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Im Test! Tales of Eternia Remastered hat einen Charme, der auch nach Jahren nicht verblasst

Titel Tales of Eternia Remastered
Japan 16. Oktober 2026
Bandai Namco
Nordamerika 16. Oktober 2026
Bandai Namco
Europa 16. Oktober 2026
Bandai Namco
System PS4, PS5, Switch, Switch 2, Xbox Series, PCs
Getestet für Nintendo Switch
Versionsnummer 1.0.0
Entwickler TOSE
Genres Action-RPG
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Die Tales-of-Reihe gehört längst zu den alteingesessenen Größen des JRPG-Genres. Während andere Rollenspielserien ihre Helden mit immer größeren Schwertern auf immer größere Weltuntergänge loslassen, setzt Tales seit Jahren auf sympathische Charaktere, actionreiche Kämpfe und unterhaltsame Gruppendialoge.

Doch nicht jeder Serienteil steht heute noch gleichermaßen im Rampenlicht. Mit Tales of Eternia Remastered holt Bandai Namco einen Klassiker aus der PlayStation-Ära zurück, der seinerzeit mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Fantasy, Science-Fiction und einer Geschichte rund um zwei verfeindete Welten punkten konnte.

Das Original erschien 2000 in Japan und ein Jahr später im Westen. Nordamerikanische Spieler kennen das Abenteuer möglicherweise unter dem Namen Tales of Destiny II – eine Bezeichnung, die bis heute für Verwirrung sorgt. Mit dem gleichnamigen Serienteil hat Eternia nämlich herzlich wenig zu tun.

Hinter der Namensänderung steckten markenrechtliche Gründe und der Versuch, den Titel für den westlichen Markt besser zu positionieren. Das Ergebnis ist vor allem eines: unnötiges Verwirrungspotenzial für alle, die sich mit der Serienhistorie nicht auskennen.

Ein neuer Hauptteil lässt weiterhin auf sich warten. Stattdessen schickt Bandai Namco mit Eternia einen alten Bekannten zurück ins Rampenlicht. Das von TOSE entwickelte Remaster verspricht eine überarbeitete Präsentation und einige Komfortfunktionen, ohne das Original grundlegend umzubauen. Eine Neuinterpretation sieht anders aus. Hier wird eher der Staub vom alten Abenteuer gepustet, bevor es wieder auf Reisen geht.

Doch reicht eine technische Auffrischung, um den Klassiker auch heute noch glänzen zu lassen? Und sind moderne Quality-of-Life-Funktionen eine willkommene Erleichterung oder nehmen sie uns zu viel von dem ab, was klassische JRPGs einst ausgemacht hat? Finden wir es heraus.

Ein Sprachproblem namens Weltuntergang

Im Mittelpunkt von Tales of Eternia steht Reid Hershel, ein junger Schwertkämpfer, der gemeinsam mit seiner Freundin Farah Oersted ein vergleichsweise beschauliches Leben im Dorf Rasheans führt. Reids Zukunftsplanung scheint sich zunächst auf zwei wesentliche Fragen zu beschränken: Was passiert morgen und wann gibt es etwas zu essen? Viel mehr erwartet der gemütliche Schwertschwinger offenbar nicht vom Leben.

Doch die Dorfidylle findet ein jähes Ende, als Reid und Farah auf die mysteriöse Meredy treffen. Die junge Frau stammt aus einer fremden Welt und spricht eine Sprache, mit der ihre neuen Bekanntschaften zunächst herzlich wenig anfangen können. Bevor also das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht, muss erst einmal geklärt werden, was der Neuankömmling überhaupt zu sagen hat.

Was als ungewöhnliche Begegnung beginnt, entwickelt sich zu einem Abenteuer, das die Gruppe weit über die Grenzen ihrer Heimat hinausführt. Im Mittelpunkt stehen die beiden Welten Inferia und Celestia, deren Bewohner von tief sitzenden Vorurteilen und einer langen Feindschaft geprägt sind. Gleichzeitig droht mit dem sogenannten Great Fall eine Katastrophe, die das Schicksal beider Welten besiegeln könnte. Aus einem zunächst überschaubaren Ausflug wird damit eine Reise, bei der deutlich mehr auf dem Spiel steht als Reids gefüllter Bauch.

Hinter der klassischen JRPG-Kulisse steckt dabei mehr als die übliche Rettung der Welt. Vorurteile, Verständigungsprobleme und der Umgang mit fremden Kulturen ziehen sich durch die Handlung. Gerade Meredys Herkunft liefert einen interessanten Ausgangspunkt, um die Konflikte zwischen den Welten nicht bloß als Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse abzuhaken. Das Spiel macht daraus zwar keine tiefgründige gesellschaftliche Abhandlung, verleiht seiner Geschichte aber einen thematischen Kern, der über den nächsten großen Endgegner hinausgeht.

