| Titel | Pokémon Pokopia |
| 5. März 2026 | |
| The Pokémon Company | |
| 5. März 2026 | |
| Nintendo | |
| 5. März 2026 | |
| Nintendo | |
| System | Switch 2 |
| Getestet für | Switch 2 |
| Entwickler | Game Freak, Koei Tecmo |
| Genres | Sandbox, Life-Sim |
| Texte |
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| Vertonung | – |
Das erste vollständig exklusive Pokémon-Abenteuer auf Nintendos neuer Konsole ist – und das dürfte einige überrascht haben – ausgerechnet ein Cozy-Aufbauspiel. Ein Genre, das man nicht unbedingt sofort mit Pokémon verbindet.
Und natürlich stellt sich da schnell die Frage: Wurde hier einfach Pokémon über ein bekanntes Spielprinzip gestülpt, frei nach dem Motto „Das verkauft sich sowieso“? Ganz so simpel ist es dann aber doch nicht. Denn hinter Pokopia steckt mehr Substanz, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Trotz großer Vorbilder am Horizont entfaltet das Spiel einen Sog, der seinesgleichen sucht – doch dazu später mehr.
Seine Premiere feierte das Spiel während einer Nintendo Direct im September 2025 – eine Ankündigung, die durchaus überraschte. Entwickelt wird das Projekt von Omega Force, einem Entwicklungsteam von Koei Tecmo, das zuvor bereits mit Square Enix an Dragon Quest Builders 2 gearbeitet hat. Dessen Einfluss ist deutlich spürbar. Auch Parallelen zu Spielen wie Viva Piñata, Minecraft und vor allem Animal Crossing lassen sich nicht von der Hand weisen.
Und dennoch gelingt es Pokopia erstaunlich schnell, eine eigene Identität aufzubauen. Die vielen Inspirationsquellen sind sichtbar, doch sie überdecken nicht den eigenen Charakter des Spiels. Mehr noch: Sollte alles zusammenpassen, könnte Pokémon Pokopia zu einem der größten Hits der noch jungen „Switch 2“-Generation avancieren.
Eine Welt ohne Menschen – und voller Fragen
Wir wachen eines Tages in einer fremden, nicht näher benannten Welt auf – allerdings nicht als Mensch, sondern als Ditto. Und dieses Ditto war offenbar einst unser eigenes Pokémon und so vernarrt in uns, dass es kurzerhand beschließt, sich in ein Ebenbild unserer selbst zu verwandeln. Das Ergebnis ist ebenso drollig wie charmant: In unserer leicht „dittohaften“ Form ziehen wir durch die Landschaft und versuchen, die Lage zu verstehen.
Ganz allein sind wir dabei nicht. Schon früh begegnen wir Professor Tangoloss, der eine Art Mentorenrolle übernimmt und uns erklärt, was hier eigentlich vor sich geht. Die Welt ist nämlich wortwörtlich menschenleer – kahl, ausgetrocknet und verlassen. Der Name der ersten Region, Welkwüstia, ist dabei Programm. Ein erschöpftes Schiggy, das am Wegesrand liegt, ist eines der ersten Pokémon, denen wir begegnen – und natürlich helfen wir.
Die erste Region fällt noch recht übersichtlich aus, doch spätere Gebiete werden deutlich größer und verschachtelter. Unterschiedliche Biome sorgen dabei für Abwechslung: Von kargen Graslandschaften über bergige Minenregionen bis hin zu Küstenabschnitten ist einiges vertreten.
Die Handlung selbst bleibt eher seicht und stellt vor allem eine Frage in den Mittelpunkt: Was ist hier geschehen – und wo sind all die Menschen geblieben, die dieses doch sehr vertraute Land einst bevölkert haben? Immer wieder stoßen wir auf Notizen und Hinweise, die das Puzzle langsam zusammensetzen. Bekannte Namen aus dem Pokémon-Universum tauchen ebenfalls auf und wir treffen zahlreiche andere Pokémon, die wir befragen – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Neben vertrauten Gesichtern begegnen uns auch neue Arten wie das schläfrige Mooslaxo oder das putzige Schlappchu, die uns auf unserer Reise begleiten.
