| Titel | Blue Reflection Quartet |
| 30. Juli 2026 | |
| Koei Tecmo Games | |
| 30. Juli 2026 | |
| Koei Tecmo Games | |
| 30. Juli 2026 | |
| Koei Tecmo Games | |
| System | PlayStation 5, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2, PCs |
| Getestet für | PlayStation 5 |
| Versionsnummer | 1.000.000 |
| Entwickler | Gust |
| Genres | Character-Focused RPG |
| Texte |
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| Vertonung |
Die Blue-Reflection-Reihe ist eine unkonventionelle JRPG-Reihe vom Entwicklerstudio Gust, das man primär für die Atelier-Spiele kennt. Unkonventionell daher, da man vor allem den Erstling weder mit der üblichen Atelier-Kost noch mit einem klassischen JRPG vergleichen kann.
Gust selbst und vor allem Atelier-Illustrator Mel Kishida schufen mit Blue Reflection seinerzeit einen ambitionierten Titel, der atmosphärisch stark war und Gameplay sowie Story gänzlich auf die Beziehungen zwischen Schulmädchen und ihrer Gefühlswelt aufbaute.
Auch wenn der erste Titel mehr als nischig war, konnte dieser dennoch eine beachtliche Fanbase aufbauen. So folgte dem noch sehr ausbaufähigen ersten Teil eine Anime-Serie, ein technisch um Welten besseres Sequel und sogar ein Ableger für Smartphones, welcher jedoch weder den Weg außerhalb Japans fand noch seine eigenständige Geschichte zu Ende erzählen konnte.
Mit Blue Reflection Quartet bringt man nun alle verschiedenen Ableger des Franchises zusammen in einer Kollektion mit vier Spielen. Der Anime und das Spiel für Smartphones erhalten hierbei eine spielerische Umsetzung im Stile der bestehenden Blue-Reflection-Teile.
Quartet nutzt hier auch die Chance, alle vier Ableger in einer Zeitlinie zusammenzubringen und versucht Plotlöcher entsprechend aufzufüllen. Inwieweit Blue Reflection Quartet auch Nicht-Fans ansprechen kann, schauen wir uns nun im folgenden Test genauer an.
Das Stachelschweinsyndrom
Das erste Blue Reflection dreht sich um die Protagonistin Hinako Shirai, die nach einer Verletzung ihre Karriere als Balletttänzerin an den Nagel hängen muss. Sie wechselt an die Hoshinomiya-Mädchenschule, was auch den Beginn der Handlung widerspiegelt. Hinakos Gefühlswelt ist zu Beginn äußerst desolat. Sie fühlt sich leer, isoliert und hat ihre Zukunft praktisch aufgegeben. Als sie aber nun auf die mysteriösen Zwillinge Yuzu und Lime trifft, die ihr die Kraft einer sogenannten Reflector – einer Magical-Girl-Kämpferin – verleihen, wird ihr bisheriges Leben auf den Kopf gestellt.
Als Reflector bewegt sich unsere Protagonistin zwischen zwei Welten. Die normale Schulwelt, die dazu dient Freundschaften zu schließen und Schülerinnen zu helfen, mit ihren Gefühlen im Einklang zu leben; und die metaphysische Welt des sogenannten Common, in der die Gefühle der Menschen Gestalt annehmen. Die Interaktion zwischen den Schulkameraden und auch Kämpfe im Common sind schlussendlich eine große Selbstfindungsreise für Hinako auf ihrem Weg, sich wieder mehr zu öffnen, mit Selbstzweifeln umzugehen und auch Gefühle anderer in ihrer Welt zu akzeptieren.
Blue Reflection wählt hier bewusst einen eher langsamen, melancholischen und introspektiven Weg des Erzählstils und hebt sich somit auch von typischen JRPGs oder klassischen Heldenerzählungen ab. Die wichtigsten Aspekte sind eine atmosphärische Umsetzung der Gefühlswelt, der Umgang mit Selbstzweifeln und eigene Emotionen einzuordnen. Eigene sowie gegenseitige Akzeptanz und Neuanfang sind Themen, die nicht nur die Story bestimmen, sondern auch Gameplay-technisch verwendet werden.
