Im Test! Lapis x Labyrinth

Für das Action-RPG Lapis x Labyrinth aus dem Hause Nippon Ichi durfte sich Hirokazu Itano in den Regiestuhl setzen und seine Ideen in einem Spiel verwirklichen.
Titel Lapis x Labyrinth
Japan 29. November 2018
Nippon Ichi Software
Nordamerika 28. Mai 2019
NIS America
Europa 31. Mai 2019
NIS America
System PlayStation 4, Nintendo Switch
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler Nippon Ichi Software
Genres Action-RPG
Texte
Nordamerika
Vertonung Japan

Bildmaterial: Lapis x Labyrinth, Nippon Ichi Software

Nippon Ichi ist mittlerweile dafür bekannt, oftmals den Entwicklern freie Hand zu lassen, damit diese eigene Titel entwickeln. Viele kleine, aber durchaus feine Spiele haben dadurch schon das Licht der Welt erblickt. Auch Lapis x Labyrinth reiht sich hier nahtlos ein. Für das Action-RPG durfte sich Hirokazu Itano in den Regiestuhl setzen und seine Ideen in einem Spiel verwirklichen.

Unter dem Namen Lapis Re Abyss ist das Spiel schon seit November 2018 in Japan für PlayStation 4 und Nintendo Switch erhältlich. Ende Mai dieses Jahres erschien der Titel dann nun auch für den Rest der Welt, hier Lapis x Labyrinth genannt. Besonders ins Auge fallen hier die putzigen Charaktermodelle und die süße Aufmachung, die durchaus für einige Interessenten sorgen dürften.

Für das herausstechende Design ist ebenfalls Herr Itano zuständig gewesen, der bereits einige designtechnische Aufgaben bei Nippon Ichi innehatte. So findet man Itano auch in den Credits als Monster-Designer zu The Witch and the Hundred Knight oder auch als Map-Designer für Yomawari wieder. Mit Lapis x Labyrinth konnte er nun dem gesamten Spiel seinen kreativen Stempel aufdrücken.

Was Lapis x Labyrinth außer einer süßen Optik zu bieten hat, schauen wir uns im Folgenden an. Ein Feuerwerk an explodierenden Juwelen und Goldstücken erwartet euch.

Alles für das liebe Geld

Im Test! Lapis x LabyrinthÜber einem immensen Labyrinth-Komplex befindet sich ein recht überschaubares Dorf. In der Hoffnung, den sagenumwobenen Goldenen Baum zu finden und Reichtum und Einwohnerzahl möglichst anzuhäufen, lässt der Bürgermeister Abenteurer jene Labyrinthe absuchen. Die Abenteurer, ebenfalls nur auf das schnelle Geld aus, nehmen die Quests nur zu gerne entgegen und stürzen sich in den Untergrund. Als Spieler schlüpft man in so eine Abenteurergruppe und von nun an heißt es: looten, was das Zeug hält.

Zwar muss man vor jedem Erkundungszug eine Quest auswählen, doch handelt es sich hier um keine klassischen Aufgaben. Die Auswahl der Quest dient nur, den eigentlich Ort festzulegen, um dort einem Haufen an Gegnern den Garaus zu machen und sich die Taschen mit Juwelen, Gold und anderen Gegenständen vollzupacken. Jede Quest besteht aus verschiedenen Abschnitten des Labyrinthes, jeder mit einer gewissen zeitlichen Begrenzung.

»Hier hat man die Auswahl zwischen acht grundverschiedenen Klassen.«

Um den nächsten Abschnitt freizuschalten, muss man eine Anzahl an lilafarbenen Kristallen zerstören. Erreicht man den Ausgang nicht in der vorgegebenen Zeit, wird man mehr oder minder höflich aus dem Labyrinth geschickt. Den Loot kann man zwar behalten, doch muss man die Quest letztendlich wiederholen. Keine wirklich große Bestrafung, bedenkt man, dass das ganze Spiel, von Anfang bis Ende, komplett gleich ablaufen wird und man selbstverständlich nie genug Loot haben kann.

Was dem derzeitigen Phänomen der Lootshooter ab und an einmal fehlt, gibt es hier doppelt und dreifach oben drauf. Loot über Loot ohne Ende. Da schreckt man auch nicht davor zurück, einfach den ganzen Bildschirm mit Juwelen und Feuerwerk zu bepflastern.

Dango – leckeres Kampfprinzip

Im Test! Lapis x LabyrinthBevor man sich ins Abenteuer stürzt, muss man sich zunächst eine Party zusammenstellen. Hier hat man die Auswahl zwischen acht grundverschiedenen Klassen. Vom klassischen Allround-Kämpfer, über den Magier, einen Gunner bis zu einer Maid, gibt es hier durchaus viel auszuprobieren. In die Labyrinthe selbst können allerdings nur vier Kämpfer gleichzeitig.