Ergänzend zur eher ruhigen Rahmenhandlung wagt das Spiel dabei durchaus einen kleinen Schritt nach vorn. Im Hintergrund scheint etwas „Ernstes“ vorgefallen zu sein und Themen wie Umweltverschmutzung, der Umgang mit der Natur oder deren schleichende Zerstörung spielen hier eine Rolle. Das ist eine willkommene Abwechslung, die man im Pokémon-Universum nicht immer in dieser Form erlebt.
Bauen, befreunden, belohnen
Das Gameplay ist ohne Frage das große Highlight von Pokémon Pokopia. Zwar sind wir technisch gesehen ein Ditto, doch wir nehmen eine humanoide Form an, bewegen uns auf zwei Beinen fort und können theoretisch alles tun, was auch ein Mensch könnte – plus die Fähigkeiten anderer Pokémon nutzen. Und davon gibt es hier wirklich sehr, sehr viele.
Das Herzstück bildet das Habitat-System. Durch das Platzieren bestimmter Elemente – etwa vier Grasbüschel in einem Gebiet – erschaffen wir neue Lebensräume, in denen neue Pokémon auftauchen können. Mit ihnen schließen wir schnell Freundschaft, erledigen ihre Aufgaben und schalten dadurch neue Fähigkeiten frei. Diese orientieren sich an bekannten Attacken: Mit der Aquaknarre gießen wir Blumen, mit Blattwerk lassen wir Pflanzen sprießen und mit Zertrümmerer räumen wir Hindernisse aus dem Weg. Für andere Aufgaben suchen wir uns einfach ein befreundetes Pokémon, das uns hilft. Dieses System fügt sich herrlich organisch ins Pokémon-Universum ein.
Zusätzlich erweitern mit der Zeit neue Bewegungsmöglichkeiten unser Repertoire spürbar: Verwandeln wir uns etwa in Lapras, gleiten wir elegant über das Wasser, während wir als Dragoran für begrenzte Zeit durch die Lüfte segeln können. Das sorgt für mehr Freiheit bei der Erkundung und macht unsere Insel Schritt für Schritt zugänglicher.
Besonders motivierend ist das Experimentieren. Neben einer Vielzahl an Pokémon existieren unzählige unterschiedliche Habitat-Kombinationen, die es zu entdecken gilt. Oft muss man erst durch Hinweise oder eigenes Ausprobieren herausfinden, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Pflanze ich etwa eine Wiese unter einem Baum, kann es gut sein, dass sich später ein Sichlor dort niederlässt. Erst wenn das passende Habitat existiert, besteht die Chance, dass ein Pokémon einzieht. Zum Glück behalten wir dank Pokédex und Habitatdex den Überblick – beide sammeln sämtliche Informationen zu entdeckten Pokémon und Lebensräumen.
Die Tageszeit im Spiel ist dabei an die reale Uhr gekoppelt. Größere Bauprojekte benötigen echte Zeit – manchmal sogar über Nacht. Unzählige Dekorations-Items sorgen zusätzlich für kreative Freiheit, auch wenn das Platzieren per Controller gelegentlich fummelig ist. Glücklicherweise hilft der Maus-Modus der Switch 2 beim präzisen Positionieren.
Mit steigenden Wohlbefinden der Pokémon wächst auch das Level unserer Region. Den Status prüfen wir am PC neben dem anfangs kaputten Pokémon-Center. Dort warten auch tägliche Herausforderungen, die Münzen einbringen. Mit jedem Levelaufstieg schalten wir neue Werkbank-Anleitungen und Shop-Items frei. Man muss also nicht alles selbst craften, sondern kann Daily Quests farmen und sich bequem im Laden mit frischer Deko eindecken. Das Ganze erinnert natürlich sehr an das Meilen-System aus Animal Crossing: New Horizons. Langweilig wird es hier eigentlich nie – es gibt immer etwas zu tun.