Die größte Stärke liegt ohnehin in der Gruppendynamik. Die Figuren necken sich, geraten aneinander und ergänzen sich auf eine Weise, die der Reise Persönlichkeit verleiht. Nicht jeder Dialog sitzt und manche Entwicklungen lassen sich früh erahnen. Wer eine moderne Charakterstudie mit psychologischer Tiefenschärfe erwartet, sollte seine Ansprüche daher etwas herunterschrauben. Eternia ist ein Kind seiner Zeit. Seine Figuren müssen nicht jede Gefühlsregung in einem langen Monolog erklären, um als Gruppe zu funktionieren. Manchmal reicht es, wenn sich die Truppe ordentlich in die Haare bekommt und danach trotzdem gemeinsam weiterzieht.

Schlag 1, 2, 3 Artes hinterher!

Das Herzstück von Tales of Eternia bildet das Aggressive Linear Motion Battle System, kurz A-LMBS. Gekämpft wird auf einer zweidimensionalen Ebene, auf der wir einen Charakter direkt steuern. Normale Angriffe, Spezialtechniken – die sogenannten Artes – und magische Fähigkeiten lassen sich miteinander kombinieren, während die übrigen Gruppenmitglieder eigenständig ins Geschehen eingreifen.

Das System ist schnell erklärt, verlangt auf Dauer aber mehr als stumpfes Knöpfchendrücken. Gerade in längeren Gefechten kommt es darauf an, die Fähigkeiten der Gruppe zu verstehen und die eigenen Ressourcen im Blick zu behalten. Die meisten Artes erlernt man durch wiederholte Nutzung, während Zauber über die großen Craymel-Geister verfügbar gemacht werden, denen wir im Laufe des Abenteuers begegnen. Auch die Ausrüstung sollte nicht zur Nebensache verkommen: Statusveränderungen und Elementschwächen können den Unterschied machen, wenn man sich nicht ausschließlich auf höhere Level und beherztes Button-Mashing verlassen möchte.

Das Kampfsystem verlangt allerdings auch ein wenig Geduld. Die Bewegungsfreiheit wirkt im Vergleich zu modernen Action-RPGs eingeschränkt und wer dynamische Ausweichmanöver oder ausgefeilte Kombosysteme gewohnt ist, dürfte die Kämpfe zunächst als steif empfinden. Sobald man sich jedoch auf den Rhythmus der Gefechte einlässt und die Fähigkeiten der Gruppe sinnvoll kombiniert, entfaltet das System seinen Reiz. Es ist nicht besonders flexibel, aber auch längst nicht so simpel, wie sein Alter zunächst vermuten lässt.

Am grundlegenden Kampfsystem ändert das Remaster nichts. Stattdessen gibt es eine Reihe von Komfortfunktionen, mit denen sich das Abenteuer an die eigenen Vorlieben anpassen lässt. Über verschiedene Boost-Optionen können wir unter anderem den Erhalt von Erfahrungspunkten und die Häufigkeit von Begegnungen beeinflussen.

Wer keine Lust mehr auf die nächste Zufallsbegegnung hat, darf Kämpfe bei Bedarf sogar vollständig deaktivieren. Ein Hochgeschwindigkeitsmodus für automatische Gefechte beschleunigt wiederkehrende Auseinandersetzungen, während Battle Retry und Quick Recovery dafür sorgen, dass Niederlagen weniger frustrierend ausfallen.

Das ist praktisch, nimmt dem Abenteuer aber auch einen Teil seiner ursprünglichen Reibung. Wer sich durch jede Begegnung kämpfen möchte, kann das weiterhin tun. Wer dagegen nur noch schnell zum nächsten Handlungspunkt will, muss sich nicht länger an jedem zufälligen Gegner aufhalten. Das Remaster zwingt niemanden dazu, das Spiel leichter zu machen. Es erspart einem lediglich die Diskussion mit dem eigenen Geduldsfaden.

Verlaufen ausdrücklich erwünscht

Abseits der Kämpfe setzt Tales of Eternia Remastered auf klassische JRPG-Erkundung. Städte, Dungeons und abgelegene Winkel laden dazu ein, nicht einfach nur dem nächsten Handlungspunkt hinterherzulaufen, sondern sich auch einmal umzusehen.

Das klingt selbstverständlich, ist heutzutage aber längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Viele moderne Rollenspiele markieren jeden relevanten Gegenstand, zeigen den nächsten Gesprächspartner auf der Karte und führen uns mit einer digitalen Leine zum Ziel. Eternia stammt aus einer Zeit, in der man gelegentlich tatsächlich selbst herausfinden musste, wohin die Reise führt.

