Im Test! Castlevania Requiem

Konami lädt zum Leichenschmaus ein und gedenkt einer großen Videospielreihe mit zwei einfachen Ports von Rondo of Blood und Symphony of the Night.
Titel Castlevania Requiem
Japan 26. Oktober 2018
Konami
Nordamerika 26. Oktober 2018
Konami
Europa 26. Oktober 2018
Konami
System PlayStation 4 (PSN)
Getestet für PlayStation 4
Entwickler Konami
Genres Platform-Adventure / Action-RPG
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Bildmaterial: Castlevania Requiem, Konami

Castlevania ist einer dieser Namen, der Konsolenspielern aus fast jeder Generation in irgendeiner Weise ein Begriff sein wird. Damals eins der Flaggschiffe vom japanischen Top-Entwicklerstudio Konami, heute eigentlich nur noch ein Schatten seiner selbst. Neben vielen anderen beliebten Spielereihen ließ Konami auch die Castlevania-Reihe mit den Jahren kläglich verenden.

Die Anfänge der Serie waren hingegen äußerst prägend für die jeweilige Spielergeneration. Mit Castlevania für das Famicom Disk System und später auch international für NES feierte man damals das erste Abenteuer von Vampirjäger Simon Belmont. Ein Action-Sidescroller mit einem Monsterrepertoire aus Mythen und vor allem aus klassischen Horrorfilmen. Castlevania wurde durchweg gut von der Spielerschaft aufgenommen und für NES folgten noch zwei weitere Titel.

Ein neues Zeitalter

Bis auf ein paar wenige Ausnahmen blieb man der gewohnten Formel treu. Mit recht linearem Aufbau ging es darum, möglichst bald in Draculas Schloss vorzudringen und den Fürst der Finsternis immer und immer wieder eins mit der Peitsche überzubraten. Mit dem Erscheinen von PlayStation sollte sich dies aber ändern. Castlevania: Symphony of the Night ist bis heute einer der einflussreichsten Titel der Serie und diesen Ruhm hat man nicht nur den Anfängen von Castlevania zu verdanken, sondern auch einem weiteren Nintendo-Titel.

Für Symphony of the Night orientierte man sich nämlich am Aufbau von Metroid-Spielen. Wege von A nach B gehörten der Vergangenheit an, von nun an ging es um das Erkunden eines riesigen Areals, welches das Wiederaufsuchen bekannter Orte unabdingbar machte. Der Szenebegriff „Metroidvania“ war geboren und ist heutzutage genauso bekannt wie die Begriffe „Souls-like“ oder „Rogue-like“, die leider gerne viel zu inflationär genutzt werden.

Während man bei Nintendo derweil seinen eigenen, nicht ganz so erfolgreichen Weg ging, folgten immer mehr dieser „Metroidvania“-Castlevania-Ableger. Zu guter Letzt versuchte man der etwas eingeschlafenen Serie eine Neuauflage mit Castlevania: Lords of Shadow für PlayStation 3 zu verpassen, doch das langsame Ableben eines Klassikers konnte letztendlich nicht mehr verhindert werden. Mit verschiedenen Pachinko-Maschinen setzte Konami selbst dann noch den letzten Nagel in den modrigen Sarg von Castlevania.

Da man den Toten gedenken sollte, liefert Konami mit Castlevania Requiem die passende Komposition für das Totengedenken. Castlevania Requiem beinhaltet die Spiele Castlevania: Rondo of Blood sowie Castlevania: Symphony of the Night. Keine Neuauflagen, keine Anpassungen – ein reiner Port der Kollektion Castlevania: Dracula X Chronicles für PSP sollte es sein. Nichtsdestotrotz sind beide Spiele selbst heute durchaus noch spielenswert, also lohnt es sich, vielleicht einmal einen Blick darauf zu werfen.

Eine Runde Blut

»Gameplay-technisch orientiert sich Castlevania: Rondo of Blood noch stark an der klassischen Castlevania-Formel.«

Castlevania: Rondo of Blood ist der direkte Vorgänger zu dem im Westen recht bekannten “Symphony of the Night”. Lange Zeit blieb dieser Teil den westlichen Spielern verwehrt, erschien das Spiel nämlich ursprünglich für PC Engine beziehungsweise Turbografx 16, wie das Gerät in den Vereinigten Staaten hieß. Zwar wurde ein Spiel mit ähnlichem Stil wie Rondo of Blood unter dem Namen Vampire’s Kiss in Europa veröffentlicht, allerdings fehlten hier einige Inhalte und stellenweise gab es andere Gegner. Das Originalspiel bekamen wir erst mit der PSP-Kollektion, auf der auch Castlevania Requiem basiert, zu Gesicht.

