Im Test! Taiko no Tatsujin: Drum ’n‘ Fun!

Taiko no Tatsujin heißt auf Deutsch "Trommel-Experte". Und viel besser kann man Taiko no Tatsujin eigentlich nicht beschreiben. Trommeln und viel Spaß.
Titel Taiko no Tatsujin: Drum ’n‘ Fun!
Japan 19. Juli 2018
Bandai Namco
Nordamerika 02. November 2018
Bandai Namco
Europa 02. November 2018
Bandai Namco
System Nintendo Switch
Getestet für Nintendo Switch
Entwickler Bandai Namco
Genres Rhythmusspiel
Texte
Deutschland Nordamerika
Vertonung Japan

Bildmaterial: Taiko no Tatsujin: Drum ’n‘ Fun!, Bandai Namco

Wer kennt sie nicht? Die Arcade-Maschinen der Taiko-no-Tatsujin-Reihe (auf Deutsch: Trommel-Experte), die man in japanischen Arcade-Tempeln, den Game Taito Stations, finden kann. Zwei große, zum Draufschlagen einladende Trommeln.

Man nimmt also die Plastik-Sticks von Taiko no Tatsujin und schlägt im Takt zu beliebten japanischen Song aus Bereichen wie Pop-Musik, Games, Anime und so weiter im richtigen Rhythmus entweder direkt zentral auf das Fell der Trommel oder auf den Rand. Ein sehr lustiges und auch physisch verausgabendes Erlebnis folgt, das am meisten zu zweit Spaß macht und mit 100 bis 200 Yen pro Runde auch nicht so viel kostet.

Okay, vielleicht kennen es doch nicht alle in Europa. Doch im November 2018 sind zwei Spiele der Taiko-no-Tatsujin-Reihe bei uns veröffentlicht worden – Drum Session für PlayStation 4 und Drum ’n‘ Fun für Nintendo Switch. Wir haben für euch den Fun-Faktor von Drum ’n‘ Fun getestet! Hajimaru-don!

Knapp daneben ist auch vorbei

Kommen wir gleich zum Wichtigsten: für volle Immersion nutzt das Spiel die Joy-Con von Nintendo Switch als Drum-Sticks. Dies funktioniert natürlich nur, wenn die Joy-Con nicht an der Konsole befestigt sind, sonst muss man sich bald ein neues Gerät kaufen. Schlägt man in der Luft ruckartig gerade nach unten, erzeugt dies den Schlag zentral auf das Fell der Trommel.

Schlägt man jedoch mit schräggehaltenem Joy-Con, dann wird das als Schlag auf den Rand der Trommel interpretiert. Auf der einen Seite gibt das ein nettes Gefühl, als würde man wirklich trommeln. Auf der anderen Seite funktioniert das Ganze nur 90% der Zeit. „Nur 90%?! Das ist doch viel!“, kann man sich jetzt denken. Es ist prinzipiell viel, aber zu wenig, um in Verbindung mit dem Spiel Spaß zu machen. Pro Lied kommen mindestens 100 Trigger vor, bei denen man zum richtigen Zeitpunkt die richtige Trommelaktion durchführen muss.

»Die Auswahl der Songs ist groß und relativ abwechslungsreich. Von japanischen Pop-Songs über Anime-Lieder, Videospielmusik und klassische Lieder kommen auch ein paar recht außergewöhnliche Lieder vor.«

Wenn mindestens zehn davon nicht erkannt, falsch erkannt oder irgendwie doppelt erkannt werden und eine Reihe von gut getroffenen Noten zerstört, dann wird man bald keine große Freude mehr an der Bewegungssteuerung haben. So bekommt man natürlich keine Highscores zusammen, wenn ständig die Kette an gut getroffenen Noten unterbrochen wird.