Das bedeutet nicht, dass hinter jeder Ecke eine Offenbarung wartet. Optionale Inhalte wie zusätzliche Titel für die Helden, Rezepte und andere Entdeckungen sorgen aber dafür, dass sich ein genauerer Blick in die Spielwelt lohnen kann. Nicht jede Nebenaktivität ist gleichermaßen spannend und manche Sucherei zieht sich länger als nötig.

Trotzdem fühlt es sich angenehm an, nicht ständig gesagt zu bekommen, wohin man als Nächstes laufen soll. Ein Dungeon darf hier noch ein Ort sein, den man erkundet, statt bloß ein hübsch dekorierter Korridor zwischen zwei Zwischensequenzen.

Genau an dieser Stelle kommen die neuen Quality-of-Life-Funktionen ins Spiel. Tales of Eternia Remastered bietet zusätzliche Marker, die bei der Orientierung helfen und wichtige Ziele leichter auffindbar machen. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man nach einer längeren Pause zurückkehrt und nicht mehr genau weiß, welcher NPC eigentlich den nächsten Handlungsschritt auslöst.

Die entscheidende Frage ist allerdings, wie viel Führung man überhaupt möchte. Marker können verhindern, dass man ziellos durch bereits besuchte Gebiete irrt. Gleichzeitig nehmen sie einem einen Teil der Eigenständigkeit, die den Reiz klassischer JRPGs ausmacht. Glücklicherweise lassen sich die Hilfen vollständig deaktivieren. Das ist für mich die sinnvollste Lösung: Wer eine bequemere Reise bevorzugt, bekommt sie. Wer lieber selbst auf Spurensuche geht, kann die digitalen Wegweiser einfach abschalten.

So bleibt das Remaster zugänglich, ohne seine ursprüngliche Struktur über Bord zu werfen. Und ganz ehrlich: Sich in einem Spiel auch einmal zu verlaufen, ist nicht automatisch ein Designfehler. Manchmal gehört es schlicht zum Abenteuer.

Frisch poliert, aber noch dasselbe Gesicht

Grafisch bleibt Tales of Eternia Remastered seinen Wurzeln treu. Die farbenfrohen Umgebungen, die zweidimensionalen Charakter-Sprites und die liebevoll gestalteten Hintergründe versprühen den Charme eines JRPGs aus der PlayStation-Ära. Statt die Figuren mit modernen Polygonmodellen neu aufzulegen, bewahrt das Remaster die ursprüngliche Bildsprache und frischt die Darstellung behutsam auf.

Wer allerdings hofft, dass der Klassiker nach einer optischen Verjüngungskur kaum wiederzuerkennen ist, sollte die Erwartungen zügeln. Die Überarbeitung beschränkt sich größtenteils auf Kantenglättung und eine bessere Lesbarkeit der Texte. Zwar lässt sich auch die originale Darstellung aktivieren, doch zumindest in meinem Fall waren die Unterschiede nur minimal zu erkennen. Der neue Anstrich ist damit eher eine Frage des Feinschliffs als ein echter Blickfang.

Das ist nicht grundsätzlich schlecht. Der ursprüngliche Grafikstil hat seinen eigenen Charme und nicht jedes Remaster muss ein altes Spiel in eine vermeintlich zeitgemäße Optik pressen. Allerdings stellt sich schon die Frage, wie groß der Mehrwert für diejenigen ausfällt, die das Original bereits kennen und problemlos spielen können. Wer eine deutlich überarbeitete Präsentation erwartet, bekommt hier wenig Anlass zum Staunen. Wer dagegen einfach das bekannte Abenteuer auf einer aktuellen Plattform erleben möchte, dürfte mit der behutsamen Umsetzung gut zurechtkommen.

Akustisch setzt Eternia ebenfalls auf bewährte Stärken. Der Soundtrack begleitet die Reise mit abwechslungsreichen Melodien, die sowohl die heiteren Gruppenmomente als auch die dramatischen Ereignisse passend untermalen. Die Musik gibt den Schauplätzen einen eigenen Charakter und bleibt mit ihren eingängigen Stücken angenehm im Gedächtnis. Sie muss sich nicht ständig in den Vordergrund drängen, um die Atmosphäre zu unterstützen.

Auch die Sprachausgabe verdient eine Erwähnung. Sie gehört zu den markanten Merkmalen der Reihe und verleiht den Dialogen zusätzliche Persönlichkeit. Die überarbeitete Präsentation fällt dabei erfreulicher aus als die optischen Anpassungen. Insgesamt bleibt der audiovisuelle Eindruck jedoch eine behutsame Auffrischung des Bekannten und kein Grund, das Spiel allein wegen seiner technischen Neuerungen noch einmal zu kaufen.