Gameplay-technisch orientiert sich Castlevania: Rondo of Blood noch stark an der klassischen Castlevania-Formel. Durch verschiedene Level-Abschnitte geht es schnurstracks in Richtung Schloss, allerdings bringen versteckte Passagen alternative Level zum Vorschein. Obendrein legt man ein wenig mehr Fokus auf die Geschichte, welcher einem schon beim animierten Intro auffällt.

Rondo of Blood bietet zudem noch die Möglichkeit, vier verschleppte Frauen zu befreien, wovon sich eine sogar dem Vampirjäger mit dem markigen Namen Richter anschließt. Voraussetzung für das Befreien der Damen in Not sind versteckte Schlüssel und überhaupt erst einmal das Auffinden der Zellen, welches akribisches Suchen unabdingbar macht.

Mitunter beendet man das Spiel, ohne überhaupt jemals einen Schlüssel geschweige denn ein Verlies gefunden zu haben, was Castlevania: Rondo of Blood durchaus viel Wiederspielwert verleiht. Der Spielfortschritt lässt sich nach dem Ableben speichern und beim Neustarten des Spiels lässt sich sogar eines der freigespielten Level als Startpunkt festlegen, um gegebenenfalls andere Wege oder Geheimnisse zu finden. Auch wenn Richter Belmont die bekannte Peitsche als Hauptwaffe bevorzugt, kann man auch, wie in den Teilen zuvor, Sekundärwaffen finden, die Herzen verbrauchen. Der Rückwärtssalto ist das einzige Novum, betrachtet man die bloße Steuerung.

Die Version für Castlevania Requiem ist hier ein einfacher Port aus der Kollektion für PlayStation Portable, jedoch war diese Variante dort nur durch vorheriges Freischalten spielbar. Rondo of Blood hatte damals in der PSP-Version nämlich ein 2,5D-Remake erhalten.

Symphonie der Nacht

»Symphony of the Night knüpft am Ende von Rondo of Blood an, hat aber Draculas Sohn Alucard als Hauptprotagonisten.«

Castlevania: Symphony of the Night ist der direkte Nachfolger zu Rondo of Blood. Zu Beginn des Spiels spielt man daher das Ende von Rondo of Blood mit Richter Belmont. Symphony of the Night knüpft dort an, hat aber Draculas Sohn Alucard als Hauptprotagonisten. Dieser kämpft serienuntypisch mit einem Schwert und das ganze Spiel ist ein großes Level im Stil eines Metroid-Spiels. Wem Metroid kein Begriff ist: hier erkundet man Orte wiederholt, um versteckte Wege zu finden – manchmal braucht man auch besondere Fähigkeiten oder Gegenstände dafür, die man erst im späteren Spielverlauf erhält.

Wie bereits erwähnt setzt Castlevania: Symphony of the Night von da an den Maßstab für fast jeden weiteren Teil der Reihe. Der klassische lineare Stil gehörte der Vergangenheit an. Zu dem neuen Leveldesign gesellte sich noch ein neues Leveling-System hinzu. Alucard erhält wie in einem RPG nun Erfahrungspunkte und steigt dementsprechend im Level auf. Ebenfalls gibt es verschiedene Ausrüstungsgegenstände, die Statuswerte verstärken.

Castlevania Requiem beinhaltet auch hier lediglich einen Port der freischaltbaren Version von Symphony of the Night aus Dracula X Chronicles für PlayStation Portable. Eine der größten Anpassungen hier war eine komplett neue Synchronisation, welche, zum Leid vieler Fans des Originals, Draculas ikonischen Monolog zu Beginn des Spiels mit neuen Worten versehen hatte.

Grafisch behält man auch auf PlayStation 4 unverändert die Darstellung bei. Verpixelte und schwammige Texte gerade beim Game-Over-Bildschirm und dem Hauptmenü zeigen hier deutlich, dass man sich möglichst wenig Mühe gemacht hat.

