SWI Test TOP

Im Test! Maid Cafe on Electric Street – ein spezieller Switch-Exklusivtitel, der etwas zu viel verspricht

Titel Maid Cafe on Electric Street
Japan 26. Februar 2026 (Switch)
Playism
Nordamerika 26. Februar 2026 (Switch)
Playism
Europa 26. Februar 2026 (Switch)
Playism
System Switch, Steam (nicht in Deutschland)
Getestet für Switch
Entwickler Adventurer’s Tavern
Genres Adventure
Texte
Nordamerika Japan
Vertonung Japan

Manchmal wählt man sich ein Spiel nur anhand des Titels aus. Als ich angefragt wurde, in Maid Cafe on Electric Street das „Fuwa Fuwa Cafe“ in „Nipponbashi, Osaka“ zu testen, war ich direkt dabei – besonders interessiert hat mich, ob der Pixel-Art-Stil, der mich immer wieder an die EGA-PC-Spiele der frühen 90er erinnert, überzeugen kann. Aber ein Maid-Café managen in einer stark an Nipponbashi angelehnten Stadt, in der es auch noch Nekos, Gachas, Arcades, Figuren und verschiedene Videogame-Stores gibt – was soll da schon schiefgehen?

Diese Frage beantwortet leider schon vor dem Test die Steam-Version des Spiels, welche in Deutschland nicht verfügbar ist. Hintergrund ist hier, dass in der Onsen-Szene die Kostüme der minderjährig wirkenden, gezeichneten Charaktere im Pixel-Art-Stil für die deutschen Gesetze etwas zu freizügig sind. Also testen wir hier die minimal angepasste Version des Spiels für die Nintendo Switch. Kurios: In Deutschland ist das Spiel aufgrund dieser Tatsache daher ein vollständiger Switch-Exklusivtitel!

Job ade, Geld aber auch

Das Spiel startet, indem wir als erste Aktion den virtuellen Job vor dem Computer mit einem äußerst unsympathischen Chef kündigen, nur um nach vielen Überstunden in einem heruntergewirtschafteten Maid-Café ohne Geld und Gäste einzuschlafen.

Geweckt werde ich von Shiro, die einzige Maid, die dem Café geblieben ist – der Manager ist seit Monaten im Ausland, die anderen Maids zur Konkurrenz abgewandert, das Inventar zum Teil kaputt und das Geld reicht nicht für weitere Angestellte. Und hiervon soll ich nach der Bitte von Shiro wirklich Manager werden? Nach viel Überzeugungsarbeit und dem Angebot einer voll ausgestatteten Wohnung über dem Maid-Café nehme ich den Posten als neuer Manager an.

Dafür, dass so viel Arbeit ansteht, legt das Spiel erst einmal sehr gemütlich los – und bleibt auch den Rest des Spiels überwiegend in diesem gemütlichen Tempo. Das Wichtigste ist die Kaffeemaschine, deren Bedienung und Rezepterweiterung sind das A und O. Nachdem Shiro eine Freundin davon überzeugen konnte, im Maid-Café mitzuhelfen, nimmt das Spiel langsam an Fahrt auf.

Der Management-Part bleibt aber zu simpel und ist vielleicht auch gerade deshalb etwas frustrierend. Nach etwa zwei In-Game-Wochen ist das Café ausgebaut und randvoll, aber im Café mit 20 Sitzplätzen können an einem guten Tag nur etwa zehn Bestellungen abgearbeitet werden, da die Küche nicht hinterherkommt.

Etwa zu dieser Zeit wird auch klar, dass wir es bei Maid Cafe on Electric Street mit einer storygetriebenen Visual Novel in einem ungewöhnlichen Format zu tun haben. Der Fokus wechselt zunehmend vom Aufbau des Maid-Cafés zu den zwischenmenschlichen Beziehungen, den Interaktionen zu den Maids, MitarbeiterInnen anderer Läden, den Geschenken, den wegweisenden Entscheidungen und den Nebenaufgaben.

Fokuswechsel

Der Charme der vertonten Story gehört zu den Stärken des Spiels. Mein persönlicher Favorit ist die charakterstarke Katze im virtuellen Wohnzimmer inklusive Balkon. Es werden zudem auch liebenswerte, verpeilte, geheimnisvolle und mysteriöse Charaktere aufgebaut, die sich um die Geheimnisse eines Schreins drehen, in dem es wegen unerfüllter Wünsche und Träume spukt. Die Story motiviert auch, das Spiel weiterzuspielen, das ansonsten an einigen Punkten die selbst geweckten Erwartungen enttäuscht.

Die Pixel-Art-Grafik hat zwar einen gewissen Charme, hält das Spiel aber auch an vielen Punkten zurück. Sie ist teilweise doch sehr grobpixelig und überdeckt die zum Teil liebevollen Animationen. Auch die Outfits der Maids wirken gegenüber aktuellen Designs in modernen Videospielen und auch den realen Outfits in Maid-Cafés grob und wenig verspielt.

Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich mir einen Umschalter wie in den „Monkey Island“-Remakes wünsche, damit ich auf Knopfdruck zwischen den klassischen Pixel-Designs und hoch detaillierten Grafiken hin- und herwechseln kann, um die Details zu bewundern – aber es gibt ihn leider nicht.

Knallig nur auf der OLED

Dazu kommen auch noch kleinere technische Schwächen. Auf der Switch OLED sieht das Spiel wirklich großartig aus und die knalligen Farben kommen top zur Geltung – die neonbeleuchteten Straßen bei Nacht und im Regen überzeugen. Auf der normalen Switch, der Switch 2 und am TV fehlt das jedoch, die Grafik bleibt hier zweckmäßig. Dabei hat die Switch 2 ein farbstarkes HDR-Display und auch am TV könnte man HDR aktivieren.

Nach kurzer Zeit fällt mir auch ein mysteriöses Ruckeln im Spiel auf, dessen Ursache auf den „dynamischen“ Side-Scrolling-Effekt zurückzuführen ist. Er wirkt nicht immer sauber und ein leichtes Ruckeln tritt nach längerer Spielzeit auf. Auf dem großen TV hat dieser Side-Scrolling-Effekt noch einen weiteren Nachteil: Da das Scrolling sich nicht an den großen Pixeln des Spiels, sondern an der vollen Auflösung orientiert, gibt es häufiger ein unruhiges Bild. Die Pixel müssen sich hier ständig neu ausrichten. Wer in der Stadt zur Seite läuft und plötzlich stehen bleibt, sieht, wie sich das Bild zwei Sekunden lang neu ordnet und Kanten anfangen zu „wabern“.

Auch an anderen Stellen fehlt mir persönlich der Polish eines hochwertigen 2D-Side-Scrolling-Spiels. Es muss ja nicht jeder Charakter ausgearbeitet und mit einer Persönlichkeit ausgestattet sein wie beispielsweise in einem Shantae, aber warum die farbenfrohen Charaktere mit auffälligen Animationen vor dem Laden die Nebencharaktere sind, während die beiden unauffälligen nebendran tatsächlich etwas verkaufen, ist aus Gamedesign-Sicht schwer nachzuvollziehen.

Haben die denn kein Leben?

Allgemein wirkt es oft so, als ob einige NPCs einfach nur da sind, um diese Art von Charakter auch im Spiel zu haben – denn eine Funktion abseits zwei nichtssagender Sätze scheinen sie nicht zu haben. Dafür stehen diese funktionslosen Charaktere wochenlang jeden Tag an der gleichen Stelle des Spiels und wiederholen die gleichen Sätze. Haben sie denn kein Leben?

Diese vielen kleinen Störfaktoren ziehen sich leider durchs gesamte Spiel und ziehen den positiven Eindruck der Geschichte mit besonderer Prämisse deutlich runter. Je mehr ich versuche, das Spiel zu mögen, desto mehr enttäuscht es. Vielleicht liegt es auch daran, dass es an vielen Stellen Erwartungen weckt, die es am Ende nicht halten kann.

Ein Spiel mit „Maid Café“ im Titel, dessen Maid-Café-Management-Part und Maid-Kostüme nicht überzeugen. Die Electric Street, die statt zu elektrisieren gelegentlich verwirrt und ihre Design-Stärken nur auf der Switch OLED ausspielt.

Ein moderner 2D-Side-Scrolling-Pixel-Art-Stil, der die Stärken des Stils nicht zu nutzen weiß und stattdessen wiederholt detaillierte HD-Zeichnungen wünschen lässt. Der Sammelaspekt an vielen Stellen des Spiels ist eine nette Idee – aber welchen Sinn hat das Sammeln abstrakter Dinge, außer virtuelles Geld auszugeben und diese gesammelten, detailarmen Dinge in einen ebenso detailarmen Schrank zu stellen und ein Achievement zu bekommen? Da helfen leider auch die zahlreichen Kollaborationen mit real existierenden Läden nicht mehr, deren Design man passend ins Spiel überträgt.

Eher ein Spiel für Visual-Novel-Fans

Maid Cafe on Electric Street weckt Erwartungen, die es nicht erfüllen kann. Das Maid-Café-Management ist zu simpel und leicht frustrierend. Auch die Kostüme der Maids selbst sind im Gegensatz zu anderen Videospielen und auch echten Kostümen nicht besonders detailliert – der Pixel-Art-Stil ist möglicherweise nicht die passende Wahl für das Spiel gewesen.

Der farbenfrohe Stil der Electric Street kommt nur auf der Switch OLED wirklich zur Geltung, dabei würde die Switch 2 ebenso einen farbstarken HDR-Bildschirm bieten. Allgemein wirkt das Spiel oft so, als hätte man viel in die tolle Story und den netten 2D-Nachbau der japanischen Stadt investiert, am Ende aber das Feintuning vergessen, das sie erst überzeugend wirken lässt.