Ein bisschen Facelift, kein neues Abenteuer

Tales of Eternia Remastered zeigt, dass ein gutes JRPG nicht zwingend eine umfassende Neuauflage braucht, um auch heute noch zu unterhalten. Die Reise durch zwei verfeindete Welten lebt von ihrer sympathischen Gruppe, dem flotten Kampfsystem und einer Abenteuerstruktur, die dem Spieler noch etwas Eigenständigkeit zutraut. Gerade die Mischung aus lockeren Gruppendialogen, klassischer Erkundung und einer Geschichte über Vorurteile verleiht dem Spiel einen Charme, der auch nach all den Jahren nicht vollständig verblasst ist.

Technisch sollte man allerdings keine Wunder erwarten. Die Überarbeitung fällt behutsam aus und lässt den ursprünglichen Look weitgehend unangetastet. Wer eine moderne Neuinterpretation oder eine sichtbar aufpolierte Präsentation erwartet, dürfte enttäuscht sein. Der größte Mehrwert liegt nicht in der Grafik, sondern in der Möglichkeit, den Klassiker auf aktuellen Plattformen mit einigen zusätzlichen Komfortfunktionen zu erleben.

Diese Hilfen sind zugleich die sinnvollste Neuerung des Remasters. Sie können wiederkehrende Kämpfe entschärfen und die Orientierung erleichtern, ohne die ursprüngliche Spielerfahrung zwangsläufig zu verändern. Besonders erfreulich ist, dass sie sich anpassen oder deaktivieren lassen. So entscheidet jeder selbst, ob er sich den Weg zeigen lassen oder lieber eigene Umwege in Kauf nehmen möchte.

Tales of Eternia Remastered ist kein großes Comeback, sondern eine behutsame Rückkehr. Für Fans klassischer JRPGs wartet hier ein sympathisches Abenteuer, dessen größte Stärke nicht in technischen Neuerungen, sondern in seinem zeitlosen Kern liegt. Wer das Original bereits kennt, bekommt allerdings nur wenige Gründe für eine erneute Reise. Für Neueinsteiger und Nostalgiker ist Eternia dagegen eine gute Gelegenheit, einen Klassiker nachzuholen. Mit etwas weniger Frust, aber immer noch genügend Raum, sich selbst den Weg durch zwei verfeindete Welten zu bahnen.

 

Story

Die Geschichte rund um zwei verfeindete Welten überzeugt mit sympathischen Charakteren, unterhaltsamen Gruppendialogen und Themen wie Vorurteile und Verständigungsprobleme. Zwar bleibt die Handlung stellenweise vorhersehbar, doch der Charme der Gruppe trägt das klassische JRPG-Abenteuer bis zum Schluss.

Gameplay

Das flotte Kampfsystem bietet trotz seiner eingeschränkten Bewegungsfreiheit mehr taktische Tiefe, als es zunächst vermuten lässt. Praktische Komfortfunktionen wie abschaltbare Zufallskämpfe und zusätzliche Wegweiser erleichtern die Reise, ohne die klassische Spielstruktur grundlegend zu verändern.

Grafik

Die farbenfrohen Umgebungen und charmanten Charakter-Sprites bewahren den Look des PlayStation-Originals. Die technischen Verbesserungen fallen allerdings so überschaubar aus, dass das Remaster optisch kaum einen echten Mehrwert bietet.

Sound

Der abwechslungsreiche Soundtrack unterstreicht sowohl die heiteren Gruppenmomente als auch die dramatischen Ereignisse und bleibt angenehm im Gedächtnis. Auch die Sprachausgabe verleiht den Figuren zusätzliche Persönlichkeit und gehört zu den gelungenen Aspekten der Neuauflage.

Sonstiges

Die neuen Komfortfunktionen machen den Klassiker zugänglicher und lassen sich erfreulicherweise an die eigenen Vorlieben anpassen. Für Neueinsteiger und Nostalgiker ist die Rückkehr nach Eternia eine schöne Gelegenheit, einen JRPG-Klassiker nachzuholen.

Bildmaterial: Tales of Eternia Remastered, Bandai Namco, TOSE

1 Kommentar

  1. Danke für den Test. Echt schade dass das Spiel in so einer ungünstigen Zeit erscheint. Denn eigentlich wäre das ein ziemlich sicherer Day one Kauf für mich gewesen, aber gerade passt das einfach nicht rein (die fehlende deutsche physische Version trägt auch dazu bei). Wenn es aber dann soweit ist freue ich mich schon sehr das Spiel nachzuholen.

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