Das von uns häufig als „Anime-GTA“ bezeichnete Neverness to Everness (NTE) wurde vor zwei Jahren vorgestellt und steht seit der ersten Minute in Konkurrenz mit anderen starken Spielen in virtuellen Großstädten, welche ein ähnliches Konzept verfolgen – namentlich Ananta und GTA VI. Von den genannten wurden NTE in der Community die geringsten Erfolgschancen zugesprochen.
Das Entwicklerstudio, Hotta Studios, steht wegen der F2P-Monetarisierung von Tower of Fantasy in der Kritik, während Ananta bereits ankündigte, auf Charakter-Gacha zu verzichten und GTA VI ein gewohntes Vollpreisspiel mit DLCs wird. Dazu sah NTE anfänglich nicht besonders gut aus, die Charaktere wirkten ebenfalls generisch und austauschbar.
Das Studio hat sich die Kritik jedoch zu Herzen genommen und vieles verbessert. Durch die wiederholten Verschiebungen der Konkurrenz ist NTE jetzt auch das Spiel, das die „GTA Gaming-Season“ eröffnet. So viel vorab: Selten hat uns ein Spiel so in seine Welt eingesaugt wie NTE. Wir haben die letzte Beta ausgiebig gespielt und schildern euch nachfolgend unsere Eindrücke.
Das Intro setzt den Ton
Das Tutorial stürzt euch direkt in eine große Schlacht, in der eine riesige Anomalie außer Kontrolle geraten ist und die imaginäre chinesische Großstadt Hetherau zu übernehmen droht. Anomalien sind in NTE omnipräsent – an allen Orten entstehen sie, kreieren Monster im „Gravity Rush“-Stil, verursachen Raum-Zeit-Verschiebungen und verleihen Menschen, Tieren und Objekten übernatürliche Kräfte.
Die Story-Sequenzen werden aufwändig und beeindruckend präsentiert. Neben den grafisch hübschen 3D-Sequenzen gibt es aber auch immer wieder handgezeichnete 2D-Overlays oder gar komplett handgezeichnete Szenen, welche dem Spiel einen eigenen Charakter geben.
Als Anomalie-JägerIn eines Antiquitätenladens seid ihr dafür verantwortlich, diese Anomalien zu bewerten und bei Bedarf auch zu bekämpfen. Dabei stoßt ihr immer wieder auf übernatürliches, das den Alltag ins Chaos stürzt. Eine Anomalie schrumpft euch, weshalb euch ein schlecht sehender Otter für Ungeziefer hält und euch töten möchte.
Andere Male bekommt ihr es mit einer mysteriösen Knete zu tun, ein wildgewordener Getränkeautomat attackiert plötzlich oder eine besessene Retro-Kamera verursacht Chaos. Manchmal gibt es einen Hinweis zu weiteren Anomalien aufs Smartphone – wie zum Beispiel Anomalie-Portale in der Stadt, die in euren Verantwortungsbereich fallen und nach der Mission ordentlich Geld abwerfen.
Eine Großstadt voller Überraschungen
Nach wenigen Stunden Spielzeit bekommt ihr bereits einen Roller, mit dem ihr gemütlich die Großstadt erkunden könnt – mit ein bisschen „Chaotic Evil“-Energie auch die Fußwege, Schienen, Treppen und Unterführungen. Ehrlich gesagt trifft „erkunden“ nicht wirklich den Kern – Hetherau erschlägt euch fast schon mit den unzähligen Möglichkeiten in der virtuellen Großstadt.
Wie in Breath of the Wild gibt es überall mehr oder weniger versteckte Überraschungen, wie in GTA immer wieder spontane Auseinandersetzungen, Minispiele und unverhoffte Reichtümer und wie in Persona überall Portale, die euch in einen Mini-Dungeon oder eine Parallelrealität mit psychologischen Horror-Elementen führen.
Typisch für Gacha-RPGs sind auch die unzähligen Nebenmissionen, welche immer wieder erweitert werden. Am Anfang sind sicherlich die Jobs als Lieferfahrer oder Manager der eigenen Restaurantkette die interessantesten, um abseits der Missionen Geld zu verdienen. Später kommen dann die „Hetherau Hobbys“ dazu, von einem Tetris-Klon in der virtuellen Arcade über Angeln bis hin zu einer Runde Mahjongg. Dazu ist die Stadt lebendig und bietet auch ein funktionierendes S- und U-Bahn-System.
