Im Test! Fist of the North Star: Lost Paradise

In einer Welt, die nach dem großen Krieg nichts weiter als eine unwirtliche Wüste aus Gewalt und Leid ist, sucht ihr eure Verlobte Yuria.
Titel Fist of the North Star: Lost Paradise
Japan 8. März 2018
Sega
Nordamerika 2. Oktober 2018
Sega
Europa 2. Oktober 2018
Sega
System PS4
Getestet für PS4
Entwickler Yakuza Studios/ Sega
Genres Action
Texte
Nordamerika 
Vertonung Nordamerika Japan

Einigen dürfte Fist of the North Star mehr als nur ein Begriff sein. Fist of the North Star stammt aus der Feder von Okamura Yoshiyuki und wurde seinerzeit zuerst als Manga veröffentlicht. Zahlreiche Adaptionen in Form von Animes und Fortsetzungsgeschichten erschienen und erzählten die Geschichte von Kenshiro. Auch im Segment der Videospiele ist Kenshiro nicht erst seit heute bekannt, gab es doch bereits auch hier seit den achtziger Jahren einiges an Umsetzungen, die hauptsächlich im Land der aufgehenden Sonne, selten auch in den USA erschienen sind. Mit Fist of the North Star: Lost Paradise nimmt sich nun Sega der Serie an, garniert das Ganze mit Elementen aus Yakuza und setzt so seinen eigenen Stempel rund um die Legende des Kenshiro. Ob der Mix aus Yakuza und Fist of the North Star funktioniert, erfahrt ihr in unserem Test.

Wo ist Yuria?

In einer Welt, die nach dem großen Krieg nichts weiter als eine unwirtliche Wüste aus Gewalt und Leid ist, sucht ihr als Kenshiro, dem Nachfolger des Hokuto-Shinken-Kampfstils, eure Verlobte Yuria. Eines Tages trefft ihr auf Shin, euren alten Trainingspartner und ehemaligen Freund. Er, der Yuria für sich in Anspruch nahm und euch schwer verletzt zurückließ, liegt nun, nach einem erbitterten Kampf, selbst sterbend am Boden.

Doch von Yuria fehlt weiterhin jede Spur. Ziellos wandert ihr durch die Wüste von Stadt zu Stadt. In einem solchen Kleinod der Zivilisation erfahrt ihr zufällig durch einen Greis, dass eure Geliebte sich in Eden befinden soll, einer der letzten Bastionen zivilisierten Lebens. Mit dem Ziel vor Augen, Yuria wieder in die Arme zu schließen, macht ihr euch auf den Weg nach Eden.

Eden, Dreh- und Angelpunkt

Fist of the North Star: Lost ParadiseDie Geschichte rund um Kenshiro und seine Verlobte spielt sich hauptsächlich in der Stadt Eden und deren kargem Umland ab. Wie man es bereits aus der Yakuza-Reihe kennt, ist die Geschichte in mehrere Kapitel unterteilt. Hauptsächlich seid ihr damit beschäftigt, die Stadt vor einfallenden Armeen zu schützen, während ihr gleichzeitig Hinweise verfolgt, die euch auf die richtige Fährte zu Yuria führen sollen.

Die Geschichte ist nicht unbedingt das, was man unvorhersehbar nennt, aber sie hat doch den ein oder anderen netten Twist. Zwischen der Action ist die Geschichte eher schleppend und dafür, dass Sega sich weitläufig von der hauseigenen Yakuza-Marke hat inspirieren lassen, kommt Fist of the North Star nicht an deren Dramatik heran.

Wer die Serie kennt, wird neben neuen Charakteren auch alte Bekannte treffen. So trifft man den kleinen Bat wieder, der sich um eure Karre kümmert, oder Toki, euren alten Kampfbruder, von welchem ihr neue Techniken erlernen könnt. Leider sind die meisten alten Charaktere nur reine Nebensache und tauchen kaum in der Hauptgeschichte auf. Für Fans der Serie ist das recht schade, jene, die bisher nicht mit der Reihe in Kontakt gekommen sind, werden dahingehend kaum überfordert. Mit Fist of the North Star: Lost Paradise erwartet euch eine eher solide Geschichte mit dem ein oder anderen Momentum, der Wiederkehr alter Bekannter, die leider etwas zu seicht in die Geschichte eingebunden worden sind, und viel drum herum.

Yakuza oder doch Fist of the North Star?

Verfolgt ihr gerade nicht die Geschichte, könnt ihr so einiges in der kargen Welt von Fist of the North Star: Lost Paradise entdecken. So erwarten euch zahlreiche Subquests, über die man, mehr oder weniger, während des Schlenderns durch Eden oder beim Durchstreifen der Wüste stolpert. Auch hier ließ man sich nicht lumpen und griff auf die altbewährte Yakuza-Formel zurück und passte diese an das Universum von Fist of the North Star an. Einiges davon ist zum Schreien komisch, anderes wiederum etwas dramatischer und wieder anderes fühlt sich eher etwas langweilig an. Will man sich alles anschauen, ist man einige Zeit lang beschäftigt, denn satte 80 Subquests warten darauf, entdeckt zu werden.