Gefühlsknecht
Den kreativsten Ansatz liefert Blue Reflection mit seinem Gameplay. Zwar sind Kämpfe im Grunde rundenbasiert und wenig komplex, aber kreativ ist das System, über das die Charaktere aufleveln. In Blue Reflection geht es nämlich nicht darum, Kampferfahrung zu sammeln und physisch stärker zu werden. Vielmehr fließen hier die Hauptthematiken zwischenmenschliche Beziehungen, Gefühle und Emotionen auch ins Gameplay mit ein. So steigt man nur im Level auf, wenn man die Beziehungen zu den Schulkameradinnen über Quests, Unterhaltungen oder Dates pflegt.
Kämpfe sind im Grunde also ein Aspekt, dem man weniger Aufmerksamkeit schenken kann. Eine Umsetzung, die mir hier persönlich sehr gefällt, da sich das Gameplay hier perfekt atmosphärisch in die Story und Thematiken einwebt. Kämpfe gegen Monster sind nur metaphorischer Natur; wahre Größe erlangt man darüber, mental und emotional zu wachsen. Die Art, wie man Blue Reflection mit diesen Kernthematiken bis ins letzte Detail füllt, hat damals sicherlich auch einige Interessenten trotz technischer Mängel hier und da aufhorchen lassen.

Anime-Zusammenfassung mit minimalem Aufwand
Blue Reflection Ray übernimmt viele Konzepte des ersten Spiels, setzt aber neue Figuren in den Mittelpunkt. Hiori Hirahara und die introvertierte Ruka Hanari werden zu Reflectors und geraten in einen Konflikt zwischen zwei Weltanschauungen: Die blauen Reflectors bewahren Gefühle, die roten wollen belastende Emotionen entfernen, um Leid zu verhindern. Dadurch entwickelt sich Ray weniger zu einer Heldengeschichte als zu einer Diskussion über den Wert menschlicher Emotionen.
Im Zentrum steht die Gegenspielerin Shino, die den Common öffnen und die Menschheit von Schmerz, Einsamkeit und Verzweiflung befreien möchte. In Blue Reflection Quartet wird nun die vormals düstere Handlung des Animes in eine spielerische Zusammenfassung gepresst. Die beiden Protagonistinnen verlieren zu Beginn durch Shino ihren Antrieb und denken, dass Shinos Idee vielleicht doch keine so schlechte ist, doch Yuzu und Lime begleiten sie durch das Common und frischen ihre Erinnerungen auf.
Spielerisch ist das nicht viel mehr als eine Visual Novel mit animierten Szenen, zwar bewegt man sich aktiv durch das Common, begegnet aber keinen Gegnern. Es geht hier nur darum, die Erinnerungsfragmente einzusammeln und am Ende Shino zu stellen. Die Handlung des Animes ist hier sehr gestrafft und minimalistisch präsentiert, um Charakteren, die in späteren Spielen auftauchen, eine Einleitung zu geben. Grafisch wählt man hierfür den eher schwächeren Stil des ersten Teils, der doch sehr in die Jahre gekommen ist.
Asche zu Asche
Blue Reflection Sun nimmt innerhalb des Franchises eine besondere Rolle ein. Das ursprünglich nur in Japan veröffentlichte Mobile-RPG stellt die Verbindung zwischen Ray und Second Light dar und führt mit dem Ash-Phänomen eine neue Bedrohung ein. Diese geheimnisvolle Asche greift nicht den Körper, sondern Erinnerungen, Gefühle und Identität an und lässt die Welt langsam ihre emotionale Grundlage verlieren.