Mit dem verdienten Geld geht es dann Shoppen in der Metropole – von statusverstärkenden Nahrungsmitteln, Gacha-Figuren und Plüschtieren aus dem Greifautomaten über neue Kleidung, teure Autos und einem eigenen Penthouse hoch über der Stadt gibt es alles, was das Herz begehrt.
Für uns war das Highlight der Beta neben der fertig eingerichteten Wohnung inklusive MitbewohnerIn ein umlackierter, getunter Retro-Kleinwagen, das pfeilschnelle Motorrad der virtuellen Luxusmarke Regalia in der Ego-Perspektive und eine ganze Reihe an überdachten Getränke- und Lebensmittelautomaten weit abseits der Stadt, die uns auch im virtuellen Leben einfach mal abschalten und Energie auftanken ließen. Aber leuchtet da nachts in der Ferne etwas rot? Es sieht aus wie ein Anomalie-Portal, und es führt zu einer geheimen U-Bahn mit einer sprechenden Eule …
Level up! Level up! Level up! Level up!
NTE zog uns in den Bann wie nur wenige Spiele zuvor, was vor allem am Umfang der Spielwelt, deren Präsentation und der unglaublichen Menge der Tätigkeiten liegt, die nie Langeweile aufkommen lassen. Dazu kommt, dass die Hotta Studios die Karotte perfektioniert haben, die uns immer wieder vor die Nase gehalten wird.
Müde von der Story? Wie wäre es mit einer Runde Tetris! Oder doch lieber ein Autorennen? Vielleicht ist das alles zu anstrengend, du kannst auch einfach aufs Motorrad steigen und durch die Gegend fahren, oder mit dem Zug ein mal quer durch die Stadt zum nächsten Möbelladen, um die Wohnung einzurichten? Manch einer sieht auch lieber aufs Handy und kommt so an neue Nebenmissionen wie Kuchen backen, einen besonderen Roller kaufen, oder einen Freund aus einer schwierigen Situation befreien.
Besonders perfide: Das alles ist mit einem Level-System ausgestattet, das den Fortschritt trackt. Bestimmend ist das Gutachter-Level, das den Fortschritt an der Story zeigt und an den auch das maximale Level der Figuren geknüpft ist. Dazu kommen das Tycoon-Level, das neue Business- und Shopping-Möglichkeiten in der Stadt eröffnet.
Das Verwaltungslevel lässt euch neue Cafés eröffnen, dazu gibt es das Erkundungslevel, das Kopfgeldlevel, das Charakterlevel, das Bindungslevel, das Waffenlevel, das Arkus-Level, das Konsolen-Modul-Level, einen Skilltree und einiges mehr. Hier wird uns dann auch ganz schnell bewusst, wie das F2P-Spiel refinanziert werden wird. Das Charakter-Gacha wird nur eine der vielen Möglichkeiten sein, Echtgeld für das Spiel auszugeben.
Und wenn es mal keine Level gibt? Ein Reiseprotokoll hält euren Stadterkundungsfortschritt fest, die Hetherau Hobbys haben eigene Erfolge sowohl in-Game als auch in Steam (Yakuza-Fans haben bereits jetzt eine Hassliebe zum Mahjongg-Erfolg in NTE), dazu gibt es noch Sticker, Ausrüstungsgegenstände und natürlich Shopping- und Optimierungsmöglichkeiten an jeder Ecke.
Viel Lob, aber auch Kritik an der Performance
Ein Großteil des Spiels ist bereits fertiggestellt und vergleichsweise (wir befinden uns immerhin noch in der Beta) fehlerarm. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber der Gamescom-Demo letztes Jahr, in der ein umgefahrener Poller unser Auto übernahm und die Physik-Engine verrückt spielen ließ.
Die wichtigsten Charaktere mit ihren Anomalien waren ebenfalls anspielbar und ließen uns einen Teil der Stadt erkunden. So toll die Grafik inklusive einfacher Raytracing-Effekte auch ist: Das Spiel hat noch großen Optimierungsbedarf, und davon nicht zu wenig. Normalerweise ist eine Anmerkung zur Performance bei einer Beta unpassend. Jedoch wird es für die Hotta Studios bei einer möglichen Veröffentlichung am 15. Mai eine echte Herausforderung, diese unzähligen technischen Herausforderungen zu meistern.