Space Harrier oder Punks in den Zenit schießen?

»Sega hat sich bemüht, die Gewaltorgien, für die Fist of the North Star bekannt ist, im Spiel umzusetzen und dies gelingt ihnen erstaunlich gut, auch wenn man sich mit der Gewalt sogar etwas zurückhält.«

Neben Subquests erwarten euch auch viele verschiedene und leider auch teilweise recht bekannte Minispiele in der Welt von Fist of the North Star: Lost Paradise. So kann sich Kenshiro als Cocktailmixer beweisen oder in der Wüste mit Motorrädern Baseball spielen. Das klassische Casino lässt sich ebenso wie ein Hostessen-Minigame im Spiel wiederfinden und irgendwie hat Sega es geschafft, seine Arcadehalle nebst Greifarm-Spiel auch in Eden aufzubauen.

Viele der Minispiele sind gut in das Universum eingefügt, aber manche Sachen fühlen sich an, als ob sie auf Biegen und Brechen in das Spiel mit eingefügt werden mussten. Keines der Spiele ist dabei schlecht und selbst im Wasteland bedient man gerne als Manager seine Gäste, ein Weglassen mancher Elemente wäre aber vermutlich auch nicht schlimm gewesen, weil man diese nicht erwartet hätte.

Viele der Spiele sind dabei mehr oder weniger reine Quicktime-Events oder Button-Mash-Ereignisse. Gerade beim Cocktailmixen kommt man bei höheren Schwierigkeitsstufen ordentlich ins Schwitzen. Während ihr innerhalb von Eden eurer Glücksspiel- und Alkoholsucht frönt oder Stadtbewohnern das Leben etwas leichter macht, sammelt ihr außerhalb der Stadt Gegenstände für euer Fahrzeug, bestreitet Rennen, absolviert Schatzsuchen oder poliert Banditen ordentlich das Gesicht.

Griffe, Tritte, harte Schläge!

Fist of the North Star: Lost ParadiseWomit wir auch zu einer der Stärken von Yak… Fist of the North Star: Lost Paradise kommen, dem Kampfsystem. Fist of the North Star ist in seiner ursprünglichen Form, sprich dem Manga und Anime, eine Orgie der Gewalt. Explodierende Körper, zerfließendes Gewebe und gewaltige Blutfontänen sind bekannte Markenzeichen.

Sega hat sich bemüht, diese Gewaltorgie im Spiel umzusetzen und dies gelingt ihnen erstaunlich gut, auch wenn man sich mit der Gewalt sogar etwas zurückhält. In der Person von Kenshiro prügelt ihr euch durch kleine bis große Gruppen von Banditen. Mit markigen Finishern lasst ihr das Blut nur so spritzen, die Gewalt wirkt dabei nicht aufgesetzt. Inwieweit das Blut aus den Hälsen eurer Kontrahenten strömen soll, kann über eine simple Einstellung angepasst werden.

Der Übergang zwischen Kampf und dem Alltagsgeschäft wird durch eine kleine Sequenz eingeleitet und endet mit einem Ranking. Die Kämpfe fühlen sich wuchtig und brachial an. Finisher werden eingesetzt, nachdem ihr eurem Gegner ordentlich die Hucke vollgehauen habt. In einem kleinen Quicktime-Event absolviert ihr die Moves. Die Art der vorher angesetzten Kombo entscheidet über die Art des Fatality-Finishers. Weitere Finisher können über einen Fähigkeitenbaum oder durch Training erlernt werden. Auch andere Statuswerte wie HP, Angriffskraft oder Länge des Burst-Modus können im Fähigkeitenbaum verbessert werden. Bei Letzterem handelt es sich um einen Machtmodus, in welchem ihr euch für kurze Zeit in eine Aura der Macht einhüllt und so für beschränkte Zeit noch härter austeilen könnt.

Hart, aber fair

Der Ausbau der Fähigkeiten ist auch bitter nötig, denn bereits auf normaler Schwierigkeit können die Gegner zum Ende hin recht gefährlich werden – nicht unbedingt aufgrund ihrer KI, aber durch ihre Masse. Gerade wenn Gruppen mit mehr als zehn Gegnern vor euch stehen, kann das Gemetzel etwas undurchsichtig werden. Hier muss man sich bei der Kamera bedanken, die nicht immer günstig ausgerichtet ist. Bosskämpfe sind hingegen recht fordernd und verlangen einiges an Taktik. Geradliniges Draufhauen funktioniert nur selten oder führt dazu, dass sich die Bosskämpfe in die Länge ziehen.