Was bleibt, ist ein durchaus besonderer Nischentitel für Fans von Visual Novels, die den Aufbau der zwischenmenschlichen Beziehungen, den Interaktionen zu den Maids und MitarbeiterInnen anderer Läden und die wegweisenden Entscheidungen zu schätzen wissen.

Der Charme der vertonten Story, der nicht nur eine charakterstarke Katze ins virtuelle Wohnzimmer inklusive Balkon einziehen lässt, sondern auch liebenswerte, verpeilte, geheimnisvolle und mysteriöse Charaktere aufbaut, kann das Spiel durchaus phasenweise interessant werden lassen.

 

Story

Eine typische Anime-Story rund um ein heruntergewirtschaftetes Maid-Café mit mehreren interessanten Wendungen, in der die Entscheidungen ganz im Stile einer Visual Novel auch das Ende beeinflussen. Die Hauptcharaktere sind liebenswert, verpeilt, geheimnisvoll und mysteriös. Definitiv das Highlight des Spiels!

Gameplay

Das Gameplay ist gemütlich und repetitiv, der rote Story-Faden lässt einen wenig falsch machen – außer man findet in der Stadt nicht den passenden Gegenstand oder den notwendigen Charakter. Die Linie zwischen „gemütlich“ und „repetitiv-langweilig“ ist jedoch eine schmale.

Grafik

Für mich ist der Pixel-Art-Stil eine Fehlentscheidung. Gerne hätte ich die Electric Street, das Maid-Café und die Maid-Kostüme in hoch detaillierten Zeichnungen gesehen, die mich in die nachgeahmte japanische Stadt hineinziehen. Kleinere technische Mängel und fehlende Anpassungen für die Switch 2 lassen Potenzial ungenutzt.

Sound

Ziemlich unauffällig und in der Regel dezent im Hintergrund, trotzdem upbeat und passend. Die Voiceovers der Hauptcharaktere sind gut gelungen, hier wurden Profis engagiert – und das hört man.

Sonstiges

Ich versuchte das Spiel zu mögen, aber es wurde leider viel Potenzial verschenkt. Kann der Entwickler sich bitte noch mal hinsetzen für ein Remaster mit besserem Management-Teil, detaillierten Grafiken und vielen kleinen Detailverbesserungen durch das Nutzerfeedback?

 

Bildmaterial: Maid Cafe on Electric Street, Playism, Adventurer’s Tavern

3 Kommentare

  1. Oh, hätte nicht mit einem Test gerechnet! Aber danke! Klingt eher mittelprächtig, aber ehrlich gesagt habe ich auch gar nicht so viel erwartet, passt für mich also schon und bei den technischen Mängeln muss ich schauen, inwiefern sie mich stören..

  2. Joa, mal gucken wie sehr mich diese technischen Punkte stören werden. Bin eigentlich ja weniger empfindlich und nehme Ruckler die anderen auffallen oft gar nicht wahr 😅

    Das die Story und Hauptcharaktere gut weg kommen ist mir erstmal das wichtigste und endlich weiß ich warum das Spiel bei Steam in Deutschland nicht mehr drin ist. Der Grund ist... leider erwartungsgemäß albern, wenn man bedenkt was für Titel man ohne Probleme kaufen kann 🤦

  3. Joa, mal gucken wie sehr mich diese technischen Punkte stören werden. Bin eigentlich ja weniger empfindlich und nehme Ruckler die anderen auffallen oft gar nicht wahr 😅

    Das die Story und Hauptcharaktere gut weg kommen ist mir erstmal das wichtigste und endlich weiß ich warum das Spiel bei Steam in Deutschland nicht mehr drin ist. Der Grund ist... leider erwartungsgemäß albern, wenn man bedenkt was für Titel man ohne Probleme kaufen kann 🤦

    Ich bin da im Gegenteil ziemlich empfindlich. Die Mikroruckler sind fast dauerhaft da, die stärkeren Ruckler kommen, wenn das Spiel länger läuft. Allgemein kann ich empfehlen, das Spiel im Handheldmodus zu spielen, bevorzugt auf der Switch OLED. Ziehe jetzt nach dem Test die "virtuelle Softwarekarte" auch darauf um, falls ich einen zweiten Durchlauf mit Guide starte. Habe den Test gerade auch am OLED-Handy gelesen und die Bildqualität ist schon eine deutlich andere.

    Dass ein Spiel "ab 12" in Deutschland auf Steam verboten ist, hat auch das Jpgames.de-Team verwirrt. Das wollten wir dann auch genauer wissen.

    PS: Gott beschütze Deutschland vor sexy Pixeln! /s

An dieser Stelle siehst du nur die letzten 5 Kommentare. Besuche das Forum um die komplette Diskussion zu diesem Thema zu sehen.