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Seltene Konsole taucht in „Love Hotel“ auf – und befeuert alten Nintendo-Mythos erneut

Ein kurioser Fund sorgt derzeit für Gesprächsstoff unter Nintendo-Fans und Videospielhistorikern. Der Famicom-Archivar und Forscher Orochi hat in einem japanischen Love Hotel eine voll funktionsfähige Famicombox entdeckt – eine äußerst seltene Nintendo-Konsole, die ursprünglich ausschließlich für den kommerziellen Einsatz in Hotels und Unterkünften gedacht war.

Besonders bemerkenswert: Laut Orochi befindet sich die Konsole mit Ausnahme eines einzigen Zimmers in jedem Raum des Hotels und funktioniert bis heute. Lediglich die Lichtpistole (Zapper) lässt sich aufgrund der modernen LCD-Fernseher nicht mehr nutzen.

Ein Stück Nintendo-Geschichte

Die Famicombox erschien 1986 und war nie für den normalen Verkauf bestimmt. Stattdessen stellte Nintendo sie Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben zur Verfügung. Anders als der japanische Famicom verwendete das System Module im Format des westlichen NES.

Der Fund sorgte nicht nur wegen des hervorragenden Zustands der Konsolen für Aufmerksamkeit. Gleichzeitig entfachte er erneut die seit Jahrzehnten kursierende Behauptung, Nintendo habe früher selbst Love Hotels betrieben.

Hat Nintendo wirklich Love Hotels betrieben?

Dieser Mythos hält sich seit vielen Jahren hartnäckig. Tatsächlich experimentierte Nintendo vor dem Einstieg ins Videospielgeschäft mit verschiedenen Geschäftsmodellen. Laut Orochi und dem Nintendo-Historiker Isao Yamazaki gibt es jedoch keine Belege dafür, dass das Unternehmen jemals selbst ein Love Hotel betrieben hat.

Yamazaki überprüfte sämtliche Geschäftsberichte Nintendos seit dem Börsengang im Jahr 1962 und fand keinerlei Hinweise auf ein entsprechendes Geschäftsfeld. Orochi vermutet stattdessen, dass der Mythos auf das Buch Game Over: How Nintendo Zapped an American Industry, Captured Your Dollars, and Enslaved Your Children von David Sheff aus dem Jahr 1993 zurückgeht. Darin wird erwähnt, dass der damalige Nintendo-Präsident Hiroshi Yamauchi ein Love Hotel eröffnet habe – allerdings ohne konkrete Belege oder einen direkten Bezug zum Unternehmen selbst.

Ein Love Hotel ist eine in Japan weit verbreitete Form eines Kurzzeit-Hotels, das Paaren vor allem Privatsphäre bietet. Entgegen eines verbreiteten Klischees handelt es sich also nicht um Bordelle oder Orte der Prostitution, sondern um ganz normale, legal betriebene Hotels mit einem besonderen Nutzungskonzept, die oft durch ausgefallene Themenzimmer oder besonders viel Privatsphäre auffallen.

Ironischerweise könnte ausgerechnet die Famicombox den Mythos zusätzlich befeuert haben. Da Nintendo seine Hotel-Konsolen damals tatsächlich an zahlreiche japanische Love Hotels lieferte, verschwammen über die Jahre offenbar die Grenzen zwischen historischer Tatsache und urbaner Legende.

via Automaton Media, Bildmaterial: Super Mario Odyssey, Nintendo

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