Auch herkömmliche Kämpfe können sich ziehen. Einerseits liegt das an den Ladezeiten vor und nach jedem Kampf, aber auch Mechaniken im Kampf selbst können zu längeren Kämpfen gegen Schergen führen. Die Finisher sind so ein zweischneidiges Schwert. Sie sehen zwar markig aus, teilen enormen Schaden aus, brauchen aber auch ihre Zeit und können nicht beschleunigt werden. Heißt: Habt ihr einmal einen Finisher angesetzt, müsst ihr euch das Ganze auch bis zum Ende anschauen. Anfangs schaut man da gerne zu, kann sich gar nicht sattsehen, aber gerade im späteren Verlauf wünscht man sich eine Funktion zum Beschleunigen. Irgendwann ist man einfach übersättigt. Es gibt zwar zahlreiche Moves, um die Gegner auszuschalten, die Abschlussangriffe sind aber die effektivste Methode.

Schön, aber zu wenig Variation

Grafisch bewegt sich der Titel auch mehr im Bereich grundsolide. Eden ist schön ausstaffiert. Bruchbude reiht sich an Bruchbude. Überragt wird das Ganze von der riesigen Glaskuppel, die hinter der eigentlichen Stadt thront und über das trostlose Elend wacht. Nachts wirkt es durch die Neonlichter nicht ganz so gewollt trostlos wie am Tag. Die Cel-Shading-Grafik passt gut in das Konzept des Titels hinein, könnte an manchen Stellen aber noch etwas schöner wirken.

Abseits der Stadt erwarten euch dann endlose Wüsten mit den Überbleibseln aus der Zeit vor dem großen Krieg. Die Figuren sind passend dem Anime nachempfunden und bieten den typischen Wiedererkennungswert, nur bewegen sie sich allerdings etwas schlaksig bzw. hölzern. Das wirkt stellenweise etwas komisch. Abseits der Bosse erwarten einen etwas mehr als eine Handvoll verschiedener Archetypen als Gegner, die sich in Farbe und Größe unterscheiden. Hier hätte man vielleicht etwas mehr bieten können als die immer gleichen Visagen.

Harte Sounds in einer trostlosen Welt des Todes

Der Soundtrack zu Fist of the North Star: Lost Paradise überzeugt hingegen zu großen Teilen. Gerade Titel wie “Receive you” bleiben einem auch nach dem Spielen im Gedächtnis. Generell wird ein Mix aus rockigen und elektronischen Stücken geboten. Kleinere Fanservice-Stücke wie das “Monkey Ball”-Theme kann man sich unterdessen im Autoradio anhören. Etwas aus dem Rahmen springen allerdings dann einige Interpretationen wie „Ode to Joy“, die etwas deplatziert wirken, auch wenn man diese Lieder eher im Bereich der Minispiele findet. Was musikalisch gut beginnt, wird weiter mit einem guten Cast fortgeführt. Es sind einige bekannte Stimmen aus der Yakuza-Reihe zu hören. So leiht unter anderem der Synchronsprecher von Kazuma Kiryu (dem Drachen von Dojima) Kenshiro seine Stimme, aber auch andere bekannte Stimmen wissen zu überzeugen, mehr als manche Animation der Figuren zumindest.

Fist of the North Star: Lost Paradise – Unterm Strich

»Was bekommt man nun mit Fist of the North Star: Lost Paradise? Man erhält einen Brawler, mit dem man sich in eine wahre Blutorgie boxen kann. Den Spieler erwartet eine grundsolide Geschichte mit wenig Ausschmückungen, die nicht ganz so übertrieben ist, wie man es von den Yakuza-Machern inzwischen gewohnt ist. Abseits der Story gibt es wieder viele Nebenmissionen und Minispiele zu entdecken. Einige passen besser, andere schlechter in die Welt von Fist of the North Star. Wer bereits Yakuza-Titel absolviert hat, wird sich relativ schnell zuhause fühlen und viele Elemente aus Segas Hauptreihe auch in Fist of the North Star wiederfinden. Samt hakeliger Kamera, die in Kämpfen gerne mal ordentlich behindern kann. Ich wurde zu großen Teilen gut unterhalten, wobei ich zugeben muss, dass der Titel auch ein paar Längen hat. Wer Fan von Yakuza und Fist of The North Star ist, kann aber durchaus einen Blick riskieren.«

 

Solide Geschichte über die Suche nach der verschwundenen Verlobten.
Actiongeladener Brawler mit Suchtpotential und viel Blut.
Solide Animegrafik, die stellenweise Feinschliff benötigt, dafür aber butterweich über den Bildschirm läuft.
Einprägsamer Soundtrack zwischen Rock und elektronischen Stücken.
Dual Audio, New Game Plus und jede Menge Minispiele erwarten den Spieler.