Hier setzt man auf das sogenannte Dango-System. Mit Dango spielt man hier auf die kleinen, meist aufgespießten Klößchen an, die man mit verschiedensten Leckereien verfeinern kann. Was das mit dem Spiel zu tun hat, sieht man, sobald man mit vier Charakteren in den Kampf zieht. Die Abenteurer werden hier wie ein Dango-Spieß aufeinandergesetzt. Der Anführer unten sorgt für die Standardattacken und die über ihm liegenden Köpfe für Spezialattacken.

Der Anführer kann hier jederzeit gewechselt werden und weitere Angriffe stehen nun mit neuer Kampfordnung zur Verfügung. Dango genießen in Japan recht große Beliebtheit und auch zum Beispiel in World of Final Fantasy bediente man sich dem Aufstecken von Charakteren, ganz nach Vorbild der aufgespießten Leckerei.

Was passiert hier eigentlich?

»Urplötzlich taucht eine Horde an Gegnern auf und man haut intuitiv auf die verschiedenen Angriffsknöpfe.«

Lapis x Labyrinth hat einige recht ambitionierte Gameplay-Elemente. Neben der Möglichkeit, bis zu vier Abenteurer gleichzeitig in die Labyrinthabschnitte mitzunehmen und deren Angriffstechniken zu kombinieren, Ausrüstungsgegenstände nach Belieben aufzuwerten und verschiedenste Skills in diese einzubetten, gibt es noch die Option, die einzelnen Charaktere zu verbessern. Allerdings ist das alles zwar schön und gut, aber findet eigentlich kaum Beachtung im eigentlichen Spiel.

Kämpfe laufen immer nach dem gleichen Prinzip ab. Urplötzlich taucht eine Horde an Gegnern auf und man haut intuitiv auf die verschiedenen Angriffsknöpfe. Gegenstände fliegen durch die Luft, ständig heißt es „Level up“ und so wirklich bekommt man nicht mit, was denn nun eigentlich hier gerade passiert.

In späteren Abschnitten kann es vorkommen, dass ein Mitstreiter stirbt, doch auch hier weiß man nicht unbedingt, warum. Alles blinkt und blitzt, überall gibt es visuelle Ablenkungen. Lapis x Labyrinth erinnert mich auf diese Weise sehr stark an meinen ersten Besuch einer Pachinko-Halle. Der Sinn dahinter ist offensichtlich. Unmengen an Loot, Explosionen, Gold und Juwelen überall. Mehr… Mehr… Man will immer mehr und so steigert man unterbewusst die Motivation, das Spiel weiterspielen zu wollen.

Blickt man aber hinter die leuchtende Fassade, so sieht man recht schnell, dass man kaum Variationen die Hintergründe betreffend oder überhaupt auf Gameplay-Ebene zu bieten bekommt. Die vielen Anpassungsmöglichkeiten nutzt man kaum und Gegner verlangen auch keine wirkliche Vorbereitung. Ob man nun ein, zwei Schläge mehr braucht oder ein gewisser Angriff ein mögliches besseres Ergebnis erzielen könnte, merkt man sowieso nicht. Das ganze Spiel ist mit Juwelen und Feuerwerk überlagert.

Bloße Theorie

»Die Designs und die Aufmachung des Spiels sind sehr putzig und ansprechend anzusehen.«

Auch wenn das Spiel so simpel ist, dass man ohne größere Anstrengungen durch das ganze Spiel kommt, bekommt man einige Anpassungsmöglichkeiten für Charaktere und Ausrüstung geboten. Diese könnten zumindest in der Theorie dazu beitragen, viele Stunden in das Spiel inklusive ausgiebigem Grinden und Looten zu stecken.

Der Platz für aktiv ausgerüstete Gegenstände ist begrenzt und muss im Laufe des Spiels erweitert werden, um stärke Ausrüstung auszuwählen. Einige Ausrüstungsgegenstände bieten hier bereits verschiedene Skills, wie zum Beispiel erhöhte Basisstärke, Elementarangriffe oder Zustandsveränderungen. Diese Skills lassen sich gegen Geld und seltene Gegenstände aufleveln, darüber hinaus kann man auch eigene Skills in die Waffen und Rüstungen einpflegen.

Im Test! Lapis x LabyrinthLeider ist hier der Kosten-Nutzen-Faktor sehr unausgeglichen, sodass man unter Umständen unverhältnismäßig lang grinden müsste, um hier überhaupt eine merkliche Verbesserung zu erzielen. Ganz zu schweigen davon, dass das Spiel diesen Aufwand sowieso nicht zu schätzen weiß, wenn man auch mit bloßem Button-Mashing immer ans Ziel kommt. Einige Bosskämpfe sind hier sogar so schnell vorüber, dass ich über deren Anblick in der Monstergalerie ganz verwundert war – wohl ein weiteres Opfer des Feuerwerks und Juwelenregens.

