Heute gelten The Legend of Zelda: Oracle of Seasons und Oracle of Ages als zwei der beliebtesten Handheld-Abenteuer der Reihe. Doch beinahe wäre es nie zu der Zusammenarbeit zwischen Nintendo und Capcom gekommen. Ein neu aufgetauchtes Interview mit Capcom-Legende Yoshiki Okamoto aus dem Jahr 1999 zeigt, wie ungewöhnlich bzw. speziell die Verhandlungen damals verliefen.
Die Originalausgabe des Interviews aus der deutschen Gaming-Zeitschrift Total, Ausgabe 1999/12, ist beispielsweise auf der Archivseite von Kultmags zu finden. Das Team von Did You Know Gaming hat den Inhalt auch ausfindig gemacht und für sein Video ins Englische übersetzt. Wir können jetzt aber natürlich auch auf das Original zurückgreifen.
„Wenn es Nintendo nicht machen will …“
Ende der 1990er-Jahre wollte Yoshiki Okamoto, der unter anderem als Produzent von Final Fight und Street Fighter II bekannt wurde, unbedingt das erste The Legend of Zelda für den Game Boy Color neu auflegen. Anschließend sollten sogar drei komplett neue Zelda-Spiele entstehen.
Doch Nintendo war zunächst nicht überzeugt. Okamoto schilderte die Situation damals mit deutlichen Worten. Auf die Frage, ob er Zelda mochte, antwortete er:
„Ja, besonders das Zelda auf dem NES-Disk-System hat mir gefallen. Aber Nintendo will es einfach nicht für den Game Boy Color umsetzen. Daher meinte ich zu Herrn Miyamoto, dass ich das Spiel produzieren würde, aber wir kamen zu keinem klaren Ergebnis. Also habe ich ihm letztendlich gedroht.“
Okamoto daraufhin: „Ich meinte, wenn es Nintendo nicht machen will, werden wir ein identisches Spiel mit anderen Charakteren auf den Markt bringen und es einfach anders nennen. Natürlich haben wir kein O. K. bekommen. Aber daraufhin wurde ich gefragt, ob wir nicht das echte Produkt entwickeln wollten. Wir haben sofort zugesagt.“
Ob die Aussage mit einem Augenzwinkern gemeint war oder nicht, lässt sich heute kaum noch beurteilen. Fest steht jedoch: Schließlich kam es doch zu einer Einigung zwischen Capcom und Nintendo.
Aus vier Spielen wurden am Ende zwei
Ursprünglich war geplant, zunächst ein Remake des ersten The Legend of Zelda für den Game Boy Color zu entwickeln und darauf aufbauend eine Trilogie neuer Spiele zu veröffentlichen. Das Remake wurde jedoch im Laufe der Entwicklung eingestellt, während die geplante Trilogie auf zwei Titel reduziert wurde.
So erschienen schließlich Oracle of Seasons und Oracle of Ages, die bis heute zu den beliebtesten Ablegern, wenn auch gerne mal übersehenden, Teile der Reihe zählen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit setzte sich wenig später mit The Legend of Zelda: The Minish Cap fort – ein weiteres Capcom-Zelda, das bei Fans bis heute einen hervorragenden Ruf genießt.
via GamesRadar, Bildmaterial: Zelda: Oracle of Seasons, Nintendo

Als Fan freue ich mich wirklich, dass es am Ende doch noch zu der Zusammenarbeit zwischen Nintendo und Capcom gekommen ist. Ich mag alle drei daraus entstandenen Zelda-Spiele - Oracle of Seasons, Oracle of Ages und The Minish Cap -sehr und finde, dass sie zu den besten Handheld-Ablegern der Reihe gehören.
Umso spannender ist es, heute zu lesen, wie knapp das Ganze offenbar war. Wenn Okamoto seine Drohung tatsächlich wahr gemacht hätte und Capcom stattdessen einfach ein ähnliches Spiel mit eigenen Figuren entwickelt hätte, wären uns diese Zelda-Klassiker womöglich entgangen. Zum Glück konnten sich Nintendo und Capcom am Ende einigen. Die Zusammenarbeit hat der Zelda-Reihe meiner Meinung nach richtig gutgetan und gezeigt, dass auch ein externes Studio den Geist der Serie hervorragend einfangen kann.
Mir war gar nicht bewusst das Capcom die Oracle spiele entwickelt haben.
Habe nur Seasons besessen und habe es nie durchgespielt. Habe nie den letzten Dungeon in der Unterwelt gefunden als Kiddy xD
Das war eigentlich ein ziemlich erfolgreicher Run, den Capcom da hatte. Ich glaube die Oracle Games und Minish Cap sind allesamt bei Flagship entstanden, wo zum Beispiel auch Stories zu Resident Evil Spielen entstanden sind und das Studio auch als Support-Studio wichtige Assets geliefert hat. Das Studio wurde von Okamoto gegründet und mit dessen Weggang von Capcom war leider auch das Schicksal des Studios ne Weile später besiegelt.
Diese Trivia hier selbst ist wirklich schon älter als so mancher Whisky, den ich hier noch stehen habe. Und ich glaube, DYKG hatte darüber selbst damals schon einmal berichtet.
Dass Capcom für mehrere Zelda Spiele verantwortlich war und der jetzige Zelda Director Fujibayashi von Flagship zu Nintendo gewechselt ist, ist dennoch weiterhin ne sehr unbekannte Trivia.