Im Gegensatz zu den Vorgängern liegt der Schwerpunkt nun weniger auf einzelnen emotionalen Krisen als auf einer schleichenden globalen Katastrophe. Die neuen Reflectors kämpfen weiterhin mit Einsamkeit, Verlust und Selbstzweifeln, doch diese persönlichen Geschichten sind direkt mit dem Zerfall der Welt verbunden. Leider ist der Erzählstil in der Blue-Reflection-Quartet-Umsetzung zu Sun mehr als konfus. Durch den Wegfall des ursprünglichen Spielaufbaus bleibt eine Art Zusammenfassung mit Bosskämpfen. Die Story wird ohne Übergänge heruntererzählt.
Szenen springen hin und her in Zeit und Raum und ein sinnvoller Erzählfluss ist nicht vorhanden. Zwar kriegt man möglichst viele Szenen aus dem Mobil-Spiel vermittelt, aber der Preis dafür ist ein Gebilde, das kaum Sinn ergibt und auch keinerlei Spielspaß vermittelt. Gelegentlich wird der Handlungserguss durch Bosskämpfe unterbrochen, die ein abgespecktes Format des neuen Kampfsystems aus Blue Reflection: Second Light präsentieren. Eine nette Einführung, aber auch kaum herausfordernd. Quartet liefert allerdings nun ein Ende für Sun, welches nun maßgeschneidert den Übergang zu Second Light schlägt.
Eine neue Welt aus Erinnerungen
Blue Reflection: Second Light bildet den Höhepunkt der gesamten Reihe und verbindet die Ereignisse aus dem ersten Spiel, Ray und Sun zu einer gemeinsamen Geschichte. Diesmal steht Ao Hoshizaki im Mittelpunkt, die in die geheimnisvolle Welt Oasis versetzt wird. Gemeinsam mit anderen Mädchen erkundet sie sogenannte Heartscapes, in denen verlorene Erinnerungen, Wünsche und Ängste verborgen liegen. Aus dem anfänglichen Schulalltag entwickelt sich dabei nach und nach ein großes Mysterium um die Vergangenheit der Figuren und das Schicksal der Welt.
Second Light ist technisch sowie spielerisch ein riesiger Schritt nach vorne zum ersten Titel. Nicht nur visuell hat sich hier viel getan, denn auch Gameplay-Mechaniken sind nun viel mehr an typische JRPGs angelehnt. Die Engine, die auch schon bei Atelier Ryza zum Einsatz kam, zeigt hier ebenso ihre positiven Aspekte. Das Gameplay und vor allem die Kämpfe sind nun viel dynamischer und bringen mehr Spaß. Ein standardmäßiges Level-System über Erfahrungspunkte ist zurück, allerdings spielen die zwischenmenschlichen Beziehungen weiterhin auch eine Rolle, die Charaktere zu verbessern.
Blue Reflection: Second Light ist definitiv das Highlight in der Kollektion und macht hier absolut die eher schlechten Umsetzungen von Ray und Sun mehr als wett. Ebenso bekommt Second Light durch die Verknüpfung aller Ableger neue Charaktere spendiert, die man sowohl im Kampf als auch nebenher näher kennenlernen darf.
Der Vierte wird’s richten
Die Atmosphäre der Blue-Reflection-Reihe ist besonders durch die Designs von Mel Kishida geprägt, der für seine pastellenen Artworks und hübschen Kleider bekannt ist. Die visuelle Atmosphäre ist seit dem ersten Teil ein wichtiger Bestandteil und wurde damals schon mit wenigen technischen Möglichkeiten umzusetzen versucht . Die Herangehensweise, Bilder sprechen zu lassen und das Gameplay eher ruhig im Hintergrund mitlaufen zu lassen, war definitiv ein kreativer Ansatz.
Besonders in Blue Reflection: Second Light sieht man das in seiner Vollendung. Die Charaktere sind Kishidas Illustrationen eins zu eins nachempfunden und mit Leben gefüllt. Emotionen werden perfekt in Szene gesetzt und jedes Mädchen mit seinen Eigenheiten im Detail umgesetzt. Zwar dreht man dem künstlerischen Ansatz des Erstlings ein wenig den Rücken zu, indem man mehr in Richtung solides JRPG geht, aber das war auch eine Entscheidung der Fans, die man seitens Gust in Second Light hat einfließen lassen.