Castlevania Requiem

Castlevania Requiem

What is a man?

»Selbst Extrainhalte sucht man in Castlevania Requiem vergebens.«

Aber nicht nur grafisch hätte man für eine weitere Sammlung durchaus ein bisschen mehr machen können. Gerade der angesprochene Game-Over-Bildschirm ist wohl das größte Manko von Castlevania: Symphony of the Night überhaupt.

Stirbt man, so landet man zunächst in dem hässlichen Screen, lässt sich auslachen und gelangt wieder in das Hauptmenü. Hier klickt man sich durch die Menüs, wählt den Speicherstand aus und gelangt nach einer gewissen Ladezeit endlich wieder ins Spiel. Potential für kleinere Verbesserungen wäre also genug da gewesen, doch das wäre wohl einfach zu viel des Guten gewesen.

Zu einer besseren Reputation verhilft Castlevania Requiem mit seinen faul portierten Titeln Konami demnach nicht, aber vielleicht spült es ja den ein oder anderen Euro in die Kassen. Für rund 20 Euro ist das aber noch nicht einmal ein gutes Angebot, selbst wenn die Spiele durchaus zu den Besten der Serie gehören. Obendrein erschien Castlevania Requiem exklusiv für PlayStation 4, was bei dem geringen Aufwand zusätzlich Stirnrunzeln verursacht.

Selbst Extrainhalte sucht man in Castlevania Requiem vergebens. Über den Startbildschirm der Kollektion findet man in den Einstellungen lediglich ein paar Möglichkeiten, die Darstellung des Spiels mit zusätzlicher „Verpixelung“, Bildschirmrauschen oder 4:3-Auflösung noch schlechter zu machen, als sie schon ist. Mit Sicherheit werden das einige Spieler als nettes Extra sehen, jedoch wäre eine Anpassung an die heutigen grafischen Möglichkeiten durchaus wünschenswerter gewesen.

Für beide Spiele kann man zudem noch die gesprochene Sprache auswählen. Englisch und Japanisch stehen hier zur Auswahl. Witzigerweise ist das Intro von Castlevania: Rondo of Blood immer in deutscher Sprache.

A miserable pile of ports

»Konami konnte keinen passenderen Namen für diese Kollektion finden. Castlevania Requiem dient allein dem Gedenken der Toten. Keinerlei nennenswerte Anpassungen oder Extras, Exklusivität für PlayStation 4 und mit 20 Euro ein nicht besonders attraktiver Preis. Diese Dinge machen einem das Ganze nicht besonders schmackhaft.

Man kann sich nur ausmalen, wie viel Freude es Fans der Serie gemacht hätte, wenn man einen sauber angepassten Port mit den ein oder anderen Extras von zwei der beliebtesten Castlevania-Spielen geboten bekommen hätte. Obendrein wäre es einfach nur großartig gewesen, wenn man die wenigen Mankos der Originalspiele mit einfachsten Mitteln ausgemerzt hätte.

Mit den kleinsten Mitteln hätte man selbst mit den bekannten Spielen sicherlich einen guten Schub in puncto Beliebtheit in der Spielergemeinschaft erhalten, aber ob man sich darüber überhaupt Gedanken gemacht hat, bleibt fragwürdig.

Auch wenn das Castlevania-Franchise mit der neuen Netflix-Serie durchaus wieder mehr Bekanntheit erlangt, werden wir wohl kaum noch einen neuen guten Teil der Spielereihe zu Gesicht bekommen.

Requiem aeternam dona eis, Domine

 

Der Fürst der Finsternis terrorisiert die Menschheit. Simpel und atmosphärisch schön. Beide Spiele brachten damals mehr Tiefe in die Castlevania-Reihe.
Knackiger Action-Sidescroller und weitläufiges Action-Spiel mit RPG-Elementen. Beide Spiele bieten einen hohen, aber fairen Schwierigkeitsgrad mit nur wenigen Schnitzern in der Ausführung.
Faule Portierung der PlayStation-Portable-Versionen. Stellenweise ist die Grafik so schlecht, dass man Schriftzüge kaum noch erkennen kann. Pixelige Darstellung und matschige Texturen sind vor allem bei Symphony of the Night häufig.
Unveränderter Soundtrack aus den Originalspielen. Töne und Stimmen leider in sehr billiger Qualität.