Achtung, dieses Spiel macht süchtig!
Achtung, dieses Spiel macht süchtig! Meist ist diese Aussage positiv konnotiert, bei einem Free-to-play-Titel mit Gacha-Monetarisierung wie NTE kann diese Sucht aber auch gegen den Spieler oder die Spielerin angewendet werden.Wer sich dessen bewusst ist, bekommt hier verdammt viel geboten: Die lebendige Großstadt mit unzähligen Möglichkeiten und Geheimnissen lädt dazu ein, erkundet zu werden. Die Detektiv-Story rund um die Anomalien, die übernatürliche Kräfte verleihen, wird wundervoll präsentiert und zieht euch immer wieder in geheimnisvolle Paralleluniversen, in denen Physik, Raum, Zeit und Objekte verrückt spielen.
Weitere Highlights waren für uns aber auch das Einrichten der eigenen Wohnung inklusive MitbewohnerIn sowie die Fahrzeuge, die von Retro-Kleinwagen bis Luxus-Sportschlitten und Rennrädern einiges bieten. Aber auch die Großstadt selbst mit ihren unzähligen Shopping-Möglichkeiten und die vielen Nebenmissionen und Minispiele wissen zu begeistern. Wir können es jedenfalls kaum noch abwarten – und ein Teil unserer Redaktion hat sich bereits für die Open-Beta des Spiels vorregistriert.
Bildmaterial: Neverness to Everness, Perfect World Games, Hotta Studio

Vieles klingt jetzt schon ziemlich vielversprechend. Trotzdem möchte ich bald noch einmal selbst Hand anlegen und sehen, wie alles ineinandergreift.
Ein „Anime-GTA“ wünsche ich mir schon seit Längerem – und nun kommt das Ganze doch schneller als gedacht. Ich bin außerdem gespannt, wie aufdringlich man später in den In-Game-Shop geleitet wird und was bei einer F2P-Spielweise möglich ist, ohne in einen nervigen Grind zu geraten.
Spätestens zur Open Beta sehen wir uns dann aber wieder in Hetherau.
Habe ebenfalls knapp 40 std in die Beta versengt und es war ehrlich gesagt extrem erfrischend nach Genshin,HSR,WuWa und Endfield nen Protagonisten zu haben der nicht mit Gedächtnisverlust irgendwo aufwacht denn der Trope ist gerade im Gacha Bereich mittlerweile extrem ausgelutscht.
Den Artstyle fand ich ebenfalls extrem gelungen. Die Anomalien mit ihrem creepy Vibe hatten teilweise schon etwas Silent Hill haftiges. Und die komplett anderen Szenerien erinnerten stellenweise auch an die Persona Dungeons.
Abgesehen von der Spielerei mit dem Fahrzeug (wo die Fahrphysik leider echt nicht das gelbe vom Ei war) handelt es sich hier aber um nen typisches Open World Gacha mit 1:1 den gleichen Nebenaufgaben wie es schon andere Vertreter des Genres haben und eben die typische Beschäftigungstherapie darstellen.
Das Kampfsystem reißt es leider auch nicht raus weil es literally 1:1 dem Wuwa System entspricht. Ist jetzt nicht schlecht aber eben bereits bekannt.
Das Gacha wurde nett präsentiert und dürfte von den Raten wirklich das fairste sein was aktuell auf dem Markt ist. Kein 50:50 zu haven ist zwar großartig aber im Grunde steht und fällt ein Gacha auch damit wie der Pull Income ausschaut. Wenn ich 90 Pulls für nen garantierten Charakter brauche dann klingt es auf dem Papier zwar nice aber wenn es pro Patch am Ende nur 45 Pulls zum erspielen gibt ist man trotzdem genauso wie andere Vertreter die zwar nen 50:50 System haben aber deutluch großzügiger sind was die Pullausschüttung angeht.
Overall bin ich soweit ganz angetan auch weil mir die Charaktäre bisher echt zusagen. Bauchschmerzen habe ich aber trotzdem gerade wegen dem Entwickler und Tower of Fantasy. Zum Release werde ich aber definitiv mal reinschauen und 1.0&1.1 mitnehmen und dann entscheiden ob ich weiterspiele oder nicht.