Hier und da gibt es aber immer mal wieder Gegner, die dennoch mit einem Schlag einen Charakter ausschalten können. Ähnlich schnell gehen diese aber auch zu Boden, also gilt hier einfach das Prinzip des Schnelleren und man hat bis zu den Credits nach rund 10 bis 20 Stunden Spielzeit zwar durchaus kurzweiligen Spaß, aber auch keine wirkliche Herausforderung gehabt. Nach dem Abspann wartet dann noch ein weiterer Abschnitt des Labyrinthes, der Monster bis Level 2000 beherbergt. Auch hier bleibt der visuelle Effekt allerdings stärker als die wirkliche Gefahr.

Auf einen Blick, Nippon Ichi

Im Test! Lapis x LabyrinthEs dauert nicht sonderlich lange, bis man merkt, dass es sich bei Lapis x Labyrinth um einen Nippon-Ichi-Titel handelt. Auch wenn man es hier sicherlich nicht mit einem Disgaea zu tun hat, so ist dieser weiche, putzige und farbenfrohe Stil durchaus ein Indiz für bisher erschienene Spiele aus dem Hause Nippon Ichi. Augenmerk liegt sicherlich auf den kleineren Titeln wie zum Beispiel den beiden Yomawari-Spielen.

Auch musikalisch ist man hier in der gleichen Abteilung wie viele andere Nippon-Ichi-Spiele zuvor. Selbst wenn man durch das ganze „Level up“-Geschrei und die klirrenden Juwelen kaum etwas von der Musik mitbekommt, hat mich der Soundtrack in ruhigeren Momenten durchaus an Spiele wie Labyrinth of Refrain erinnert.

Wie schon zu Beginn geschrieben, sind die Designs und die Aufmachung des Spiels sehr putzig und ansprechend anzusehen. Leider hat man es verpasst, ein wenig mehr Abwechslung in die Hintergründe zu bringen. Im Spiel ist es kaum zu unterscheiden, in welchem Abschnitt man sich nun befindet – besonders, wenn sich sogar gewisse Level-Strukturen zu wiederholen scheinen. Alles in allem kann man aber sagen, dass musikalisch wie auch grafisch vieles recht gut zusammenpasst.

Ein Besuch in einer Pachinko-Halle

»Lapis x Labyrinth wirkt auf den ersten Blick putzig und viel Spaß versprechend. Im Spiel finden sich dafür auch durchaus viele ambitionierte Optionen, das Team zu verstärken. Leider ist das Gameplay aber mehr Schein als Sein und das Einzige, was einen bei Laune halten könnte, sind die überschwänglichen Effektfeuerwerke und der buchstäbliche Goldregen, der über den Spieler hereinbricht und den ganzen Bildschirm einnimmt.

So verschwendet Lapis x Labyrinth sehr viel Potential, welches zwar im Spiel noch vorhanden ist, aber im eigentlichen Ablauf kaum Beachtung findet. Das Ergebnis ist ein durchaus kurzweiliges Action-RPG, welches mit bloßem Button-Mashing auskommt. Bis zum Schluss fehlt es an wirklicher Herausforderung und Nutzen für die vielen Anpassungsmöglichkeiten.

Natürlich kann man trotzdem genug Spaß mit Lapis x Labyrinth haben und besonders für zwischendurch eignet sich der Titel gerade für Nintendo Switch durchaus. Längere Spielsessionen sollte man aber eher weniger in Betracht ziehen, wenn man sich nicht schnell langweilen möchte.

Wer noch nie in einer japanischen Pachinko-Halle war und Bock auf eine waschechte Gold- und Juwelen-Dusche hat, dem ist Lapis x Labyrinth allerdings sehr ans Herz gelegt.«

 

Letztendlich bloßes Button-Mashing in einem Action-RPG, was eigentlich viel mehr zu bieten hätte.
Putzig, farbenfroh, ansprechend. Süße Charakterdesigns treffen auf abwechslungsfreie Hintergründe.
Sieht man vom lauten Geplärre und den Sirenen ab, finden sich in ruhigen Momenten durchweg nette Klänge, die typisches Nippon-Ichi-Feeling vermitteln.
Theoretische Möglichkeit, sich in den Anpassungsmöglichkeiten zu verlieren, wenn man Lust auf Grinding hat. Der Post-Game-Inhalt bietet leider auch nur mehr vom gleichen Prinzip.