anderen Stick in die gewünschte Richtung geballert.

Jeder Charakter besitzt dabei zwei ausgerüstete Waffen, welche ihr in eurem Basis-Camp frei auswählen könnt. Zu Beginn von Contra: Rogue Corps ist die Auswahl sehr begrenzt, schnell schaltet ihr aber zahlreiche neue und durchaus kreative Waffen frei. Es ist spannend zu sehen, was man wohl noch alles bekommt, nachdem man mal Ninja-Wurfsterne oder einen Kettensägen-Hula-Hoop-Ring bekommen hat. Neben euren beiden Wummen besitzt ihr noch eine bestimmte Anzahl an Bomben, welche allen Gegnern in eurer Nähe großen Schaden zufügt. Die Bomben sind hilfreich, aber die immer spielende Animation dauert dann doch recht lange und es könnte ruhig flotter gehen. Vielleicht habe ich aber auch die Möglichkeit, die Animation zu überspringen, die ganze Zeit übersehen.

Vielfalt ist geboten

Jeder der Charaktere besitzt dann noch eine eigene Fähigkeit mit Cooldown. Beispielsweise kann Ms. Harakiri für kurze Zeit deutlich mehr Schaden machen, wenn sie ihre Fähigkeit aktiviert. Besonders in Bosskämpfen sind diese zusätzlichen Optionen sehr hilfreich.

Eines der großen Probleme für mich persönlich war, dass die Waffen im Spiel überhitzen können. Dauerfeuer, wie es in zahlreichen anderen Spielen dieser Art ist, könnt ihr also nicht durchführen. Natürlich schaltet ihr auch Waffen und Modifikationen frei, welche das Überhitzen deutlich verlangsamen. Aber gerade bei der Menge an Feinden, auf die man im Spiel oft trifft, nervt das ständige Aussetzen des Ballerns durchaus. Zwar wechselt man dann im besten Falle einfach zu der anderen ausgerüsteten Waffe, aber ich persönlich habe mit dieser Spielmechanik überhaupt keinen Spaß gehabt. Wieso wird man in einem Spiel, bei dem man dauerhaft zahlreiche Feinde wegballern muss, dazu gezwungen, das Schießen einzustellen? Ergibt für mich einfach keinen Sinn.

Die diversen Spielmodi

»Wieso wird man in einem Spiel, bei dem man dauerhaft zahlreiche Feinde wegballern muss, dazu gezwungen, das Schießen einzustellen? Ergibt für mich einfach keinen Sinn.«

In Contra: Rogue Corps könnt ihr euch durch die Story ballern oder auf Erkundungsmissionen gehen. Es empfiehlt sich natürlich, erst einmal die Geschichte zu spielen, um alle Missionen freizuschalten und generell besser im Spiel zu werden. Bei den Erkundungsmissionen geht es einfach darum, viel Loot zu finden und irgendwie lebend aus der Gegner-Hölle zu entkommen, da sonst die gesammelten Erzeugnisse futsch sind.

Dabei macht das Ganze natürlich am meisten Spaß, wenn ihr es nicht alleine spielt. Oder sollte ich sagen, macht es überhaupt erst Spaß, wenn man mit Freunden spielt? Alleine wirken die Gegner-Massen oft ein wenig überwältigend und allgemein kommt sowieso nicht wirklich viel Spaß bei dem Geballer auf. Im Multiplayer ist aber generell alles lustiger und auch bei Contra: Rogue Corps hilft es, wenn ihr nicht alleine spielt. Dies könnt ihr zusammen auf der Couch oder über das Internet bewältigen. Auch ein Versus-Modus ist im Spiel vorhanden, bei dem ihr in Teams gegeneinander antreten könnt, aber leider habe ich nie ein Online-Match zustande kriegen können.

Auf dem OP-Tisch mal eben die Augen wechseln lassen

Im Laufe des Spiels findet ihr zahlreiche neue Waffen und Modifikationen für diese, zusätzlich levelt ihr durch das Besiegen von Feinden euren Charakter und die vorhandene Ausrüstung auf. Ihr könnt aber auch gesammelte Körperteile einpflanzen lassen. Jep, richtig gelesen: In Contra: Rogue Corps könnt ihr euch beispielsweise neue Augäpfel einsetzen lassen, um bessere Statuswerte zu haben.

Dort gibt es dann auch die Wahl zwischen verschiedenen Doktoren, wobei alle außer dem Standard-Arzt ganz schön teuer sind. Es lohnt es sich jedoch, tief in die Tasche zu greifen, denn ein besserer Arzt kann euch noch zusätzliche Boni bei der Operation verleihen.

Contra-verse Meinung

Im Grunde genommen klingt Contra: Rouge Corps in der Theorie nach einem coolen Spiel. Gemeinsam mit Freunden einen Twin-Stick-Shooter zocken, welcher sich selbst nicht ernst nimmt und mit massig Feinden und Explosionen überzeugt. Außerdem sammelt ihr massig Waffen und Modifikationen, um eurem eigenen Spielstil die richtige Würze zu verleihen.

»Wenn man mir eine Pistole auf die Brust setzen würde und mir sagt, ich müsste zwei Sekunden eines Songs aus dem Spiel nachpfeifen, würde ich einfach direkt um den Schuss in die Brust bitten.«

Leider schafft Konami es nicht, dies auch richtig in die Tat umzusetzen. Alleine wegen dem oben angesprochenen Überhitzungs-Feature für die Waffen, was einfach nur nervt. Es gibt in meinen Augen keinen Vorteil durch diese Funktion, nur nervige Wartezeiten. Auch die Missionen selbst sind nun nicht wirklich spannend. Meist muss man einfach nur ans Ende des Level kommen oder Spawn-Punkte für Gegner zerstören. Oft sind diese dann auch so großzügig platziert, dass euch die Stages einfach nur gestreckt vorkommen.

