Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts – bereits 2015 ging dieser Spruch viral. Moderne KI-Systeme brauchen enorme Mengen dieser Daten, auf deren Basis sie trainiert werden können. Auch Niantic ist auf den KI-Zug aufgesprungen.
Mithilfe von Bildern, die über die „Pokémon GO“-App aufgenommen werden, unterstützt das Unternehmen sein Spin-off Niantic Spatial – ein Projekt, das sich auf „geospatiale KI“ und digitale Karten der physischen Welt konzentriert.
Wie GamesRadar berichtet, nutzt Niantic die durch Pokémon Go gesammelten Bilder, um digitale Karten unserer Umgebung zu perfektionieren und zu aktualisieren. Wie so oft bei Free-to-Play-Apps ist die Bezahlung indirekt und der Kunde ist gleichzeitig Produkt. Niantics Nutzungsbedingungen erlauben ihnen, dass die gesammelten Bilder „als Kartierungsdaten gespeichert“ werden.
„Pokémon GO“-Fans geraten aber nicht in Gefahr, ihre Daten „unabsichtlich“ zur Verfügung zu stellen. Die Fotos stammen nicht aus dem normalen Spielverlauf, sondern basieren auf einem Opt-In-System. Spielende müssen zustimmen, dass Scans und Fotos direkt an Niantic Spatial übermittelt werden.
Lieferroboter nutzen die Daten
Ein Artikel des MIT Technology Review über Niantics KI-Ableger bietet tiefere Einblicke. Darin erklärt CTO Brian McClendon, dass Niantic Spatial mit Unternehmen wie Coco Robotics zusammenarbeitet. Das Start-up arbeitet daran, Lieferroboter für die „letzte Meile“ in mehreren Städten in den USA und Europa einzusetzen.
Laut McClendon hat Niantic Spatial sein Modell mit 30 Milliarden Bildern aus urbanen Umgebungen trainiert. Diese Bilder ermöglichen es, wiedererkennbare Orte, Wahrzeichen oder Gebäude zu identifizieren. Auch Maschinen können diese Daten nutzen, um nicht die Orientierung zu verlieren – etwa, wenn das GPS-Signal oder weitere Datenquellen zur Orientierung ausfallen. Außerdem schaffen die Daten ein geteiltes Raumverständnis für Roboterflotten, die Daten austauschen und um gescannte 3D-Modelle erweitern.
Dass Spieldaten von Pokémon GO für solche Zwecke genutzt werden, mag einige SpielerInnen überraschen – vor allem jene, die das Kleingedruckte nie gelesen haben. Sicher ist: Die Daten ihrer Pokémon-Abenteuer fließen in ein „Large Geospatial Model“, das aktuell von Amazon, DoorDash oder in Zukunft sogar militärischen Organisationen eingesetzt werden könnte. Das langfristige Ziel von Niantic Spatial ist es, Maschinen, Robotern und AR-Brillen zu ermöglichen, die reale Welt mit zentimetergenauer Präzision zu verstehen, zu navigieren und mit ihr zu interagieren.
via Eurogamer, Niantic Spatial, Bildmaterial: Pokémon GO, The Pokémon Company, Scopely, Niantic

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