Für Sammelwütige bietet das Spiel ebenfalls reichlich Futter. Neben den unzähligen Pokémon warten verschiedenste Collectibles wie Artefakte oder Fossilien darauf, entdeckt zu werden. Herrscht einmal Materialflaute, hilft ein Ausflug mit Driftlon auf sogenannte Wunderinseln, wo wir alles einsacken dürfen, was nicht niet- und nagelfest ist. Alternativ kochen wir uns Gerichte, die unsere Fähigkeiten temporär verbessern. Und wer seine Kreativität nicht nur beim Bauen ausleben möchte, findet im umfangreichen Fotomodus zahlreiche Möglichkeiten, das eigene Pokémon-Paradies perfekt in Szene zu setzen.
Zwischen Nostalgie und Nebelschwaden
Optisch präsentiert sich Pokémon Pokopia stimmig bis solide. Manchmal wirkt das Gezeigte etwas flach und detailarm, ein Grafik-Wunder ist das Spiel definitiv nicht. Trotzdem fügt sich alles zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen. Besonders die Animationen der Pokémon und unserer Spielfigur können sich sehen lassen und verleihen der Welt spürbar Leben.
Technisch läuft das Ganze erfreulich rund: Auf der Nintendo Switch 2 werden konstante 60 FPS geboten – ohne nennenswerte Einbrüche. Das sorgt sowohl am Fernseher als auch im Handheld-Modus für ein angenehm flüssiges Spielgefühl. Einzig der relativ früh einsetzende Nebel auf größere Distanz trübt die Weitsicht etwas, ist aber verschmerzbar.
Bugs oder größere Fehler sind mir während der Testzeit nicht begegnet. Trotz der vielen Gestaltungsmöglichkeiten, Anpassungen und Systeme wirkt das Spiel überraschend stabil und sauber umgesetzt.
Ein echtes Highlight ist der Sound bzw. die Musik. Zahlreiche kleine Anspielungen auf frühere Pokémon-Titel – vom typischen Pokémon-Center-Jingle bis hin zu nostalgisch angehauchten Musikstücken – sorgen für wohlige Erinnerungen. Gleichzeitig überzeugen auch neue Kompositionen mit ruhiger, gemächlicher Atmosphäre, die perfekt zum Cozy-Charakter des Spiels passt. Hier trifft Nostalgie auf frische Leichtigkeit – und das funktioniert hervorragend.
Ein Spiel für Monate, nicht für Tage
Wer sich strikt an die Haupthandlung hält, dürfte nach etwa 30 bis 40 Stunden den Abspann sehen. Realistisch betrachtet wird das aber auf die wenigsten zutreffen, denn Pokémon Pokopia ist klar darauf ausgelegt, über viele, viele Stunden zu fesseln. Und das fühlt sich nie wie stumpfer Grind an – im Gegenteil: Es motiviert ungemein, die eigene Pokémon-Welt wachsen und gedeihen zu sehen. Für das perfekte, persönliche Pokémon-Paradies können problemlos mehrere hundert Stunden ins Land ziehen. Umfang ist hier definitiv kein Problem.
Pokopia schreibt sich das Wort „Cozy“ groß auf die Fahne – und trifft den Nagel damit auf den Kopf. Große Hürden oder ernsthafte Herausforderungen sucht man vergeblich, braucht es aber auch nicht. Nach einem langen Arbeits- oder Schultag einfach abschalten, ein paar Habitate bauen und Pokémon glücklich machen – genau dafür eignet sich das Spiel hervorragend.
Die Mehrspieler-Möglichkeiten
Besitzer eines „Nintendo Switch Online“-Abos dürfen sich zudem über einen Online-Koop für bis zu vier Personen freuen. Man besucht die Insel eines Hosts, baut gemeinsam, sammelt und gestaltet. Besonders spannend: Ähnlich wie in Minecraft entsteht eine Art Server-Struktur, an der alle weiterarbeiten können, selbst wenn der Host nicht online ist. Zu Beginn trägt die Region noch den Namen „Neulandia“ – eine flache, offene Fläche mit viel Raum zum Austoben und Experimentieren.