Und noch mehr Probleme

Auch nicht wirklich hilfreich ist die langsame Bewegungsgeschwindigkeit. Das Laufen und Schießen fühlt sich irgendwie träge an. Ihr könnt zwar auf Knopfdruck ausweichen und somit ein wenig flotter agieren, aber auch das ist keine perfekte Bewegungsalternative. Vor allem wenn euch dutzende von Feinden entgegen rennen, findet ihr euch oft einfach nur rückwärts laufend auf sie feuernd, in der Hoffnung, dann nicht überrannt zu werden. Genau dies passiert dann dennoch, ihr kassiert einen Treffer, obwohl ihr so viel geballert habt wie euch dank Überhitzung möglich ist. Das frustriert und macht einfach keinen Spaß.

Dadurch stirbt man dann doch mal und muss dann das gesamte langsame Level noch einmal starten. Ebenfalls nervig: Ihr könnt das Spiel nicht pausieren. Das ergibt total Sinn, wenn man im Multiplayer mit anderen Leuten spielt, aber auch im Solo-Play lässt sich der Titel nicht pausieren. Der Sinn dahinter ist mir nicht wirklich klar.

Da helfen auch keine Contra-ktlinsen

Wirklich schade ist, dass die Level in Contra alle gleich aussehen. Mal davon abgesehen, dass Contra: Rogue Corps generell keinen Schönheitspreis für die langweilige und matschige Grafik bekommt. Das Level-Design ist uninspiriert und langweilt innerhalb von kürzester Zeit. Immerhin sehen die Feinde cool aus und manche Bosskämpfe sind halbwegs cool gestaltet, aber leider halten diese dann auch so viele Schüsse aus, dass es dann doch irgendwann nervt.

Die Sprachausgabe bietet euch keine überragenden Sprecher und das Gesprochene ist oft auf „Teenager“-Level von „Cool“. Sprich, irgendwelche Sprüche, die irgendwie cool klingen sollen, aber manchmal an der falschen Stelle kommen oder einfach direkt durch plumpe Coolness-Versuche auf die Nase fliegen. Und ganz ehrlich, wenn man mir eine Pistole auf die Brust setzen würde und mir sagt, ich müsste zwei Sekunden eines Songs aus dem Spiel nachpfeifen, würde ich einfach direkt um den Schuss in die Brust bitten. Selten waren Songs so langweilig und schnell vergessen.

Was ist eigentlich hieran noch Contra?

An Contra: Rogue Corps kommt man wahrscheinlich nur als absoluter Hardcore-Fan von Twin-Stick-Shootern heran. Wer Contra mag, wird hier jedoch eher abgeschreckt. Nichts an dem Spiel erinnert an Contra, außer die gelegentlich umherschwebenden Upgrades im Level, wie man sie aus den alten Teilen kennt. Der Schwierigkeitsgrad kommt nicht aufgrund knackigem Leveldesign oder clever platzierten Gegnerwellen, sondern aufgrund von purem Chaos. Man kann nicht dem Spieler drei Dutzend Gegner entgegenkotzen und dies dann Herausforderung nennen. Grafisch ist Rogue Corps eine Enttäuschung und das Gameplay ist träge und langweilig. Immerhin kommt im Multiplayer mit guten Kumpels aufgrund des Trash-Faktors wenigstens ein bisschen Spaß auf. Aber auch nur da. Und nur mit Bier. Viel Bier.

 

Story

Lose nach Contra III: The Alien Wars angesiedelt, stürzt ihr euch als einer von vier Söldnern in eine höllische Stadt voller Feinde und Schätze.

Gameplay

Träger Twin-Stick-Shooter, der einfach nur chaotisch ist. Viele verschiedene Waffen, die ihr aber dank Überhitzung immer nur für kurze Zeit abfeuern könnt. Ein Shooter, der euch dazu zwingt, nicht zu schießen. Klasse.

Grafik

Lahme Texturen, uninspiriertes Level-Design, immerhin cooles Monster-Design.

Sound

Passable Sprachausgabe, aber total bekloppte Texte, die versuchen, cool zu sein, aber damit leider völlig auf die Schnauze fliegen.

Sonstiges

Im Multiplayer blüht der Titel ein wenig auf, verwelkt aber auch da irgendwann.

1 Kommentar

  1. Brandybuck schrieb:

    Wenn man mir eine Pistole auf die Brust setzen würde und mir sagt, ich müsste zwei Sekunden eines Songs aus dem Spiel nachpfeifen, würde ich einfach direkt um den Schuss in die Brust bitten
    Allein dafür muss ich den Test schon loben xD
    Habe herzlich gelacht^^
    Schade das das Spiel so miserabel ist, aber überraschend war das spätestens nach dem ersten Trailer schon nicht mehr
    Konami trägt somit halt einfach die nächste Kult IP zu Grabe
    Ich denke die beiden Anniversary Collections von Castlevania und Contra sind das letzte gute Überbleibsel der alten Tage die man nochmal genießen kann, alles neue war bisher leider nur enttäuschend und haben sowohl die ursprünglichen Schöpfer und Entwickler wie auch die Fans nicht verdient
    Kann ich nur immer wieder sagen :(
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