Leider hat man sich bei der Umsetzung zu Ray und Sun für die Quartet-Kollektion weniger solche Gedanken gemacht. Diese wirken zu den ursprünglichen Spielen eher wie eine Pflichtarbeit eines Praktikanten. Visuell nutzt man hier nur das Minimum, obwohl man das exzellente Second Light als Vorlage hatte. Letztlich sind die beiden Teile aber auch nur schnödes Beiwerk, was man leider auch gänzlich ignorieren kann. Schade, aber das tut den beiden echten Spielen keinen Abbruch.

Für Historiker waren sie gute Freunde
Blue Reflection Quartet ist eine Sammlung mit zwei Gesichtern. Während Ray und Sun eher wie kurze Zusammenfassungen ihrer Originale wirken, liefern Blue Reflection und vor allem Second Light genau die Mischung aus Atmosphäre, Charakterentwicklung und emotionalem Storytelling, die die Reihe seit jeher ausmacht.
Besonders Second Light zeigt, warum die Serie trotz ihrer Nische eine treue Fangemeinde aufgebaut hat. Die Figuren wachsen einem schnell ans Herz, die Verknüpfung aller Ableger funktioniert überraschend gut und die Beziehungen zwischen den Mädchen bleiben das Herzstück der gesamten Reihe. Dass man dabei auffallend viel Zeit mit gemeinsamen Ausflügen, Geschenken, tiefgründigen Gesprächen und verträumten Blicken verbringt, sind natürlich reine Mädchenfreundschaften. Ja, die Yuri-Andeutungen sind nicht von der Hand zu weisen.
Wer nur das beste Spiel sucht, greift direkt zu Second Light. Wer das komplette Blue-Reflection-Universum erleben möchte, bekommt mit Quartet die bislang vollständigste Version dieser ungewöhnlichen Reihe. Nicht jede Idee zündet, aber kaum ein anderes JRPG-Franchise erzählt so konsequent von Gefühlen, Erinnerungen und zwischenmenschlichen Bindungen und verlagert so viel auf die Metaebene wie Blue Reflection (Emotion).
Story
Gameplay
Grafik
Sound
Bildmaterial: Blue Reflection Quartet, Koei Tecmo, Gust

Danke für den Test. Ich habe damals den 1. Teil gespielt und fand den ziemlich mittelmäßig mit ein paar fragwürdigen Inhalten. Aus dem Grund haben die weiteren Teile mich auch nie wirklich interessiert. Wenn der 2. Teil aber wirklich um so einiges besser sein soll dann nehme ich die Sammlung hier im Dale für 20€ dann irgendwann mal mit um mir aucj die restlichen Teile anzuschauen.
Danke für euren Test! Der erste Teil von Blue Reflection hat mich tatsächlich schon länger interessiert, aber irgendwie bin ich nie dazu gekommen, ihn zu spielen.
Mit der Collection könnte ich mir jetzt aber durchaus vorstellen, die beiden „richtigen“ Spiele – also Blue Reflection und vor allem Second Light – nachzuholen. Gerade Second Light scheint ja wirklich das große Highlight der Reihe zu sein.
Ray und Sun würde ich vermutlich eher als informatives Beiwerk mitnehmen, um das gesamte Universum und die Zusammenhänge besser zu verstehen. Auch wenn die Umsetzung offenbar ziemlich durchwachsen ist, finde ich es trotzdem gut, dass beide enthalten sind. Gerade bei einer Sammlung, die ausdrücklich die verschiedenen Teile zu einer gemeinsamen Geschichte verbinden möchte, würde mir sonst wahrscheinlich etwas fehlen...
Schade, dass die Switch 2-Version mit 30 FPS und deutlich heruntergedrehten Details läuft.
Quelle: https://www.rpgsite.net/feature/20976-…-steam-deck-pro
Die Konsole sollte eigentlich mehr stemmen können; aktuell wirkt's auf Nintendos Gerät wie ein fauler Port. So wird's auch für mich irgendwann im Sale für die PS5 mitgenommen.