Bei aller Begeisterung muss jedoch das Donphan im Raum angesprochen werden. Die physische Version erscheint lediglich als „Game Key Card“. In der Box steckt zwar ein Modul für die Nintendo Switch 2, darauf befinden sich jedoch keinerlei Spieldaten. Stattdessen dient die Cartridge lediglich dazu, den Download der digitalen Version auszulösen.
Wer also Wert auf eine echte physische Sammlung legt, sollte das unbedingt bedenken – gerade angesichts des Vollpreises von 70 Euro. Besonders für Sammler ist das sehr schade und ehrlich gesagt kaum zu entschuldigen, zumal das Spiel mit rund 6 GB problemlos auf eine normale Game Card gepasst hätte.
Ein Sog, dem man sich schwer entziehen kann
Pokémon Pokopia hat mich schlichtweg nicht mehr losgelassen. Ständig warten neue Aufgaben, neue Pokémon, neue Habitate – das klingt zunächst nach Überforderung, fühlt sich im Spiel aber ganz anders an. Nichts wird einem aufgezwungen, man erledigt alles im eigenen Tempo. Und genau das macht den Reiz aus.
Das stetige Entdecken neuer Pokémon, das Tüfteln an ihren Lebensräumen, das Freischalten frischer Fähigkeiten und die schrittweise Erschließung der eigenen kleinen Pokémon-Welt greifen perfekt ineinander. Es entsteht ein Gameplay-Loop, der unglaublich motiviert und fast schon hypnotisch wirkt. Man möchte „nur noch schnell“ ein Habitat ausprobieren – und plötzlich sind wieder Stunden vergangen.
Trotz klar erkennbarer Vorbilder schafft Pokopia etwas Eigenes. Es ist cozy, es ist umfangreich und es belohnt Neugier und Kreativität. Wer Freude daran hat, eine Welt wachsen zu sehen und sich in Details zu verlieren, findet hier eines der fesselndsten Pokémon-Erlebnisse der letzten Jahre.
Story
Gameplay
Grafik
Sound
Sonstiges
Bildmaterial: Pokémon Pokopia, The Pokémon Company, Nintendo, Game Freak, Koei Tecmo

Danke für den Test. Werde das Spiel mal auf meine Liste packen die ich mir im Sale für meine Switch 2 hole. Ich hatte ja schon lange kein Farm Game mehr was mich richtig mitgenommen hat. Vielleicht wird es ja dieses Spiel werden was mich wieder mitnimmt.
Hab mal kurt auf Metacritic geschaut und geht ja gut ab da.
oh ja, auch gerade mal geschaut. 96 % positiv, derzeit Metacritic von 89.
Lag auf MC glaube ich auch kurz bei ner 90. Die Testwertungen decken sich auch mit dem, was man hier so im Review liest. Dass das Spiel trotz der Inspirationen und offensichtlichen Bezüge zu Dragon Quest Builders dann auch was eigenständiges ist. IGN gab ne 9 und sogar 4Players ist mit ner 90 am Start. Lediglich GamePro, wie so häufig, kritischer aber auch noch mit ner 8.
Bin gespannt, wie es sich verkaufstechnisch machen wird. Wenn sich das rumspricht hat man hier praktisch bei der Beliebtheit des Genres einen System-Seller.
Bin einigermaßen gehyped von den vielen starken Reviews. Und habe mich jetzt zwischen GKC und digital tatsächlich für digital entschieden. Weil Pokopia ein Spiel ist, dass man wahrscheinlich lange und immer mal zwischendurch spielt. Kein Cartridge-Wechsel somit. Und ich habe die digitale Version im Nintendo Store noch fix vorbestellt, weil es dafür auch nen physischen Bonus gibt. Klingt alles falsch für mich, aber sehe keinen Vorteil in der GKC (außer Wiederverkauf natürlich - entfällt für mich).