Sei es aus Gründen der Asymmetrie des Körpers, aber mein linker Joy-Con wurde auch noch weitaus schlechter erkannt als der rechte und hat viel mehr Fehler erzeugt. Ich hatte versucht, die Bewegung der linken Hand anzupassen und habe im Endeffekt sogar auf ein Polster eingetrommelt, was aber nur bedingt geholfen hat. Schnell durchzuführende Sequenzen, die abwechselnd die linke und die rechte Hand zum Schlag verwenden, sind somit komplett unmöglich. Genauso wie die zwei höchsten Schwierigkeitsgrade von insgesamt vier damit komplett unmöglich werden.

Zum Glück gibt es noch andere Steuerungsmöglichkeiten. Ihr könnt die Tasten auf den Joy-Con drücken, anstatt diese zu schwingen, was aber nicht wirklich viel Spaß macht. Immerhin möchte man ein Trommel-Spiel spielen und kein relativ generisches Rhythmusspiel. Zum Glück wird der Touchscreen von Nintendo Switch im Handheld-Modus selbst zu einer Trommel und man kann seine Finger benutzen, um damit auf dem Touchscreen der Konsole zu trommeln. Diese Steuerung funktioniert sehr gut und ist die nächstbeste, die an richtiges Trommeln rankommt.

Theoretisch kann man sich auch das Bundle mit Spiel und einem Trommel-Controller kaufen. Dafür muss man aber erstmal mehr als 100 Euro zusammentrommeln. Da wir die Trommel nicht hatten, konnten wir diese nicht testen. Erfahrungen mit der Trommel für Taiko no Tatsujin für PlayStation 4 zeigen jedoch, dass diese zum Großteil sehr zuverlässig funktioniert. Man kann also von einer ähnlich hohen Qualität bei der Switch-Trommel ausgehen… jedoch ohne Gewähr!

Musikalische Freu(n)de

Wada Don freut sich schon auf eure Bekanntschaft!

Die vier Schwierigkeitsgrade könnt ihr noch zusätzlich einfacher oder schwieriger gestalten, indem ihr dafür passende Charaktere zum Spielen auswählt. Manche Charaktere haben keinen Zusatzeffekt, manche erleichtern das Timing, helfen mit Boosts bei einem Trommelwirbel und manche erschweren euch das Spielen mit beispielsweise kniffligerem Timing. In Kombination mit den unterschiedlichen Steuerungsmöglichkeiten, die wie oben beschrieben ihre eigenen Tücken oder Vorteile haben, lässt sich für wirklich jeden ein angepasster Schwierigkeitsgrad finden, der nicht über-, aber auch nicht unterfordert. Wenn man Rhythmusspiele und japanische Kultur mag, ist somit Spaß vorprogrammiert.

Die Auswahl der Songs ist groß und relativ abwechslungsreich. Von japanischen Pop-Songs (z. B. Radwimps – Zenzenzen) über Anime-Lieder (z. B. Neon Genesis Evangelion – A Cruel Angel’s Thesis), Videospielmusik (Super Mario Odyssey – Jump Up, Super Star!) und klassische Lieder (Wolfgang Amadeus Mozart – Eine kleine Nachtmusik) kommen auch ein paar außergewöhnliche Lieder vor: Ein Lied über YouTube, das ABC-Lied zum Lernen des Alphabets und einige Lieder, die wie Hatsune Miku auf LSD klingen.

Ist man eher Fan von Rock, Metal oder Country, dann wird man hier nicht fündig werden. Im Vergleich zu Taiko no Tatsujin: Drum Session!, welches für PlayStation 4 erhältlich ist, ist die Auswahl der Lieder unterschiedlich genug, sodass sich nicht allzu viel wiederholt. Die anfängliche Liederauswahl wird im Spielverlauf noch um weitere Songs ergänzt. So erhält man neue Lieder nach einer bestimmten Anzahl an gespielten Trommeleinlagen oder Party-Spielen, über die wir im nächsten Abschnitt reden werden.

Von jedem Lied bekommt man meist nur eine gekürzte Version zu hören, die dann in einem Fadeout endet. Mir ist aufgefallen, dass es manchmal nicht das originale Lied ist, sondern nur ein Cover davon. Eventuell gab es hier Copyright-Probleme. Kennt man die Original-Songs, dann fallen einem die Cover-Versionen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf, aber groß gestört hat es mich nicht.

Knallbunter Spaß für bis zu vier Spieler

Eines der zahllosen, süßen Minispiele.

Optisch präsentiert sich Taiko no Tatsujin knallbunt, ohne dabei zu sehr zu stören. Einzig und allein in Momenten, wenn ziemlich viel blinkt, umherspringt und die Noten nur so durch das Bild rasen, macht sich eine schnelle Ermüdung der Augen bemerkbar. Die Charaktere sind sehr sympathisch gestaltet, seien es Trommeln, Hunde, Würmchen, Drum-Sticks oder undefinierbare Wesen mit Fuchsmasken. Je besser man spielt, desto mehr Charaktere kommen während des Songs dazu und feuern euch an, tanzen und feiern eine Party zu euren Drum-Beats.

Zusätzlich zum normalen Modus, in dem ihr euch einzelne Lieder aussucht und entweder alleine oder mit einem Freund spielt, gibt es auch noch zahlreiche, sehr abwechslungsreiche Mini-Spiele für einen bis vier Spieler. Sushibestellung, Fischfang, Mochi-Brei-Stampfen oder Fahnenschwingen – in diesen und weiteren Minispielen könnt ihr entweder alleine gegen den Computer oder gegen eure Freunde antreten und werdet bestens unterhalten. Für jedes Minispiel gibt es einen Experten-Modus, der noch einmal eure Trommel-Fähigkeiten auf die Probe stellt.

Es ist immer wieder witzig zu sehen, in welche neuen Verkleidungen sich eure Trommel in den einzelnen Minispielen wirft. Aber auch hier gilt, dass die Steuerung mit den Joy-Con mehr oder minder unspielbar ist und nur Frust erzeugt. Ein lokaler Modus zwischen mehreren Switch-Konsolen rundet das Geschehen ab, leider fehlt ein Online-Modus. Dafür habt ihr die Möglichkeit, neue Lieder für das Spiel im Nintendo eShop für mindestens 1 Euro pro Lied zu kaufen, das funktioniert einwandfrei (zumindest kommt man problemlos in den eShop. Ich habe kein einziges neues Lied gekauft). Mit vier Joy-Con ist Drum ’n‘ Fun damit sicher eines: ein zukünftiger Party-Klassiker.

Trommelwirbel! Das Fazit!

»Taiko no Tatsujin macht sehr viel Laune und ist sicher ein Hit, wenn man es mit Freunden spielt. Diese Freunde müssen auch eine gewisse Vorliebe für (oder zumindest keine gewaltig große Abneigung gegen) japanische Kultur haben, denn davon ist Drum ’n‘ Fun proppenvoll.

Die Joy-Con-Bewegungssteuerung ist gut, aber nicht konstant gut genug. Die Lieder werden euch sicher ein Lächeln auf die Lippen zaubern und der Party-Modus ist mit sehr abwechslungsreichen Szenarien und Party-Spielen einfach nur klasse. Taiko no Tatsujin: Drum ’n‘ Fun ist das perfekte Spiel, um sorgenfrei einfach nur Spaß zu haben.«

 

Der böse Trommel-Overlord versucht die- Spaß, es gibt keine Story. Das ist ein Rhythmusspiel. Badabum!
Sehr spaßiges Trommel-Spiel mit großer Liedauswahl und Laune machendem Party-Modus.
Knallbunt, fröhlich, manchmal zu viele blinkende Objekte.
Gute Auswahl japanischer Lieder aus Pop, Anime, Videospielen usw., die jedoch nicht immer Originalversionen sind.
Bewegungssteuerung der Joy-Con zwiespältig, Charaktere bieten euch Boni oder Malusse beim Spielen, potentieller Party-Knaller.